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Jüdische Volksstimme · 1901-10-15 · 18 (15.10.1901) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
II (1901-1902)
Issue
18 (15.10.1901)
Date
1901-10-15
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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II. Jahrgang. 'Z-lrünn, 15. 6)ctober 19,0t. 3־Tr. 18. 8fiHS«Kff'ic: <;.:• •* Utigav« J!:.--- ז; - K ׳"•'־ J“״״;i K v! 0k1- .1יי.ן•;״׳' Än-land. י balbiab. ־;■ - K - 50, י>‘ Knie! "..:»nmr’r 16 h. fl L , Jüdische Centralorgcm der jüdischen Arbeiter und L^andelsangsftellten. LlircnVachc jedes Minken ik es. den Schekel rn berahlrn. Kedaction und .Administration .Hiaiumiiti 11. Tie ..jüdische VolkstimmetriAtmt . auf 1.־ und 15. fine* reden Monates. Inserate werden billigst bereAnei. lUahlrn in Völimen und die Juden, j tionat potitifct>ec Zustände, m vor «urz-m »״ ׳ ן der nationale Bcsitznand in den Ländern der böh lh 1rntrn1tunfl*fcfj«i, btr brci Viertel Israel! »lischest Krone nicht geklärt. Ein, großer ThcU de« l>!•JUtc. als Nordnu seine Ansicht über bcn.SSer't' bcutfrfjcn und czcchischc» Polles staub, national il> ' ." ‘ :ebt, '״׳־''־ Judcu gcwShrleistctcn politischen Rechte diiicrest, ׳!!.-lene, dröhnt uns noch in den Shrcn, und ch chaiionial-volinschc .Stampf war ,:11 2n,1cn taucht, deutlicher denn je. das Bill/ zweier! Völker, sondern, nur dri - /svlht’it nuf die ned in Kaniliseannkitnr umhäiig und iheilnalimslos abseits. Der war nicht der Kamps , . . ., . brr zweier, aus vcr /Helden aus, die sich in Kanipscsposilur Ivarjen, schiedcnen Gründen imercisienen bürgerlichen Fraef 1:1 edler Wuih entbrannt, die mit saueren, tioncn. Ja« erklärt den widernatürlichen Umstand.' Piste und kheuereni Blute erkauften politischen dass die politisch »iinder indolenten Juden, als un- Rente der Indens zu vcrthcidigen, Tenn wir de beruscncr Triller, den AnSichlag neben und aus n,!e/n uns hier in tcsterreich in ciner Zeit, welche die; das, oft na uz unnatürliche :luiult'nt bestimmend f in. l\nf.!׳!elegenheit abgibt, den ,Weil" des vornehin , wirkest konnten, 50 allein tu z, B, die Thalsache tickstien dieser :liechte, des Wahlrechtes, durch zweck -dienliche Ausübung zu erhärten, Tic schönen Rechte und den Juden trotz des bösen Nardau, höckmwahr oirkcst k zu erklären, dass Genieindeli, mit, slavischcn Majörilütcn --oder mindestens enojinen slavischcn Minoriläteii rein deutsche Vertretungen besitzen und um >.l ,:1!,1ch dank der ״Bloch'schcn Wochenschrift" und , gekehrs, Aiil der Ausübunn ibrer- ,kostbaren" poli- - ,er .lscntralornane für die Interessen der Jsrac - tischen! Rechte unterstützten die Juden nur die Aus- Unangetastet verblieben, aber von einer zweck i rechterhaltung eines widerrechtlichen Zustandes, TaS en Ausnützung ist nichts,zu?erspüren. In stolze!״Zünglein" war in Wirllichkcit nur die elende Ter Ein- V. : ,n'iinden LandtagSwahlen statt; in lisöhmcn! Handhabe für nationale Recdisverdrehung. T E'-ie-:' sich eine relativ zahlreiche, gut situierte,>iluss Mar -unmoralischen EharaklcrS und u:: Tiiniinrcchl wolilversehenc und politisch ziemlich wie aus die Vc'rbältnisse im allgemeinen, a muiste, auch aus die?lürübendcn eorruiupicrcnd wirken, Ter Tank in nicht ausgeblicben, .Heute aber iil'dic Sachlage radical geändert, Tas. nationale Interesse ist allerorte» jenlsachi. Wer-Ezechc oder Teuischcr in, zögen nicht für seine Ration, cinzulrclcn, Ter nationale Besitzstand hat dadurch innerhalb weniger Jahre jcharilluizogcne Grenzen erhallen, iit leicht zu'überblicken: Teulsche und slavischc Bezirke erhalten die ihnen igebürende» nationalen Vertreter, Tic beiden Rariosten entscheiden und nicht «ehr die Juden, Tic׳ Völker weisen ihre gewichtigen Stimmen in die Wagschalen, das armsclige .Zünglkin" mag sich nach dieser oder jener Seile krummen, ack wirklichen Ergebjiir wird nichts geändert, Tie jüdischen Assimilan! en haben in Böhmen und Mähren ihre schällriprutzg nur de», Bestehen ungereifter na | bifle h׳ ftpciicf)^, ^■olle at* ״Wahlmachcr" sait gänzlich g-.-ckuiie Judcnschast, und in diesem selben Böhmen ver!, die von den Juden cisrigit vcrthcidiglc. d>-!;ibctalc Partei, die einzige oiiicicll nicht an :«-.:.:::i'ckie, ein Mandat nach dem andern, Tie, jü d!>-b-i> Wähler, die doch sonst das stolz und oft c!::-::- ״Zünglein an der Wage" bildeten, sind et-!1, ״, den Hintergrund getreten. fhrTfrüher ent s.ü - lute Rolle j hat ,den erborgten, bedeutenden ' Charakter csingcbijßt, ihre Haltlosigkeit und Richtig- -,rin - klar zutage, Zur den kühlen Beobachter dies freilich nur har Eintreffen eines längst a-: -irzele» und? Unvermeidlichen. Ter mächtige a!,- .-s, den bisher die jüdischen Sliinmen-aus den der 'Wahlen übten, basierte eben nicht aus -,-!ichen 'Mach! verhält nisten, sondern verdankt! JeuMelon. t>rr polnisch-jüdischc Kaufmann. Bon Rosa Pomeranz. nau iir.,•:: nui V-l; ü. \x',L ,'1 Pershncnzug Leipzig—Hamburg bewegt nächtlichen Tunkcl einer kleinen Zwischenzu, ״Tic I, Elaste" schläft bequem hinge- ,!ns den Samiuelpolstcrn der elegant-n, br.ilen auch ״die II; (!lasse" duselt sanft, wen» auch s Siossbczügen, In ״der Ilk," ist's ein bischen u da, sitzt mancher, der — iveiß Go 11 der und bequemer fahren sollte, ״Am Ende man doch an," tröstet sich jeder, wenn ihn - - die Knochen schmcrzen, -.in ungen,üihlichiten sieht es in der vierten W-l-^ ״:küsse aus. Der bei ,Hellem Tageslichte nur dvc!!-1 ungenügend durch, niedrige Fenstcrössnungcn erd,״״ üiai»», macht bei Nachtfahrten einen geradezu Uo!1, i, Eindruck, Tie Passagiere, zumeist Marktlair,, oder. Gemüse- und Obsthändler, hocken aus den -, --!gebrachten Körben, Butten und Päquctcn, den!!ucken an die Wand gelehnt; trotzdem schnarcht >>u:-. t _1mt einet Kraft und Ausdauer, die ihn dem -:! Schlaflosigkeit leidenden Theilc der Mensch lbsi ־ .:ist Gegenstände des Neides machen könnte, in׳ ,er, d. h, ohne Gepäck Reisenden drücken Ua! ü.hend in -ic Winkel des schwach beleuchteten 7-e!!!s und warten geduldig, bis ein gemüthlichcr li ck-!,- er ZtrumpfhLndler beim Erwachen aus Mitleid >unen Korb ״für ein Weilchen" zum Ausruhen -lcher ״stehenden Fußes" :Reisenden gibt cs m U1:-.u-1u Wagen zivei. Und zwar ist der Äcltere, anu unäüc ausgcspiclt, Tas Machiverbälinis beider Nationen sindct heute im Ausfall der Wahlen seinen unvcrhülllcu Ausdruck, weil die Nationen als solche wählen. Tie Wahlen besitzen nur mehr in der Bezichuug den Charakter hartnäckigen Kampfes, als cs sich um den Lrreit der innerhalb der Nationen sellüt bc'tehcndcn Fractionen,handelt, Und da wiegten sich die jüdischen - Asiimilanten einige ZOr in dem Kalme, wenigstens hier den Ausschlag geben zu können uid arbeiteten jür die ״liberalen" Pckrtcicn, deren Principien dem heutige« Willen der eigentlichen Nation ztiwiderlausen, bis sic endlich cinscbcn mussten, dass der natürliche Laus der Tinge aus die Tauer nicht zu hcinmen ist, Tic sogenannte ״sortschritckichc" Partei-- Hai eile völlige. Niederlage erlebt, und nur einige Plätzchen hat sie sich, freilich unter Preisgabe vieler ihrer ״sortschritllich'icn" Posfulaic. erhalten,-. Und die Juden stehen da mit ihren schönest politischen Rechten und glicht minder schönen gciniichlcn Ge fühlen. Wie richtig doch die Ansicht jener Wabrhcitsliebenden iit, die die Richtigkeit dicior Rechte zu betonen wagten, wcrdcü die böhmischen,Juden vielleicht'einzuschen begingen. Es, musste so kommeizt^ür eine tbatsächliiM machtlose, völlig unconeeniricrteZMinoriiäl, wie cs die Juden sind, bedeuten Papier alle politische Rechte. ' keine Segnung, insbesondere das heißgeliebte Wahl recht, Ter Einiluss, der zuiolge solcher Rechte ausgeübte wird, kann'nur unter widerrechtlichen Zuiiändcn ausschlaggebend sein undist daher an sick, widerrechtlich, unmoralisch. Er bewirkt ntir, dais zuzeiten der Klärung sich das selbstbewu'sic Voll mit doppelter Wulh. gegen jene kebri, denen die Vcrwirrung ehemals einen ungebührlichen Einiluss ,auszijübcn gestattete, Tie Ausübung der meisten innerpolitischeg Rechte, insbesondere des Kalilrcchtcs. heißt für die Judenein müßiges und gefährliches Spiel treiben, vvn dem nur Kurzsichtige oder bcrechnende Streber Erfolg' versprechen können, R. S׳. chci ncnd in de» Vierzigern, ejn Gugensland stiller, tuszeietzter Beobachtung seitens des Jüngeren״ dessen Ausmerksqmkeil er während der ganzen Fahrt wachcsthält. Iir cs das gebeugt?: ftühzeitig ergraute Haupt mit den lebensmüden Gcsichlszügcn, Jött_ in sich ,, saniuieugctuiikeue Gestalt, oder die seltsam tiefen,! in deutschen Landen ungewohnten!Seufzer, die vlsti Zeit zu Zeit der Brust des Maun.es cnisteigen und wie elektrische Ströme mit gchciinnisvoller -tiKift den Nebenstehenden frgrcisen und erschülietn. Was von all' dem ist es, das den Jüngern fesselt und nebst Mitgefühl auch 'Neugierde in ihm criveckl'? — Er wirn einen ilüchtigen Blick auf die schlafenden Reisegefährten und die Hand dem schweigsamen Fremden enigegcnstreckend, fragt er lsiit:, ״Ihr seid «"י-'..,״ ״Jude" ergänzte überrascht ,und -scheu der so plötzlich Angercdctc. Ein Seufzer folgte, diesem Worte, ״Alsoein Glaubensgenosse" sagt er,den Fzager erst jetzt mit Interesse betrachtend. Ter ^iiugerel-istckk sluuuu; ' - Ihr sehet nicht darnach aus/ meint jeder zaghaft, ungewiss, ob der Andere die- Acußerung gut oder übel ausnehmen werde, ״Leider muss ich sagen, dass dies gut für mich iit “ lautet die Entgegnung, ״dcun sobald die biederen -Teutsch-n, besonders die gestrengen Herren Markt Meister den Jkhllda erkennen, wird ihm das bischen Leben auch nicht so gar leicht gemacht, M) bin als kleiner Junge im-Jahre mit me.uen Ellern yergclouimen, — wir sind russische Juden"! fugte er niil düsterer Miene erläuternd,hinzu. ״Aha," Ter Aelierc schüttelt verständnisvoll sein Haupt undnach einer Weile mit unsagbarer Bitternis in Ton und Gebcrde sugi er mehr zu >,!,׳ selbst hinzu: ״Ihr wurde! sorlgcjagi. andere müssen sich selber verbannen," - ״Ihr kommt aus Polen'?" frag: der ruiw-! .- Jude, ״Aus Galizien, ja , ״Ihr seid Geschäftsmann r" ״Ach ja, Gcschäsisu^ann." — Ter volüische Jude scheiur.roeder erstaunt noch belästigt von diest-m Verhör. Es iit clNo alte Gewohnheit seines Siaiumes. die nicht müßige Neugierde, souderü ׳einiges Milgcjühl geschaiicn. Ter Zug hält jetzt aus einer kleinen Sl-r!ion.^ Mancher steig! aus, aüdcre, unter der Laü schwerer' Körbe keuchend, stestzen ein. Nach.kurzem Äuscntlialte wird die Fabrl fortgesetzt. ^Salzen Sie,mal," nimmt. der jnnge russische Jude die lluteuhalimig mit dem Acltercn wieder aui, ״als Geschäftsmann müssen Sic - ja etwas davon wissen - m das. was man io oft und eiit,-neulich wieKr in spalienlar-zph Artikeln in den Zeitungen über polnisch stiLische Bankerotteure liest, auch wirklich wahr'e" Bei diesen Worten zuckt der Gefragte unuierklich zusammen, dennoch erwidert er sckieinbar ,steichgiltig. nur mit leise vibrierender Stimme; ״Und I was lieSi man denk darüber in den Zeitungen; ״Ach Gon, die schrecklich'ien Tinge, falsche Crida, Verheimlichung des Vermögens, Emziebuiig der Warcnvorräthe dem Eone:1rsb.i:ande und Slin licheS. Sie können ״säum ahnen," iälir: der jung, Mensch iuhuer cif!i>Mr' fort, ״welch sc^lechteu Eln druck Lar überhant'l uickch!.- und wie, st.;-,:,:::: -die, > Folgen-davon, für uns alle sind —astck> - -i.;>׳ j Galiziens"... - > t_

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