Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- II (1901-1902)
- Issue
- 16 (15.9.1901)
- Date
- 1901-09-15
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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XI. Jahrgang. Wrünn, 15. September 1901. 'Ar. 10. v,zugsV"ü-: ftt Cxütv.txi> Ungarn Icftiftric - K - ^0. ßvttiadn^ - jgd. Pc׳nu'>ttt-nnq; ♦ut tüö üuflcnb fraftidbrig K i 50. g«1«ad1ig K ■׳<־-■ Knzel Nnnimer V> h. fl 1 Centralorgart der jüdischen Arbeiter und bsandelLangestellteit. Z evacti»« und I -«,»iftrati»« yramma׳.fj IX. )ttilcht So(!«- me" er'ckeinl am J. und 15. - leben Monate«. rate werden billigst Pit V. irionistrn-Lvngrels. י,» Actions-Comite har den fünften Congrejs für >:.׳ ^age vom 26. bi« 29. December 1901 nach ß.rlrl mit folgender Tagesordnung ein berufen. 1. Taft (Donnerstag): .\. Bormittagssitzung, 10 Uhr: I. oroMnung des Congrcssc« durch den Präsidenten des Aclions-Comites.! . II 2!>ahl des Legitimations-Ausschusses, de« EongreisbureauS und der übrigen Ausschüsse. III. Geschäftsordnung. ׳ IV Rechenschaftsbericht des Actionr-ComitcS: tu Allgemeiner Thcil. —׳ io CassaÄricht. t li. Rachmr<tagssitzung, 4 Uhr: V O.scussion über den Rechenschaftsbericht. 2. Tag I Freitag t: .V. Bormittags sitz u n g, 10 Uhr: VI Fragen der körperlichen, geistigen und wirtichastlichen .Hebung der Juden: Gcncralrcscrent: rr. Max Nord au. -;1» Allgemeiner Theth . nt! specicllcr Thcil: 1. körperlichen Hebung. 2. der geistigen, Hebung: :>) Jüdische Geschichte, Literatur und Sprache, :>: Jüdische Kunst, c) Jüdische Wissenschaft, <1! Volksbildung und Volkserziehung 3. der wirtschaftlichen Hebung. T,e den Referaten folgende DiScussion wird an diesen,! Tage bis 3 Uhr nachmittags ohne Pause io: v:׳etz> werden. ’ 3. T.tst (Samstag): Abcndsitzung. Beginn 6 Uhr: VI! Organisation. (Referate und DiScussion.) r Jeuilketon. Nr Antheil an der anderen Welt. / Tine wahre Gesthichre von Mar Nor bau. ,Zorrfsyung.' ,.Im Cholcm?"«) fragte Rabbi Herz Hirsch- '->-ger kopfschüttelnd. .Rein, Rcb Herz, ich bin wach, ich sch' ihn, iq hör' ihn, ich spür' feinen Kewer^-Gcruch." Rabbi Hirschberger war ein vergleichsweise ouigeklärter Mann und glaultc nicht recht an Gesi'.'nsier. l »Ich hätte nicht gedacht, dass Sie ein so über-; svannter Mensch sind, Rcb Mosche," sagte er.! .,Schlagen Sie sich die Geschichte aus dem Kopf. Es war eine große Awere'), mit heiligen Dingen ein! Spiel zu treiben Aber Sic sind durch ihre Angst! genug gestraft. Morgen ist Freitag. Fasten Sie einen! Taines?) lassen Sie sich Schabbes auftufen und schnobern^) Sie für die Armen, das ist genügende T'chuwo."«) Reb Mosche hörte kopfhängend zu, war aber nur halb beruhigt. »Und was soll mit dem Schein geschehen?“ »Verbrennen Sie ihn, das ist doch Stuss?) Leinen Chelek lcolam habo kann «an vielleicht als Posche JisroelN) verlieren, aber man kann ihn nicht verkaufen." tz Traum. י) »rcb. ») Sünde •) Faftenla, •) spenden. ) Butze. tz Dumme« Zeug, tz al» »bttitnuiger «an Israel. 4. sisap iTonmagt: I. Vo r mit lag s) itz pn'g, 10 Uhr: »III. Ralionalsond. , IX. Tic jüdische Cllonialbank. 6. R achm itt ags s, tz ung, 4 Uhr: X. Bericht der ständigen Austchüssc. XI. Wahlen de«?setions-Coniites und der Com Missionen XII. Initiativanträge und Evc'ntualia. . " . , Tie Nckwcn per einzelnen Rcscrentcn werden lpätcr verkintban ir erden 1 Nr Zudrn frage in Ungarn. Wiedie sociale Frage nach dem berühmt gewordenen Ausspruch eines,österreichischen Staatsmanne«! bei Bodenba h ausbört, io endet die Judenftage an der!ungarischen Grenze jenseits der Leitha. Wo die ritterlichen . M igparen bauten» herrscht noch wahrer Liberal,smu-, der keine» Unterschied zwischen Rassen : und Consc sionen kennt Dieser Ansicht konnten! wir' dis vo kurzem in allen Assimilantrnblättern begegnen. Während in Oesterreich die oustendtn Üebcrrest: de« Liberalismus zu Grabe zetragch werden,, vc meist man mit einem SeHsAr der Erlftchktzrung au das liberale Ungarn. Während anderwärts Plündei tingcn jüdische Existenzen vcrnichtcte« oder gegen Juden gerichtete Gesetze dar benden kjuden -den etzten Bissen aus dem Munde rissen, lenkten bcrrscnc und unberufene Tröster Israels j dessen versti rten Blick nach.dem gelobten llngarl^nde, wo man vor solchen" Ueberrajchungcn iür alle Zeit gefeit sei. TG Magyaren mosaischer Eonscsjion thalcn sich ans den LibMtzismus ,ihrer" Ration nicht wenig zugute und r turden päpstlicher als der Papst. Mit Hilfe eine» 50 kr. Stempels konnte jeder Kohn sich im "Ru in ein«, .,!emenyi oder .Viarolpi vcr wandelst. Dass der Antisemitismus auch in Ungarn diesem Spiel ein E,de machen könnte, hielt man jür gatiz-unmöglich Eine jüngst stattgxsundene Er. iatzwahl, bei der, solle Spielarten antisemitischer Rib Mosche dünkte dem Rabbiner und gicng. Er versuchte, nach inner Anweisung^zu handeln Sonntag crkli rtc er seiner Frau, er müsse endlich! wieder seit cn Geschäften nachgehen. Sic nahm hicje Mitthei ung mit einem Siefen Seufzer der Erltichtcrung au. ES war hoffentlich der Beginn der Gepesung. Rieb Mosche st anntc sein Wägelchen an und fuhr weg. Aber nick t aus die Dörfer zu den Bauern, um Kühe und .Hält er zu kaufen, sondern geradewegs nach G.:. Er stelle seinen Gaul in eine Schenke ein und'gieng entsck!lossen zum jüdischen Friedhof. Auf das zaghaste v iederholte Schellen Rcb Mcksche« öffnete!sich die Thüh und der Todtcngräber erschien. »Was wollen sSie?" »Ich bin Mosche Rosenthal aus ... . Kennen Sic mich denn nichts? Ich war doch bei der Lcivaic') von Hirsch GuttmaNn hier." »Seien Sie mpchel?) Ich )habe mit der Be erdigung zu thun »habt und habe mich nicht auf den Oleins umsehcN können. Kommen Sic herein. Sind Sie wegen d,r Mazewe") hier'?" . »Rein. Ich muss mit Ihnen unter vier Augen reden." : . . . _ , _ Der Todtengrlbcr winkte seiner Frau und sie verließ mit zwei am Fußboden spielenden Kindern die einzige Stube, um in die Küche zu gehen- »!Ich habe von Ihnen einen grvtzcn Gefallen zu verlangen. Es soll Ihr Schade nicht sein. Sie Müssen mir Hirsch: Guttmanns Grab und seinen •j tBKtbijung. (*) Snilchuldigen Sie. ’) Tic reute. *) De«! Leicheustem«. Oren') ausmachfn, ich habe mit meinem Vetter »othwendig etw« in Ordnung zu bringen." Der Todtcngräber fuhr zurü k und starrte seinen Besucher ängsilich an. Reb Mvsche jagte rasch »,Lic meinen ich bin meschng, e, Sic sind sich toe Ich bin ganz bei Sinnen. E ist eine desondere Sache, die ich Ihnen liebe, nicht erklären möchte, aber ich muss mit Hirsch E uttmann reden. Seine Ruh' und .mein Leben häuten davon ab." Da Reb Mosche nichts drohend!s atz sich hatte, beruhigte sich der Todtengräbcr ein wenig unv erwiderte: »Sic verlangen Unmögliches." »Ich muss meinen Vetter sehen, sage ich Ihnen.' ich muss es um Feden Preis." Der Todtcngräber stand ailf und sagte mürrisch: »Laffcn Sze mich, in -Rphe! Ich will davon nichts wiffcn." Da fasste Reb Mosche in auSbi:cheuder Todes. angst mit beiden Händen den Arm de« sich striubenden Manne« und ries: »Mein Vetter hat mir sein Chelek leolam habo verkausk, er kommt jede Rächt zu mir und verlangt es zurück. Er wird keine Ruh' geben, bis ich ihm nicht seine Schrift zurückgegeben Hab'!" Ter Todtcngräber hotte gegen Tobte eine gewisse berufliche Geringschätzung. L glaubte nicht an "die Macht der armen hilflosen ) formen, die er in die Erde zu betten pflegte. Aber der Schein mit den jüdischen Schristzügcn. de» er ah und greisen konnte, machte ihn doch etwas behcnklich und die >) Sarg. •) Sire» sich Gesinnungsgenossen verkehren nur ii^ Localen, wo die ״Jüdische Volksstimme ''KBietfe der cn Verstummt Freiheit'. rgebliche' n Jahr- Wahlpraktikcn. — vom Blutmärt >en bi« zur Plünderung — zum Vorschein käme,. ist nun geeignet, den Glauben an die Jmmuni! Lt der Ungarn gegen den Antisemitismus einigermaßci zu erschüttern, und thatsächlich.hat diese Wahl wie nanchc andere antisemitische Erscheinung der letzten Z, st im assimila- «»rischen Blätterwaldc dierieit« unl Leitha starke Beunruhigunghervorgeru t ist plötzlich der Sang §Sn ungarisch,! die unsere Assimilanten meinen. St, tt dessen, vcrnehmen wir wieder einmal das Gez ttgr von der »Schmach de« Jahrhunderts" und I a« verg Anntscn aller guten Geister deszwc nzigsten Hunderts, de« Freisinn«, der Aufklä ung s und wie schon all die Idealst aus dem libe ale» Phrasenschätze heißen. - ' Für denjenigen, der -in der ökoi oulilhen Ent Wicklung, wenn auch nicht die allcinn e. so zumindest . cftie der wichtigsten Ursachen alle socialen Erschcinungcn erblickt, sind die Borgäi ge in Ungarn durchags nicht'überraschend. Um sic vörauä§Usehcn. genügte ein Blick aus die Geschichte des ihod^rncn Antisemitismus in Oesterreich. Auc in -Oestet^cich gab cs eine Periode, in welcher de S .Kleinbürgerthum, das auch damals schon in I c'r Politik eine Rolle spielte, für Liberalismus und G eichberechtigung schwärmte. Wie nun diese» Klein! ürgertbum ein rcactionäi-antiftmitischcs Element ourde. ist sür unsere jüdischliberalen Mumien alcrdingS 'noch heute ein Räthscl. Wir jedoch glau en diese Thatfache, mir folgendem begründen zt können: Es ist eine häusig beobachtete Erschein ing, dass bei Entstehung einer Großindustrie die z irüchgcblicbcncn Zwerqbctnebc vorübergehend partici! iere», wodurch das Kleinbürgcrthum zu Wohlstand gelaügt und sogar eine Vermehrung erfährt. T escr scheinbare Widen'pruch ist leicht zu erklären.! la«!Ausblühen einer Großindustrie bedingt die Bi» ung seiner consumtionssähigcn Arbeircrichaft. dei n vedürfnisie, zu bcfticdigcn der noch junge Cap talichnus keine Muße findet. Rachdcm nün in Oes erreith das ab solllle Regime mit seiner wirtschastlu )cn ^tagtiation auüiegt!