Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- II (1901-1902)
- Issue
- 11 (1.7.1901)
- Date
- 1901-07-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr, 11 Jüdische Boltssti»«r Äfltt 01 in. wirtschaftlicher und cultureücr Bieziehung 1 Erzichungswescn in öffentlichen Schulen) vstbcsscru. Nach cincr sehr lebhaflcn und,erregten. Dir»! cujsio», an der ». a. die Delegierten ׳Dr. Korkis,?,Schreiber, <2, Schiller, A- H. Nett, L, Reich. Merk tun, theilnahmen, wnrdc der Ay trag Dr, Brandes, eine politische Partei zu begründen abge lehnt. Dagegen wnrdc bcfchlosscy, dass wir als Zionisten in politischen ff ragen Stellung nehmen können, jedoch erst nach vorherigen, Einverständnis mit dem Landescomitc. Nachdruck wurde aus die innere jüdische Politik gelegt und hier steht im Vordergründe der Kamps gegen i>ic Korruption in der Cultusgemcindc und die Einflussnahme aus alle jüdischen Institutionen, Tr, Wahrhaftig (Krakau) entwirft das Organiiationsstatut für Galizien, ' das nach einer längeren Discufsion angenommen wurde. Auf Grund dieses Statutes wurde in Galizien ein Districtscomist mit dem Sipe in Lemberg gebildet, , Das ganze Land wird außerdem in 7 KreiScomites . ' cingethcilt, u, zw, mit dem Sitze in Krakau, Lemberg, Przcmysl, Drohobycz, Tarnopol, Stanislau und Kolomca. Jedes Krciscomitc überwacht alle Vereine feines Rayons. Im übrigen wurden die in Ctmutz ausgestellten Thesen anmnommen. Zu diesem Punkte wurde ferner bcschloffen: Tie Aetionrcomitemitglicdcr für Galizien sind eo i<>5» Mitglieder des Districtscomitcs, Man begründe eine besondere Organisation für die Wahrung der wirtschaftlichen Interessen der Juden Galiziens (Dr. Braune). Man rusc eine besondere Organisation zur Wahrung und Pflege des Erzichungswcfcns in Galizien ‘iiis Leben. Es sind, ferner zn gründen: VorschusScassen und Genossenschaften, die auf gegen- . *feitiger Leistung der Mitglieder beruhen. (L. Kassier und Genossen.) Tic Händlungsgehilfcnorganisationcn und Arbeitcrgewerkschaften find zu unterstützen. (L, Reich.) IV. Agitation (Tr Gabel Lemberg), Es wurden im Allgemeinen die' in -Llmütz ausgestellten Thesen angenommen; auf Antrag des Frl. Rosa Pomcranz (Tarnopol) wurde beschlossen dinichtjüdischeA Kreise über den Zionismus aufzukläre». ZLS^se, auch die Gründung jüdischer GesclligkeilS- und Fachvereinc anzustrebcn. , V. Presse. Uebcr die nicht zu unterschätzende Bedeutung derselben referierten D. Schreiber (Lemberg) und Martin B u b e r (Wien). 11. a. wurde beschlossen: Ten ,Wsrii<>!1", den ״Jüdischen Volkskalen, der" (Jargon) und das ״Jüdische Jahrbuch" (polnüch) erklärt man zu Parteiorgapen. Es sind Proschüren und Flugschriften unentgeltlich oder um den minimalsten Preis zu verbreiten. Ter Inhalt soll zionistisch, überhaupt jüdisch und populär-wissenschaftlich sein. 2M1knvegründe ein Jargonblatt für Galizien, Tic/eingegangenc jüdische Volksbibliothck, sei wieder' inv Leben zu rufen. Es sind wenigstens!Mal 'in, Monate Mil- »Heilungen über den Stand der zionistischen Bcwegung hcrauszugcben. ■■ Herr L. Taubes (Kolomca) referierte über die hebräische Sprache, die als eknc der mächtigsten Factoren zur Stärkung und Hebung des National» bewusstscins, gcflcgt, gefördert und verbreitet werden soll, Tic hierzu führenden Mittel sind im Olmützcr Programm enthalten. Es wurde beschlossen, eine 20,-Heller-Bibliothck , herauszugeben. Ferner wird das Erecutivcomitf bcauftragt im Einverständnis mit den jüdischen Religion;-!»hrcrn von den hiezü berufenen Behörden eine Regulierung des Religionsunterrichtes, wobei die ׳ hebräische Sprache berücksichtigt, werden soll, zu fordern, eventuell durchzuführen. Die Discufsion über den Punkt ״Die Lage der jüdischen Arbeiter in Palästina (das Referat erstattete Dr. S. Rwppaport, Lemberg) fiel wegen sehr vorgerückter Stunde weg, und die Erledigung - dieses Punktes wurde dem Districtscomitö überwiesen Hanncschcr, Brief aus Boryslaw. Nach 11 tägiger Tauer der Arbcitcrunruhen in den hiesigen Erdwachsgrnben der Aclicn-Gcsellschaft ״Boryslaw" (LSndcrbank) und der galizischen Crcditbank wurde am 18. d. M. die Arbeit wieder ausgenommen, nachdem man sich entschlossen hatte, manchen Anforderungen der Arbeiter zu entsprechen. r~ Unter den Streikenden befanden sich auch viele Juden nnd wir erlebten wieder einmal ein Beispiel jener furchtbaren Lage, aus der der jüdische Arbeiter als solcher keinen Ausweg zu finden vermag, weil: er eben Jude ist, ' , Einerseits verstanhen die jüdiichen Arbeiter, dass die schlechte Behandlung in den Gruben der Länderbank und insbesondere der galizischen Creditbank viel -Anlass zu, Unzusricdenheil gibt, weil sic Lies eben am meisten am eigenen Leibe fühlte», andererseits aber wussten sie, dass sie in der Person des technischen Tirectors Szustt ski nnd des getauften Antiscmiicnhäuptlings Ing, Moritz. Antonius Werber ״Freunde" haben, die zur Entlafsung eines Juden den kleinsten Grund für genügend erachten. Wir sahen also manche Juden in den Reihen der Streikenden, .und einen kleinen Theil > circa 10 Personen! auf der Grube, wo sie bei der Arbeit zurückblieben. — Und die Resultate beider Gruppen? Die 10 Juden, welche aus der Grube zurückdlieben. bekamen tüchtige Prügel/ der streikende Theil der Juden aber schwebt in einer ärgeren Gefahr, da sofort nach Beendigung des Streikes eine Entlaisungsprobc jüdischer Arbeiter vvrgenommen wurde, Anfangs erschwerte dies;war rin diesbezüglicher, i» die Bedingungen der Arbeiter aufgenommener Punkt, der die Wiederaufnahme sämmllichcr streikendcn Arbeiterverlangt -— was aber nach einigen Wochen mit diesen Juden׳ geschehen wird, bei denen diese Enllasiungsprodcn viel bequemer und erfolgreicher ׳ sind, das konnten natürlich die socialdemokratischen Führer nicht vorhcrschen, Die hiesigen Vorgänge sind leider selbstverständlich, geben aber dcüi jüdischen Arbeiter wiederum den Beweis dafür, dass er nicht bloß als.Arbeiter ausgebeutet, söndcrnauch a 1 SiJ u de verfolgt wird. Dabei muss noch etwas bemerkt, werden: Als man die ftrcikendc» Arbeiter mit allen mög- Ischen Mitteln zur Arbeit zwingen wollte, verösfentlichte die Bezirkshauplmannich-rst »Drohobycz) einen Erlass mit der Drohung, dass sie die Abschiebung der Streikenden als arbeitslose Landstreicher, die nicht nach Boryslaw zuständig sind. . vornch: werde. Alle gaben jetzt ihrer Entrüstung Ausdrück, die Soeialdemokraten natürlich am meisten. — Man hat vergessen, dass dieses Mittel in Boryslaw bereits einmal angewendel wurde, und zwar vor kurzer Zeit. — Am 20, April 1899 hat der Bezirkshauptmann Szitalski dem Gemeindeamte von Boryslaw und dessen. Vorsteher Herrn M, I Kornhaber denstrengsten Auftrag gegeben, ״im.Jntereffe der Arbeiter dahinzustrcbcn , , , alle nicht nach Boryslaw zuständigen Arbeiter aus der dortigen Gemeinde״;» entfernen" und, ״für die strikte Beobachtung dieses Auftrages", machte dieser Erlass den Gemeindevorsteher ״persönlich verantwörtlich". — Das Elend, welches damals hier geherrscht hat, ist jedem bekannt: ha cs sich aber ausschließlich um jüdische Arbeiter handelt, konnlc man die merkwürdige Thalsache erleben, dass hie socialdemokratischc Presse über das Elend der Arbeiter und über den Auftrag des Lander Hauptmannes vollständig schwieg. Während des Streiks ist wieder ein trauriger Fall vorgekommcn: die Erdwachsgrubc ״Victoria" hat ihren-Betrieb eingestellt und sämmtliche Arbeiter (circa 200, darunter einen nicht -q cringen Theil tro n; 3 ube n) entlassen. Die arbeitslosen Juden Boryslaws haben wieder einen Zuwachs bekommen, und wir haben einige Familien mehr, die verhungern müssen, ohne,welche Aussicht aus ausgiebige und dauernde Hilfe zu haben, — Tic Wohltäter aber, die üch seickerzcit der boryslawer Armen so sehr angenommen haben) mögen jetzt wieder diesem Elend ihre Ausmbrksamkeit schenken. Mit Almosen wird man cs nicht beseitigen können; diese Methode hat man schon vor 3 Jahren erfolglos, angewandt. Arbc ilern soll man Arbeit geben! Solche. Unterstützung wird für "sic die größte Wohlthat fein und diese erwarten wir auch von denjenigen, die die Existenz nrbcitssrcudiger jüdischer Arbeiter zu )lchcrn geneigt wären. , M, Lindenbaum. : -»der agl : 1L st n erden. ver! ei׳ 11 en ob! r u Berliner Briet. 1 Berlin, den 20 Juni 190k. Endlich haben wir auch in Berlin eine zioniftische Studentenorganisation, Der bisherige Mangel an einer solchen, gab schon auf, dem Parteitage Grund zu cincr energischen Resolution, in welcher die zionistischen Studenten Deutschlands »ufgcsordeöt wurden, sich zum Zwecke der Propagcnda zu organisieren. % ' ' ‘ _ ־ Die bisher bestehenden jüdischen Studentenörganisationen sind für die Verbreitung des Zionismus theils hinderli^^theils ungenügend. Bon jenen Vereinen abgesehen, welche nicht jüdisch, s: verjudct -sind, giht cs in Berlin nur zwei jüdische S'.udcntenvereine. Die ״Spreenio ״Verein jüdischer Studenten". Die er!: ich zu jenen Vereinen, welche die Ausbieil Zionismus behindern. Zum Beweis für Häuptling will ich nur den Namen de, nennen: ״Tendcnzvcrbindung deutscher jüdischen Glaubens." Ich glaube, das Gegen den Verein jüdischer Studenten eines ansührcn ׳ Trotzdem die Majorität ... qlieder Zionisten sind, die jüngeren Mi! g Vereine für den Zionismus gewonnen n Verein sich mit jüdischer Geschichte und beschäftigt, nimmter doch oineiell keine zum Zionismus, Er ist daher Nicht Zionismus in weiteren Kreisen zu propatgn Bald hätte ich einen Verein ve! eigentlich bisher der einzige zionistische! meine den Vereist russischer zionistischer ״Kadimah", Dieser Verein muss sich wie sagt und auch irr Anbetracht der hier scharfen klcberwachung der Ausländer der Russen/ aus die Agitation unter sein leuten beschränken Und auch hier n>S jt geringe Erfolge auf. Denn!unsere russische, genossen vergessen, sobald sie aus den Ge des heiliqen 'Russland draußen sind, di psangcncn derben , Schläge Und schwä Russland, Panslavibmus und andere dem; nützliche Ideen, So kommt cs, dais vo, Berliner russischen Studenten nur ein geri!q! Zioniflen sind. Wir benölhigen eine Srudentenor!a: die alle zionistischen Skudenten Berlin in den weitesten Kreisen, namentlich aber jüdischen Studentenschaft für unsere Id! Dieses Ziel soll die ncugcschasiene Studenftc sation verfolgen. Schon nächsten So sie Gelegenheit haben, sich zu bcthätigen Der ״Ccntralvcrcin deutscher 2!!jüdischen Glaubens"-veranstaltct eine grof)׳ Studcnienveriammlung, Was in der») rächt werden wird, ob man eine j Organisation sämmtlicher ״deutschen mosaischer Eonfessiön" gründen will. ,! jüdischen Studenten nur ihre Pflichten! von der Seuche Antisemitismus bedroh^: , Vaterland in Erinnerung gebracht und j zum Eintritt in den Eentralverciy veranlag! j sollen, weiß ich noch nicht. Jedenfalls werden wir Gelegenheit!dieser Versammlung unseren Standpunkt! treten und die Herren zu der nächstens : zu veranstaltenden Versammlung cinzulad n! Doch ich spreche hier vom ״Ce j deutscher Staatsbürger jüdischen (»taub!!zu bedenken, dass meine österreichischen G.!genossen vielleicht in der europäischen nicht soweit vorgedrungcn sind, um über reiche!?! Institution informiert zu sein. Es ist das der Verein, welcher' den - tismus aus der Welt!zu schaffen, für - nehmite ^Ausgabe hält, Geld ist. Gott genüg vorhanden, um diese Cültürau׳ Judenthums zu vollbringen und so!wacker auf die Vernichtung dieser ״L> Jahrhunderts" losgearbeilet. Da ist vor glänzende Mittel, die antisemitischen wegen Aufreizung gegen eine ״Eonfession Behörden zu denuncicrcn. ' Doch ich will dem Centralvercin thun und muss zugcben, dass er derzeit wehrthätigkeit etwas eingeschränkt hat, sicht er ein, diese Aampscsweise sei unsru er hat die traurige Erfahrung gemacht, antisemitischen Redacteurc doch immer steil werden, - Daraus schließen aber einige allzu Gesinnungsgenossen, biete Herren würden mit ^unserer Idee ernstlich beschäftigen Zionismus Rechnungtragen. Ich l Hostnung nicht theilcn, weil ich weiß, dais glicder des fraglichen Vereines -viel zu sehr bedauerlichen Missverständnis besangen si fürchten nämlich, wenn sic sich zur^ jüdische, bekennen, müssten sic die deutsche Staatsbü:! ausgcben. Und.diese ist ja ihr höchstes Gut! -!ich ganz begreiflich Wenn wir Conimcr! i andere Räche wären, wir würden uns ״goldenen" Slaatsbügcrschaft freuen. Doch noch von einem anderen jüngere > muss ich Ihnen berichten Ich meine den verein, der deutschen Juden", eine deutsch, Er will die Noth unserer osteuropäischen genossen" durch Verbreitung d ern mir) wirklich un> den re rechne img des diele Be Vereines Studenten alles!! sich nitr iner Millieber im der Literatur Stellung iguet den eren, len, der .11. Ich Studenten ein Name nden lamentlich n Landser nur Namens' narkungen dort cm men für udenthum den 770!er Theil nnalion. unnais!, unter der agitier!,׳ nokganinfttag wird fei: 1 tgatsbiirger jüdische vorqc, illgemeine Studenten ob den ,egen das deutsche ne selbst l werden haben, in zu vervon uns ן ■"ך n:ralverein ■1:8“, ohne innungSur noch c fegen»- Erst: di! s, Antiiemi eine vorsei Dank, lsts denn d ande des qllem da; seitungen bei den f! :abe wird denn — . Unrecht -eine Ab Vielleich, chtdar oder da!s die c ciprochen iqcalistische sich nun ind dem diese die Mitin eine», sistd, S:e Nation gerichafi Schließen- und unserer. ka in aste > Verein ״H:lfs. lllianz",' G laubenr- 1 l s ch e r