Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- II (1901-1902)
- Issue
- 11 (1.7.1901)
- Date
- 1901-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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II. gJaßrcjancj. ^ränn, 1. Sufi 1901. 2־Tr. 11. ,\׳ Bezugspreiie: für Ocfterreiid Ungarn balbjäbiig K '2 20, ganuätjrig . K 4 —, incl. Posunsendung: im das Ausland balbjährig . K i öo, ganuahng . *K 5•—. Eimein Nummer 1411. Kedaciion und - Adm»uiftr«tiou >i.aulma.kr ll. Tsie südliche Volk»׳ umeerschein! am eMcr reden Monates.?׳ rierare werden billigst derecdn^t. Centrcrlorgan der jüdisciien 2lrbeiter und FiandelsangesteUten. Der heutige» Nummer liegt »ine Psj anmeiluug bei. meicher ftch die P £ GH,- pfänger bediene» msUr«. Vas Hauktrorrbot. Im Verlaufe des VcrlhcidigungSkampscS, Pen die bürgerlichen Wortführer zugunsten der bestehclidcn Wirtschaftsordnung sührcn, versäumen sic cS-bic die. schrecklichen Folgen, die eine gründliche, wirtjchastliche Umwälzung für viele Existenzen mit sich brächte, in den grellsten Farben auSzumalcn gnd andererseits den ruhigen, keine Opfer heischenden Ucbergang, de» die .mit der Entwicklung schrittballende Reform" . darstellt, rühmlich hcrvorzuhcben.?10 allmähliche Reform lässt in ihren Conscqucnzcn die große Mehrzahl unberührt, trifft schlimnistensolus nur ״Wenige", die daher vom Volksorganc ״absorbicn" werden können, die wirtschaftliche Revolution aber würde tausende und. abertausende Existenzen vir Nichten. Das ist so ungefähr der Gang der bezuglichen Argumentation. Dass freilich gerade der gerübmtc Umstand, dass nur ״Wenige" getrosten werden, der Maßregel den grausamsten Charakter verleiht, das fassen sich die Nachbeter und vielfach auch die Borbetcr der MäßigungSthcoric nicht träumen. Eben weil nur ״Weiiigz" unter seinen Maßnahmen leiden, glaubt sich der heutige soeiälresormatorische Gesetzgeber der Wicht überhol,! n, für diese ״Wenigen" zu sorgen. Tic handliche Dem c, dass jeder Fortschritt mit, Opfern erkauft iverdn müsse, dient zur Beschönigung der Thalsache, da s der Weg der etappenweise». sich im Rahmen d?r heutigen Wirtschaftsordnung haltenden Reform üb!r sociale Zeichen sühn, freilich recht kleine Leichen,! a ja das System nur die Kleinen frisst, die Größt n aber ungeschoren lässt. Tie wirtschaftliche ״Revol,;• tion" könnte sich den Luxus einer unglücklich«n 11:111!׳,itü 116>-I1z-öi1I>I<;-leisten. Sic träfe alle, müss c daher auch für die Betroffenen sorgen, denn, die Allgemeinheit dem Fortschritte zu opfern, gehl nicht an. Zn dieser Beziehung itände sie jedenfalls weit über der liberalen Resormerei, die man so liebevoll '»« einem ״humanen'" Anstrich versehen hat.! WaS für ״schonende" und ״mildes Formen übrigens letztere annimmt, werden wir in nächster Zeit in Oesterreich zu beobachten Gelegenheit haben.!Das österreichische Abgeordnetenhaus hat den Gesetz-! entwurs, betreffend das Haußerverbvt, angenommen. Das Herrenhaus hat zwar bis nun «die Borlage [ nicht in Verhandlung gezogen, es bedeutet das aber ׳ nur einen Aufschub um wenige Monate. Für viele; Existenzen bat das letzte Stündlcin geschlagen. Sie!werden als Opfer eines Schkinzugcstänbnisscr, das die herrschenden Elasten dem eonsumicrendcn Volke machen, fallen. Unter dem Vorwände, den langen! kostspielige» Weg, den. das Gut zu Schaden des Käufers zurücklegcn muss, che eS aus der Hand des Prpduccnten in die der Evnsumcnten gelangt, abzunirzcn und damit einer modernen- Tendenz zu genügen. , schlachtet die socialrcsormatorischc Gesetzgcbung die niedrigsten und für den Bcrlhcucrangsproccs« ganz gut cntbebrlichen Handlanger ab und lässt die eigentlichen Nutznießer ungeschoren. Zufolge dieser Rcsormkomödic werden Tausend» in die über-;füllten Reiben der LobnproletariatS hincingezwängk, bürgerlich gesagt: ״absorbiert" werden. Für uns j Zudcn aber wird das ganze nicht eine,Schwächung, r uns wird es ein Nalionalunglück, - eine K«,taophe werden.. Infolge de« anüsemitifchcn BoyeottS sbt der rettende Weg inS Proletariat verschlosten. ^״«^anderweitige Unterbringung ist kein Platz, denn! wnicr\mit händlerischen Elementen übersättigter j VolkSorglyffsmuS vermag nicht21>euc aufzunchmcn,! umsomehr, als. die expropriierten jüdischen Hausierer einen integrierenden Bcstandtheil, man kann sagen, eine Majorität repräsentieren. Es werden sich inner¬ Jeuilleton. Ethischer Umschwung. Bon Max Strom!Berlin). lLchliäs.) - ganz vcrgeittigtcn V zu erklären; denn! Sinne war den Iut Scharaktcr ist dies nicht allein stn diesem spiritualistischen doch stets ein sehr derbes \ Gefühl für das Materielle und Concrete verblieben, ' und der Gelehrsamkeit war der Reichthum doch wenigstens ebenbürtig/ Biel mehr mag zu bedenken i )ein, dass den Juden im Ghetto der. nationale - ן Boden fehlte, auÜtcm diedVerdienstc erwachsen, die BiSmarck hat einmal al« charakteristisch für dis! sonst eine Aristokratie begründen: Tapferkeit im Zudcn hcrvorgehoben, dass sic als einziges unter Kriege und Geschicklichkeit, oder anstand- und glanzallen Völkern keine Aristokratie besäßen. Die«'! volle Repräsentation bei diplomatischen Missionen, trifft auch zu; ja, sogar überall — wiederum abgesehen von vereinzelten Ausnahmen, die sich leich! genug aus allgemein menschlicher Scrvilität erkläre, — sind sie die geborenen Feinde der Aristokratie und der Aristokraten. Selbst, die reichen und reichsten Juden machen hievon keine Ausnahme. «Denn gerad! sic mögen in so naher Nachbarschaft mit den stolzen Elementen den Stachel ihrer Zugehörigkeit zum Zudcnlhumc besonders scharf empfinden, und cs kann gar wohl geschehen, Pass ein reicher junger Jude, der einen preußischen Grasen zum Schwager hat, er begreiflich findet, wenn so viele gebildete Juden Socialdcmokraten würden. _ 'j Und was die Juden innerhalb der geschloffenen! Ghettothvrc als Aristokratie entwickelt haben, wäre einem Beobachter wie BiSmarck schwerlich als solche erschienen. Diese Aristokratie war lediglich eine Kaste von Gelehrten (Talmudgclehrten). Einzig geistige Vorzüge wurden bereitwillig anerkannt und gepriesen und gaben Vorrechte ihren Besitzern, die freilich nur wmiliärer Natur fein und etwa darin bestehen konnten, daiz,auch' der' reichste Mann seine Tochter gern '«'Ml' einem Gelehrten gab, uild dass die Gelehrten nc-cli'mehr als Rcichthu'm den Glanz eines Familie»- namens begründ« un. Aus dem tiefe» religiostn Aus diesem Mangel an einem nationalen Grund und ן Boden ist desgleichen tijte gewisse ethische Einseitig- | kcit der Ghettojuden herzuleiten, dass sic nämlich; eine Verzärtelung und Schwächung natürlicher Empfindungen und Triebe hegen, wie man sie sonst nur bei den Armen und Elenden innerhalb^ eines Volkes beobachten kann. Wenn wir etwa die schlesischen Weber in der Tragödie Hauptmann'S betrachten, so verstehen wir, warum diese Aermstcn mit solchen MitleidSfäden untereinander vcrknüpst sind. Gut ist allein, wer dem Nächsten sein beladenes Schicksal zu tragen erleichtert, und der Stolze, Selbstbewusste,' der ganz unethisch gege>1 die Unterdrückung die rücksichtslose Gewalt setzen möchte erscheint ihnen al« böse. Dem - Ghettojuden mochte jede Gewaltthätigkeit, auch im Kriege, im Kampfe gegen Feinde, halb des österreichischen jüdischen Vnlkes grässliche Seencn abspiclen. Dieser traurigen Einsicht verschlie!t sich niemand, und doch bleibt er. angesichts der k «fahr, diesmal gan^merkwürdig ruhig in den Reiten der priviligierten Schützer der ״Interessen" de > Jübenthums, der Jünger aus der jüdischen liberale, Schule. Sie. ־־ die sich sonst mit KaulpseSgicr in 1 Zeug legen« wenn eS sich darum handelt die ,fürchterliche" Gefahr, die die Schimpfereien eines antisemitischen Partcimannes in sich bergen, pomh >« abzuwehren, stehen unthäug da. Ihre altlideralc Weisheit reicht ebjn für den vorliegenden Fall nicht aus Denn diesmal hctßt der Gegner nicht ',Wolf" vdc: ״Schneider", diesmal ist's'der von ihnen selbst ge» rcdigtc ״Fortschritt", den man nicht in einem Ptn »ienschwall-ersciuscn kann. Tas unheilbringende - jcscy ist nicht da» Machwerk fudcnfeindlicher DeMa >ogen, sondern ein Product des sorlschritlltchen Büi zcrgeistes, von dessen Sieg man sich ja die Beseitig» iq der Judeniwth versprochen half-Eine Auslehiung heißt ja das bisher gepredigte Dogma zu Sck roden machen! So ist. heute unseren sveichen Ve theidigcrn ein. Schloss vor's Maul gelegt. Sic duffen sich nicht in Siampfespositur stellen: diesmal icht es allzukomisch aus. Ein Feld der.Ttiäligkc it bleibt ihnen aber offen: Tic Versorgung der dctroff« acn Stammesgenossen! Ob sie es wohl betreten u erden? Es ist noch fraglich. .Denn helfest kann mau den Unglücklichen nur dadurch, dass man' ihnci anderweitige Arbeitsgelegenheit' schafft. Hierzula!!de - geht es nicht, also außerhalb pes Landes. A -er den Zudcn - Arbeitsgelegenheit schaffen, Arbeit», clegenheit an geschütztem Orte, das riecht so v, rdammt nach ״Zionismus"! Werden sich die Hciren dazu bcqucmcn oder »«ich lieber in allge vohntcr Weise alles Elend todtschwcigen. aus der Welt lügen? Die nächste Zeit wird uns die Frag - beantworten. der Tapfere abi Unmensch erschien n sein. Der Grund und Bokcn ist eS, der die iristokrätischcn Vorzüge hervonrcibt, und sogar die? olkSzugehörigkcit als solche, das Nalionalgcfühl t ls solches zu einer aristokratischen Eigenschaft Mach. Wiederum — wie in dem jüdijl hcn Bolkrcharaktcr ein starke« .instinctiveS Nation, lgefühl ringekernt und in einen Humanitären Inter rationalismuS nur durch die Bedingung der Diaspor, war — liegen in dem Charakter del durchaus nicht demokratische oder lislijchc GlcichhcitStendcnzcn. sondern sein sö confer vativcr, bedächtiger, sein nüancicrtcr iristokralischcr Sinn, wie nur in wenigen anderen? ölkern. Wenn auch in großen Städten mit ihren ewig wechselnden, stürmischen socialen Emporkömmlinge in unerfreulicher Ai Dreistigkeit ausrusen mögen: Es gibt dische Elite! WaS^anderc Juden sind, auch! — wo ihnen nur der Schein und Boden« geblieben, im Ghetto, etwa« wie eine ununterbrochene sonla!sende Tradition gibt, gibt cs auch die feinsten ui d heimlichsten Schattierungen iß der Abstufung der umgcwandelt Juden auch gar soeiachiruhigen und Formationen maßung und doch keine jüdar bin ich eines Grunb wo eS doch jüdischen Fa- Hastdwcrkcrn, und zwischen' den ein al« barbarisch erscheinen. Bei den alten Germanen ״ _ . oder Griechen war der Mann.' der den KricgSpsad 1 Werkern untereinander erstreckt). Tie, betrat, mit den-Waffen der. geiödlcten Feinde heim-. sind allen bewusst, und wenn m, kehrte und sich dann am Herd von seinem Weibe:arme Trödlcrsfrau fragt, warum )i: Tank und Bewunderung - für solche Thalcn holte, Töchter ivegcn einem )üdiichen Gei wahrlich-gut. Ter Feige'war der Schlechte. Ader dcigclrcien wäre, so gibt sie wodl in ht-iii weichlickcn Milieu eines in dem weichlichen Milieu eines Ghcnbs mochte zur Aulworl: Was deicken -ic. der Feige sich' als ^Friedfertiger und Moralist würde», nenn ivir uns zur Äusnat me gar leicht als Gute» tierauksiassiercil h>1l/cn, und Wir ,׳.ebgren ja r!:»l .Podei". Um wtch-.el kann n: milicn (da«, was sie 'selber .»astcne eist" nennen, _ und was sich ach die-Unterschiede zn ischcn großen ~ und kleinen rtauflcuten, zwischen den ffauilcutcn und einen Hand- Abstustingcn n etwa eine nicht ihrer Uigkeitsverei» gpnz treuherzig . die sagen melde:«-,:! l׳<.»'»nunL׳>rr<׳n0biKen vorkobiTii 11111׳ in Localen, wo die ״Jüdische 1 olksstinune“ 111 die •f!