Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- II (1901-1902)
- Issue
- 5 (1.4.1901)
- Date
- 1901-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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IX. Jahrgang. *Brünn. 1. April' 1801. - *Air. 5. »ez»««»reise: fa: Crftrmidi Ungarn bawiäbrigt<'2 20׳. ganüäbrig . K * ־, ük! foftwfrnöung; <ur da» Au-sand balviädrig - K ä ■M), gainiabüg K «V—. Ei״;kln?luramerUh. ׳übiscbe *r i ♦ Centralorgan der jüdiscl?en Arbeiter und Liandölsanaestellten. Stbiction und -ldmiuiftr«1iO» .»traurmarkl lL Tie* ״südliche Volk»- ׳nmmeer'cdeim am eine»!eben Monate«, .^merare werden billig- . de^eibnet. Her rrkr ökcrrrichitchc 3ioniömtac1. ^r"n1c ' Am 24. und 25. März b. I. hielt in Olmütz der erste österreichische Zionistcntag seine Bcrathungcn ad. Als Hauptaufgabe oblag dem stark beschickten Tage die Schaffung einer -Landesorganisation. 'Weitere Punkte der Tagesordnung bildeten die Beiprcchung des Programmcs. der Agitation und Presse. Die Erkenntnis, dajsx diese Tagesordnung denn doch zu umsasscud geiväh!» worden war, brach sich leider , erst während biy Verlaufes der Beratbnngcn Bahn, und insbesemdere die Verhandlung ׳bezüglich der beiden letzten Punkte litten unter dem Zeltmangel. Durchaus sachgemäß und erschöpfend siellle sich daher nur die Erledigung des Punktes .Organisation" dar, weshalb, denn auch die Vcriammlung -trotz der maugclhastcn Zcitcintycllung, m der Lage war, ihrer Hauptaufgabe gerecht zu werden. Diebezüglichen Entschlüsse legte der Parteitag in einem Statut nieder, das,, slriete durchgcfuhrt, gewiss in unser österreichisches Partcilcbcn Ordnung bringen wird. Principicll ncugcstalkcnd ivirkl dieses Princip dadurch, dass cs die Grundlage der zionistischen Organisation genau und unzwei demig seststellt. TjM^Grundlage bildet der Verein, dessen Mitglieder aüsntchwsfv« aus dem Bodock des Baseler Programmcs stehen,/und wird tionf diesen Mitgliedern gefordert, dass auch älsr^jouftkgcs polilischeS Gebaren mit dem zidEIschcn, nationaljüdischen Princip streng in Einklang steht. Es wird dadurch ein Ucdelstand — -die Einbeziehung Zweifelbasier Elemente in die Organisation-—, der wohl mehl in letzter Linie an der vom Dclegiertentage oft und mit Bedauern constatierlen Stagnation des zionistischen Parteilebcn« Schuld trägt, beseitigt. Wohl wird manche Congresstheilnchmcr äußerten davor eine wahrhaft übertriebene Furcht — dadurch die Zahl derer/ die in unsere Organisation einzu-' beziehen sind, verringert werden, dafür wird aber uiiscrc Organisation eine gesunde sein. Weiter« wiirde die bisherige Bestimmung, welche die einzelnen Actionrcvinitc untcrordnete und als auch die Vereine selbst an einer passenden Arbciistbcilung hinderte, beseitigt, indem in Gestalt des Landes- und DiftrictscomileS geeignete Mittelglieder geschossen wurden. Eine^ Regelung der gcschäsilichcn und finanziellen ltzebarunq erzielt dar Statut durch Ausschreibung eiizcr Parteistcuer und Ordnung des Schekelweseps. Bezüglich, der übrigen Punkte der Tagesordnung verweisen mir aus den >m Blaue enthaltenen Bericht und behalten uns vor, aus einzelne später zurückzukomincn. Im Rachstchcndcn sei das ncivgeschaffcne ׳ Statut vollinhaltlich wiedergegebcn: p)rganilatio»«ktatut. Referent- A. H. Reich. Wien. * I. Die Grundlage der Organisation bildet der ' >c Verein (Verbindung >. welcher auf dem Boden des Baseler Programmcs stehe. ,Ter Verein hat die Liste der Sch-kelzatiler in Evidenz zu halten, mit den Schckelzahlern in Contact zu bleiben und sie nach Hundertschaften zu organisieren. Angehörige von Vereinen, die anders geartete politische, insbesondere frcmdnationale Tendenzen verfolgen, können in die Organisation nicht cinbczogcn werden. ־ fl. Die Vereine eines Tiftrictcs bilden die DistrictS-Organisalion, an deren׳ Spitze ein fünf- bis zehngliedrigcs Distriels-Eomitc steht. III. TislrictS'EomileS sind: a) Rieder- und Ober-Oesterreich mit dem Sitze in Wien: b> Böhmen mit hem Sitze in Prag: .. 0) Mähren und Schlesien mit dem Sitze in Brünn; d) Galizien mit dem Sitze in Lemberg: e) Bukowina mit dem Sitze in Ezernowitz; 5) Steiermark, »lärmen, Tirol, Vorarlberg, Krain. Salzburg und Küstenland mit. dem Sitze t in Graz. IV. Das Tisirüts Comite wird von den Telegierten der bctresicnden DistrictS gewählt und muss. nach erfolgter Constiiuierung vom Landcs-Comite bestätigt werden. - V. Die nächsthöhere Organisanow bildet ein sieben- bis׳ zwölsgliedriges Lande» Comitc mit dem Sitze in Wien. An der Spitze des Landes-ComitcS darf kein Mitglied des engeren Actionr-Comiics stehen. VI. Das Landcs-Eomite führt den Raglcn^Verband Zion". ’ VII. Amiräge behufs Agitation, Mittheilungcn re., gehen ctilwedcr vom Congrcfse direct, oder vom engeren!Actions-Comits an das Landes Comitc, durch dieses an die Vereine. " VIII Beschwerden, Wünsche. Mittheilungen, Anregungcu :e., geben von den Vereinen an die DistrictS- Coüiite-s. von diesen an das Landes-Comitc und dang entweder direct an den EongrcsS, oder an das engere AelionS-Eomitv. IX Tie siuancicllcn Einkünfte des Landes- Comiiös bilden: a> 25"-, deS SchekelcrtrageS der österreichischen Organisationen: d) eine Parteistcuer, deren Höhe dom Parteitage nach erfolgter Budgetierung bestimmt wird; cs sonstige Einnahmen. ' Tic Parteistcuer soll auch zur Bildung eine« Parteireisesondcs verwendet werden, der nicht nur die Reisekosten der zionistischen Agitatoren, sondern auch über Vorschlag der betreffenden Landesorganisationen die Kosten der Hin- 'und Rückfahrt einzelner Delegierter zum Parteitage zu bcflreitrir. hat. X. Zu diesem Zwecke besorgt da« Schekcl-Jticasso dar Landcs-Comitc, indem es vom Congresr- ' Bureau «ine Anzahl Schekel-Blocks erhält, welche an die DistrictS.C.oinitöS und durch diese an hie Vereine vertheilt werden. TaS Geld wird von den, Vereinen und Privatpersonen an die Listricts-Comits« und von diesen an das LandcS-Eomits ohne jeglichen׳ Abzug abgclicfcrt. Da« Landes-Eomiiö ifuhri 75"/, an das engere Aetions-Comike ab, 25"-, ftehält es zurück. Jeuilleton. Der Protektor. Bon Rosa Pomeran;. ilstrsouen: Doetor Stier — ein ,große» Thiers der Zeischen Gemeinde; die Frau Doetor, Itzig Schmuhl, >?!rr von Stä«zew«ki — ein einflussreicher Polenführer; Herr von LinSki — sein Freund.) I. Scene (bei Dr. Stier). Dr. Stier (eine Bisitkorte in der Hand, murmelt unzulrieden): Nu, ein bischen früher hält' er .mich auch cinladen können. Und ich glaub ailch, dass die eigentlichen Einladungen ein bischen ander« aussehen. Tie paar Worte hier auf die Karte gekritzelt: ,Panic kocbanku, ich hoffe du wirst zu der Soir-'e in meinem Hause erscheinen... hm..." FraüDoctor (ironisch): Dar könnte am Ende auch heißen: ,Panie kochanku, ich hoffe, du wirst so gut sein, bei dir zu Hause zu bleiben..." Dr. Stier: Hm, am Ende sollt ich vielleicht gar nicht hingehen?!... Frau Doetor (auffahrend): Nein, Gott bcwahre! Da sagen die Leute gleich, du wärst nicht geladen worden. Nein, sie sollen sich ärgern. Dr. Stier (mit Genugihiiung): Ich werde der einzige Jude in der illustren Gesellschaft sein!,... Kostet mich übrigens genug, das Vergnügen... (;um eintretenden Schmuhl): Aha, Schmuhl, nun, was gibt'« wieder? •׳ Schmuhl (bleibt mit tiefer Verbeugung demülbig bei der Thür stehen): Gnädiger Herr Doetor, ich wollt' wieder wegen der Concefsion bitten. Ter Herr Doetor haben mir schon so oft versprochen und doch... ich geh' zu Grunde mit meiner Familie, ich Hab' keinen Erwerb. (Flehentlich): Rur Sie können - mir helfen! Alle Leute sagen mir, der Herr Doetor! Stier kann Aller, er hat alle großes, polnischen Herren in der Tasche, er ist ihr Freund, ihr Bruder. -Dr. Stier (herablassend): Schon gut, schon gut. Gewiss, \ ich vermag viel. Ich bin mit den Leuten vom Polcnclub nur so (bebt zwei Finger empor). Da <;eigt geringschätzig ans die Bisitkarie), da, sehen Sic, Schmuhl, da Hab ich eben eine dringende Einladung zu einem Ball bei dem Staszewski erhalten. Ich Hab"erst gar nicht gedacht, hinzugehen, (stolz):! sollen die Leute zu mir kommen — aber jetzt, um Ihnen zu helfen — Sie haben sich bei den letzten Wahlen so guf gehalten — jetzt will ich eigens hingehen. Es kostet mich ein Work und... (macht eine bedeutsame Handdcwegung). Schmuhl (erstenl und gerührt): Gott lohn s Euch, gnädiger Herr Doetor und versteht sich, ich verschleiß' am meisten Liqucuer aüS-dcr Fahrik de« Herrn Doetor, ich... Dr. Stier (unchrdricht ihn rasch mit einer verabschiedenden' Handbe«b»gung>: Schon gut, ich weiß.. II. Scene. (Im Salon de» Herrn von Staszewski. Der Hausherr, Gäste, darunter LiuSki.) Linski (leise zum Hausherrn): Um Gottes Willen, was ist da« dort für eine Judenstatzc? - Staszcwski (verlegen): Wo denn׳? Ach der dort? Da» ist ja der Stier. Von dem hast da wohl gehört? 5 Linski: Ich glaube, so etwas. Gelaust? Staszewski: Schon nicht. LinSki: Wieso? , StaSzcwSki: Z«l alt. Linski: Aber dafür der Sohn... Staszewski: Noch nicht. LinSki: Weil? S t a S z e w s k i: Zu jung — noch keine Karriere gewählt. ) Linski (zuckt mit den Achseln): Nicht« ist mir so fatal, wie der getaufte Jud'. Man darf ihn nicht offen als Juden, Man will ihn nicht gl« Ehristen behandeln. Doch sag-mir nur... StaSzewSki: Noch garstiger sind die Ungetauften, die sich wie Getaufte benehmen. Doch — Pst, da kommt es auf uns zu. LinSki: Swiety Jacku, du wirft mir doch nicht zumuthcn... nein, ich mache' mich aus dem Staube. Dr. Stier (hochrolh im Gesichte, mit allen Zeichen de« Unbehagen« und vtrhaltener Erregung — erfasst den Arm de« Hausherrn wie der Ertrinkend« den Strohhalm): Wie schön und fein Alles bei Ihnen, Herr von Staszewski, wie ber einem.echten Schlachziz. Wie fanget Ihr da« nur äks? Staszcwski >(mil bedeutsamem Lächeln): TaS liegt im Blute, panie korkariku, das verleugnet sich-nie und nirgends... Doch sagen Sic mal,;lieber Doetor, ich glaube bemerkt zu haben, dass ,Sic mich den ganzen Abend zu sprechen suchen^ Was haben Sic auf dem Herzen? Etwa« ,PolitischeS"? (»esinmiugsgenosseu verkehren nur in Localen, wo die ״Jüdische \ olksstinime“ auflieirt!