Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- I (1900-1901)
- Issue
- 23 (1.1.1901)
- Date
- 1901-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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I. Jahrgang. j, "\ " HZrünn, 1. Jänner 1901. tzrr. 2L. für halbjährig . K i'?0, ganzjährig . K 4־—, mcl. Post,usenduug; fyr da» Au»land halbjährig . K S 5rt, ganzjährig . K 5'—. Siuzeln.Nummer 14 h. V«zu«»preise: Oegerreich Ungarn sV. Centralorgan der jüdischer! Arbeiter ünd 4 Lsandslsangestellten . KedactiO» tsnft 9Vt>rtHniftrati•« lkrantnrarkr 11. Tie ^^uSriche Bollsnimmt" 'tLl'cheim am .1. and 15. ftitr» jedrn??ernte». Inserate werdrn diUrgk berechnet. 7 Sie Vrganisalivn der öSerrriltiifchrn . Zionsvereine. Am 3. ZionistcNcongrejs in Basel wurde ein Lrganisalionsstatut geschaffen, dar den, Zwecke dienen sollte, die bestehende lockere und mangelhafte Organisation der zionistischen Partei zufcsiigen. nach einem bestimmten System - ein solches war bis dahin nicht befolgt worden — zn formen. Den grundlegend»» Gedanken dieses Statutes bildete die proponicrtc Schaffung von Landesverbänden, die in Landcscomitös. gewählt von s ä »1 m t l i ch e n zioniftischcn Vereinen, ihre /Erccutive finden sollten. Tiefer Plan wurde nun thalsächlich in allen Ländern, realisiert und mit Erfolg: ־bei uns in Oesterreich nicht. *Sei uns gedieh die Sache nur soweit, dass einzelne schüchterne Versuche unternommen wurden. ConfcrcSzen weiteren und engeren Charakters stattr sandcllj deren Nutzen wohl' am deutlichste» daraus erhellt, dass unser Land heute nach 2 Jahren noch immer keine, auch nur den bescheidensten Auiprüchcn genügende Gcsammtcxeculivc besitzt, obzwar Leiterreich, als Mittelglied zwischen Osten und Westen, den wichtigsten Posten in unserer Bewegung bildet. Wer die Schuld an diesem Ucbclstande trägt, das sei dahinkfcstcllt. Jedenfalls wäre es ganz verfehlt sie einzelnen Personen bcizitmcsscn, wie dar heute von jo Vielen, die ״damit das Bedürfnis nach Ent schuldigung der eigenen Unthäligkeit befriedigen wollen, ge Han wird. Heute, ist es an uns da- Ver- , säumte nachzuholcn, eine Kritik ist mehr oder minder ' fruchtlos. ׳ * Te» am 23. Tecember stättgefundcnen Telegicrtcntag österreichischer Zionrvercine müssen wir leider wieder in die Kategorie der erwähnten ״schüchternen" Versuche einreihen.' Er sollte uns eine Organisation schaffen, eine Organisation, wie sic England und Amerika in ihren ״Fcdcrationen", Rumänien und-Bulgarien in ihren ״Landcscomitcs", Deutschland in der ״Vereinigung" besitzen. .Was brachte er uns? Einige peinliche Debatten. Es war Ries.aber vorauszusehen. In Prag, wo seinerzeit die Einberufung dieses Tages beschlossen wurde, giengcn die Thcilnchmer vckN dem e i n z i g richtigen Gesichtspunkte aus, dass diese Berathung von 1 ' . ״ 'f II säiumllichen zionistischen ׳Vereinen beschickt werden ichvnheuhe an alle Gesinnungsgcnoffen die Aufforderung möge, ^tnd die zur Einbrusung Ermächtigten in ergehen lassen, sich sük dwicn Tag. der für deN diesem Sinne instruiert. Diesem Wunsche aber wurde Fanschrii» unserer BcwcgMlgl in Oesterreichäusschlag-, nicht Rechnung getragen. Durch Bedenken legaler gebend - sein wird, zu rüstfn. Schon heute ,ist er , Natur — die sich wohl sehr leicht, hätten befriedigen! Pflicht aller Vereine, das Thema zur Discuision lassen — suhlten sich die Einberuser veranlässt zu bringen, Material in dem Sinne zu iammeln, dass . den Vorgang zu modiiicicren. und zwar aus eine di^bis heute gemachten (Hfahrunacn bezüglich der ^zirmlichtunglücktiche Weise. Sic sandten an die ein- Organisation und Agstatiowbesprochen und ihre ,! zclneu Vereine Aussordernngen, sich dem zu grün- Verwertung bei der Schaffung der Gesammtorgadeuden Verband anzuichlicsien, mit dem Bedeute», niiation ermöglicht wird. Rur unter Berücksichtigung dais nur bercrts angcschlosscnc Vereine aus Sitz dicie« Umstandes kann etwcks gedeihliches!gcfckiaffc» und Stimmbei der Berathung Anspruch erheben werden. Wenn eine solch« Vorbereitung unterbleibt, l dürfe». Nun ciit-prachen viele, und nicht die minder. > io wird sich das traurige Schauspiel, das sich uns leider , wertigsten, -Vereine dieser Aufforderung nicht, tratest schon so oft bot, wiederholen. Es werden sich Leine nicht im Vorhinein dem Verbände bei, und. insolg^- 'ziiiammensinden, Leute, die pon dcn besten Wün'che».!dessen erwies sich der Telegiertentag unfähig, die wcseclt sind, vor.keinem Opicr zuAickicheuen unh j gestellte grosse Ausgabe zu Wien. Nun könnte Einer doch, trotz aller Arbeitslust, jiufits zu leisten imstande kotiiiiic» und sagen: ״Ta sind.alio die wicderipcn!sind; die — nach bestem,Lstiien und Gewissen! stigen Vereine daranschuld!" Nein. Tie Vereine,! Paragrapdc a»ss Papier isialcn und dann'׳crlcbcn j welche den Beitrittverweigerten, haben dies keines-, müssen/ dass niemand sich daran halt, daran halten; wegr deshalb gethan, weil sie sich nicht einer Exc-! kann, weil sie wohl eine trsckene Geichäslsordnung,! cutive füge» wollen oder׳ gär im Princip gegen die! Bildung des Verbandes sind. Sic wünschen »lindest! io sehnlich wie die übrigen die Schaffung einer j Centrale. Aber sic wollten den naturgemäßen Vorgang eingehalten wisien Erst bcrathcn und erschöpfend bcrathcn, unter Zuziehung aller betheiligtcir Factoren, dann beschließen. Tics war dar Motiv ihrer Weigerung. Tie zu bildende Organisation soll Alle umfasse», muss daher ein Werk Aller sein, sonst werden hie Bcslimmiij.ge» illusorischer Nitiur . bleiben. Tie Art der Einberufung hat dieser Bedstigung nicht Rechnung getragen und dadurch den! negativen Ausfall von vornherein unvermeidlich ge- ' ׳ r.f -»!macht. Ter Telegiertentag konnte unter solchen . Der Pyrrhussica, den di« dcutichliberalcn Umständen günstigstenfalls -den Charakter einer G,-n!,indes,!den am 2.',.'November erfochten, hat im technischen Vorbesprechung für die eigentliche, erst gan(:r j,ct Zieger — Bestürzung hervorgcrusen. abzuhaltcnde Berathung annchmen. wie dieser Falk^ Das Gespenst der andräntcndeü' Zukunft .schreitet auch thatsächlich. emtrat. Der Telegiertentag hal/dßrck, den Ahnewaal in de, Sestenjtsttengast׳, und uns also dennoch etwas Positives geliefert: den auf. der Orgel des Tempel« spickt cm Unsichtbarer Beschluss im Monate Februar einen wirklich allerschütternde Götter ianimeru^gsinotiv. Tie gemeinen Parteitag einzuhcriisen. auf dessen nfuclJ streifie des Judenthuns, die schon L»r Keim Tagesordnung die Gründung des Gcsammiverbandes Z,.j, Früchte brachten, sic haben siruhlingsschauer stehen rotriv indie' dumpfen Ralhsitubet gesandt und ans den Wir Hallen es nicht für versrüht. wenn wir,alten, brüchigen Ouadern beginnt cs zu grünen... aber kein Arbcitprogramm. gcichaff>1r haben, das 'allen, Einzelin.iercssen entqegdnkommi. allen Sonder - bedürfnisskn — mögen sie, socialen oder örtlichen Motiven entspringen — ciitjpricht. - und, indem es die zur Entwicklung nothwcndige Bewegungsfreiheit der Claffcn währt, dennoch ein festes, nach außen hin starkes Parlcigesügc schafft. Principirnkampk " von trgon -edlerer ,49!^!;. Jeuitreton. Jüdische Loynbee-Hallc. Bis vor wenigen Wochen wird cs in Oesterreich kaum ein Dutzend Leute gegeben habe», "die wussten, was eine Toynbec-Halle ist. Und heute? Heute siebt esim XX. Wiener Bezirke — dem jüdischen Proletaricrviertcl — fast keine jüdische Familie, in der nicht mit Begeisterung von unserer Toynbcc- Halle gesprochenwird. Vier Wochen seit Eröffnung der Toynbcchalle sind nunmehr verstrichen, und noch immer ist das Comits genöthigt, allabendlich vielen Männern und Frauen den Einlass infolge Ucber-! füllunq zu verweigern. Erstaunt fragen wir uns, was Senn eigentlich diesen beispiellosen Erfolg hcrbeigcführt habe. Weiß doch jeder von uns, wie gerade in Wie» die zionistische Idee infolge der Indolenz der Wiener Juden jüdischen Angelegenheiten gegenüber sich nur nach und nach durchsetzt. Nachdem wir jedoch die Besucher der Toynbcc-! Halle näher jns Auge fasstest wird uns Folgendes! klar:^ Mit diesen Elementen — aus Arbeitern, I Hausierern. Dienstmätinern, kleine» Gewerdslcuten! und deren Frauen bestehend — ist der Zionismusן bis jetzt noch nicht in Berührung gekommen. Es ist! hier nicht der Platz, die Ursachen klarzulcgen: That-! fache aber ist, dass die zionistische Agitation in; Gesinnungsgenosse!! verkehren Wien bis nun ihre Schwerkraft auf die ״Oberen > anzuschlagen, als man selb t in zionistischen Kreisen!Zehntausend" verlegt hat.!dem Unternehmen stcptffch :nlgcgcnsah. Während beispielsweise in England die Kern-! Vor ungefähr sechs Wo den hatte ich Gelegenheit, truppen des Zionismus die industriellen Arbeiter einer Comitesitzung beizun vhncn. bei welcher ich und überhaupt die unteren Schichten bilden — und Herrn Pros. Tr. Ksllncr ein« n Müscrsolg prophezeite vielleicht deswegen am leichtesten zu organisieren . und dem ganzen Project opponierte Es sei mir sind —ibestehen die Anhänger des Zionismus in gestattet, ihm an dieser Stelle Abbitte zu!eilten Wien aus der studcikischen Jugend und zum'geringen!»nd meiner Freude Ausdruck zu geben, dass meine- Thcile aus w^hltstidcnden Kreisen. . Tic Geschichte! Prophezeiung aus ihn nicht den geringsten Eindruck aller Völker lchrt uns jedoch, dass die Bourgeoisie machte und dass er ung:achtet affer Hindernisse, sich erst dann hcrbeilässt, sich, ziz ihrer Nation zu-seinen Vorsatz mit Energie durchgcsührt har. bekennen, wenn die nationale Strömung bereits die Herr Pros. Tr. Kellnei gieng nackt.Ausbringung Masse des Volkes erfasst hat: Wir veiwcifcn.eines bescheidenen Foydes nun dar^n, sein Vor bcspiclsweisc aus d.ic tschcchiichc Bourgeoisie und!haben in. die That umzuscj cn. Ein circa 300 Per-, den tschechischen Adel, die, ehemals Gcrmanijatoren, ioncn faffcndcs Local wu De in der Brigittenau jetzt, nachdem die Wogen des'tschechischen Nativ-' gemiethel und ein Pcrman:nzcomitc, bestehend aus naljsmus hochgehen, sich am nationalsten gebcrden den Damen der Moria un i^Hädassa,'gebildet. Am und eil» Prinz Schwarzenberg sich als Palcnttschechc 2. Tecember d'. I, fand nun untei-colosialcm An- »Et! ' drang die lHöffnung stat:, bei welcher Proseiior ' Diesen Fehler der Wiener Agitation erkannt und Tr. Kellner die Eröffn!!ngsrcdc hielt, woraus beseitigt zu haben bleibt das unvergängliche Verdienst Tr. Hcrzl eine mit^ großeiß Beifall ausgcnouimene eines inüthigen Mannes: des Prof. Tr. Leon Kellner: An'prachc hielt, -svdann wurde der Abend mit - denn wahrlich, es gehörte viel Muth dazu, in einer musikalischen und declam« torischen Vorträge» ge Stadt, wo eine ,Judenpreise", welche alles JndisDc ׳schlossen. Tic Halle, isk.sk ither tä^lkch von 7 di-> -׳ tsdtschwcigt und indem sie gcacn den Antiicinüismus. 9 llhr abends geöffnet, lva h einem wissenschsstlickieii zu kämpfen vorgibk, nichts älr chrc cprruplen und oder litcralischen Vorträge vlgt eine.Pause, wildrend assimilatorischen Zwecke im Auge lickt! . ein Unterwelcher den Besuchern r on anmulbigen - junge:: nehmen welches hie Marke ״Jüdisch" trägt, ins Tainen aus den obcncrwä! ntcn Vereinen Lhee und : Ocben zu rufen. Lein Verdienst ist uniio höher Bisgfiit . hcrumgcrcicht Hr erden, .vieran, beginnt nur'in Goeulen, wo die ״.Indische Volksstil mne“ aufliegt!