Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Litteratur-Blatt · 1907-01-01 · No. 11. (1907) · p. Seite 152

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
30 (1906-1907)
Issue
No. 11. (1907)
Date
1907-01-01
Page
Seite 152 (sequence 16)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/6492408-6582210-8771051--3661-4858744
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

f 152 — Besprechungen. Rabbiner Dr. Carlebach: An Hnrebt Hohen (zweiter Teil). Zehn Predigten zum Feste der Gesetz- 1 gebung. (Der Reinertrag ist für eine arme, sehr würdige Braut j bestimmt.) j Dr. Carlebach sucht die Wirksamkeit ׳ der Predigt durch Erweiterung ihrer Aufgaben, wie ihrer Form zu vertiefen. : Schon mehrfach hat er Predigtreihen! geschaffen, die ein einzelnes Gebetstück (das Gebet Nechunjahs)dadurch erläutern, daß dessen einzelne Sätze ihr zu Texten dienen. Die ersten fünf Reden vorliegender Samlung bringen die Schlußsätze von uwo lezion, die letzten die j Anfangssätze von Ahawo rabboh. : Dieser Umstand hat den Inhalt der Reden nicht einförmig werden lassen — ן vielmehr findet der Prediger immer eigene ן Mittel, eine Mannigfaltigkeit hervortreten i zu lassen, welche Hörer und Leser fesselt. \ Und dabei sind es nur Schewnothreden, die wir hier vor uns haben. Gerade die [ Größe der Schewnotherinnerungen kann ( den Redner leicht zu Allgemeinheiten < und großen Redensarten verleiten:! Carlebach hält sich davon fern. Ihm wächst der Stoff unter den Händen, indem er den Zeitfragen nicht aus dem Wege geht, sondern geradezu sie in seine Betraditungen hineinzieht. Er bemüht sich, Redensart u. oberflächliche Denkart zu entkräften. Gottvertrauen, sagt er in einer Predigt, aber nicht an falscher Stelle: Nicht zu viel vertrauen, wo wir selbst wirken müssen, bei Erhaltung der! Thora und der Unseren in ihr! DieThora ist nicht nur als Lehre groß, sondern als Forderung, sie im Leben zu betätigen I 1 sagt uns eine andere Predigt. Sie ist I auf alle Zeiten anwendbar, da sie als | unendliche Lebensquelle schon entstanden ist; an anderen Stellen wird; der Wert der Treue und Selbstopferung i hervorgekehrt; den Eltern sind ernste Mahnungen gewidmet. — Wir empfehlen diese Predigten so- || wohl den Männern der Kanzel, wie auch dem jüdischen Hause und der!י Schule: Hier besonders können sie j trefflich belebend wirken. < Belletristisches. Jud&us. Der Baalschem von Michelstadt. (Auch unter dem Titel: Belletristische Bibliothek des ״Ismelit.“ Nr. 1.) 189 S. Also Sie sind Judäusl Merkwürdig, daß ich das aus ihrem Nr. 10 von mir besprochenen Erzählungswerk nicht erraten konntel Aber etwas mir Bekanntes zog mich an, etwas lange nicht Empfundenesl Nun, da ich Ihren ״Baalschem von Michelstadt“ lese, begreife ich’s, daß Sie Ihre Vaterstadt damit verherrliehen, und vielleicht sind es gar Familienbande, durch welche Sie mit dem Dargestellten verbunden sind. Der Stoff bringt es mit sich, daß das Wunderbare stark hineinspielt. Aber das hat bei Ihnen das Menschliche in dem Helden des Büches nicht überwuchert, und der Leser folgt darum noch mit um so größerer Spannung der Handlung, die sich in ruhigem Verlaufe vor uns abspielt. Der Baalschem ist vor allem Jude, und er dient der Festigung des gesetzestreuen Judentums. Aber er ist dabei auch Mensch, oder sagen wir, er ist darum, weil er Jude ist, auch Mensch. Gerade die Züge allgemeiner Menschenliebe, kräftiger Betätigung derselben, Züge der Selbstopferung und Entsagung ohne Verbitterung und Selbst- Überhebung mit dem Streben, anderen zu helfen, anderen gerecht zu werden und sie mild zu beurteilen, konnte Vf. seinem Helden verleihen. Und gerade solche Personen fand man unter den bescheidenen altgläubigen, vorzeitlichen Juden mehr, als man vermutet. Sie gingen ohne Weltscheu mit ruhigem Blick abseits vom großen Weltgetriebe ihren Weg und priesen Gott nicht für die Genüsse des Lebens, sondern für das Gute, das sie andern tun konnten. Solche Erzählungen können also auch bei der Verteidigung des Judentums gute Dienste leisten, da sich in diesen Ueberlieferungen das Wesen des Stammes und seiner Lehre am besten zeigt. Neben so unendlich vielem, was ich Ihnen verdanke — dazu gehört auch die Laufbahn, welche ich eingeschlagen —, bringen diese Schriften den Eindruck Ihrer Person klar und sicher mir vor die Seele; dafür bin ich Ihnen besonders dankbar. Möge das Buch auf recht viele Leser in erhebender Weise wirken I Dr. Ludwig A. Rosenthal. Verantwortlicher Redakteur Rabb. Dr. L. A. Rosenthal in Berlin. Druck von A. Petzold iq Elbing.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.