Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 30 (1906-1907)
- Issue
- No. 8. (1907)
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 90 (sequence 2)
- Language
- German
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Euch im Lied der Sänger weih’n, Dass er nütze dem, und Stütze Stab und Trost möcht’ jenem sein. Auch die Seelenkraft zu stählen Ladet es zu raten ein Räthsel schwierig, die begierig Mancher möcht’ zu lösen sein. Es gewähre auch die Lehre, Dass Araber nicht allein, Dass Poeten, wenn von Nöten, Auch Hebräer können sein, Deren Sänge wie die Klänge Einer Glocke tönen rein. Und den Kecken, die uns necken, Uns’re Muse achten klein, Will ich zeigen, wie uns eigen Edler Dichtung süsser Wein. Weisheit suche man im Buche, Das dem Reichen nicht allein, _ Das dem Armen voll Erbarmen Soll zum Trost gewidmet sein; Denn dem Elend froh erzählend Will er lindern seine Pein Und ingleichen auch die Reichen Unterhalten und erfreu’n. Mög׳ dies Buch ״alter Spruch“ Jedermann empfohlen sein. Zu den gewandtesten hebräischen Makamendichtern des Mittelalters gehört unstreitig Isak b. Salomo b. Sahalon (st. 1368). Nicht dass seine Empfindungen tief, seine Ausdrucksweise edel, seine Sprache bilderreich wären, aber er ist Meister in der Handhabung des Reimes, in frappanter Anwendung biblischer Redensarten und in Erfindung von Gleichnissen und Fabeln, die recht wohl geeignet sind, den Leser zu unterhalten. Ihm ist es vor allem darum zu tun, die Biegsamkeit der hebräischen Sprache und seine eigene Fertigkeit im Reimen zu zeigen. Um eine Probe dieser Fertigkeit zu liefern, schreibt er ein Buch, dem er den Titel gibt משל הקמו־ני, was nicht wie in der Bibel ״altes Sprichwort“ bedeutet, sondern etwa durch ״alter Spruch“ zu übersetzen sein dürfte. Das Buch beginnt mit folgender Widmung: Meinen Lehrern sei in Dankbarkeit Diese Dichtung liebevoll geweiht. Isak ist mein Name, und mein Streben Ist, den Pfad des Heiles anzugeben. Salomo hiess mein Vater, dem ich jederzeit Als ein Kleinod galt von grosser Kostbarkeit. Hierauf meint er, sein Buch anpreisen und zum Ankauf desselben einla^en zu sollen. Er tut dies in künstlichen Versen, die alle auf einen und denselben Reim enden und überdies in jeder Zeile noch einen Binnenreim haben. Oben der Versuch einer Uebertragung.