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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1890-03-20 · N° 12. (20.3.1890) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
19 (1890)
Issue
N° 12. (20.3.1890)
Date
1890-03-20
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisehes Bar MtMUu! «ll«r JMatku mal JMaa kMMta HttmtMii *r* M>«hna1 mt 4tm e«Mata 1■ rkll•- Mfkla, SmUckU, ItHipuH«, Tkaa- •(I•, OriaataUa, baaa, kalltllk. Utaigik a. PMaf•((!. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Moritz Rahmer. 9TCo<j3e^u ty, 20. StCHiA 1890. ^Jahrg. XIX. c- ■ Uakar Bar •taaaklifitaa Uttaaalu,«al«k 4ar Matt« tay«aaa4t war•«■, kM> la «iaaaai Maltaala(akaa4a ■aapraakamt Bai Baaaa4aac m awal ■aaaaataai■ Caaaaplaraa «rIMst aiaaiallaa karaa Hratla-imacrtlaa. Da• gJMUek« Lltteratar-Blatt« erscheint wöchentlich in einem halben Bogen Preis bei allen Baohhamilangen (in Leipsig bei Robert Friese) pro Jahrgang 8 Mark. Abonnenten der .Israelitischen Wochenschrift“, die vicrtsljlhrueh bei aUen Poetanstalten nnd Bnchhandlnngen ׳Mark sahleo, erbalten das ״Jttdiache Litteratnr-BUtt“ gratis. — Inserate werden mit f e Pf. für die gespaltene Petitzeile, Beilagen mit 80 Mark, berechnet nnd sind an die Expedition dieses Blatte• an •enden Buchhändler n. Lehrer, welche direet oder durch Robert Friese Inserate einsenden, erhalten '25 X Rabatt. Inhalt: Wiss enachaf tliche Auf sitze: Lazaiue ben David und seine Schrift: ,Etwas zur Chaiahteristik der Juden“. Von Bez.- Rabb. Dr. Landsberg. — Das Leben und die Werlte dee Dr. Leopold Zunz. Vcn Dr. Chotzner am Harrow- College. (Fortsetzung.) — Litteraturbericht: Reoensionen: Mandelkern, Dr. S., Hebrlische Gedichte 2. Buch. Leipzig 1889. Selbstverlag. Rcligionsbücher: I. Rabb. Dr. Grün, II. Dr. M. Silberstein, III. Max Ellgutber, Prediger. Litterarische Notixen. Litteiarische Anzeigen. Uabetegter Nasherack am disttm Blatte Ist a 11 k t!•stattet. Lazarus ben David und seihe Schrift: ״Etwas zur Charakteristik der Juden“. Von Bez.-Rabb. Dr. Landsberg. Die Schriften L. Bendavid’s, des tüchtigen Kenner’s der Kant’schen Philosophie nnd den bedeutenden Mathematiker’?, sind ihrer grossen Zahl und ihrem philosophisch-mathematischen Inhalte naoh siemlioh bekannt. Er lebte jedoch in einer Zeit, in der noch auf eeinen Glaubensbrüdern die drückendsten Be- ■ebränknngen lasteten und die Em&noipation der Juden noch nicht durch einen Gesetaeeparagrapken geregelt war. Ohne Zweifel hat dieser traurige Umetana, der swar nioht B.’s wissenschaftliche Bedeutung verringerte. aber doch seiner Anerkennung and Beförderaug leider im Wege stand, auoh sein Denken beberrsoEt nnd den Grand au mancher seiner Sahriften gelegt. In Berlin und Wien worden, B.’e Vorlesungen von Hunderten von Zahörern besuoht, aber von Amtewegen verboten. Dort in Wien war es, wo er 1793 sieh mit der Idee trug, statt die über seine Glaubensgenossen überall verbreiteten Vorortheile, die ihnen in sooialer, wie politischer Beaiehung so anttberwindliohe Hindernisse schufen, mit der ihm au Gebote stehenden Geistesschärfe au widerlegen, mit sohonnngsloser Offenheit die vermeintlichen Sohwäohen seiner Glaubenebrüder blosanlegen, um, wie er meinte, ,ihre Besserung an veranlassen*. Diese Idee, die wohl unter andern Umständen für die damalige (Segenwart von Erfolg hätte sein können, liegt einer Sohrift an Grande, die aus der Vergessenheit hervorauholen sich wohl׳ verlohnt, weil sie die Art and! Weise cberakterisirt, wie selbst Männer vom Schlage L. Bendavid's, die in Folge ihrer reichen Begabung dem Jndentham aur Ehre gereichten, dennotoh indirel :t aur Verurthulang der Jaden viel beitrugenj Die« Sohrift ist betitelt: Etwas aur Charaktenstik der {Jaden — nnd in Leipzig 1793 erschienen.! Als ob die Lösung der ,Jadenfrage* einsig und allein von den Jaden und deren religiös-sittlichem Verhalten abhinge, erklärt L. Bendavid gleich im Anfang seiner genannten Schrift, dass die Frage, was die Jaden ihrerseits au thun hätten, ,wenn aie sieh zu einer bürgerlichen Reform tauglich machen wollten*, die Beäntwortang aweier anderer Fragen voraumetSa, nämlich: 1. welohes sind die wesentlichen Fehler der jüd. Nation? nnd 2. woher entstanden nnd beharren sie voraüglich bei diesem Volke? Ausgehend von der Schwierigkeit, den Grand filr die Fehler nnd Uh* tagenden beim einzelnen Menschen mit Gewissheit anzugeben, sind, naoh Ansicht des Verf., die Nationalfehler bei Weitem unerkennbarer, da ein Volk gewöhnlioh nur dann gross za nennen ist, wenn es anderen viel Böses gethan hat. Beim jüdjsohea Volke die Fehler za ergründen ist aber um to schwieriger, weil, wie B. meint, die Gesohichte dieses Volkes dunkel ist, oder nnr ,durch das schwache Lioht einer sparsamen, uneusammeahängenden nnd daroh Aberglauben (sio!) verfinsterten Tradition belenohtet werden kann.* Man möchte es kaum glauben, dass einerseits das V orartheil einen solchen, von der ,reinen Vernunft* geleiteten Geist irre fthraa kann and andererseits, die Kenntnis* im tatmudischsn Sohriftthum, die, wie aus obiger Sohrift za ersehen, ohne Zweifel Bendavid sioh an geeignet, derartige, der Wahrheit durchaus nioht entepreohaida Gedanken über das Jadenthum erzeugt! Doch grade wegen des mangelhaften Zusammenhanges der jüd. Gesohichte, meint nnser vorartheilevoller Antor, lässt eich das Anfsuohen der Fehler der Jaden and der Grand «a denselben am deswillen einsig and allein ermöglichen, weil die modernen Jaden and ihr Charakter grandverschieden sind von den früheren, in Palästina ansäseigen. Und dooh kann Keiner leugnen, dass, wenn je ein Volk, vor Affen das jüdisoha gewisse nationale, so za sagen, von den Vätern ererbte and durch «eine Religion ’anerzogene Eigenthflmliohkeiten aufwvizt! Der erste Hauptfehler der Juden, expektorirt mxttB., ist der dee Sklaven überhanpt, — ,Beneidang eeiuee Gebieters, Verachtung seiner Mitsklaven*. Der Unterdrückte Mensch wird von Neid and Hass gegen den Unterdrücker erfüllt Nioht Geeetse der Riügion, nioht Meinungen der Talmadisten lehrten den Jaden, den Niohtiaden hassen (?) nnd beeinti sondern ,aer Tyrann zwang den Sklaven ■offen also die Fehl« der Jaden nioht a! Gedrücktheit!

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