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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1884-12-25 · No. 52. (25.12.1884) · p. Seite 208

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
13 (1884)
Issue
No. 52. (25.12.1884)
Date
1884-12-25
Page
Seite 208 (sequence 4)
Language
German
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208 — von and über Schriftstellerinnen and Künstlerinnen, gelehrte Frauen and deren Stadien za erfahren. Aach aas ״ Kalendarium “ bildet mit der trefflichen Auswahl der eingestreuten Sinnsprüche, wie Frühlings- Sommerand Eisblamen eine Zierde des Glanzen. So möge denn dieses Fraaenhandbaoh jahraas, jahrein, neue Käthen treiben, alljährlich als willkommener Gast erscheinen and in aller Franen Hand sich befinden, damit die edel sinnige Verfasserin einen practischen Erfolg aas ihrer Arbeit erziele. E. Pfi. המשורר דמני. Der arme Poet, ein Schauspiel in einem Anfrage von August v. Kotzebue nebst Schiller’s ״Resignation“ übertragen ins Hebräische von Isidor Brastiger aas Zuranovo (Galizien). Verlag von Jacob Ehrenpreis. Lemberg 1884. Vor 40 Jahren zeitgemäss, muss dieses Büchlein stöhnen: Weh’ mir, dass ich ein Nachgeborener bin! Damals, als die Geheimnisse von Paris musterhaft in’s Hebräische übersetzt wurden, als die Wilnaer Schule das Hebräischschreiben ohne Rücksicht auf den Inhalt zur klassischen Formvollendung brachte, damals waren Bücher eine Alttagserscheinung, welche der Schwiegervater herausgab, der Lehrer einleitete. Ja damals — als Kotzebae und Schiller (jrie Bernstein es in ״ Voegele der Maggid“ so schön gemalt hat) die Fibel zugleich and die Bibel des Bachar waren, damals wäre der arme Poet in hebr. Gewände nebst der Resignation melnjono (zeitgemäss) ge wesen. Heute ist es ein Familienereigniss, von dem wir geziemend Notiz genommen haben. _ Lewin. ״ הנרדף מארץ רוסיהDer Verfolgte von Russland“ ein Trauerspiel in 3 Aufzügen von Osias Altlass. (Przemysl, Galizien). Das dreiaktige Trauerspiel giebt sich auf dem Titel blatte ״als Bild der südrassländisohen Jaden verfolgangen“ and es ist ein vortrefflich gelungenes, erschreckend ähnliches- Bild. Im oharacteristischen Kolorit besitzt der Diohter eine seltene Kraft, Wir sehen die Rotten, mit ihren vorzüglich individualisirten Führern, wie mit leiblichen Augen plündern, morden, sich berauschen, alles zertrümmern; der Jammer der Unglücklichen dringt mit elementarer Gewalt ans ins Herz; die Bibelsprache, die Sprache des Gfodichtes, fliesst dahin innatürlicher Reinheit and Glätte, als wäre sie noch eine lebende and nicht schon seit so vielen Jahrhunderten blosse Schriftspräche. Dagegen ist das dramatische Element in dem ״Trauerspiel“ sehr schwach. Die Fabel ist ziemlieh — uninteressant. Miljam, die Tochter des reichen Aminadab in Kiew, steht kurz vor ihrem Hoohzeitstage, da wird ihr Bräutigam von den russischen Antisemiten erschlagen, ihr Vater verwundet, aasgeplündert, mit Noth rettet sie und ihre Matter sich aas der Gewalt der rohen Horde. Da kommt Joeser, ein Jüngling ״aas Oesterreich“ als Gast zur Hochzeit in Kiew and trifft statt der Hochzeit die Noth und den Jammer. Er nimmt sich der unglücklichen Familie aif, heirathet schliesslich Mirjam und nimmt sie sammt den ihrigen nach Oesterreich mit. Dies die magere Fabel des Stückes. Einen hervortretenden Helden hat das Stück־ aach nicht, es fehlt ja der dramatische Aufbaa, es fehlt die tragische Katastrophe. Der erste Bräutigam Mirjam’s, der allein untergeht, tritt im Spiele nicht aaf — kurz es ist ein höchst interessantes, episches Gedicht in dramatischer' Form': ein Tranerspiel ist es nicht. Wenn Jerusalem noch Hauptstadt des jüdischen Staates wäre and ein vorzügliches Hoftheater besässe — unser Trauerspiel würde, trotz bester Besetzung der Rollen, entschieden durchfallen. — Was ich hier tadle, ist nur gegen das Titelblatt gerichtet, und ein Titel ist ja bei einem Werke höchst unwesentlich. An eine dramatische Aufführung hat ja der Diohter nicht gedaoht. Bei verändertem Titelblatte, wobei freilich auch der Titel selbst: ״Der Verfolgte von Russland“ verbesserungsfähig wäre, ist das Gedicht eine höchst gediegene Er. scheinung in der neuhebräisohen Litteratur, und wer ein Feinschmecker auf ein klassisches Nenhebräisch ist, dem wird hier Gelegenheit zu einem seltenen Genuss geboten. Es ist von ganzem Herzen zu wünschen, dass der Dichter noch manches Erzeugniss seiner Muse im Gewände der heiligen Sprache uns vorzuführen das Glück haben möge. Dr. J. G01d8chmidt-Weilburg. Notizen. 1. Exegetische Notiz. An eine Stelle in den Psalmen, die Qraetz als dankel and anerklärlich bezeichnet, sich heranzuwagen, ist eine Kühnheit. Da aber der Erforschung der ־Wahrheit selbst die Bescheidenheit des Schülers seinem Lehrer gegenüber weichen muss, sei hier aaf zwei Verse im 32. Psalm aufmerksam gemacht, von denen es anerklärlich erscheint, dass sie dem Meister so gar schwierig erschienen. Bei Vers 8, in welchem das איעצה עליך עני dunkel ist, hat bereits das Targum zu עני ein weggefallenes אשים angenommen und in folgender Weise den Vers abgetheilt: ״ אשכילך ואורךich will Dich unterweisen und belehren“ ״ כדרך זו תלך איעצהden Weg, den Du wandeln sollst, will ich Dir rathen “□״עליך עני אשי meine Äugen will ich auf Dich wenden“. אשכלינך ואלפינך כאורחה תן תהך אמלכנך, ואשר עלך לטבא עיני. Aber auch Vers 9 giebt mit einer sehr geringfügigen Emendation ungezwungen den Sinn, den ja auch Graetz darin finden will. Schmerzen und Leiden bändigen den Frevler, wie Zaum und Gebiss das Maulthier. Das tertium comparationis aber liegt darin, dass jenes Thier nicht weise, wozu ihm Zaum und Gebiss angelegt sind, ebenso weiss der Sünder nicht, dass seine Leiden ihn vom Laster zurückzuhalten bestimmt sind. Wenn wir statt כ0תנ lesen כי 0תג so heisst der Satz: ״Sei nicht wie Boss und Mauthier, welches nicht versteht, dass Zaum und Gebiss ihm angelegt sind, es zu zähmen, sich Dir nicht zu nahen“. עדה heisst ״anziehen, anlegen‘‘ wie לבש Jos. 61,10 Hos. 2,5. Vielleicht ist Wort und iVorttorm noch mit der Andeutung gewählt: Das unverständige Thier hält seine Zuchtmittel für einen ihm angelegten Schmuck. Caro-Pilsen. 2. In dem Judenstatut des Erzherzog Friedrich I, des Streitbaren vom 1. Juli 1244 (Bauch: scriptores re rum Austriacarum I p. 201) heisst es: Item statuimus: et nullus Judaeus jaret super rodali praeter quam etc. Sowohl Graetz VII p. 108 als auch Andere haben in rodale richtig die Thorarolle von rotulum Bolle erkannt Merkwürdig ist, dass sich diese Be- Zeichnung in Polen erhalten hat. Die Abgabe, welche Vereine für das Leihen einer Thorarolle an die Gemeinde zahlen, heisst dort BodaL Caro-Pilsen. 3. Ein sehr gravirender chronologischer Irrthura. namentlieh für die, welche das angegebene unrichtige Datum zum Ausgangspunkt für andere Berechnungen machen wollten, enthält נחלת שבעה Amsterdam, 5427,4». in der נוסח הכתובה S. 26,2 heisst es ברביעי בשבת ל אלול 71 תכב־. Dieses Datum fiel aber nicht auf Mittwoch, sondern auf Freitag. Das Kalenderzeichen war זש״נ, Dieser Fehler wurde auch bei spätem Auflagen übertragen. — Cohen-Kees. ® 2!5 J2 k»s! SS ** " OO ״ ■i-9oS| U O - e M « 8 am גי o a s: « gj-s-S• 3״ 2, ק w _ g־2« a.^ 3 ® 5 fl׳l׳ 06 P׳OQ 2as W) © M 33 W-ö aff® 8 כ* -» tt m-3 Vma^wortUcher Bedactear Dr. Bahmer, Magdeburg. Druck Ton D. L. Wolff, Magdeburg. Verlag von Bobert Friese, Leipzig

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