Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 13 (1884)
- Issue
- No. 14. (3.4.1884)
- Date
- 1884-04-03
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jahrg. XIII. No. 14. Jüdisches Litteratur-Blatt. Zur Bcleachtong *Her Jndenthom und Jaden betreffende■ IltterariMchen Kr• •cheinaagen *uf dem Gebiete der Philo- •ophie, Gesrbifhte, Kthaogrsphle, Theo• logle. Orientalin, Exegese, Homiletik, -Liturgik, Pädagogik. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Moritz Rahnier. STtagpßßuKj, 3. £lpt׳i£ 1884. Bfleher der elaacbl ■gigen Litteratar,welche der Bedactlon «ngenandt werden, finden. In diesem Blatte eingehende Besprechung. Bei Einsendung ▼on sw ei Beeenaions• Exemplaren erfolgt einmalige knrse Gratis-Insertien. Das ״Jüdische Litteratar-Blatt« erscheint wj Leipzig bei Robert Friese) pro Jahrgang 8 Ha allen Postanstalten und Buchhandlungen 8 Hark kost 25 Pf. tür die gespaltene Petitzeile, Beilagen mit DHt* Buchhändler, welche direct oder durch Ro öchentlich in einem halben Bogen; Pfjpia bei allen Buchhandlungen (in!•k. Abonnenten der ״Israelitischen Wochenschrift“ (die vierteljährlich bei et) erhalten das ״Jüdische Litteratur-Blatt“ gratis. — Inserate werden mit 6 Hark, berechnet und sind an die Expedition dieses Blattes zu senden bert Friese in Leipzig Inserate einsenden, erhalten 25 )i Rabatt. 98־ Inhalt: Wissenschaftliche Aufsätze: I. Offener Brief de! Dr. Nestle au die Redaction des ״Jüd. Litteratur II. Offene Antwort auf vorstehenden Brief. II ' merkung der Redaction. Litteraturberichte: Vom jüdischen Katechismus, tessor Dr. David Kaut mann. Budapest. — Le congres international pour l’anieliotfition du sort d muets, tenu ä Bruxelles, considerä, en rapport av! tion des eourds-muetsäRotterdamperD.Hirsch, Professor Blattes“. Nachbe- Von Protroisieme is sourds- : l’institu- Rotterdam I. Offener Brief des Professors Dr. Nestle an die Redaction des ״Jüd. Litteraturblattes“. ״Verehrliche Redaction! Auf die Einsendung des Herrn Rabbiners Dr. K r o n e r - Brandenburg (in No. 10): ״Ein Specimen antisemitischer Wissenschaftlichkeit“ antworte ich Folgendes; 1. Ich habe mit von Osten kommenden Ribbinats- Candidaten Talmud gelesen und solchen ihr curriculum vitae behufs ihrer Doktorpromotion korrigirt; ich kenne die Sache; 2. Ich habe in Süduud Norddeutsehl ind und England genügend Gelegenheit gehabt, kennen zu lernen, was von jüdischer und christlicher Seite zur Förderung semitischer Sprachwissenschaft geleistet wird; 3. Ich habe schon manches von Israeliten geschriebene Buch seit 1874 im ״ Litterarischer Centralblafct“, stets mit Nennung meiner Chiffre recensirt; 4. Ich bin öffentlich im ״ Centralorgan 1er Ronservativen Süddeutschlands“, der Deutschen Reichspost, im Aug. v. J. mit einer Anzeige von D31itz5ch’s ״Schachmatt“ gegen Justus und Rohling hervorgetreten, ganz im Gegensatz zu der in den genannten politischen Kreisen herrschenden Stimmung; 5. Ich habe in der angegriffenen Recensipn nachgewiesen, dass Prof. Dr. Herzfeld Einblicke in das Sprachliche der semitischen Urzeit schreibt, ohne eine Spur wissenschaftlicher Kenntniss des Syrischen oder Arabischen zu haben; 6. Ich habe in der fraglichen Recens 'on von ״semitischer Unverfrorenheit und Selbstüberhebung“ gesprochen. Den schlagendsten Beweis giebt mir der Artikel des Herrn Rabbiners Dr. Kroner und die Aufnähme desselben von Seiten der Redaction. Ich frage öffentlich, was giebt Herrn Rabbiner Dr. Kroner das Recht zu schreiben UDd Ihnen es drucken zu lassen, dass ich an Justus meine Herzensfreude habe, und mich mit diesem auf eine Linie zu stellen? Ist es nicht unverfroren im höchsten Gfade, so über einen Mann zu urtheilen, den Sie beide nicht im Geringsten kennen? Ergebenst Ulm, den 10. März 1884. Prof. Dr. Nestle.“ ׳/ II. Offene Antwort anf vorstehenden Brief. ״Poltern Sie doch nicht 30 in den Tag hinein, ich bitte Sie. Uebersctireien können Sie mich alle acht Tage. Heberschreiben sollen Sie mich gewiss nicht.“ Lessing, Anti-Göze I. Dank, vielen Dank Ihnen, Herr Professor und Doctor, für Ihre neuen freiwilligen Beiträge zu Ihrer Charakteristik, die Sie mir, die Sie der Oeffentlichkeit bieten! Fürwahr, würden Sie Bücher so treffend kennzeichnen, wie sich selbst, Sie wären ein beneidenswerther, ein berühmter Kritiker. Erlauben Sie mir noch, auch der verehrlichen Redaktion meinen Dank abzustatten, dafür, dass sie auf meine dringende Bitte sich bereit finden Hess, Ihr neues Bild, gleich dem bekannten ersten, Ihr ureigenes Händewerk, niedriger zu hängen — und nun zur Beleuchtung des neuen Bildes: ad 1. Sie haben mit von Osten kommenden Rabb inatskandidaten, wie Sie sägen, Talmud gelesen, das heisst doch: von denselben Talmud gelernt. Nun, ־wenn der empfangene Unterricht einigermassen erfolgreich war, werden Sie den Sinn des t&lmudischen Spruchs kennen: In den Brunnen, aus dem du Wasser getrunken, sollst du keinen Stein werfen. (Baba k. 92). Und doch sprechen Sie so geringschätzig von diesen ״Jünglingen“? Aber Sie haben ihnen ja für den Talmudunterricht ihr curriculum vitae behufs ihrer Doctorpromotion corrigirt, folgfich die Schuld der Dankbarkeit abgetragen. In den sogenannten*) Profan Wissenschaften können Sie indess jene ״Jünglinge“ doch nicht unterrichtet haben, da Sie ja sonst Ihr eigenstes Werk verspottet hätten. Sie haben also jenen nur talmudisch gebildeten ״Jünglingen“ ihr curriculum vitae behufs ihrer Doctorpromotion corrigirt, Sie ״kennen also die Sache“. Wäris mögfich?! Der Patriarch . . . Ich hab’ mich oft gewundert’ Wie doch ein Heftiger, der sonst so ganz Dem Himmel lebt, zugleich so unterrichtet Von Dingen dieser Welt zu sein herab Sich lassen kann. Es muss ihn! sauer werden. (Der Klosterbr. in Lessing’s ״Nathan“.) 0, es musste auch Ihnen jene Correctur sauer, jenes Daukesopfer schwer werden. Vielleicht aber empfanden Sie damals noch nicht die Wucht der *) Ich sage deshalb ״sogenannten“ Profanwissenschaften, weil dem Juden keine Wissenschaft profan, jede ihm heilig sein soll. Das Wissen selbst eines.Heiden soll er als Ausflus8 göttlicher Weisheit hochschätzen. Beim Anblick eines hervorragenden nichtjüdischen Gelehrten soll der Israelit daher nach talmudischer Vorschrift die!in das Gebetbuch, aufgenommene Benediktion sprechen, worin Gott dafür gepriesen wird, dass er ״von. seilier Weisheit den Sterblichen mittheilt“. — Wie hocherhaben über die vorurtheilsvollen Kritikaster unserer Zeit erscheint hier der alte Talmud! I