Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 12 (1883)
- Issue
- No. 42. (19.10.1883)
- Date
- 1883-10-19
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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far Beleacktuf aller JileatbiM ■84 Jidea betreffend« HtUrorfcefc« Er• •«fceiang« aaf d«t Gebiete der PkOfl* •ephfe» 6«1ehlcht6, Etk1«fn|»ki«, The•• OrieartaHa, faagwt, flmtletlk, MtarfU, PMamU. Heraasgegeben ▼on Rabbiner Dr. Moritz Rahmer. 9(Rc.g3e'6ut^, 1 c). öcto&ci 1883. Bieter *er tU«efcli(ig•■ Uttmla1,mkt< <«* B«4*etlo« ngtualt wart«, Irin 1■ ilnai Blatt« «Ugakmdt'BtatrMh■■•. Bei nmri»| in sw«l gnwlwi- Ennglim erfolgt rimuHg« kan« Gratfi-Inaartlaa. Das ״JMlsch* Litterater-Blatt« «rschei 11 11 eipzig bei Robert Friese) pro Jahrgang 8 allen Postanstalten and Buchhandlungen 8 Mark 2S Pf. für die gespaltene Petitzeile berechnet ni ▼on 6• 1« Baabe Ä Co., Frankfurt a. M., Magd ■t wöchentlich in einem halben Bqgen; Preis bei ^llen Buchhandlnnaen (in Mark. Abonnenten der ״Israelitischen Wochenschrift“ (die vierteljährlich. bei kostet) erhalten das ״Jüdische Littqratar-Blatt“ gratis. — läse rate werden mit id von der Expedition dieses Blattes :1sowie durch die Central-Annoncen-Expedition (borg, Berlin, Cöln, Hamburg, München, Zürich, ־Wien, Paris befördert 11101 Inhalt: Wissenschaftliche Aufsätze: Anstand und jüdischen Alterthum. Von Dr. S. Gronemai (Fortsetzung.) — Ein tast vergessener Sohn sohns. Ton J. Loewenberg. —Das Institu Littecaturberichte: Herzfeld, Dr. L., Einbl Sprachliche der semitischen Urzeit etc. — Eine lehrreiche Unterhaltung für alle Fremde Notizen. Etiquette im n in Danzig. >8es Mendelstum judaicum. icke in das Db! r Opfergang, der Moral etc. Anstand und Etiquette im jüdischen Alterthum. Ein Vortrag von Rabbiner Dr. S. Gronemann. (Fortsetzung.) Doch diese letzte Anekdote fuhrt uns auf einen Gegenstand, auf den wir ganz besonders u isere Blicke richten müssen, um die gesellschaftlichen ־ Verhältnisse eines Volkes kennen zu lernen, auf das Mahl. Denn dieses ist der Mittelpunkt des geselligen Lebens und hat stets eine bedeutende Rolle gespielt, in! Altertham wie in der Neuzeit, und bei den den Jätern des Himmels mehr zastrebenden Israeliten ni :ht minder wie bei den für die Genüsse der Erde mehr empfang- .liehen Griechen und Römer. Nur hat die "V erschiedenartigkeit der Geistes- und Gemüthsrichtunj; auch dem Gastmahle ein verschiedenartiges Gepräge 8 ufgedrückt Freilich wird zu allen Zeiten und unter alle: 1 Himmels strichen der Gebildetere und Gesittetere nicht blos nach Speise und Trank, sondern mehr odsr weniger auch nach der Würze einer angenehmen Unterhaltung Verlangen tragen. Aber es kommt doch immer darauf 'an, welche Anforderungen an eine solche Unterhaltung gestellt werden. Den alten Römern war es in der Zeit des zunehmenden' Wohllebens und raffinirten Luxus mehr um die sinnlich als um die geistig anregenden Genüsse zu thun; Tänzerinnen und Tanzstücke, Schauspiele, Possen und frivole Mimen brachten bei ihnen Abwechselung zwischen den einzelnen Gängen der Tafel. Höher waren die Ansprüche der Griechen! sie verlangten geistige Anregung, wie ja auch oujitoioiov ״das Gastmahl“ die Ueberschrift eines platonischen Dialoges bildet, der die vor. Sokrates jnit seinen Schülern auf einem Gastmahle geführten philosophischen (Jespräche wiedergiebt. Verwandt waren die Anschauungen der alten Israelit© 1, nur mit dem characteristisohen Unterschiede, dass, da 1 ie dasV 01k der Religion wären, die geistig anregende .Unterhaltung auch eine religiöse Färbung haben musste. Ueber das Hans und die Familie herrschte überhaupt eine höhere, tief religiöse Auffassung. Das Haus galt ihnen als ein Heiligthum, geheiligt .und geweiht durch die Innigkeit und < Herzlichkeit des Familienlebens, nnd der Tisch, um dien sich die Familienmitglieder traulich versammelten, für nichts Geringeres als ein heiliger: Altar.*) Allerdings haben auch die anderen alten Völker beim Mahle sich an ihre Religion erinnert.! Auch die Griechen undjRömer verrichten beim Beginn» der Mahlzeit ein Gebet und opferten am Schlüsse desselben ihren Hausgöttern. Es ist dabei interessant, dass anch bei ihnen der ^Salznapf auf dem Tische nicht fehlen durfte, nicht sowohl zur Würze für die Speisen, als ans einem religiösen Bedürfnisse heraus,־ gerade so wie beim echt jüdischen Mahle auf dem Tische, als dem häuslichen Altäre,' das Salz dastehen soll als Symbol jenes Salzes, welches anf dem Altäre des jerasalemischen Tempels zur Bestreuung der Opfer angewendet worden ist.**) Aber bei jenen Völkern geht die Religion äusserlieh neben dem *Mahle einher, bei. den Israeliten aber sollte das Mahl' das Himmlische mit dem Irdischen innerlich verschmelzen, zu einer schönen Harmonie vereinen. Eine Tafel, bei der nicht Worte der Gotteslehre vernommen werden, ist ein- Todtenmahl, so läutet ein Ausspruch.***) Eine der- - artige Unterhaltung ist die unentbehrliche ZutÜat aller Festlichkeiten nnd darum anch der Mann, der dazn den Anstoss zu geben am Meisten berufen ist, der jüdische Weise, der doch seine Wahrheit aus dem Gottesbuche geschöpft hat, selbst unentbehrlich. Er war der Mittelpunkt der ganzen Versammlung, er war. es, am den sich Alles drehte, an dessen Mund. Alles hing. Aber man wird fragen: da doch der jüdische Weise nicht blos der Gelehrte, sondern anch der Gottesgelehrte war( nicht blos durch sein Wissen, sondern auch durch seine־ Frömmigkeit hervorrag^n sollte, hat nioht die Tafel da, wo er den Ton anzugeben. sioh berufen fühlte, nofchgedru ngen einen zu ernsten *) Berachoth 69. **) Marquardt p. 3<j9, 517. ***) Pirke Aboth ■1J1, 3. .