Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 9 (1880)
- Issue
- No. 1. (1.1.1880)
- Date
- 1880-01-01
- Page
- 2. Version Seite 4 (sequence 6)
- Language
- German
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seinen Ursprung verdankt Man darf wohl ohne Weiteree behaupten, dass das Versöhnangsfest in keiner rabbinischen Schrift als QT oder יומא schlechtweg bezeichnet wird. Einmal wird es so genannt, aber mit dem Zusatz von רבה also יומא רבה (Rosch haschanah 2 La), dann müsste aber auch das Neujahrsfest יומא genannt werden können,^ denn auch dieses heisst יומא אריכא. - Uebrigens ist das Buch in einem milden, ruhigen und ־Sachlichen Ton geschrieben, der recht angenehm berührt. Es liest sich namentlich in den ersten einleitenden Stücken sehr gut, wo jedoch ebenfalls aus secundären Quellen über den römischen Presszwang zur -Zeit Christi berichtet wird. Das sind aber auch die wesentlichsten Vorzüge, die man dem Buche nachrühmen kann. Sonst werden in demselben allerlei passende und unpassende Citate angebracht und wird, viel buntscheckige Gelehrsamkeit wie aus einer ״verschütteten Gewürzbüchse'‘ umhergestreut. ß. Sehalts, Dr. M. Kinnor-Lieder. Alt-ebräische Dichtungen in metrischer Uebersetzung. Mit erläuternden Anmerkungen. Leipzig, Ernst Günthers Verlag. 1880. Es ist in unserer Zeit, da Alles, was vom Judenthum herrührt, meist ungeprüft verunglimpft wird, erfreulich und über die düstere Gegenwart erhebend, wenn von ni c h t jüdischen, dichterisch besaiteten Gelehrten das von den Juden als theuerstes Kleinod .gehütete und der Menschheit unverfälscht überlieferte älteste Schriftthum, wenn die Bibel in ihrer ganzen Erhabenheit gewürdigt und geschätzt wird, wenn sie noch immer als unversiegbare Quelle betrachtet wird, aus der Gemüther, die der Erbauung und der dichterischen Erhebung.bedürftig und fähig sind, fort und fort schöpfen, sich erquicken und laben können in der Dürre des jetzigen, an echter Religion wie an echter Poesie so armen Lebens! ,Hätte das Judenthum“ — so sagt der Verfasser des uns vorliegenden Büchleins im Vorworte — ,nicht so treu an seinen Traditionen festgehalten . . . . so wüssten wir von der hebräischen Literatur wahrscheinli8h nicht mehr,, als -von der verwandten phönicischen.“ Zeigt sich daher die Liebe des Verfassers zu dem ,altehrwürdigen* Denkmale des Judenthums schon in diesem ,Versuche“, wie er seine Arbeit nennt, so offenbart sie sich noch mehr in dem ausdauernden Fleisse, mit dein er in den Geist der biblischen Poesie einzudringen sich bemüht hat, und dem die zum grossen Theil ״elungenen Uebertragungen biblischer Stücke in poe'tischer Form zu verdanken sind. Die Wiedergabe der getroffenen Auswahl, die sich fast auf alle biblischen Bücher erstreckt und natürlich überwiegend die Psalmen, -sodaDn die Sprüche und das Hohelied umfasst, ist im Allgemeinen eine vortreffliche zu nennen. Nur Derjenige, der die fremde Sprache, deren Erzeugnisse in der Muttersprache wiedergegeben werden sollen, völlig beherrscht, kann die in den verschiedensten Versmassen versuchte Uebertragung 80 vollendet liefern, wie unser Verfasser. Aus der Reihe der besonders schönen Bearbeitungen sei hier nur auf die in asclepiadeischen Strophen gegebene Uebertragung des Spottliedes ״auf den Fall Babylons* fJes. 14, 4—20) hingewiesen, das mich förmlich entzückt hat. Obwohl man eine ziemlich treue Uebersetzung des biblischen Originals vor sich hat, glaubt man doch ein selbständiges deutsches Gedicht in dem für die deutsche Sprache durchaus nicht leichten Versmass'zu lesen. Kurz der Verf. bekundet in diesem seinen Versuche eine gründliche Kenntnis» der hebräischen Sprache und der Bibelexegese, verbunden mit einem anerkecnenswerthen dichterischen Talente^ das sich besonders in dem künstlerischen Gebrauch des Metrums zeigt. Aber noch nach einer anderen Seite hin tritt der Dichtergeist unseres Uebersetzers hervor, in der reichen, lebhaften und kühnen Phantasie> die aber dem Werkelten durchaus nicht zum Vortheile gereicht. Im Gegentheil würde ich davon viel befriedigter scheiden, wenn er seiner Phantasie in den zur Erläuterung dienen sollenden Anmerkungen nicht in dem Masse, wie es geschehen, die Zügel schiessen Hesseso dass gar häufig recht phantastische Ideen zum Vor, schein kommen. Ich war erstaunt über die mythologischen Anschauungen, die der Verf. in die nüchternen, von der erhabensten Einfachheit zeugenden biblischen Stücke hineinträgt, bis ich dann in der zum Channahlied gegebenen Anmerkung einen Hinweis auf sein ״Handbuch der hebräischen Mythologie“ fand, zu dessen Empfehlung, wie es fast scheinen könnte, gewiss aber Zum Schaden dieses seines anderen Büchleins die mythologischen Phantastereien oft an den Haaren herbeigezogen werden. So sieht der Verf. in dem hebräischen Ausdrucke עליון, darin er das phönicische ’E).10av wiedererkennt, schliesslich die Benennung des Saturn. Das schöne Deborahlied wird zerstückelt, ein Stück aus seinem Zusammenhänge herausgegriffen und als eine poetische Schilderung von ״des Jahres Kreislauf“ dargestellt. Dabei müssen die Namen und die Wörter eine wahre Metamorphose durchmachen, in mythologischen Dunst oder in astrologische Zeichen aufgelöst werden. ״Der Name Jael bezeichnet den Steinbock“, Deborah wird zur emsigen Biene, Barak zum ״Feuerstrahl“, zum ״Feuerhrand“, Sisera wird nach einer Wanderung durch die Septuaginta und durch die arabische Sprachwüste zur ״Milch des Muthes“, zum ״Wein“, אשת חבר als ״Weib des Zauberers“ zum schönen Weibe, das in den Weinsagen den Göttertrank spendet, לחם שערים wird wiedergegeben durch ״Kampf der Struppigen“ als Be- Zeichnung für die Ernte u 8 w. Es könnte diese Blumenlese, die auf dem mythologischen Felde des götterreichen Hellas lohnender ist, als auf dem prophetischen Boden des monotheistischen Palästina, noch vervollkommnet werden, wenn wir nicht fürchten müssten, die Geduld des Lesers zu erschöpfen. Mit einem Wort, es bilden diese mythologischen Zusätze zu den biblischen Uebertragungen ein fremdes Element und eine durchaus nicht empfehlende Beigabe des sonst so empfehlenswerthen Büchleins, das besonders als Angebinde für die erwachsene Jugend sich eignet, wenn diese nicht einseitig blos an Geist, sondern auch au Gemütli gebijdet werden sollen. Braunschweig. Dr. Kusznitzki. Soeben ist erschienen und durch alle Buchhandlungen zu beziehen: T 0 S E F T A herausgegeben von Dr. M. S. Zuckermaildel, Babbiner in Pasewalk. F ü nfte Lieferung. Subscriptionspreis beim Heiausgeber 3 Mark. Das Jüdische Literaturblatt Jahrg. 1877 und 1878 ist in einigen Exemplaren noch complet vorräthig und wird gegen Einsendung von ä 5 Mark direkt an die Expedition dieses ßl.ittes durch dieselbe franco versandt. Brlefkuten der Redaetion. Die Recension über Schürer's: ״Gemeindeverfassung u. s. w.“ und F.'s: ״Mar Samuel“ in nächster Nr. V«raut wörtlicher Redaeteur Dr, Rahmer in Magdeburg. Druck von H. Horbach in Barby. Verlag von Robert Friase in Leipzig,