Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 8 (1879)
- Issue
- No. 34. (20.8.1879)
- Date
- 1879-08-20
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Wo. 34 ץ-׳/ Znr Beleuchten* aller Jeden♦ tham an# Jaden betreffenden llterarUeh. Erscheinungen auf dem Gebiete der Philosophie. Geftchichte.Ethnogrftphie.The♦ ologte.Orientftllft, Exegese, Ho• mlletlk, Lltarglk, Pädagogik. v—J Herausgegeben von Rabbiner Dr. Stbritz Rahmen ~C> Maffdebars, äO. An^nat 1S7( ׳i». -- Bücher der etuchlicige■ U• tentu, welche der Bedaetlea sagewadt werden, tadea la dleeeaiBlaWe etageh-Beepreehaag. Bel Etaeeadaag voa xwe( ReeeuieaeexnaplareB erfolgt aaeh Er wäha. L d.WoeheaMhr. v " 1■j"1 1 1 J- ן iyl n Da* * ״JBaHaelie Llterfot«1rfclatt“ erscheint wöchentlich in einem halben Bogen; Preis bei allen BasMwaOMgn■ (in I Lei pzig bei Robert Friese) pro Jahrgang:8ük. Abonnenten der ״Israelitischen Wochenschrift* (die vierteljährlich bei allen Poatanataltaa nnd Buchhandlungen 3 Mk. kostot) erhalten das ״Jüdische Lileraturblati“ gra tis. — laaerfote werden mit 30 PC für die ***** apaltene PeüUeile, buchhttndlensche Beilagen mit 13 Mark berechnet. Die ExpfoBtioS der ״ItraeUtisehen WoofcMSOfcrift“ Inhalt! W iss en schaftlich e Aufsätze: Mendelsaohn's philosophische und reformatorische Bedeutung. Von Dr, M. Dessauer, Babbinar in Röthen. — Schlemiel. Liiteraturbtricht: Recensionen: Rothschild, Dr״ Rabb., Gebet- und Religtonsbuch für die erste israelitische Jugend. — Cohen, L., Lehrer, מפתח לקבוע עתים• Schlüssel zur sofortigen Um- Wandlung jedes bürgerl. Datums in das epsprechende jüd. 'etc. Nachdruck nur mit voller Quellenangabe gestattet. Mendelssohn’» philosophische und reformatorische Bedeutung. Von Dr. U. Dessauer, Rabbiner in Cöthen.*) Anfang September werden cs 1 5 0 Jahre, seitdem Moses Mendelssohn in einem kleinen Häuschen, meiner Nachbarstadt Dessau das Licht der Welt1 erblickt hat, j und es dürfte nicht überflüssig sein, zur rechten Zeit ein erinnerndes Wort sejnein Andenkenzu widmen. Wenn die intolerante Mitwelt aus Verachtung seines Stammes und seiner Religion ihm ein Denkmal versagt hati so ist eine freiere Nachwelt moralisch verpflichtet, iljrein edlen Mitstreiter bei jeder passenden Gelegenheit( Ruhmeskränze zu winden und in Schrift und Wort ihm ein Denkmal zu setzen, ״dauernder denn Erz*. Schon in der Stille seines ärmlichen Vaterhauses zeigte sich sein hervorragendes Talent, aber ein Cha* rakter, ein Genie wurde er erst im Geräusch der Welt, in der preussischen Hauptstadt, welche sich damals immer mehr und mehr zum Sammelplätze der Gelehrten und Gebildeten erhob, und wo man vom stolzen Throne des grossen Friedrich bis in; die unteren Hofkreise hinab mit Wissenschaft und Bildung wenigstens geliebäugelt hat. Aus zwei frischsprudelnden Quellen hervor rieselte der lebendige und belebende Segeosborn in Mendelssohn’s Natur, aus Kopf und Gemüth, und er ergoss sich auch in zvfei kräftigen Hauptströniungen: Weltweisheit und Religion. Wie sein grosser Vorgänger, Glaubensgenosse und in mancher Hinsicht auch Leidensgefährte, der gepriesene und verdammte Amsterdamer Weltweise,' machte auch er die Philosophie und die Religion z|u den zwei Hauptgegenständen seiner Forschungen und Untersuchungen; wf*e denn auch die Ausstrahlungen seines Geistes und; seiner fruchtbaren *) Aus dessen demnächst erscheinender, defn Ausschuss des deutschiar. Gemeind! ibundes gewidmeten Schritt: ״Djer d euts ehe Plato.“ 1 Wirksamkeit nach zwei Seiten hin. nach der philosophischen und nach reformatorischen za beleuchten sind. Mendelssohn!! war geringer und bedeutender als Spinoza, geringer in der Klarheit, Sicherheit und Selbstständigkeit'des. logischen Gedankenganges, welcher Spinoza hoch Uber die Schultern seines Vorgänger erhob, bedeutender aber in der praktischen *Einwirkung auf das geistige und religiöse Leben seiner Zeitgenossen, insbesondere des judenthums. Aus der Tiefe seines echt religiösen GemUthes sprossten die dnftendsten Blöthen hervor, welche in ihrer Lieblichkeit und Zartheit Jedermann anzögen, ja berauschten, so dass er unbewusst zum' Vorkämpfer seiner Zeit, zum Regen«• rator seines Stammes geworden. Man hat Mendelssohn vielfach mit Lut her verglichen; der Vergleich hält aber nur nach einer Seite hin Stich. Lather musste die Kirche von schädlichen Dogmen, von |1ttliehen Schäden und Schatten einer selbstsüchtigen Hierarchie befreien, sie an, Haupt und Gliedern reformiren. Bei dem Mangel an Dogmen in der israelitischen Religion hingegen brauchte Mendelssohn nur erleuchtende Geistesstrahlen in die Abgeschlossenbeit des Ghetto dringen zu lassen, die Bewohner desselben aus der Verkommenheit zu heben, zu wecken,, zu regeneriren. Beide aber, Lather und Mendelssohn, besessen hierzu ein frommes, inniges und gottergebenes Gemüth, was, wie es scheint, den zieren muss, dem die dankbare Nachwelt den Ehrenkranz eines segensreichen Reformators auf die Stirne drückt. Auch Spinoea zwar hatte ein sanftes and frommes Gemüth, es war aber allzusehr von des Gedankens Blässe angekränkelt, ja oft völlig erstarrt, und darum unfähig, auf andere Gemüther einzuwirken. Treten wir zunächst der philosophischen Thätigkeit Mendelssohn’8 näher, so darf diese nicht, wie es in mancher Geschichte der Philosophie geschieht, gering angeschlagen oder mit Stillschweigen übergangen werden. Misst man sie nicht blos nach ihrer psychologischen, logisohen und roatbemutiSchen Unfehlbarbeit, sondern auch nach der wirksamen Kraft, die zündend in die Herzen und Gemütber einschlägt, aberzeugt und bessert, so gilt in Bezug auf M, daa