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Das jüdische Literaturblatt · 1879-08-13 · No. 33. (13.8.1879) · p. Seite 131

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
8 (1879)
Issue
No. 33. (13.8.1879)
Date
1879-08-13
Page
Seite 131 (sequence 3)
Language
German
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31 — Einfluss auf das Judenthum. Seine grösste That i dieser Richtung war wie bei Luther eitp Uebersetzungs• werk: eine Uebersetzung des Pentateuch |md der Psalmen[ Gegen diese ganz unschuldige That er^iob sich ein gef waltiger Sturm seitens der Orthodoxen j hin und wieder wurde auch ein kleines Autodafte mit diesen Büchern verjanstaltet, ein Verfahren ebenso gottlos als lächerlich. : Und dennoch leitete diese Fanatiker ein richtiger Instinkt; sie merkten, dass ihre Herrscjhaft durch dieses Werk werde gestürzt werden; an ihn(» nämlich lernten die .luden sowohl den r!־inen Inhalt der heiligen Schrijft als auch die deutsbhe Sprache. Und ן besonders dieses letztere war von ungeheurer Tragweite. Wir hatten Eingangs den Verstand der polnischen Juden einer Mühle verglichen, die Sand mahlte; durch diese ßibelübersetzung, durch die Kenntniss der deutschen Sprache bekam dieser scharf geschliffene Verstand den rechten Stoff zu verarbeiten. Aus dieser ain!,alinud entwickfelten Geistesschärfe ist. es zu erklären,׳ wenn die Judjen sich so ausserordentlich rasch in den modernen Geist hineingcfunden und mit so vielem Talent sich in Wissenschaff und Kunst produktiv bewährt; haben. Mendelssohn’s letzte Jahre, so Anregend für seine Glaubensgenossen, so reich an tüchtigen Arbeiten, waren auch die bewegtesten seines Lebens: der Streit mit Lavater, der Streit mit Jakobi wegen Lessings Spijnozismus, endlich auch der Widerstand der orthodoxen Stimmführer seines eigenen Glaubens zehrten an seiner ohnedies schwachen Gesundheit. Als er am 14 Juni 1786 starb, war die Judenfrage eint brennende geworden; die innere Reform und die bürgerliche Gleich- Stellung standen auf der Ordnung dös Tages; noch war Alles in wüster Gährung; aber der stille Mann, derbescheidene Kaufmann, der, ohne zur Zunft zu gehören, Gelehrsamkeit gepflegt hatte — eine unter Juden häufige, unter Deutschen seltene Erscheinung — Moses Mendelssohn durfte sich sagen, dass er mitjseinem Zauberwort den Sturm lierau!'beschworen, wejeher den Frühling bringt. _ Z. Jesus und Hillel. (Schluss.) Freilich weiter ging das Scliülerthum Jesu bei Hillel nicht. Er hatte nicht unter seiner Leitung studirt, wie etwa Paulus bei Gamajiel, sondern nur im Wesen war er dein grossen Lehrter ähnlich, und von seinen Lehren kannte er die, welche ins Volk gedrungen waren. Mit Recht hat Grätz ' darauf hingewiesen, wie alles sichere Beweismaterial für die Wissensstufe des grossen Galiläers fehlt. Seine Landsleute waren ungebildet — er verkehrte mit d$n Niedern des Landes (דלת הארץ) Sind aber seine Aussprüche, in der Bergpredigt ohne entstellende Interpolationen uns׳überliefert, so kann er nur ein 1, הארץCi? gewesen, der des Gesetzes unkundigen Klasse, zugejhört haben. Nicht hat er ״dein Rabbinismus Jen Rücken“ gekehrt, sondeifn er war ein Vertreter der Ifnwissenden, die den Ain-haarez-Gedanken festhielten: | es bedürfe nicht der Gesetzesbestimmungen, wenn man) nur den Willen hat, das Rechte zu thun und das Utrecht zu meiden, genüge es, d a her — wenn sie aut lentisch sind -jdie Aussprüche gegen das Waschen, Xegen die Strenjge der t Sabbathfeier. Daher das ein Gelübde bezeichnende > קרבן in Marcus 7,11 — in welchem der Vorwurf gegen die Schriftgelehrten erhoben wird, dass sie das לא יחל דברו »er soll sein Wort nicht entweihen* (IV B. M. 30,2) so streng genommen, dass sie selbst im Widerstreite gegen religiöse Pflichten das gesprochene Wort gehalten wissen wollen. Freilich, dass damit die Verletzung einer religiösen Pflicht nicht entschuldigt werden kann, dass umgekehrt schon der Hinweis darauf, wie diese Verletzung nicht bedacht worden, das Lösen des Gelübdes ermöglicht, das hat der Galiläer, oder die es in seinem/Namen geschrieben, nicht gewusst. Daher das stolze: »Ich sage euch,“ wo er das Blutvergiessen als Beschimpfung und Verhöhnung (מלבץ פני חברו) deutet, wo er gegen das Zürnen mit dem Bruder eifert, wo er den Ehebruchjschon im Begehren sieht, wo er das Almosengeben ohne Aufsehen empfiehlt etc. Das sind aber allgemeine Lehren, die nichts Neues enthalten —׳ die vielleicht den Unwissenden neu erschienen. Dass, in der Thora geboten sei: »Deinen Feind zu hassen“ kann, wenn nicht aus Böswilligkeit, nur aus Unwissenheit behauptet werden. Gegen Delitzsch selbst, der natürlich in der Beschränkung der Blutrache und Sklaverei durch die Thpra eine Heili* gung derselben;erblickt, um dem Christenthum eine Superiorität zu vindicircn, die es in Wahrheit nicht hat, I wie überhaupt gegen die ganze Richtung, denen (was ja auch Delitzsch thut) die Abhandlung über das am Sabbath gelegte Ei das ganze Wesen des talmudischen Judenthums darstellt, führen wir allein den im Namen Ben iVsai’s überlieferten Ausspruch anT der zugleich all den Fragen; was im Judenthum unter רעך ,dein Nächster“ verstanden wird, die bündigste Antwort ertheilt: Nachdem R. Akiba das ,Du sollst lieben deinen Nächsten“ als Hauptgrundsätz (כלל גדל) bezeich. net hat, בן עזאיאוסר זד, ספר תולדות אדם׳ זה כלל גדן־ל ספרא) מזה zu קדושים ed. Weiss. S. 89a) »Dies ist das Buch der Entstehungsgeschichte des Menschen, das ist ein noch wichtigerer Grundsatz!“ Nicht ein Jota hat Jesus der Sittlichkeit des Judenthums hinzugefügt, er hat das Gesetz nicht verinnerlicht noch vergeistigt Das haben die Renner der Lehre ohne seine Hilfe gethan. — Er hat verkündet, oder richtiger, in seinem Namen ist das Erbe Jacobs den Völkern gekündet worden. Das macht ihn unsterblich. Die Propheten haben schon die nationale Beschränkung durchbrochen, freilich mit Alass. Gedankenreife war zur Aufnahme in den Bund der Gottesgläubigen erfordert. Dass man das Christenthum den Widerwilligen aufzwängte, hat wahrlich keine Vertiefung gebracht Es ist kein »verblendeter Nationalstolz,* wenn wir Jesus nicht als ein Niedagewesenes wollen gelten lassen. Seine Anerkennung ehrt uns, denn er ist ums er. Ja er ist nicht einmal Einer unserer Ersten, sonden nur ein schlichter Jude, der freilich im Wesen und Charakter rein war und fleckenlos! Nehmet die Mährchen weg, nehmet die Fälschungen weg, welche die siegreichen Heidenchristen an den alten Ueberlieferungen Vorgenommen — dem grossen Orientalisten Delitzsch legen wir die Frage vor, ob ברנש und ״ בר אלהיםMenschensohn“ undGofctessohn“ den Juden in Jesu Zeit dasselbe bedeutet hat, wie den zum Christusglauben bekehrten Heiden — ob, * wenn die Judenchristen dem neuen Glauben ihr Siegel hätten autdrücken können, ein Streit über öjioueto« und öjiotousio; möglich gewesen wäre? — theils bewusst, thei 18 in unbewusster Nachwirkung der heidnischen Anscbauungen vorgenoramen und es bleibt das Bild eines Mannes, der in seiner Sittlichkeit, seiner Friedensliebe, seiner Liebe zu seinem Volke werth ist ein Schüler Hillel 8 zu heissen, der aber im Wissen und Kennen rieh auch nicht entfernt mit ihm messen kann. Diese Schwäche aber ward der Ursprung der Macht der in 1

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