Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 8 (1879)
- Issue
- No. 10. (5.3.1819)
- Date
- 1819-03-05
- Page
- Seite 38 (sequence 2)
- Language
- German
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oder Blindheit der Eltern, vielleicht auch die Anfeindüngen der,Dummheit und des mächtigen Vorurtheils bilden das Schulprogramm des Autodidacten und vielleicht keine schlechten Gedeihmittel für Geisteskraft. Der Verf. will den Schwächen der Autodidaxie-eine tiefere Bedeutung abgewinnen. Jedoch es handelt sich utn wesentliche Fehler in den Leistungen, und diese hat der Verf. nicht dargestellt Wir haben es noch mit 2 ״Ursachen“ zu thun. Zunächst also die ״Reformsucht“ der Literaten. Allerdings legt die Zeitlage, in der wir leben, die Frage nahe, ob den inneren Verhältnissen nicht eine entsprechende Reform anzupässen sein möchte. Der Verbesserungsbegriff der künsiliehen unmittelbaren Reform in seinemengen und einförmigen Umkreise, wie ihn der Verf. versteht, kann weder der Cultur noch, der intellectuellen Ausbildung der russischen Juden Vorschub leisten. Der Verf. verwechselt unsere Reformfrage mit der der deutschen Juden, ausser Acht lassend, dass die Cultus- und ceremonielle Reform, um die es sich in Deutschland handelt, bei uns noch gar nicht spruchreif geworden ist Hier haben wir eine ,jüdische Frage“ mit allen ihren Eigenthüinlicheiten nach Innen tifcd Aussen, und die Aufgabe der Literatur liegt zunächst nur in dem Bestreben, das Selbstbewusstsein, die Liebe zur Bildung und die edleren Regungen' zu wecken. Was die Bekämpfung des Aberglaubens anbetrifft, sind wohl nur wenige, die ihm direct entgegenwirken. Der Verf. sagt, dass unsere Pioniere der Aufklärung einen unheilvollen Irrthum begangen haben, dass sie, statt die Wissenschaften zu popularisiren, ihre Attaquen gegen den Aberglauben riehteten Diese Beschuldigung, abgesehen davon, dass sie einer Begründung eptbehrt, kann auch nicht gerechtfertigt werden, denn da der Aberglaube der bitterste Feind der “״חכמות חיצוניות ist, so musste man natürlich diesen bekämpfen. Durch diese Spitzfindigkeit verfällt der Verf. in den Fehler der Erfindung einer nie vorhanden gewesenen Reform, die von den 1 Literaten befürwortet oder angeregt sein soll. Thatsächlich ist mir weder ein bewährter Schriftsteller, der für eine Reform die Initiative ergriffen haben soll, noch ein Versuch zur allgemeinen Reform bekannt. Hier ist die Kritik umsoweniger angebracht, als der Verf. in das Gebiet des Fabelhaften gerieth. (Schluss folgt.) אבנימוס זזנרדי* .. Wer ist der im Talmud und Midrasch so oft ehrenvoll genannte Abnitnos Hagardi? Grätz hielt ihn für den Neuptatoniken Numenios, welcher das Judenthum aus dessen Literatur kannte und zu schätzen wusste. Beide mögen wohl geistesverwandt gewesen sein, jedoch־ den Namen nach ■— Abnimos und Numenios — waren sie doch grundverschieden*) Sagt doch Grätz selbst: ״Unerklärlich ist mir nur noch das Epitheton ,TUn.“ Auch Jost-bekämpft Grätz’ Meinung und entscheidet ■ich für Oinomaus aus Gadara, welcher gegen den heidnischen Aberglauben auftrat und die Nichtigkeit der Orakel bewies. So weit auch die Meinungen beider Geschichtsschreiber nun auseinandergehen, darin 8tim- ■ # *) In der zweiten Anflage des IV. Bd. Note 19 geht Grätz von dieser Ansicht ab und entscheidet sich für den Kyniker 0 e n 0• msös aas Gadara. ׳י . ׳* L ausdrücklich gesagt wir Geburt war. Allein bei men sie aber überein, dass Abnimos ein heidnischer Philosoph und kein Jude wur. Es sei mir gestattet, neben den beiden hervorragenden Männern der Wissenschaff auch meine Meinung — eine ganz entgegengesetzte — zu äu89ern, Und zwar in erster Reihe die, dass Abnimos ein ganz guter Jude war. Allerdings findet sich eine Stelle im Midrasch (Ruth 1,8), wo 1, dass Abnimos ein Heide von näherer Betrachtung hat man ־iite Gründe, anzunehmep, dass die betreffende Midraschstelle gar keinen historischen Werth hat Die Stelle daselbst autet: ״Als dem Abnimos die Mutter gestorben war, da ging Rabbi Meir bin, um ihm seinen Condolenzbesttch zu machen. Einige Zeit darauf starb dem Abnimos wie<13r sein Vater , und Rabbi Meir machte ihm abermals seine Condolenzvisite; allein er traf ihn diesmal Lei se ner Arbeit beschäftigt. Ganz erstaunt darüber sagte er :11 ihm: ,.Es scheint, als wenn Dir Deine Mutter lieber uls Dein Vater wäre!“ worauf ihm Abnimos seine Handlungsweise im Hinblick auf eine Stelle in der heiliget» Schrift rechtfertigte. Rabbi Meir bekräftigte seine Ansicht, indem er zu ihm sagte: ״Di e V ater schuf t e i 11 es Ilei d e n ist se 11 r z w e ifelhaft!״ Mag auch die Vertrautheit der beiden Männer den höchsten Grad von Freundschaff erreicht haben, so ist es doch nicht gut anzunelimen, dass der zartfühlende, fein gebildet! Rabbi Meir seinem Freunde eine solche Beschimpfung, die seine verstorbene Mutter brandmarkte, entgegenächh udert. Die betreffende Stelle im Midrasch hat demnach «einen geschichtlichen Werth. Scheidet man nun diese Stelle aus, so findet sich keine zweite Stelle im Talmud, iie auch nur annähernd andeutete, dass Abnimos ein Heide gewesen sei. Vorausschicken muss ich, was mcli Grätz anniinint, dass אבנ״מום lind נימ״ם identisch ist. In Cliagiga 15b wird ein Gespräch zwischen Ral>hi Meir und Nimos erwähnt. Eine sehr wichtige Stelle, c ie beide Geschichtsschreiber übersehen haben, ist die in Bechoroth 10b; daselbst heisst es: -״;ימוש אחיו של ר־ יהושע הגרסNimos war der Bruder des Rabbi Josua aus Gar-i“, mit Irin war Abnimos auch aus Garsi. Es scheint demnach, dass חגרדי nur ein Abschreibc fehler sei und muss lauten אבנימום הגרכי, Eine kurze Charakteristik des Rabbi Josua Hagarsi wird* ergeben, dass beide Brüder auch geistesverwandt und mit guter griechischer Bildung ausgestattet waren. Im Talmud äabbaih 108a wird ein Gespräch zwischen Rabbi Josua Hagarsi und eitlem Bajethäer erwähnt, worauf ihm dieser sagte קאלוס xa).ü>; ״Deine Antwort ist schön, d. h. zutreffend!“ Es scheint, dass das ganze Gespräch in griechischer Sprache geführt wurde, und der Talmud nur das Schlusswort als griechisch anführt. Intiressant ist, dass Rasclii daselbst das Wort קאלוס nicit als griechisch verstanden hat, es vielmehr für das he bräische ״ קלםloben“ hielt und es auch in diesem Sinn 3 erklärt. Werfen wir einen forschenden Blick auf die damalige Zeit, wo griechische Bildung die tonangebende war, so treten uns drei grosse Erscheinungen im Judenthume entgegen, unter ■ denen ein cordiales Verhäli niss zu bestehen schien. Es waren dies Rabbi Meir, Elischa ben Abujah und Abnimos. Alle drei schienen griechische Namen geführt zu haben. Nach Talmud Erubin 13b heisst es: מאישה - •לא ר' מאיר שמו אלא מאישה שמו ist wahrscheinlich, wie Grätz richtig bemerkt, die griech Form Miuuaf,; משה, und der Ns me Meir ist lediglich eine Metapher mit der Bedeutung ״Der Erleuchtende“. Hat man Elischa ben Abujah wegen seiner Abtrünnigkeit den Namen אחר — möglicher Weise ein hebräisches Wortspiel mit dem grijchischen Namen ’A/tOp, י oder auch V^eip, ungeschickt, unkundig, im Sinne