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Das jüdische Literaturblatt · 1879-01-29 · No. 5. (29.1.1879) · p. Seite 18

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
8 (1879)
Issue
No. 5. (29.1.1879)
Date
1879-01-29
Page
Seite 18 (sequence 2)
Language
German
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— 18 — voyen wurde indess von einem natürlichen Sprösslinge des angestammten cyperischen Herrscherhauses wiader vertrieben. Dies geschah 1464 durch Jacob II. Hach dessen Tode regierte seine Gemahlin Katharina Cor laro für ihren unmündigen Sohn Jacob III. Dieser ge*enüber machte aber Charlotte, die verwittwete Gemahlin des vertriebenen Ludwig von Savoyen, ihre Reahte geltend, welche sie 1482 an Karl I. von Savoyen ah tritt, wovon die.Könige von Sardinien (Italien) heute töcli den Titel ,König von Cypern* führten. Katharina aber, ebenfalls verwittwet, übertrug 1489 ihre Rechte der Republik Venedig. Dieser verblieb ,Cyp'fern, bis die Türken 1570 es eroberten. Bei dieser Froberung sp eite eben jener oben genannte Juan Miquez die Hauptr)Ue. Juan Miquez, mit dem Zunnd Familienna nen Nassi benannt, war im ersten Viertel des 16 Jahrhunderts in Spanien geboren. Er hatte, um dem Blutgeri :hte der Inquisition zu entgehen, zum Scheine das Christenthum annehmen müssen, begab sich aber ab Jüngling nach Antwerpen, wo er zum Hofgelage der Statthalterin der Niederlande, Maria von Oesterreich, gezogen wurde. Er lebte dort iin Genüsse ritterlicher Vergnügungen, bis ein Liebesverhältniss ihn von dort wegzog. Donna Beatrice de Luna aus Portugal, eine re che Wittwe, lebte ebenfalls in Antwerpen. Ihre Vorfai ren -gehörten gleichfalls zu den Scheinchristen und w:.ren in den Adelsstand erhoben worden. Sie hatte :ine Tochter Reina, welche sowohl ihres Reichthums, wie ihrer Schönheit wegen vielfach von christlichen Gro! sen umworben war. Indess sie verweigerte standhaft Jedem ihre Hand; Mutter und Tochter schienen mit der Absicht ausgewandert zu sein, zum Juden thum zuruckzukehren. Juan Miquez hatte als Neffe Zutritt zu dem Hf use der Donna Beatrice. Zwischen ihm und Reina, der Töchter Beafrice’s, bildete sich alsbald ein Liebes rerhältniss. Als^aber die Mutter ihre Zustimmung zu liesem Verhältniss verweigerte, tioh das Liebespälchen und begab sich nach Venedig. Die Mutter eilte ihnen nach, versöhnte sich und gab nunmehr ausser ihrer mütterlichen Zustimmung auch noch eine -Mitgift von neunzig Tausend Dukaten. In Venedig traf Juan Miquez viele spanische Juden, welche ebenfalls dem Lande der blutigen Glaub 5ns- Verfolgungen epölohen waren, um ihrem Judeptl um treu bleiben zu können, oder um die Maske des Christenthums abzuwerfen und zur väterlichen Religion zurückzukehren. Noch fremd im Lande, vertrauten sie sich und ihr Vermögen Juan Miquez an, welcher r och' auf dem Boden des Christenthums stand undisie so den christlichen Regierungen gegenüber besser schü zön konnte. Dieser gründete mit den eigenen und fremden reichen Capitalien ein grossartiges Bankgeschäft in Lyon und schoss dem Könige von Frankreich, Heinrich II., welcher bereits früher von seiner Schwiegermutter Donna Beatrice Geld entliehen hatte, aufs Neue 150 000 Scudi vor. Juan Miquez trug sich gleichzeitig mit grossartigen Ideen. Sein Plan wär, einen neuen jüdischen Staat zu gründen, um den vor den GlaubensverfoU ungen und Blutgerichten geflüchteten Juden eine sichere Zufluchtsstätte zu gewähren. Er erbat sich zu diesem Zwecke von der venetianischen Regierung die Abtretung einer Insel; seine eigenen und fremden Capitalien sollten die Kosten decken. Der venetianische Staat aber schlug dieses Gesuch ab, vielleicht schon aus dem Grunde, um sich nicht in einem benachbarten jüdischen Staate eine starke Concurrenz für den eigenen Handel zu schaffen. Juan Miquez verliess Venedig und begab sich mit seinen Anhängern nach Constantinopel. Der türkische Muhamedanisinus zeigte sich toleranter, als das spanische Christenthum. Die vor den blutigen Glaubensverfolgungen Spanien’s geflohenen Juden fanden in der Türkei Schutz und Zuflafcht. Hier warfen sie die Maske des Seheiuchristenthums ab und bekannten sich frei zu ihrer angestammten Religion. Auch Juan Miquez trat hier mit seinen Angehörigen zum Judenthum zurück und führte von da ab den Namen: Don Joseph Nassi; seine Schwiegermutter, welche derselben Familie angehörte, nannte sich Gracia Nassi. Don Joseph war an Sultan Soliman durch Herrn de Laasac, französischen Gesandten am päpstlichen Hofe> empfohlen. Es war dies Soliman der Grosse, welcher verächtlich auf die ganze Welt und ihre Fürsten herabblickte; nur die Macht Spaniens und Oesterreichs imponirte ihm, welche er deshalb auch zu schwächen und sich unterwürfig zu machen vorhatte. Ihm kam dafür der Beirath Don Joseph’s, welcher die speciellen Verhältnisse dieser Länder genau kannte, sehr gelegen. Aber Don Juan begegnete auch dem Sultan mit seinen feindlichen Plänen gegen Spanien. Er lebte daher vollständig in der Gunst des Sultans. Aber auch die Gunst des Volkes suchten Beide, Don Joseph und Donna Graeia, durch ihre reichlich spendende Wolilthätigkeit sich zu erwerben. Inzwischen war der Ruf Don Joseph’s ein Weltruf geworden, besonders durch den Schutz, welchen er aller Orten und Länder seinen bedrängten Glaubensbrüdern zu Theil werden liess; indess auch seitens der politischen Mächte war sein Einfluss ebenso gesucht wie gefürchtet. (Schluss folgt.) Abraham Geiger von Karl Emil Franzos.*) Bliitbe eitelsten Qemilthes Ist die Rücksicht: doch zu Zeiten Sind erfrischend wie Gewitter Gold'ne Rücksichtslosigkeiten. Herbert Spencers Worte, die er in seinem jüngsten Werk äussert, würde ich dem Herrn Karl Emil Franzos sehr warm empfehlen: ״In allen seinen Witkungen ist Lernen, was Dinge bedeuten, heilsamer und fruclitbringender als Lernen, was W orte bedeuten.“ Nicht leicht dürfte sich Jemand mit Karl Emil Franzos was Klarheit der Darstellung und Eleganz der Sprache betrifft, messen. Genügt aber ein angenehmes Erzählertalent dazu, einen Mann, der Gegenwart kaum entrückt, unparteiisch zu beurtheilen. Wissen wir es nicht vielmehr, dass phantasiereiche Köpfe (und hieizu rechnen wir Franzos) gar zu sehr geneigt sind, ihrer Phantasie freien Lauf zu lassen, und den festen Boden des Realen zu verlassen. *) Feuilleton der N. Fr. Presse vom 12. Januar 1879 und der Breslaaer Zeitung vom 12. und 13. Januar 1879. . •-■.o .... .1 . warn

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