Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 27 (1921)
- Issue
- 21 (3.6.1921)
- Date
- 1921-06-03
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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JSIIL-JJW,!' uiwj.ii» juhmlj"' \m 6nl» 2 9h. 21 2tdis4« Dolltzeitung 3. 3iim 1021 Bericht über die Repräsevtanteu-Veksawmlung Bre-Iau. 29. Mai 1921. Die Tagesordnung der Repräfentanlenversammlung vom letzten Sonntag glich einem Wiesenblumenstrauß: zahlreich, bunt und anspruchslos war die Zusammen' stellung der Vorlagen. So kam ti, daß nur selten die Diskuffion sich auf ein höhere» Niveau erhob; daß zu wiederholten Malen der Vorsitzende die Privatunter- Haltungen de« Vorstände» und der Versammlung moniren mußte, und daß nach knapp lV,stündiger Dauer die dffeuUiche Sitzung geschlossen werden konnte. Line etwa» lebhaftere Debatte entspann sich nur bei zwei Vorlagen, bei der Forderung von 11780 Mk für den Religionsunterricht an höheren Schulen und von 4140 Mk. für die Anschaffung von Büchern für die Gemeindebibliothek und für Honorar für die lleberstunden bei der Revision de« Bücherbestandes Gegen die Forderungen an sich erhob sich kein Widerspruchs die Versammlung wehrte sich aber dagegen, für einen Organisationsplan etwas zu bewilligen. der ihr ja nicht mitgeteilt worden war. Don Dorstand4-Seite wnrde zwar betont, daß die Schaffung eine« Organisation-plane», also die einheitliche Umgestaltung de« Religionsunterrichtes an den höheren Schulen, lediglich dem Vorstand« zustehe, daß die Versammlung aber allerdings berechtigt sei. die notwendigen Mittel zu verweigern; dazu kam e« jedoch nicht, weil der Vorstands-' Vertreter den Mitgliedern der Versammlung bie Abschrift de« OrganisattonZplane«. welche au« technischen Gründen nur dem Referenten zugänglich gemacht worden war. in Ausstcht stellte Recht wenig erbauliche Zustände zeigten sich bei der Bidtiotheksvorlage. Dte Gemeindebibliothck umfaßt etwa« über 8000 Künde, von denen im Laufe der Jahre ungefähr 1000 Bände abhanden gekommen sind. Da» liegt daran, daß die Gemeind« einmal mit ihren Unterbibliothekaren nicht immer .Glück" hatte, und daß andererseits gerade seltene wiffenickastliche Exemplare häufig von Gelehrten entliehen und zuweilen auch mS Autland gesandt wurden., und daß diese Gelehrten in ihrer sprichwörtlichen Zerstreutheit häustq die Lücher verlegten und an die Zurückgabe vergaßen: so ist es vorgekommen. daß versehentlich nach dem Ableben der Gelehrten Werle au« der Gemeivdebibliothek mit ihrer gesamten Privatbibliothek verkauft wurden Dort, wo böser Wille vorliegt. und diese Fälle find nicht ganz selten, entschloß man sich, nötigenfalls im Wege der Klage gegen die Säumigen vorzuaeden. Der Antrag au» der Versammlung. daS Ueberstundeuhonorar von 6 Mk. für die Assistentinnen und 5 Mk. auf 8 rrsp. 6 Mk. zu erhöhen, wurde mit einer Stimme Mehrheit abgelehnt. I» llebria« vertief die Sitzung folgendermaßeck: Der Vorsitzende. Herr Professor Dr. Wohlauer. berichtet» über eine Anzahl von Stiftungen zweck« Grobpflege mit dauernder Abhaltung der Jahrzeit. Es hat ferner der am 81. Januar 1920 verstorbene Repräsentant Hermann Hamburger letztwillig die von ihm errichtete Stiftung von 20000 Mk. welche Beihilfen an Studierende der Medizin oder Arztwitwen gewähren soll, um 5000 Mk erhöht. Daß Herr Zahnarzt Tr. Georg Lewy in die Kommrsfion der Alten Synagoge und Herr Max Simon in di« Kultnskommitfion I gewählt worden ist. haben wir bereit« berichtet. Für die Beisetzung einer dritten Person in Grüften und Erbbegräbnissen batte der Vorstand am 15. März die Gebühr wie für eine besondere Grabstätte nach dem Tarif der beiden flriedhöte beantragt. Da« ist immer noch wesentlich billiger, als eine Neuonloge und betrügt an der Mauer auf dem Friedhof Lohestraße 5000. auf dem Friedhof Cosel 3000 Mk und auf freicm Gelände 4000 Mk.. wogegen eine Neuai.lage auf freiem Gelände sich aus I200O Mk. und an der Mauer in Lohestraße auf 15000 Mk.. in Cosel auf 12000 Mk stellen würde. Der Versammlung waren diese Sätze zu hock erschienen und sie hatte beschlossen, die Gebühren bei einem Einkommen unter 30000 Mk. auf loOO Mk bei einem Einkommen über 30 000 Mk. aus 2000 Ml für eine Stelle zu bemessen Damit konnte sich der Vorstand nickt einverstanden erklären, und er beantragt nunmehr, aus seine alten Sätze zurückzukommen und diese um 20 % zu ermäßigen. Dem Anträge des Referenten. Herrn Martin Fracnkel. entsprrckend. schloß sich die Repräsentantenoersammluttg bezüglich de» Friedhofs Lobestiaße dem Borstandsantrage an. ging aber bei (Foul über den VorstandSantrag noch hinaus, und beschloß mit Rücksicht auf die ohnehin in Co>el nicht »'ehr hohen Preise die Ermäßigung von 20 °/0 zu streicken Eine Anregung, in Cosel das für Beerdigungszweckc noch nicht erforderliche Terrain landwirtschaftlich nutzbar zu machen, mußte vom Vorstände abgelehnt werden, weil die erforderlichen Inftandietzungsarbeiten den voraussichtlichen Ertrag ganz wesentlich überschreiten würden. Für die Reinigung der Trainagearbeiten aus dem Friedhof Cosel, welch« dauernd erforderlich ist. um eine Deriandimg und Zerstörung zu verhüten, wurden r»CH>0 Mk bewilligt Die Ausführung der Arbeiten wurde der Firma Leo Lustig hier übertragen. Ebenso wurden für Jnstandsetzungsarbeiten in dem Grundstück Antonienstraß 0 1500 Mk. ausgcworscn. In den Fürforgeansschuß wurden 3 neue Mitglieder, und zwar Frau Etadtrat Leß. Herr Kinderarzt Tr. Erich Pelz und Herr Agent Siegfried Preuß gewählt Dem Kurhospital in Bad Warmbrunn wurde die Jahresbeihilfe von 400 Mk. auf 600 Mk. erhöht. Der Etat der Mora Salomon Leipziger Bethhamidrasch- StiftMg wurde in Einnahme und Ausgabe mit 0417.25 Mark festgesetzt. Der Pensionssonds konnte in diesem Jahre im AuSgobesoll leider nicht berücksichtigt wcrden. weil die bisher dafür eingesetzte Summe alü Kapital- Ertragssteuer gezahlt werden muß. Dem BezirkSgememdeverband BreÄau Liegmtz wurde für die besonders für die kleinen Gemeinden bestimmte Wanderbibliothek eine einmalige Beihilfe von 500 Mk. bewilligt. Die aus dem Neander Müller-Testament hecruhrende Abfindung von 45000 3JJf. war unter Zuschlagung de/ Zmsen als Grundstock für eine Heimstätte für Geiste», schwache und Nervenkranke in Aussicht genommen. Tie Ansammlung der Zinsen durch viele Jahrzehnte hindurch würde jedoch nicht ausreichen, um die Ausführung zu ermöglichen. Deshalb beantragt der Vorstand, die Zinsen als Beihilfen für Nerven- und Geisteskranke zu verwenden und die Versammlung schließt sich dem an. Tie Kosten für die diesjährige Mazzothverforgung. für deren Verteilung die Behörden eine strenge Durchführung seiten« der Synagogengemeinden bestimmt hatten, betrugen 10352.55 Mk. Da bei dem hohen Preise für Mazzoth und Mehl die Kosten auf die Verbraucher nicht abgewälzt werden konnte«, blieb nicht« andere« Übrig, als die Summe -u Laken der Gemeinde zu übernehmen, und die Versammlung stimmte dem zu. In der sich anschließenden gebeimen Sitzung wurde der als zweiter Kantor an der Alten Synagoge beschäftigte Herr Jakob Topper auf vorläufig I Jahr weiter angestellt und der Dienstvertrag mit dem als Oberansfeher lDajan) über das Ritualwesen unter der Amtsbezeichnung ,Rabbina14afftstor" angestelltcn Herrn Rabbiner Dr Cohn fortgesetzt. _ Schl. Aus aller Welt. Raudauprcssc. London. Sowohl die .Morning Post" wie der Londoner Korrespondent des Pariser »Matin" beschimpfen die jüdischen Minister, die die Milderungen im Ultimatum gegen Deutschland .ver'chulhet" hätten. Besonders scharf werden Mond und Sasfoon hergrnommen. Auch Montaque »oll in dieser Beziehung .schädlichen" Einfluß auf Lloyd George auögeübt haben. So die .Morning Post". Das liebe Schwesterlein. die .Deutsche Zeitung" in Berlin, hat auf -Sassoon ihren Kübel Unflat auSgeschüttet. weil ihn angeblich die Schuld an den harten Bedingungen des Ultimatums trifft. Also wer von dem sauberen Geschwisterpaar Hot recht/ Ein offener Brief IabotinskyS. JabotinSky veröffentlicht in der .Times" ein längere« Schreiben, worin er nachweift, daß e» sich um einen, von den Arabern vorbereiteten Ueberfall handelt und daß es falsch ist. wenn manche Berichte den jüdischen Kommunisten, deren eS nur sehr »oenige in Palästina gibt, die Schuld an den Vorfällen geben wollen. JabotinSky schlägt vor. zahlreiche Juden in die englische Garnison einzureihen, was. da die Juden sich mit kleinerem Sold begnügen würden, für England eine Ersparnis von 200 000 Pfund bedeuten würde und geeignet wäre, das Sicherheitsgefühl der Juden »oieder auszurichten. D-e ..TurieS" «mdmti fettem Vchreibkn Jaboimefy» einen veionderen reuanikel. in dem sie zwar den erlvakw»en Vorschlag ad. lehnt, da er belridi-ieiib und ausheyend auf die Araber wirken tönote. ledsch betont, daß England zu fordern dSll, daß d-e Araber fich loyal zur chol»i? eine« lädiichrn ^tationalheiui« verhalten, da« zu« Woble aller Pa!afimenser. Araber wie Jude«, gereichen werbe 99 sei dies keine jlrki»chr. sondern eine britische und palLstwenfische Poliiik. Fallnoch irgendwelche Zwei',l bei den Arabern über die Entschloss ende'» der Regierung, ein ruttwnale» heim zu schab - üesiebe.i. »nflrf n di»,c eilt <ür all 1 --- u : der erste Schritt dazu wae^. d waiibrrunq nach Palästina wieder ' noch Nag -nun n>jbl nur 5f>i.»- - > . IH(nkUJo$n, bft bklanntlich Buchhalter Wo bleibt da/ ' Der neue Ostiordanstaae. - > - Tie Konstituierung deS neuen Staates östlich des Jordans unter Leitung des Emir« Abdullah, eine« Bruders des Emir« Faiful. nimmt neuerdings festere Formen au Dem Emir Abdulah stehen britische Berater zur Seit« auch wird daS Land in verschiedenen Beziehungen mit der Verwaltung Palästinas verknüpft. Der .Kölnischen Volkszeitung wird von ihrem valüstinensifchen Korrespondenten kannte ihn niemand, kein Freund, kein Verwandter, kein Bekannter. Ick aber habe ihn gekannt Er war einer jener Menschen, deren Bild sich mir tief eingeprägt hat. daß ich ihrer nie vergessen kann; nicht« ist imstande, ihr Andenken au« meinem Herzen aus^ulbschen. Und oft. wenn ich einsam in Nachdenken versinke. wenn der Zweifel am Herzen nagt und dte SeAe leidvoll ringend de« Rätsels Lösung sucht, stehn sie vor mir; all die Gedrückten und Geplagten, die Demütigen und Schwachen, die mrr je begegnet sind und blicken \r mir voll unsäglicher Trauer Dann sehe ich eine gewölbte Stirne, tief liegende Augen, ein müdes leichenblaffe« Antlitz mit hohlen Wangen und ich höre sem markerschütternde« Husten. Er! In seinem nicht gehörig zusammengenestelten Gebetmantel, dem zerrisienen Wams und den blauen, schweißdurchtränkten Schaufäden, denschmutzlgen Stiefeln und dem wollenen Halstuche. So hatte ich ihn zum erstenmale gesehen. Da« war damal«, al« ich arm und bloß in die Großstadt H. kam. eine Stätte zu finden für meinen elenden Körper und Rast für meine fündige Seele . . . Zwei Uhr nach Mitternacht wär e». In dem großen, spärlich beleuchtete« Bahnhof wimmelte e» von Menschen: Reisende, Paffagiere. Beamte. Bedienstete drängten durcheinander; Gendarmen gingen gÄangveilt umher; Bauern lag« den Wänden entlang auf ihre« schmutzigen Päcken hin-estrertt. Hm uud her durch die Halle rannten unsere allzeit beschäftigten Brüder, bückten voll Sorge und Dädigkeit in kleine Büchlein und murmelt« abgerissene Worte. In dem Treiben sah ich auch ihn; seine Augen schweiften herüber und hinüber, lauerten auf jeden Paffanten und seine Miene zeigte schmerzvolle Erwartung und enttäuschte Hoffung. — Und während ich da stand und ihn anbückte. drang schon a» meine Ohren seine sck lnde e; .Brauchst ei» Nachtlager, mein — Ha? In meinem Hause . . . Wo willst du? Hast nicht? Nu. kommst mit mir? WaS?" Ich ging. Nach einigen Augenblicken war ich in feiner Wohnung. Das Zimmer, in das ich eintrat, war ziemlich breit. Die Einrichtung war einfach: ein großer getünchter Ofen, lange Bänke und Tische. Einige Bauern saßen bloßlvpftg bei einem Tisch und aßen mit Behagen Kleienbrot mit Honig. Auf einer Bank saß zusammengrkauert em junger Mann und schlummesle. Aus den Zimmern heraus hörte man ein Lärmen und Toben, ich dachte, dort säßen betrunkene Eisenbahnbeamte. Beim Fenster' an der Tür' faß unbeweglich ein mageres Mädchen mit schwarzem Kopftuch: sie schien auf etwas zu warte»'. Die Hausfrau, eine hoh Gestalt in schmutzigen Fetzen mit breitem ichmutzigen Munde und grüngelben rollenden Augen, die fich im Zimmer zu schaffen machte, ohne etwa? zu tun. emvsing meinen Begleiter mit harten Scheltworten über seinen Verzug, und al» fie gar den seinen Gast sah. den er sich mitbrachte, warf fie un« beiden abwechselnd verächtliche Blicke zu. Er sank ein wenig in fich zusammen, wie einer, der fich auf Prügel vvickereitet. seine Entschuldigung war stockend und furchtsam: Für drei Kopeken — Am Ofen . . Ru. nu — murmelte sie. wandte uns den Rücken, um ihren Zorn an dem Jungen aus der Bant auszulafien: Alle Plagen Aegyptens über dich, mein goldener Sohn! Steh' aus. Fruchtet! Alle Flüche über dich! WaS liegst du da und schnarchst? War feierst du? Jiiroei. — Sroel! Sruel. Sruel. höhnten die Bauern. .Ach. höre auf!" — ries mit gequälter Stimme der Wirt — .wie oft vitte ich dech — huch. huch, ach der Husten! — Ich bitte dich — Laß mich leben — Mit deinem Schreien — Erbarme dich doch — —" Ach. hach — und di« stockende Stimme wurde durch das Geschrei de« Jungen abgelüst, der nun erwachte und schlaftrunken schimpfte, nach kurzem Protest aber wieder querhin auf die Bank niedersank. Der Wirt selbst aber wandte fich zu mir. Man sah. daß er. wenn der Husten nachlikß. gern mit wem immer ein Gespräch auknüpte. — Ah? Ist das ein Leben — und diese Hölle, mußt du wissen, mein Lieber, dauett nicht einen Augenblick. sondern Nacht und Tag. Tag und Nacht-Gut? Früher gab s wenigsten« wovon zu leben — und jetzt-- Er bewegte abtvehrend seine rechte Hand und fuhr fort. Einzelheiten au« dem täglichen Leben zu erzählen- Dann stockte er wieder und bat um Verzeihung, daß er mich mit seinem Schwätzen belästigt, ich sei ja gewiß müde. — Ich bette gleich auf — aus den Ofen — ... Einen andern Ott haben wir nicht — Sofort. Lieber. -Schnell, gab er Sägespäne und Holzscheite vom Ofen, und Utieifte mit verschämtem Lächeln und gedämpfter. bescheidener Stimme, die Herberge sei sein einziger Erwerb. Ich bestieg meine Lagen'tatt. Die Uhr schlug halb drei. Ich schloß meine Äugen, doch ich tonnte nickt schlafen. Da« wüste Lärmen der Trunkenbolde, die Hausfrau mit ihrev Schmähungen und Flüchen, der Witt mit feiner ängstlichen Stimme und den schlürfenden Schritten, das Schnarchen de« Jungen auf der Bank, der Rauch der Zigaretten, die da« Weib mit dem sch»"»"' Kopttuche rauchte, der Dunst und Staub und die g ng — all da» erweckte in mir merkwürdige ‘ der daS Leben und seine Qual-Und i. ick bei mir selbst an und phUosophierte üb .ttrn Reichen und den hungernden Armen. nicht schlafen können. was ist Schuld da 4 der Reiche fich zn überMn? Und diese» .warum", da« mir ft infach erschien und mich lachen macht^ war r oortet. al« die Stimme der Wittm tMeder ^e."' zungm weckte: — Und er liegt noch, der große He / limme» Krankh *— Mt"! 'm liegen und »üY/' tfstehea; zuhause iu-.mel und Eile, er ich und schläft. ',«>i ™« f!&a ihm? Di-i -» ißt d« «myn 2-^. h wd ftuift — «B w r . . pi: hum fa» 1