Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 27 (1921)
- Issue
- 20 (27.5.1921)
- Date
- 1921-05-27
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Jtr. 20. «ritt « Ztbisch, BöOlpttuti«. 27. Sbi tMl. Die Toten der Woche. Issef Gtz«i« Vrenner. Ein Zufall hat den hebräischen Schiisisteller I CH- Brenner nach Jaffa gebracht, wo er. wie aulhentische Nachrichten berichten, bei dem Aufruhr den Tod gefunden hat Der .Jüdischen Kundschau' entnehmen wir folgende Schilderung seine- L^enSlaufeS: Ehat» Brenner. der miier so tragischen Umständen den Zob g^nnden har. qehöne ,» den promineniesten ^ezabunqe» der desrüßchen -ireeawr and evifalteie m der 9?'eme besondere «nftrilchast. Seine lief psycho sgilche Ln. die (SestalionMraft. Bit der er die »t$uren an« de« Aheil» «u. schildern wußte, und der eigenartige Peffimismu«. der ferne Tarßellong fennreichnNe. bereichen,'die neue hebNiifche -iterator um ein« neue -?.'ole. Seinen UUrarischev Ruf beqrLadete er. als er noch in langen Jahren jur A«N »er ersten russischen Reovianon in London seinen ,pam«vrer" herantzab. den ..»jeder". in welcher Konatsschrisl sehr weUdclle Urteilen an« seiner fester erschienen. TpLur überfiedelre Brenner nach Palästina, um innerhalb Le« sich enktaltenben hebräischen Sprach leben« s ine literarische TLrigle» foNioletzen. Erne Pause in seine« Schollen trat ein, al« sich Brenner der Publijistik zuwandte. Er »nrde Redakteur der.Haadama", der MoaalZschrrfr der palästinensischen Poale-Zwn. welcher sich der Dichter angeschlofseo baue. In der letzte» Zeit hat Brenner wieder stersirger prvbujien und fern längster Roma» .Sch'chol wekischoron' bedeutet einen Höhepunkt de» Schaffen«. Ein« Rodele ist noch i« Druck. Brenner hat die Lonsequenze» seiner Anstaffang gezogen und mit den Ehaluzim am Straß«ban mitgedikderler. -m tragische« Beschick har ihn. der zufällig in Jaffa wollte, mitten in »oller Schafien«krast. hwweqqeraffl. Brenner war erst <0 Jahre alt. Di« inoge ne»hedrLi<che Literatur vertiert in ihm ernon ihrer besten Vertreter. »»fr,»' §. Fri»». Der Pazifist und Robelpreistiäger Alfred H. Fried ist in einem hiesigen Sanatorium plötzlich gestorben. A. H. Fried wurde am 11. November 1864 in Dien geboren. Er wondle sich schon frühzeitig unter dem Einfiuß der Baronin Berta v. Suttner der Friedensbewegung zu. zu deren entschiedensten Verfechtern er gehörte. In Berlin begründete er 1891 eine Zeitschrift .De Waffen nieder' und 1892 die .Deutsche Frieden-gesellschaft". Die Zeitschrift .Frietenswarte' begründete er 1899 ebenfalls in Berlin. Auf allen Weltfriedenskongressen feit 1894 war er als Berichterstatter tätig. ebenso al- Mitarbeiter aller wichtigeren international-pazifistischen Verbünd« und Derernigungen. Diese seine Tätigkeit wurde durch Verleihung de- Nobelpreiseanerkannt. Während de- Weltkriegesah er sich gezwungen, seinen Wiener Wohnsitz aufzugeben und seine Bestrebungen von der Schweiz auzu verfolgen. Später kehrte er nach Dien zurück. Während der letzten Zeit war er in materieller Not und starb albettelarmer Monn. . Die». Rabbiner Moritz Kramer, der Führer de- Misrachi in Dien, eine ungewöhnlich sympathische Persönlichkeit und ein Gelehrter von großem jüdischen Bissen, ist im 7l.. Lebensjahre verschieden. . Minsk. Hier, wo er seit 5 Jahren wohnte, verschied im. Alter von 84 Jahren der Baon und Vorsteher der Jeschiwa in Dolo-ein, Rabbi Rafael Schapira. Vor seiner Dolo-ciner Zeit war er Raw in Bobroi-k fortgesetzt. So haben i» verflossenen Herbst die entmenschten Horden de- Generals Balochowicz im ukrainischen Grenzgebiet 159 jüdische Oltschasten heimgesucht. Zerstörte jüdische Siebelungen, unzählige Gräber zulode gefolterter Juden jeden Alters, herumirrende hungernde Witwen unö Waisen, venerisch kranke, geschändete Mädchen und Krauen im Alter von 12 bis 50 Jahren, in Elenbtquartieren verkommende Ueberlebende. geschändete, zersetzt« Thorarollen find die Hinterlassenschaft diese». .Feldzuge-'. Die Toten find erlöst, aber von den drei Millionen ukrainischer Juden, die zu dem besten Menschenschlag gehören, ist die Halste völlig r..inier1. die ganze Juden heit des Landes von Epidemien, insbesondere Flecktyphus, heimgesucht. Und noch immer find die jüdischen Ortschaften in der Ukraine wehrloden Maffakerder ständig sich neubrldenden Banden ausgesetzt' Man denke an die überlebenden jüdischen Kinder? 'Nach einer oberflächlichen Zählung find mehrere Hundert» tausenoe jüdischer Waisen zurückgeblieben! Die Qualen dieser unschuldigen tmfSlosen Geschöpfe schreien zum Himmel! Die Kinderstet blichkeit ist enorm, ganze Städte und Ortschaften stehen ohne «inen einzigen Arzt da. Hunger. Kälte. Schmutz. Krankheit und Obdachlosigkeit find da» Ladieser elternlosen, von den durchlebten Schrecknissen für immer gezeichneten Unmündigen. Anihren Berufen gerissen, dem neuen Wittschastssystem nicht gewachsen, täglich am Leben bedroht, flachten nun die überlebenden ukrainischen Juden seit dem Winter 1920 über die Grenzen Beßarabiens und der polnischen Randgebiete. Auf verborgenen Wegen, über nachtbedeckte Felder und durch finstere Wälder ziehcu die Scharen verzweifelter Mevschen und verlaffen die Heimat, die sie un endlich geliebt und die ihnen zum Fluch geworden ist. Hinter ihnen Ströme jüdischen Bluteü. Tod und Verderben. vor ihnen die Grenze, über welche sie aus der Hölle entfliehen. So find bis nun 25000 Flüchtlinge nach Rumänien und 32.000 dieser Entwurzelten nach den polnischen Gebieten geströmt und harren, buchstäblich nackt und aller Mittel entblößt, noch am Wege mißhandelt und ihrer letzten Habe beraubt, in Maffenquartieren zusammen, gepfercht, der Weiterbeförderung Hinter ihnen aber drängen neue Mafien, welche trotz der unsäglichen Schwierig, ketten der Flucht und der tausend Gefahren hüben und drüben die bald nicht mehr aufnahmssähigen Gebiete überfluten werden. Zehntausend jüdische Waisenkinder leben in dem zu Polen gehörigen Wolhynien. Unter ihnen Hunderte, die sich erst vor kurzem herübergerettet haben. Eine kleine Zahl nur ist mit Hilfe der amerikanischen Judeuheit in Waisenhäusern uutergebracht, ein kleiner Bruchteil befindet sich in Privalpflege. Die große Maffe der anderen harrt, von Hunger und Verwahrlosung bedroht, der- Hilfe der jüdischen Welt. Wohl haben die kanadischen und argen« tinischen Juden sich bereit erklärt, vorläufig einige hundert Waisenkinder zu adoptiercn. aber nur die vereinte Hilfe der Juden aller Länder kann das Lodieser verlorenen Generation lindern. In Kanada beteiligen sich auch Christen an der Rettungsaktion und ein edler christlicher Greis. Mister Farrer, nimmt an der europäischen Mission teil und ist infolge der Strapaze« der Reise im Osten schwer erkrankt. Die Juden der ganze, Welt dürfen hinter dem beispielgebenden Wirken diesenicht jüdischen Kanadiernicht zurückbleidea. Daamerikanische Hilfswerk, welches in der ganzen Welt so viel Judenleid zu lindern hat. unterstützt auch diesmal die Flüchtlinge, jedoch ist es außerstande, allen Bedürfnissen gerecht zu werden. Die amerikanische Juden» heit fordert auch mit Recht, daß sich auch die Juden anderer Länder ihrer Pflicht bewußt werten. Jetzt heißt es von überall her zu Hilfe eilen. In Oesterreich hat sich ein Hilfskomitee für die ukrainisch jüdischen Plvgromopser (per Adresse Israelitische Kultusgemeinde, t. Bez.. Seitenstettergaffe 2. 2. Stock) gebildet. Dem Aujiufe schließen sich an hundert der besten Namen auS allen Gesillschaftsschichten der östeireichischen Zudenheit an. Hoffentlich findet der Appell auch in Deutschland kräftigen Widerhall und spornt z..r Nachahmung an. Lustige Ecke. Der Flickschneider PinchaS Lohn kam am Sabbath in einem sehr zerriffenen Rock nach Schul. .Hören Sie mal. Pinchas". sagte der Vorsteher zu ihm. .Sie sollten sich schämen, in einem so zerlumpten Anzug ins Gotteshaus zu kommen. Und dabei sind Sie doch selbst noch ein Schneider! — .Ich bin rin armer Mann', erwiderte Pincha-, .und muß arbeiten für die Kundschaft. Wie soll ich mir nehmen die Zeit, zu denken an meine eigenen Sachen?' — -Öut*s sagte der Vorsteher, .dann will ich Ihnen morgen 10 M. geben, und flicken Sie Ihren Rock so. als ob Sie's für mich täten.' — Pinchas hotte sich am nächsten Tage die l0 M ab. kam aber am nächsten Sabbath trotzdem wieder mit. den alten Löchern im Rock nach Schul. .Mensch', fuhr ihn der Vorsteher an. .warum haben Sie Ihren Rock nicht geflickt? Hab ich Ihnen da» Geld nicht sogar vorausgegeben? — .Entschuldigen Sie. Herr Vorsteher", gab der Schneider zur Antwort, .aber für 10 Mkann ich die Arbeit nicht machen'. Uvter M. Ein bekannter, jüdischer Politiker der äußersten Linken soll kürzlich in einer Berliner Rede in den Saal gerufen haben: ..Das Wort Furcht kommt in meinem Lexikon nicht vor!' — worauf ihm mit dem Zwischenruf quittiert wurde: — .Sie müssen unter M Nachsehen'' Teiles Weisheit. Zu Mole- Mendelssohn, der bekanntlich Buchhalter war. sprach eine- Tages einer seiner Verehrer: .Eie. der große Philosoph, müssen abhängiger Buchhalter sein, und dieser unbedeutende Mensch ist Ihr Chef. Wo bleibt da die gepriesene iveise Weltordnung?' .Da können Sir ja daran sehen " anwortete der Philosoph, .wie weise die göttliche Einrichtung ist Denn — wäre ich der Chef, ich hätte diesen Menschen nie zu meinem Buchhalter gemacht, und er wäre brotlos gebtieben.' Das Martyrium der ukrainischen Juden. In einem »Aufruf an die österreichisch« Judenschaft', der von den J-rackitischen Kultu-gemeinde. dem Oberrabbinate. der Aguda- JtSroel. der Israelitischen Allianz, dem Zionistischen Landeskomitee und dem Bne Berith- Derbande in Wien unterzeichnet ist, lesen wir: Der Anlaß diese- Ausrufes ist selbst in der alten jüdischen Leidensgeschichte so unerhört, da- Unglück, zu dessen Linderung wir auffordern, io unermeßlich, daß «fü Ausdrucksmittel vertagen. As handelt sich um das Martyrium der ukrainischen J»den und seine katastrophalen Folgen. Rur einige Daten: Den zwölfmaligen Wechsel der Macht in der Ukraine mußten die jJuden mit entsetzlichen Progrorre.1 büßen. Rach einer Statistik, die der jüdischen DelthÜf-koaferrnz zu Karlsbad (Sommer 1920) vorlag. woben innerhalb vierzehn Monaten nicht weniger als S68 Ortschaften der Ukraine von den binun blutigst, n Judenmassaktrder Weltgeschichte betroffen. Nach den Progromen i« Frühjahr und Sommer 1919 zählte man 1-8.000 jüdische Lüchen. Die Zahl der Kranken. Verstümmelten, Mißhandelten, in den großen Wäldern Herumirrende« ist nicht zu überblicken. Die wahnwitzigsten Greuel wurden an Männern und Frauen. Greisen und Kindern verübt. So durften während der mehrtägigen Judenschlachtrnl in Prvskurv« die Leichen nicht bestattet werden und die martervolle« Niedermetzelungen suchen um L Uhr abends durch dal Konzert einer Musikkapelle deendet. Anläßlich der berüchtigten .Aprilprogrome' wurden 40 jüdische Städtchen vollkommen au-geschlachtet und die Bedauernswerten, welche auf Dampfern zu entkommen fuchsen, ertränkt. Väter habe« große Summen ge-ahlt. damit ihre Söhne nicht zu Tod« gefoltert, sondern bloß — erschossen werden, und haben der Erschießung beiwohnen müssen. Eltern wurden gezwungen, ihre Kinder lebendig m begraben, und Mütter, da- Blut geschlachteter Säug» ttnge zu trink«. Aber vährr«d man anläßlich der Karlsbader Welt» Eaferenz hasste, daß da- Maß der Leiden auf dem sfettta Babe» der Ukraine erschöpft sei. wurde das ex »ab Falter» noch bis i« di« allerjüngße Zeit Schadchen gesucht, der in ersten tüdischen Kreisen Zutritt tat, vornehm o. diskret arbeitet. Off. u. A Z 127 an die Geschiftsstelle der Jüdischen Volksztg. Heirat Suche für m. Schwester, aus sehr guter n. streng reiig. Familie im Haushalt selten tüchtig, Alter 32 Jahre, Mitg.a.SOMille u. schöne Fnedensausst. □astsnd.Partie Witwer ohneKind event. nicht ausgescM. Off. u. A. Z. 01 a. d. Exc xjitiot aer Jüdischen volksztg. Heirat F ür 39 jihr. Herrn, an ges. Farn., sehr gut. Qeschift in Großstadt, ansehnliches Verm., suche ich orth. hAosf. geb. gute Frau aus ges. Familie. Mitgift ca. 100 Mille. Off. unL A-Z-02 a. d. Exediticn der Jüdischen Volksztg. Sisfca f. i. Schmatir ans guter, sehr religiöser Farn., schöne Erschein., imHaushaltsehrtflchtig., Aller 82 Jahre. Mitgift I ca. 30 Milte! passend. Partial Evt auch Witw. Off. u. { A. Z. 03 a. d. Expedition der jüdischen Volksztg. 1 Schadchen gtMKfct. Zoachr. usi -Zukunft' 1 aa dt, QeaLttmtette 4er JMtafcei VoUvtg. I öl größte Bakkidungil SpozialhaiifimOrtari Daufechlandh E>F>E£>LAU KGNIG£>E>EF)Q GFtEGLAU \ 4s