Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 24 (1918)
- Issue
- 15 (12.4.1918)
- Date
- 1918-04-12
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 80% known words query
- IRI
…/6682508-6377565-6450378--0882-4850644- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Gråsten 1× ep/1044646
- Łódź 1× ep/1000560
OCR text
eine wahre Eyifhese zwischen jüdischer Religio« sowie jüdischer uvd deutscher Bvmavität. Der Geist dieser graßev Persönlich, keit wird i« sdven Schülern weiter lebe» und wirke«. SI- Freund u»d Schüler rief Prof. Dr. Eafsirer vo» der Berliner UniverfilLt de» Hermgegangene, war« xmpfovdeve Gedächlnieworte «ach. Das Urteil über die Leitungen des tote« Körichers v»d Denkers wird ei»st die Geschichte' fällen; heute soll nur die große Persöulichkrit gewürdigt werde«, die anodezu als k«rkörperu»E der Sachlichknr i» der philosophische« »dt avzvspnchc» ist. Ser« philosophisches System war eben* so sehr Jöeatt«»»» in d.r Theorie wie i» der Tat: es lieh keine Uvterscherdung zwischen Hgudelo v»d Denke« zu.' Er fühlte sich als Glied in eurer große« Kette, die vo» Platon zu Kant führt. Er »rar von «nbeogsawer Willensstärke. wo es sich u» die Leriretung inner Sache handelte, aber »on röhrnrder Bescheidenheit jo* seine Person. Sei« Wese« war »»geftellr auf -en/Kawpi gegen -ie geistige Unfreiheit den er dir zu» letzte« Atemzuge führte. Seine Schüler verlöre, tu ih« den große« Lehrer und den fürsorgliche« Freund. — Die Abschieds« grüße der Universität Marburg llderdrachte Geh. Regier«»--» rat Prof. Dr. R a t o r p p. der i» V. des Rektors, de- Dekans und der phtlof. Fakultät Marburg der Trauer der doit. Hochschule Avstruck gab. I« Marburg «erden Hermao» Lo« Heus Leistungen mvergeffeu bleiben in -er dankbaren Eriade* ruvg dora», daß Lohen dort sei» Allerbestes gab. Die Hoch, schule »e,h es. daß es bas Verdienst des Toten ist, wenn die Maidurger Universität heule «it hohe« Ehren neben de« & rohen Hochschulen genannt wird. Durch die Begründung uvd nlwtckluog des philosophischen Seminars setzte er sich ei« dauer«. des Le»k»ak. Nachdem der Redner i» lätgerru gehaltoslle« Av<sßhru»gen die wiffenschaftltche Bedeutung des Heimgegangw «eo hcrvoigehoden hatte, schloß er seine Ansprache »it de» Gelöbnis. Üih Herma»« Lohe»s Name in der Geschich» der Marburg« UniverfitLt dauernd )onlebeu soll. Rauens der Lehranstalt für ^ie Wiffevschalt des Indentums hreU Dozent Dr. Elbogcn cem verstorbenen Kuratorntmsmitglied einen Rachlus. Tie jüdische Gewcut'chast hat ei« n unverzagten Führer und Vvitdwpser verko'ev. Es gab kein jüd. Prvbrcm, sos Lohen nickt r« serurr ga»ze» Trete burchdachr. keine Zuder not, bie «rcht a« seive groß Sccle rührte, occh am uesft » ergriff »he d e seeli'chr Rot des «o.erneo Jude .. Die ewige» 3tun ti£ Qutuitntre nt tyiu Bedeutnng h.i die Wlikuttar immer aufs neue zu ergründe», war ihm dr? wrchn^fte Au^- gäbe. 2* allen Organisationen zur Pst.ge der^ jüdischmr Wtkseuichakt arbeitete er mit. Am in»igsten verbunden war er »it ket Lchrai-statt für die Wissenschaft des Juden!-ms. deren Kuratotrum er fuutzcb« Jahre aogch-rte. Die Lekrovstol' «iertankt chm die Beginedung eines erger.en Ledrftuhls kür die Ethik und Philosoph « des Indeutums »nd dat:kt ih« für seine eigene hinfcdungsvolle Lrbrtätigkcrt. -Dre Ewigkeitswerte, di der große Tote aurgesöt. werden feinen Hamen lebendig halten in unser er Milte. — Direktor St. Adler. Frankfurt a.M. überbrachte ßie letzte« Adichiebsgrüß« der Großloge L.O G.B. vvd besonders der Frankfurt-Loge. Iahe. £ti«t'U»i gehörte Lohs» her Loge.iOct cm rtl jener Zdse v« körperte. der rr sei. Lebe« weißte, und i« brr er einen Resonanzbode» für sei»e großen Idee« fand. Sei» Ra»e wird leben ig dlddea -al-Mahnung zu hohen «nd edle« Werke«. — Die letzte Ansprache hielt Rabbiner Dr. Rodel«Frankfurt a.sM. namens der Frankfurter 0t* »eia de, die ihn »tt Stolz «nd Liebe za den Ihre» zählte. Her»ona Lohen pehörie de» ganzen Iudentu», die Wucht seiaer PnsünlichkeU ließ sich nicht i» sie Enge einer Partei einschlteßen. Er erkannte die unlösbare Einheit des Juden* tu»s. die aus den Iber» der Propheten, de» Weilen des Tal» »uds und den »ittelalterlichev Schristgelehrten spricht. Seine tiefe Liede galt der hebräischen Sprache, in »elcher der Redner als letzte Hnldigung für den toten Freund seine Ansführnngen beschloß. Gesang »Harre in Kneten' beschloß die Feier; — Nachdem tzie üblichen Gebete gesprochen waren, wurde der blumenbedeckte Sarg zur Ginfi getragen, welche die Berliner Ge* »eivde ihrem großen Sohne in der Ehrenreihe bereitet hatte. Aeüer die kehle» Rage Hermann Eohev« ersah«» wir folgendes. Der Unermüdliche hatte noch er» Montag voriger Loche in gewohnter Weile seine Vorlesung in »er Lehranstalt für die Siffenschatt des Judentums gehalten. Zwei Tage da* raof. am Mittwoch abend in seiner Wohnung fühlte er sich plützlich »nwohl »nd sank um. Der schwere Herzklappenfehler, der jhn fett Jahren quälte, beschleunigte da- Ende. Rur mit Mühe hielt ih, vo» n»n a» sein Arzt, Caaittttsrat Dr. Le« wa»doweki. dnrch Lamplerneinlpritzungen und Sauerstoff auf. recht. Rach schwerem Leiben ist der große Gebehrte bann am 4. 4. morgen zwischen 7 und '/,8 Uhr sanft verschieden. Jüdische Zerzte. Einen intereffanten Beittag zur Be schichte jüdischer Aerzte im deutschen Mittelalter bildet eine Studie von G. Seile über .Kurdraadenduri'che Leibärzte i» älterer Znt'. Gelle schreibt dort über einen jndi'chen Arzt, den Kurfürst Johann begünstigt zu haben scheint: .Rebe» den Leibärzten »'des Kurfürsten wird -ein Augenarzt erwähnt, über besten Frrihrrk von den städtischen Abgaben in Berlin 1498 verhandelt wurde vestiffene der Augenheilkunde, die sonst i« Mittelalter, wie im Altertum eine große Zunft bildeten, werden zu jener Zeit in der Mark überhaupt nicht erwähnt, und so möchte man sich veranlaßt sehe», jenen für identisch mit einem anderen Berliner Augniorzt zu halten, welcher in den großen Judenprozeß »on 1510 mit »erwickelt war. In der Nürnberger Ausgabe der Klugtchrift von 1510 über dielen Prozeß heißt es nämlich, drei von den äuge» schutdigte» Juden hätten sich taufen kaffen, und zwei davon wären hingerichtek. der drittt. ein Augenarzt, darnach, daß er allein a»^ Kindern schnldig gewest (dH. daß er sich »ur an dem angebliche« Ki«dermord. nicht an der Hoftrenschändu»g beteiligt) ist erpetten. ins grau Kloster gangen.' Dieser lüdlsche Auge»» arzt verdient Beacht»ng deswegen, weil sonst kein Arzt seines Glaubens während des Mittelalterin der Mark oorkommt; man wollte denn daran erinnern, daß in de» Bernaüers Rollen* nagen,ergötzlichem Froschmäuseler sich ans der Mänsestotte eia Streiter befindet, .seiner Gebntt süßlicher Art. an Haar und Bart überall schwarz, und der mir der Schissteut Wundarzt' (Frankfurter Ausgabe von 1883 p. 591) während sich anderswo die jüdischen Aerzte oder Judenüute unter den Christen de- Mittelalters Pues ganz besonderen Vertrauens er* freuten'. Das allgemeine kirchliche Gebot, welches z.B. Bischof Heinrich von Brandenburg a» 6. Juli 1408 für die Mark wiederholte: daß kein Geistlicher »der Laie mit Inden zu* sammen wohne, in Krankheitsfällen einen Juden konfnlttere oder Arziei von lhm empfange, scheint danach in der Mark recht streng und zwar auch noch später gewohnheitsmäßig be* lolgt worbe» zu sein. Lenting« nennt zwar den durch sein jchreiklichet Ende bekannten Günstling Joachims II, den Juden Lippold. dessen co»s»ltierenden Arzt («edicuS confflarius), de« richtig! aber stillschweigend in einer späteren Stelle seiner Eommcntänen diese Angabe. Letzt« Nachrichten Z»r 8. /triegoankeitze zeichnete der Vorstand d- Berliner jüdischen Gemeinde l Million M Polen. In de» Staatoral d. Königr. Polen w. am 9. 4. qe* wählt: Dr. Georg Rosendlatt in Lodz, als Vertreter Stadtv. Kirsch Farbstein.Larschau. ^odz. Verde» jüdischer «ü,ftt«. Am 6. 4. fand eine Besprechung in Sachen der Gründung eioes jüdischen Küaftlerverbandes statt. In ihm sollen üch die jüdischen Journalisten. Schtiflsteller, Kunstmaler und Musiker vereinigen. essanteihe! tsGewipfiDu non nettem Deine Trenne ** .1^ c%- MM ..efth«- »»1 Erzthl»», «» « »x « ch » r l »ch, «»ih«, o/C. tl, Rnfetr Mrt.^Aluii. Die valid« »ickte dejahead. ..Oeffxe die r»re. viullei!" .Ich kan» nicht. leidst »e»a ich «Ile/ Hat diele« Ge»ach keiaea »»der, AaA^.ng? ,<ei»e»-. Der »,»an j», lei» Sch»er> «»d luchie ,e»aUsam da« Schieb ja tffaea. 9t ».derstaad sei an, 'thtftrnigunjfu. In« der Fee»« hd»r »an »äste« »eschiei ,»v da, d,Mpse Knaste» »an Schiffe,. .Hdrst Du'»/ sprach die valid«. Ile dringen ia den Palast, lach Dich »ärde» sie 'Itiea. Dgch, »ein,, einzigen Geh», »eia eiazige« Kiad, »eiaea Siasz. «eiae Hoffnung, «ein Da ihae» jestt gegeaider »tieft!' .Ho, ich »ärde sie zu vede» «ersed, die Sklaoen. v. »eiae Esther. Lichl «eiarr Ingen, Wanne »eine« Herzen«, edelste« stpädchen, kostdarftrr Dia»a»t »eiaer Krone. Die Elende, „llea Dich itiea, »ad ich kaaa nicht hei Dir seia, Dich ja Schätze,! Malier. Maller, wa< hast Du ge»,!' Zornsuakrlnd«, Kugel, «it gejückte» Sehweite trat er der valide gegenüber. .idle «ich »ei, Sdha/ ries diase. Idle die Mutter, die Dich g,Haren, die Dich unter ihre» Herjea gelingen! Durchbohre diese« Herz, da» eiazig aur st: tich schlägt! Tauche den kalten Slahl in da« heitzeHerzblut Deiner Matterl Ich »M ja gerae stcrdea. wenn ich T.ich geirrter weiß!' Der Sulla» Uetz da« gezäckte Schwert finken. .Hättest Du »ich lieber sterbe, laffca, Matter, rief er. Wie »erde ich lebe» ktanen »ha« «eiae Esther?' Dg »archdraag ei, herjzerreitzeader, «aikerschüiternder Schrei, der k»a eini weibliche» Stimme, die Entseraaag. »ie mohofinaig rSitett« »er Sulla, «a der Düre, »hae fie zerbreche» za ktauen. Er stietz fei, Schwert mit aster Semalt gegen da« Schlatz. Da» Schwert zirspUtert«, dod kchlnh blieb «anersehrl. Da»» lies er an« Fenster. Di« Fenster »area mtt Eisenstäde» »ergtilert. Mohammed »ars fich in dhnmächtPer Wat zur Erbe »jeder »ad meiate lant. Uaterbetz mprdr» die tärmeadea and ladenden Stimmen draatzea immer lavier, oder da« Waffengeklirr und der Schall der Schüsse liest allmählich nach. Immer stiller und stiller wurde es. bi« endlich die attge- «»hatt Ruh« wieder über dem Palaste lagern. Auch Mohammed mar still gemorden. Seine Mutter dengle sich zu de« auf dem vodea Liegende» hrmnd. Er aber ftiest fie heslig son. Wir haben nun noch zu erzählen, wo« fich während der Zeit, dost der Sulla» unfreiwillig im Gemache seiaer Maller eiageschlofien mar, i« Serail zuttag. 8ir »iffeu bereil«, dast die Kaade van den grasten Veränderungen, «eiche der Sultan oarzunehmea gedachte, ia da« v»!k gedrungen war und diese« aas« äusterfte emptrte. namenrUch die wilden Praetoriaaer aller Galtangea. denen die Austisuag iheer dcodrzuglea Körperschasten drohte. Predigend durchzöge» Derwische die Haupt» stadl. dem die Freuden de« Paradiese« aerheistend. der die Kesahr «an dem Idiom adwradra »ärde. Die Juden »er. schlofiea fich ängstlich in ihre Häuser and die Grastmürdeatrtger de» Reich, hielten sich im Hinrergruade. die Rache M Sattaad särchtead. Desto eisriger waren die Sasrod demüht. den Auf. rahr za Päher». Ihnen gesellte sich der Schuster Omar zu. Er mar wütead, dast der SuUun ihm leine SNaarn geeaadl hatte. Da e« allgemein hietz, dast die Jüdin den SuUnu oerznudert hat«, so stand n in dr« Wahne, die alle Hanna sei dir Favoeittn. der man al« da» Bäte nachsage. Bald sammel» Ie» fich die Sipahi vor den Dhron» de» Serail. Da dre Srostmürd»irtger de» Reich« fich veednrgen hieli». so wustlen die Lachen nicht, »a« fie tva soll». Sie «echsellen einige Schiffe «ii d» Nasrührern und geftatteien ihnen bald de» EiniriN. Die Ansrihrer drangen in den Harem ei». Enl- 'etziiche» Geschrei erhod fich. Die Lrm.hrcimnen de« Harem«, nicht gewöhn,, einen fremde« Mann zu schnuea, fiog» auf »ie aerlchüchtreke Dauben. Die Eunuchen aal» d» Empdrern entgegen. ,W» ist die Jüdin, hie Zauberin? Wir aerlnag» nicht« alt de» Kops der FnnariUa!' ries der Kasührer der Meuterer. Man führte die Emptrer zu d» für Esther bestimmten Gemächer». Sie war» leer. .Ho.' ries Omar, .habt Ihr die Hexe enttinuen laff»! Wir täten Euch «llesamurt. mena Ihr die Hex« nicht herbeis-last.- ,Eie ist im ludienzsaal >' sprach einer der Eunuchen zittern». .Führt an« dorthin!' schrie Omar. Die Ennuchen inten wie ihnen geheißen Unlerdest mar aber da« Gesalge de« Enttan« »on den Gemächer» der Lalide zu dem ludienzsaale zurürkgekehrl. um am Eingänge dellelhea den Sultan zu erwarlen. Da« »esdlge de« Sultan« bestand au« lauter diesem persönlich treu ergrdeur» Männern. Unter ihnen mar Sadik, der Oirerstkämmerer, de« Sultan« Milchdruder. der vornehmste. AI« die Ausrührer mit gezogenen Schwertern in de» »ndrenziaal stürmen «ollten. trat ihnen Sadrk cnigegen. .Emptrer.' rief er. .mögt Ihr e« in da» Hau« Eure« »on »oll eingesetzte, Herrn ,n dringen!' .Zur Seile ' schrie ein Sipahi. .oder wir Posten Dich nieder!' Sadik oder und die Seine» bildeten eine lebendige Mauer a»r der Düre de« Andienzlaalk«. .Freunde.' rte' der Oberstkümmerer, .wir muffen unser» Herrn seine veriddle erhallen, die ihm mehr gilt al» sei, Leben. Der Padischa wird'» NN« reichlich lohnen. Muihl Emrorer find Feiglinge! Den Nächsten, der aul ihn eindrang, schoß Sadik nieder. E« gab ein furchrbarc« Gemetzel. Immer mehr Sipahr'i kamen herzu. Eie gemannen die Düre »nd drangen in den Enal ein. wo fich der Knmpl lortsetzte. Unterdessen halten die im »ndienzsaaie die Rückkehr de« Snllan» Admartenden mir Schrecken »ie Schiffe, da« Säbelgeraffel, die »ülrndei, Schreie noch »er jüdischen Fanorrtta de« Sultan» »eendmmen^ Rabdi Solomon sichte »ach einem »ndei» >»«- gang de« Saal« Iber all« Düren waren »erschlnffen. D« z»g er ei» Pistol, da« er in seine» Gürtel trn, und stellte fich »ne Elter, um jeden aiedeezuschietze», der fich ihr nahen würde. Jetzt drangen die Kämpfenden in den«,»!, aorn, Omar, der fofort ans Hann, lo«stürzte rl.rtle,-», fnlgy