Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 24 (1918)
- Issue
- 11 (15.3.1918)
- Date
- 1918-03-15
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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i ' Geschichte und Literatur Misch« Dofejrftn«._Bmlti, X« ,5 BMrj „>8_Nr. U vi« Mauer» oo« lerich«. Das heutig« Zericho. .in das die Engländer nach 'den aeuestru Mltteilunge» etngerückt find, heißt bei den Törten und Trader« Er-Riha und ist nur ein ärmliches Darf mit etva 800 dettclhoftkn Eirwohnern. C* liegt sechs Stunden «ordöstlich von Iernsale«. >'/, Stlutten vom Zopdan und vom ioUn Me« entfernt; die derübmte uraire bidl.schr Stätte lag eine Harde Stunde nordn-stlich vom oeutigeu Jericho unter Letz-es Sultan am Fuße de» Dftbil Karantal br.i d<n roch heute fließenden OueVü a f c.^m kangglstteckten ziemlich schmalen Hügel. Die ölteste nachweisbare Anfiedlung rocht dis ins dritte Jahrtausend v. u. g. Z. zurück. Jolua zerstörte dir stark befestigte kanaantische Stadt. Zu Davids Zeiten war Jericho wieder bewohnt. Ahab, gu besten Reich di« Stadt seit der ReichsteUung gehörte, lieh sie dann durch Ehiel um 870 ». neu d<festigen; diese Bcfestignngsanlage lief um die ältere kauaoänische Kauer, herum, deren Trümmer mit Schutt überdeckt und ausgefültt worden waren. Die israetldsch« Mauer ruht auf eroer mächttgcu BLfchvrgsmauel. tcren Ltuublöcke auf der iu den splUletuden Felsbodr» eingebetletru Untnfulluug von reiner Lehmerd« ruhten. Es ist degruflich. daß mau bei den Ausgrabungen der Deutsche« Onentgesellschast diesen mächtigen Bau zuerst, für di« berühmte», bei« Schall -der Priestertrompeten eingrstürzteu .Mauer« »ou Jericho* der Iosuasage gehalten hat, dis die ge»a»re Untersuchung lehrte, daß fie der israelitischeo Stadt augehöre». Dieser Mauerring, ,em geradezu majestätisches Bauwerk*, umzieht die Stadt ohne jede Gliederung als Oval, aber die Türme fehle» gäuzlich. die fich bei andere», z. B. den kreisrunde» Stadtmauern »in Seüdjchirli (zwischen Manasch am obere» Eutzhrat und Alexandren«) finden. Aber auch die von Sellin und Watzinger für die Deutsche Orientgesellschaft untersuchte kanaauäische Umwallung aus dem 2. Aahrtaustud v. ist von hschstem Intereste. Der Mamerring ist gr-ßteutnls wieder ansgedeckt oder mir Sicherheit rekonstruierbar. Er führt zu» ersten Male auf palästineufijchem Bode, diejenige Gestalt -er BefeDguugen grcijour vor. die uns aude» zahlreichen ägyptischen Darstellungen iu den Krkegsrelief» des neuen Reichs (z. B. Relief SethoS I iu Karnak) genau bekannt find. Hier liege» die lyrischen Festungen auf Hügel», au dere» Seite gelegentlich ein Bach entspringt; fie bestehen au« einer niedrigen und cistr dahinter auftugeuden höheren Mauer, die Heid« mit Zianeu gekrönt find; in der unteren Mauer ist das Tor dargestellt. Sowohl auf der obereu Mauer wie in de« Zwischeurau« zwischen betdeo, der also überdeckt gewesen sei, muß, bewege» fich die Lerteidiger. Ein Stück einer gauz gleichen »alage ist i» Jericho aufgedeckt : hier lieg« zwei Mauern in etwa 8% Meter Abstand hivteretnauder, eine »'/, Meter starke und 1V Meter hohe Haupt« mtut u»d ei»e 1'X, Meter breite vormaner. Der Zwischen. n»m war nachweisbar mit Holz überdeckt, so daß Kasematten danurter wäre». Mächtige Türwr stauben auf der Haupt, «auer. Di« >»fiedlu»g. die auf diese Weise befestigt war, bestand pur Zeit der ägyptische» Herrschaft über Kanaan. — Bei der jetzigen Eroberung des armseligen Dorfes Zericho brauchte bas .auserr ählle Volk der Engländer* keinen SchofarNaug. M. MaG» Meudefsfost». Vortrag i» Gemeinnützigen Verein (Deffau). Ai dritten Regftningsjahre Friedrichs des Großen Arugke «« Rsseutaler Tbr in Berlin ei, 14 jähriger, ärmlicher, schmächtiger, kränklich erscheinender, »erwachsener Knabe jüdischen Aussehens au, ber die Reise »ach der Hauptstadt Preußens zu Fuß zurückaelegt hatte. Da» Rvfeutaler Tor war bas einttgr. das de» Juden offeustand. Wegen des großen Andrangs fremder Einwanderer spente man fich gegen unliebsame und mittellose Anköwmliuge durch eine scharfe Kontrolle ab. Bon de» Torwächter befragt, woher des Wegs und wer er sei, ant- »ortete der Knabe schüchtern: .Moses, der Sohn des Me», bet, des Schreibers und Lehrers io Deffau.* Und auf die Frage, was er «Berlin «olle: .Lernen'. Auf die Frage nach seinen Existenzmitteln schwieg der Knabe verlegen, als chm dekauote G<rson in Berlin gab er de« Name» des Oberrabdiners David Kränket an. Der Torwächter ließ ihm de» Weg zu diesem werfe». Dieser orme und vernachläffigt« Knabe sollte 86 Jahre später auf die Bildung und Kultur uon ganz Deutsch, land einen nicht unerheblichen Einfluß üben. Es war der spätere Kaufmann. GopulGtphilosoph und Schriftsteller Mose- Mendelssohn. deffen Denkmal tu de, Deffauer Bahnhof-anlagen steht, de« Fürsten ihre Freundschaft anboteo. der in enger Freundschaft mit eine« Leffing verbunden war und der i« geistigen, auftegenden Kampfe für die Moneu des verlästerten tote» Freundes, wie ein Held in der Veistesfchlacht, starb. Das Wort .Lernen' gibt den Schlüssel des ganzen Lebens Moses Menbclssohus. Es setzte ihn hinweg über die Nor und die Veschwerlichkettev. die jeimr harrten, dier r» Hause des reichen Seibenfabrikanteu Bernhard ein sicheres Asyl fand. Leruen hieß bei ihm «ehr vis .sonst i» gewöhnliche» Sinne, lernen war bei ihm auch forsche». Wahrheit suchen. Das war dem Sohn des Deffauer Thviaschrttbers — dem der Drang dazu natürlich auch augeboren sein mußt« — auseiuer sehr früh begtuoruden fireugen Lebeusschule iu Fleisch uoö Blut übergegangen. Ueber die damals schon vorhandenen tzwden. schule» und Lesestudeu. in denen allerdings fast nur religiöse und moral-theologische Schriften zurBerfchiuug standen, erfuhr «an aus de» Munde des Vortragende». LandeSra bbioer« Dr. Walter. Deffau, sehr Wissenswertes und Rufkläreudes. In diesen primitive» Schulen sühnen die Lehrer ei» strenges Regiment, es wußte gelernt werte» »ud wurde gelernt vom frühen Mvr. ge» bi» zu^. Analphabet zn fein, galt damals schon in diese» jüdischen Gemeinden für eure Schmach. Die Erforschuug vud Auslegung des Talmuds beschäftigte unausgesetzt die klügsten Köpfe. Aus dieser Atwosphäre, die vi»eichl »auch«» Schwächer» entkräftete uud elend zugrunde gehe» ließ. ,a den Starke» aber die Entfaltung geistiger Potenzen förderte, wuchs auch ein Geist wie der Spinozmk empor. Der Heißhunger »ach Wissen und Erforschung trieb beide, Mendelssohn uud Spinoza, die sich in ihrer philosophischen Richtung so uuähalich stutz, in di« gleich« Bahn. Asses Mendelssohn kam >-' einem kleine« Häu-ch-n der Askanilchen Straße, damals M'Ue!'lr,i>- genannt, zur Welt, und zwar io eire« kleinen Hinterst,b:S beute noch pie« tätvoü von der jüdljch^a Semeir.de c>1 tl:ewird De. Pater lebte spärlich ui.d ärmlich rer Beruf a's ro:oschrciber war zwar ehrenvoll, aber auch in teurem Einkommen aimselig. Früh warb« der begabte Knabe ro» dem eisigen Hauch des Leders turckschütielt. Mu 8 Jahren iae er schon die Bibel, mit 10 Jahren ’M er da- «än-erste re'.rqiöse Werk des Mittelalter», den MoieNrdochrm. Den größten veredelnden Einfluß auf ihn übte David Fiänkel. der tn der Destauer Gemeinde hohes Ausehe» genosten batte, ehe er Lbrnaddlner iu Berlin wmde. Die Deffauer jüdische Gemeinde war ein günstiger Boden für di« Entwicklung einer aufrechten, frommen Gesinnung. I« Vergleich za anderen jüd,scheu hiem.inden. befand fich dieie. dank de» rtzr erw'eieven liberalen Wohlwollen des HenscherhauftS in eine« beneidenswerten Zustand. Mendelssohn hatte zunächst tn Cktlm ctce bittere Zeit zu überwinden. Meist ging er zunächst hungrig zu Bett. Aber die Schwingen seines Geistes wurde« uicht geläbwt, der Mut seiner Seele nicht ged»ochen. Ohne gcergnelen Lehrer, ja ohne geeignete Lehr- «ütel eignete er fich im Fluge die Kenntnis der lateinischen uud griechischen Sprache und der Mathematik an. Allein daallet sollte nur de« Zwecke diene», ihn einzuführen in die Halle der P h i l o s o p hi e. Er studierte, gauz Autodioakl, Locke. Spineza, Leibnitz, Wolf. Die Gefahr der Einseitigkeit, die alle Autodidakten bedroht, wurde von ihm adgewandt durch das Glück, das er hatte, geistigen Berkehr mit glcichstrebenden uud glcichgefinnle« bedeutenden Männern zu finden. Genannt seien von diesen Nikolai. Engel, Ramler und — Leffinp. Die Freundschaft zwische» Mendelssohn und letzterem war für beide befruchtend, fie äußerte fich in Empfangen und Gebe« Einer ergänzte den andern. Gemeinsam war beiden »aS verlange» nach Wahrheit, der Mut uud die Eutschiedenheit, womit fie für Aufklärung, Toleranz und GewiffenSfreiheit eintralen. sodann die Reinheit der Gesinnung. Leffmg führte seinen Freund in die Echönliteratur ein. Das Deutsch, da» Mendelssohn schrieb, war musterhaft, sein Wtffeu sehr groß, trotzdem er häufig den Mangel an exakter Bildung empfand. Kant sagte von ihm. wenn die deutsche Muse der Philosophie fich eine Sprache erwählen würde, so würde fie keine andere wählen als die des MoseS Mendelssohn. Mendelssohns Gefühle waren deutschunttonak. Er wirkte für den nationalen Gedanken zu einer Zeit, wo die Ausländerei in Literatur und auf dei Bühne in höchster Blüte war uud selbst Schiller noch dichtete: .Schnell knöpfen fich der Liede zarte Bande, Wo man beglückt, ist man i« Laterlande.* Ja seinen Schnflcn trat er für »rutsche Art. gegenüber dem sophistischen tändelnden Treiben, das damals in Geltung stand, ein. .Wollen denn die Deutsche» ewig das ftemde Flittergoid gegen chr gnwS Sotd vertwZcheu^' schrieb er, und »aale es sogar, Friedrich den Großsn zu kritisieren, der ihn nach Sanssouci zitiene. jedoch glimpflich mit ihm verfuhr. Mendelssohn gab Friedrich auf snne» Borwurf eine originelle offeuherzige Autwort: „Majestät^, sagte er, .wer Verse macht, schiebt Kegel. Wer Kegel schiebt, muß sich geffalle» laffen, sei er König »der Dauer, daß ihm der Keaeijunge sagt, wie er geschvben hat.* Bei seinem scharfen Geist besaß Mendelssohn auch eine gute Dosis Witz, in der er gelegeutlich bis zur Selbst- Verspottung ging. So machte er einst in einer Gesellschaft ein Epigramm auf seine eigenen Gebrechen, zu denen auch bas Stottern gehörte. - In de« eutwvtfeven Lebensbild lieh Dr. Walter «ehr den Gharakter uud Menschen m Mendelssnhu, Kenn den Philosophen uub Literalen hervortreten. Nur bei seinem bekanntesten Werke (über die Frage der Bestimmung des Menschen), dem .Phädoo*, dag gegen den bis in die höchsten Kreise henschenden Skepti. zismus und PeffimismuS gerichtet war. verweilte er. und bei de» letzten Blatt in seine« Ruhmeskranze, den .Morgenstvuden*. Die aufgeworfene Frage, wvtin eigentlich seine Größe bestaut, was es eigentlich war. das ihn so anziehend machte, beantwonete er dahin: Nicht feine populäre Philosophie und auch nicht seine Schriften — Mendelssohns Gedanken wäre» weder grundlegend, noch grundftürzenb — feine Persönlichkeit war es. der Adel »einer Natur, sein moralischer Eharakter. Lurch die er eine» gewaltigen Eindruck machte. Man erkannte in ihm zunächst das Ideal eine- Juden, dann aber das Ideal eines Menschen. Deutschtum t.ud Judentum waren in ihm harmonisch vereinigt. Durch seine ausgezeichneten Ueberfetzuugen des Pentateuch uud der Psalmen förderte er in der jüdische, Jugend die Lieb« zur deutschen Sprache und das Streben, die deutsche Bildung in aufzvnehmen. Schulen wurden gegründet, in Deffau kurz nach dem Tode die Herzog-Frauz-Schule, die bald als Musteranftalt galt und in deu vierziger Jahren des verfioffcnm Jahrhunderts vom Staate übernommen wurde, um fich als Realschule und Gymnasium weiter zu entwickeln, eine Schule, die Meister eul* sandte, auf dem Wege, den Mendelssohn geebnet hotte. Hier i» Dchsnu. unter Irm Schutze des Herrscherhauses, konnten Persöulichkeiten entstehen, die Liebe und Duldung pflegten uud durch gemcinnützige Werke zu. Linderung der menschlich.u Not beigetrage»! haben. Sie wandelten im Grunde im Geiste Moses Mendelssohns, nach deu Vorteil, die Leffing dem Natau. für den Mendelssohn das Borbüd war, in den Mund legt: Es eifere jeder seincr unbestocheae», von Vorurteile« freie« Lieb« nach. — Nach diesem lichtvollen Vorlage fang Frl. Rautenb«g. Mitglied der Hofoper, zwei Lieder von Nendel-sohn- Varcholdy. dem Enkel de- Deffauer Weisen, und Lieder von Löwe, die ihr lebhaste» Beifall «»trugen. Au dr« Sttttotamniittit Magdeöurg lieber Nationalismus und Universaltsmus i» Judentum sprach Radb. Dr. Lange. Der Reduer wies die von Baur, Wellhausev. Bousset. Sandl Kuencn u. a. aufgestellteu Theorieen zurück, die d. Wesen des Judentums i» ein cng begrenztes ualionakstischcs Gewand kleiden und die Meuschheirolehre i» Judentum i» Abrede stellen. Das ethische und soziale Gesetz Mos^s, das über den Rahmen V; jüd. Volkes hinaus die Fr.-mden einrr gleichen Berücksichtigung fl. Wertung würdigt, die Gedanken der Propheten, die d. Mensche» zur Menschheit, die Nation zu e. d. ganze Weit umfaffeude» Gebilde erweitern und die Zettrnwmerung des LtaaleS zur G,unblage einer über die Völker sich erstreckenden KotteSverkündigung macken, da» Kese« de» Tempels als Zentralheiligtum der Mcuichtzcit, der alig. Ehaiatter der Festtage, die Sklaven und Tiere» Ruhe und Erholung verschaffen, die Ehrfurcht vor allem, was Golk in das Leben geletzt. ve;eugen d. universalift; Gelamtcharakter des Judentums, dem keine nationa'.e Schranke zukomml. vora, die SchöpiungsgeschichtederBibel, diejedem Volke die gleiche inflere Befähigung zuschreldt. der Begr.ff und Name des Meflichen ,ASam". d.r jedes meusckliche Wesen einbeziehr, die Gestalt Abrahams, in der Philo ebenso wie Kanlus die hervorstechende rein menschliche Natnrlichkelt loben. Die Aufsaffung der .Lehre* bei den Schriitgelehnen und Rabbinern des Mittelalter» schläft jeden Eiflwand nieder, der aus Gründen der Hcrabsetzunz des Judentum» auch in heuriger Zeit noch oftmal» eihoben wird. Redner schloß seine Ansführuugen mit d. Hinweis, daß biej., welche d. Geist d. Iurentum» iu e. nationalistifche Schriflke zwaoge» wollen, entweder große'Unkenntnis der Ouellen ober eiue uulautere Gefiflunrig bezeugen, die in einer »on eruste» wiffeflschafrl. Geist erfüllten Zelt im Gewände d Gelehrsamkeit »nd im Namen der Elffenichaft nicht Ausdruck gebracht ». dürfte. — Der Vortrag fand eine überaus beifällige Aufnahme. preode«. Meder die Mechtrverßättuiffe der Aude» tu K«ßfe» hielt am 27. 2. G-em.-Lekrelär Ploemacher e. ftsseluden Dortrag, der e. sollst- Ueberblick über die gesamte sächs. Gesetzgebung gab, soweit fie sich mit ber rechtlichen Stellung | der Juden belaßt hat. und damit zugleich vie wesentlichstefl Angaben über die Geschichte des Judentums in Sachsen bot. Di« l. urkundliche Erwägung findet fich 1883 in Bautzen, später i» Meißen. Unter Kurfürst August >1553—1586) w. die Juden aus Sachsen vertrieben und tauchten erst nach der Vertreibung aus Oesterreich (1744—1745) wieder in größerer Zahl auf; unmittelbar darauf wurden die Rechtsverhältniffe gesetzlich bedeutend beschränkt. Die Niederlaffung war nur in Dresden, upd nur in »er inneren Stadt, zugelaffen. Für Aufenthalt an andere» Otten mußten fie Leibsteuern zahlen. Für Ehen war e.Konfeus nötig. Diese «iltclalterlichru Ztstaude dauerten b!s i»s 'l9- Jahrh. Bon 1829 an trat t)r. Beer- Dresden in Schriften für d. Emanzipalioa ein. doch bi* l. sächi. Verfassung 1831 erwähnt nur christl. Ksnfesfioneo. Noch gelegentlich einer vergeblichen Petition 1839 an die 1. Kammer erklärte der damalige Prinz, nachmalige Söuig Johann bei Beratung: ' Es tut mir leid, »aß in de« Laude, in de» ich lebe. Siuwohuer noch um Gleichstellung bitten muffen. Immerhin bestand seit 1837 ei» Gesetz, die ReligtonsausÜbuug der Jude» uud den z, diese« Zwecke gestatteten Erwerb »ou Gruudeigentu« betreffend, und ei, Gesetz vom Jahre 1888 erklärte das Heimatgesevon 1834 (Erwerb von Grunbeigentu« und des Bürgerrecht») besehränkt auf die Juden anwend, dar. Erst um 1885 erhielten die Gemeinden Dresden. Leipzig. Chemnitz staatlich genehmigte Statuten; ander», gab es »ur juristische Personen uud Gesellschaften. Die im Laude ver. streuten Juden hatten nicht die Möglichkeit, fich einer Kultus- Vereinigung aozuschUcßen. Eine Entscheidung des OberlandesgerichlS von 1802. daß die jüdischen Gemeinbeu nicht berechtigt feien zur Zwangscrhedung von Gemeifldesteuern, veraulnßte das Dekret vom 10. II. 1903, das Gesetz vom 10. 6. 1904, die Verordnung vom 29. 6. 1904. Danach find sämtliche Israeliten zu ReligionSgemerriichaften zu vereiuigen, cs gibt jetzt i« Sachsen 8 Gemeinden. ' ie Dresdner umfaßt die Kreishauptmannschaft Dresden. Die Gemeinde« find juristische Personen de» öffentlichen Recht-. Jeder in ihre« Bezirke wohnend« Jude gehört ihnen an. — Eingeheaö behandelte Redfler Pflichten und Rechte Der Grmeinde uud Gemeiudeangehdriger religiöser uud and. An l.v.'rfaffung uud Verwaltung, Steuc'.recht) mit statist- Angaben. 1849 gab eS in Sachsen ^1032 Jude». 1910 17987 (0.53 von H. der Bevölkerung). davon 6000 O.'fterreicher und Ungarn. 3000 Raffen. Zn Dresden waren 1849: 672, 1910: 8734 (0.66 ». H.). bason in d. Kreishauptwanflsch. D. außerhalv v. D. 513 (l749 deulsche Staatsangch.. 545 Raffen.) Den dankbaren Beifall »er Versammelten kleidete Kommerzienrat E l b in beredete Warte. „Siblische Dichtungen in Wort und Ton'. ^Aruuufchwe.g. 19.-2. Der Gedanke de» Berliner Oberkanlvrs Magnus Davidsohn ist zeilgemüß: während deS Weltkriege» hob mancher wieder die Augen auf zu, den Bergeo, von welchen uns Hilfe kommt. Händel durfte aber nicht vergessen werden, weil er den Text seiner Oralorieu fast ausnahmslos dem Alken Testament efltnahm. Mufikdirektor 8. Theria leitete den Abend durrq Harmouimnspiel ein und vetlieh ihm dadurch kirchliche Weihe, daran schloß d<r Sänger Schuberts .Allmacht* in tiefer Lage (G-dur>. Diese beneidenswerte Stentorstimme die an gewaltige Räume gewöhnt ist. Der Sprechlon war »oll. wuchtig und wirkte oft erschültclnd. Da jetzt die Btdel Surchi nnere Einkehr wiroer »ehr zu Ehren kommt, wollte Davidfohn eine Erbauuugsstunoe bieten: dieZ ist ihm völlig geluugen. Im .Scestukm' mir 3 eingelegten Gesängen schildert »er spanische Dichter de» Mittelalter- Juda Halevi die Rot des israelitis^eo Volkes, die Vergleiche mit der Gegenwart er« gaben fich von selbst. Ais Proben v. Lyrik erhielten wir de» 28. und 126. Psalm iu der gereimten Paraphrase Herberu. in Luthers Uebcrsetzung; jeucm fehlte leider di« Harfe, vie der Melvdie die eigenartige Färbung verleiht ufld b-ffer als der Flügel an David erivaen, ebenio vermißle man i» der Arie auS Meubelssobvs ,Elias* das Orchester, dar nicht ersetzt werden kann. Ganz vorzüglich gelang die Deklamation z. T. als Melodram »on .-saak-Opferung* von Dielaav. .vrfio,' von Kuh und die künftleriich vvllendete Uebenraguag des 85. Psalms durch Landesrabdiner Dr. R i e g e r, der starke Beisatz galt auch d.m Dichter. Theria erwies fich am Flügel und Harmonium als äußerst gewandter vegleuer. *