Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 22 (1916)
- Issue
- 39 (27.9.1916)
- Date
- 1916-09-27
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Ml OwuhBitniiiMI de« Harra StsstskommlBsar» für Krfsgswomhlirtspasge* •_ teptMabcr MM. Ein RUF um HILFE! Vss allgemeine Jüä. Krankenhaus „Scfyaare Zedek“ in Jerusalem Verwaltungssitz / sieht sieh erneut gezwungen. Jeden, der zu Kellen.vermag, anzurufen Fufbhtbare Armut, tiefstes Volkselend, i Teuerung und beispiellose Minderung des Geldwertes, Gntkriftung und Unterernährung, Not u. Qual des Hungers in der breiten Schicht d. Volkes, Erschreckende Zunahme verheerender Krankheiten, Der ganze Kriegsjammer haben Entsetzen erregende, markerschütternde Zustände geschaffen. Wir stehen seit Ausbruch des Krieges mit übermenschlicher Anstrengung im Kampfe gegen Krankheit und Seuchen aller Art, im Kampfe gegen Not und Tod, vertrauend, dass man uns nicht verlassen werde. Gegenüber dem Massenelend und der Teuerung aber reichen unsere Mittel trotz grösster Oekonomie nicht zur Aufrechterhaltung I (Man lese unterm Stnch). Nicht für die Gesunden bitten wir I- Wir flehen für schwerkranke hilflose Menschen. Wb* flehen für eine ganze Bevölkerung, — 60000 Seelen zählt die jüdische Bevölkerung {Jerusalems —, von der unser Hospital die Schrecken der Seoehenausbreitung fernhilt. Frankfurt a. >. t Wir sind die einzige, bestehende Anstalt, die mit den modernsten hygienischen Einrichtungen und mit Isolierpavillons versehen und rein europäisch organisiert, umfassend in praktischer Arbeit steht, und die in der Lage Ist, Spenden auch sofort ln fruchtbarer Arbeit umzusetzen. Nach Tausenden zählen die Anerkennungsschreiben von Besuchern und hohen Persönlichkeiten. Das Kalsl. Deutsche Generalkonsulat in Jerusalem. Die Kaiserl. Deutsche Botschaft in Konstantinopel, Die Hohen Behörden io Berlin und Wien kennen und schätzen unsere Wirksamkeit, wissen, dass wir auch andersgläubige Zivilpersonen anfgenommen haben, wissen, dass wir Grosses für die Truppen lösten, und haben in dringenden Telegrammen wiederholt an uns die Bitte gerichtet, auszuharren, und suchen uns durch ihre Organe zu helfen, soweit es in dieser schweren Zeit möglich ist. I Wer wollte in einer Zeit, wo wir daheim und geschützt sind von dem Wall tapferer Heere kleinlich rechnen? Wer wollte der Stimme des Erbarmens wehren, wo jeder in seinem Kreise das Erbarmen des Höchsten braucht! Kein edel denkender Mensch wird uns seine Hilfe versagen dürfen und wird befriedigt sein beigetragen zu haben an einem so grossen Werke der Nächstenliebe. Wer rasch und mit dem vollen Ausmass seines Könnens hilft, der rettet von schwerer Krankheit Ergriffene, [ der verhütet den Untergang der Bedrohten, der hilft nicht nor unseren Brüdern im Heiligen Lande, sondern der leistet Grosses, Heiliges für die Truppen, für das Vaterland. Darum helfen Siel Dar Vorstand des allgemeinen jQd. Krankenhauses „Schaare Zedek“ in Jerusalem Verwaltungssitz Frankfurt a. SL Angesichts dar arnsten Zeit, machen wir namentlich auf unsere Gedächtnisstiftungen aufmerksam und bitten die Bedingungen einzufordern.! Geldsendungen: an unser Postscheckkonto Frankfurt a. M. No. 7785 oder an den Kassierer Herrn Karl Mosb&cher, Vogelsbergstr. 32, Frankfurt a. M. Ein Uebcrweisungsformular liegt bei. Briebendungen: an Herrn Emil Goldschmidt, Röderbergweg 63, Frankfurt a. M. Brief des Kaiasrtieh Deutsehen Gantnl-KontaU In Jerusalem, welcher uas durch daa Auswärtige Amt als „Befehsdlsnstaaehe* übersandt wurde. KaJaarliefc DvetaehM UvMrml K »Killt , J. No. 899. Jerusalem, dm IC. April 1916 Dom Vontaade 4m Allgeeoemec jüdischen Krankenhaus« in Jerasslom »Behaart Zedek“ bringe ich auf Antrag der hiesigen Lokal* lettuag gen meine Anerkennung dar eegeamsehen Tätigkeit, welche da« Kraakeahaoa ia Pmllatini asaftbt, zum Aaadrnck. Ala Kaiserlicher Konsnl ia Jaffa haha kh ia des letztes ftsf Jahres wiederhalt (ielefeabait gehabt, za beobachten, welch guten Buf .Behaart Zedek* Ia allst» Kreisen Palästinas geaieeet; meine gute Meinung wurde bestätigt dar eh das, was ich im vorige» Sommer, als ieb mehrere Woche» das hiesige Osasralkeasnlsi verwaltete, mit eigenen Angen beobachtete, Ieh sah, dass sich daa Eraakenhaas Bläht nur dar Jtdlsehsn BaThlkaraag im gerohrter SorgflUdgkelt •eadera aaeb der türkischen Heeresvwtwaltaag wesentliche Dienste Iristsle, indem m Uniformen and Wische vieler Soldatea desinfizierte bb4 se dam UmgralPsa das Fleektppbas tatkräftig aotgagaatrat. Auch bei des Jetziges Epidemien finde ich die Lsntoag das KraaksabaiMs wieder mit Erfolg bemüht, wo die Notwendigkeit am «festen tat, beitend einsagrafea. Diese TAttffcatt kommt der Btadt Jerasalea. dem ganz so Paliattaa und — ineofarä nu weitere Ausbreitung voa 8enebea verhindert wird — aoeh den In Palästina statteelertea Truppen, weraatar sMi vial» dautseha nd flttsrrsteh engsiisaha Boldafisa baflodao, zu gvt leb wftaeehe dem ..Sahaaiü Zedek* ffir seine weiteren Arbeiten allen Erfolg «ad hoffe, dass es stets Frsande finden möge, die ihm dsreh finanzielle UsterstAtcmag sein weiteres Wirken erleichtern. Der Verweser dm Kaiserlichen Gaaanlkouulat« ges.: Dr. Broda, Kaiserlicher ffoasaL ■rftdf OBSdPtB Chefärzte« Dp. Wallach ▼. 17. 2. 16. Ia dea letstea I Monet« hatte» wir ia den Sprach standen 9580 KaaMtatfoaea, davon 6166 wegen iaaers» Krankheiten; ia den gleichen I Renaten des Verjähr« 6631 Keasaltatlonea, davon 8850 wegen Ins mm Krank hatten. Ieh habe m Ifijlhrigsr Tätigkeit sie derartigen Ja^gar gesehen. Der Mangel aa Nahrnag bringt dis schrecklichsten Beispiels von Prattvartadaruage« m dir Zeit vom JeU 1914 bis Min 1914, einiger wichtiger Lehens and OebrancbemiUel, sowie einiger Medikamente and Yerbaadsaaehaa. Artikel aad QaaalitAt Jaü 1914. Prs. Schwarzbrot p. KUe —JO Bein . . -.40 Banker - . ».44 Kartoffeln —.16 Pahreteem p. Liter —JO Sattltae p. Liter —.40 Caiaia salphur. p Kilo M.-j Aattpyria-fosat z p. ED» 91 JO BUtikoUn*» Ton, 80 — Min 1915. M6r> 1916.- Jim 1916 Fra Fra. Fn.* — .40 —J3 1.40 1.66 2.76 IJ6 5.20 —JO —.70 9.70 6J0 2J5 420 156.— 800.- 50.— 70.— 40.- 60 — 200.- Kein Angebot. Brief noereu Verwalter* Hem San «. 4. 16. leb habe Ikaea schon einige Male mttgetsiH, za welchem Preis man hier türk. Papiergeld ia Zahlung atemt Sie werden dabei die Beebarhfaag gsrnaiaht haben, dass dar Kan «taug abwirto ging. Was wir Jedoch dark ia daa jäagstea Wachs» erlebt haben, IbenteSgt alle Orrtaaa dm Pagewmmsa and salbst wir, die wir sehet abgehärtet sein sollten, unangenehme Debemsebaagen mitzumaebeo, sahen mit wichsender Erregnag der weiteren Entwicklung der Dinge entgegen. Brief Dr. Wallach y. 17. 4 16. Gerade vom Fleckfieber werden die Befallenen farehtbar entkräftet, zumal die meisten doieh Entbehrung and oft geradezu Hanger schon vorher sof das Aeasserste geschwächt sind, and meinem Willen entgegen muss ieh die meisten Kranken nach ihrer vorUnfigen Gene* sang in bejammernswertem Zustande — sie können sieh kaum sof den Hainen halten — in ihr hbösliches Elend inrfteksenden. Wir mfeseo eben Platz schaffen. Da« die Pflege der besinnungslosen, unruhigen Patienten neben grosser Sergfslt anch für die Reinhaltung (Wische), ffir die Kriflifueg (fürchterliche Teuerung aller Lebeasmittel), angebeare Ausgaben verursacht, tnispea wir Ihnen leider berichten. Wir können «nd dürfen aber nicht nachlassen. denn noch ist die Hoffnung, dam es m. G. H. gelingt, dsreh Isolierung der Befallenen die Epidemie eiazadämmen und so noch grisslichsres Unglück von der Stadt abzBwendcn. Leider ist ein grosser Teil der Bevölkerung dsreh ungenügende Nahrung — « gibt viele Leute die, da Brot unerschwinglich teuer, manchmal anch für Geld nicht zu haben ist — die Armen können sich eben keine Vorräte an schaffen — (Jezn&se ebenfalls Urner sind, vom Felde wildwachsende Gräser und Kräuter stummen und gekocht oder ungekocht — za sehr geschwächt, um der Infektion Widerstand leisten za können. Bf. Dr. WälUeb, 24. 3. 16 Hier ein klein« Bild des Vergleiches: In unseren täglichen Sprechstunden wurden wegen innerer und chirurgischer Krankheiten (ohne AugenfäUe) behandelt, in den 6 Monaten von Mitte Oktober bis Mitte März : 1918|14 : 4466 Fälle und im Jahre 1914,16: 8444 Fälle! Bpfaf Marz v. 26. 4. 16. Brtkattkohian: Vor dem Kriegs kostete Brennholz per Tonne etwa Prs. 86 — and Brikettkohlen per Tonne Frs. 70 — bis Fra 80.— Be* diesem Verhältnis lohate « zieh für ans, Kohlen, die eine bedeutend grössere Heilkraft entwickeln, zu verwenden. Es gab dabei wohl Abfall (Staub), für welchen ich die ersten Jahre keine Verwendung hatte, ich sammelte denselben and später lernte ieh diesen Staub mit Lehm, Cement aad Warner gemischt, io Formen zu bringen und getrocknet als minderwertiges Heizungsmaterial miuabeoitzes. AMWäftlffW Amt Berlin, dea 7. Juli 1916. Nr. II WKT 1191. Nach einem Telegramm des Kaiserlichen Botschaftern ia Kon* staattaoDe) benötigt das Ihrer Verwaltung unterstellte Allgemeine Jüdische Krankenhaus Behaart Zedek ia Jerusalem dringend Je 10 kg ■alt—aus aad scfawefeUaur« Chinin. & darf daher ergebenst anbeuagenteilt werden, die Ware in beschaffen und unter genauer Bezeichnung den Empfängers derselben dem Chiffrierbfiro dee Answärtigen Amt« wilbelmatneee 75, zwecks Veranlassung der Wettersen dang durch König!. Feldjäger bis Konatentinepe) ingehen zu t-i«ce In Anbetracht der Dringlichkeit der Lieferung wird sosaahmzweme von hier aut versucht werden, die erforderliche Ausfuhrbewilligung bei dem Reichsamt des Inneren za «wirke*. peetorl Bitten TeUgrr. 12. 6. 16 Innerhalb 10 Tagen weitere 64 geheilt entlassen, dreizehn leider bee. Mussten safnahmebedörfuge Pavükmekraake zarüekwsineo. allerdrmgeost Gessmtbeleguag auf Hundert erhöhen zu dürfen. Wallach Marz. Telegr* 20. 6. 16. Seit Mitte März 881 PaviUosskranke aofgnoommeu, davon 968 geheilt, 70 leid« gestorben, 78 in Behandlung, ersuchen bertllehst notwendige Arbeit fortsetzen dürfen, stop 900 Medisiopnkete nagekämmen, erwarten Chinin . . . weiter 80 Gr. Emetin, l(w Tabletten, je ein Milligramm und 51 Flaschen, je 25 Gramm Snprarentin, fern«.. 4. Ministerium des Innern Berlin W. 80, den 81. Mai 1914. Ministerialdirektor Kirchner. Dem Vorstande d« Allgemeinen Jüdisches Kranken ha ns« »gehaart Zedek" in Jerusalem teile ieb gern mit, dass ich wäbreud mein« Aufenthalt« in Jerusalem ira Oktober 1918 das Krankenhaus unter Führung sein« ausgezeichneter» Chefarzt« und sein« umsichtigen Inspektors eingehend bezichtigt und in auigezaiehDzter Ordnung befunden habe, leb habe den Eindruck, da« « unter des vieles Wohlfahrteeiarichtaagea im heiligen Lande einen hervorragenden Platz eianimmt und tum / Segen der leidenden Menschheit wirkt. Ich kann nur wünschen, da« ihm reichliche Mittel, zufiieesea möchten, damit « wie bisher hellend und helfend tätig sein kann. In grösster Hochachtung ergebenst ges. Kirchner. Der umerlknn Ische Bouehnfter, KxzaUaaz ■opfftatha«, bisher in Konstantinopel schreibt: This Institution speaks for itself, it is certrainlj thouronghly antiseptie and well deserv« every on« «apport. April 8tb 1914. gcz. Henry Morgentheu. UfiberMtzang tos dem Türkischen: Ich habe das Israelitische Krankenhaus .gehaart Zedek* ia Jerusalem in bester Ordnung und den humanen Zwecken entsprechend vorgefondea. Die innere Verwaltung und die Reinlichkeit stad Unübertrefflich. . . . ., 29. Dezbr. 1880 (11. Jan 1915). Kommandant der Armee and Marinem io ieter DjemaL Als Augenzeuge der Verhältnisse Palästinas in der Kriegszeit gestatte ich mir. Ihnen den Dank auszusprechen, den jeder Menschen« freund dem Krankenhaus .gehaart Zedek* schuldet ffir seine hervorragenden Leistungen, ganz besonders in der jetsigea, schweren Zeit Ist « doch das einzige, jüdische Krankenhaus Jerusalems, ia welchem dank «einer vorzüglichen Einrichtung nicht nur di» grössten Operation«! ausgeführv werden können, sondern nach ansteckende Krankheiten in besonderen Pavillons behandelt wurden. Besonders hierdurch bat Ihr Krankenhaus jetzt ein unermesslich« Verdienst erworben. Boi meiner letztes Anwesenheit in Jerusalem, Rade April da. Ja f betrag die Tngsesahl der dort verpflegten Fleektyphnzkrankea fünfzig. { Wie ieh höre, ist inzwischen die Ziffer leider auf bald huadertgeetiegea. — Die Aufnahme ein« jeden Typhnakrankea bedeutet nicht nur für ihn selbst, dank der aufopfernden Behandlung durch den leitenden Arzt, Herrn Dr. Wallach, die Hofiiaag, mit göttlicher Hilfe gerettet sn werden, sondern anch für die daheim zu rfiekbleibeode Familie den Schutz gegen weitere Ansteckung. Daren du Krankenhaus »gehaart Zedek* zi»d so Tausende vor der schrecklichen Krankheit bewehrt worden. Veranlasst durch die Sorge am du Wohl der Bewohn« Jerusalems and Südpaläetiau gestatte ieh mir, Sie von Herzu za bitten, ia dieur fürchterlichen Not auch weiterhin die Erlanboleinhl für auf zunehmende Kranke nach Möglichkeit zu erhöhen. Gott wird Ihnen hei« eben, und eines Jeden, du dem kranken Bruder hilft, vor Krankheiten ia eigener Familie zchtlien Mit dem Aoedraeke vorzüglich« Hoehaehtaag zeichne ergebenst Dp. Manna Aurbä«*. au Pafech Tikwatt bei JMz a. Z*. Homberg t. i &, M. I. li