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Jüdische Volkszeitung · 1915-10-08 · 42 (8.10.1915) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
21 (1915)
Issue
42 (8.10.1915)
Date
1915-10-08
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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3»MWk Dotbjdttu. Nr. 42 -«tN title Jiin. 21. CfptmbtT. Et rer »orautzusrhni. d«h btt £ett)Iafc bet niffffchtn Winifienat«, bt» jü bischt» ll»>tt. »nt» das Wohnrecht in ganz K»|lgiib ctrjuräuntti, rin in- Stück Papier bletbtn Serbe. Tatsächlich stab nit b*n Mtiat» mlstschta Gewährsaräantra »lei» wthreab btt jüngsten zwei Sacht» Sä Fällt »aa Anbena^Weifungtn nahm- Haft gewacht wothtu. Hitt btti btt ktafftftt»: Oer »er wan bete jßbischt Otsttilt Lach« kam Gabt Eagnft zu .stiata i, kamst wahnen bta Ellttu. Obwahl hie Ellttn btn Sinister irlrgraphisch ttsuchl hattta. ihttm schwetatnauabttt» Kahn bi« ,ut Heilung ba« Sahattcht i» kamst tmzuräumt». wutbt btt »tnauabtlt jiibischtKalbat am 10. 9. aa» btt Polizei, bthitbt ab,tschabta. Der jüblscht Kolba« Ttiitlbaum. mit tinnn hei Jwaigatob trhalttatn B tin- ' schaß, schleppte stch für frintn ltßlta Stoscht» nach Moskau, ^»m ban tiut» augeseheneu Chirurgen zu koasultittt». Et wutbt unmilltldat »ach stiatt Eukuaft, als »hat Sahnttchl. »atgiwitltu. keine killt, ih, wenigstbui tintm Du. lauer Lazantt z» übtrwtstta, blitb ttgtimisloä. Et kam per wchuh »och Siltbil. wutbt »mpulittl uab atistatb. Die jücht Ftaa Parier kam »ach Petersburg. umihitu im ^-bärtige» Lasattl, btstnblichtn schwttattwuabtltuEaho. btt stch freiwillig geftelll hallt, zu btsachia. Eit wutbt noch am Enkunsiptage aubgewiese» uab ihtt kittt, »ot atm Abschub ihren Loh» wenigstrns begrüßen za bätsta. wutbt abgewiesen. Dtt Zgr lieht «aschtiatub immer glühtabtt stiat Juden. JHe »ttzwtiftttt 4M* btt rastlscht» Jade» /apeuhagea 2. Oklobtt. <1. XL) Eia satbtu au« Siuß. lanb zutückatkthritt sthr hahtt bänischtt ktamltt. btt butch stint philosopsstscht» ktfttthuagtn bekannt ist. macht btm Kotttsponbtalta btt .Lelegenphen-llntbn" übtt die Lagt btt tusstschtu Jude» falgtabt Eugabeu: Dit Behauptung btt tassischt» Ofsizitlltn. baß Raßttgtla ergriffen warbt» seien, bas sutchlbott Schicksal btt tusstschtu Juden zu verbessern ist unwahr. E« ist richtig, baß bit libttalt» Parltit» sich i» btn letzte» Moaalt» ttwa« mehr mit btt Jubenfrage btschäftlgt habt» ul« i» Ftitbt»«- zelte,, doch Hai bit » » s I b s» » g btt Duma btn Bemühungen von dieser Srttr tia säht« E»bt brrrilrti Dit Xrtist. bit jtßi allein maßgtbtub i» Jiu&Ianb st,b. btstätktu bt» Sitifrnitie. mu» i» btt uutthbtttsttu Stift, blicht alri«, baß mit osst. zitstt» Grlbrrulängst tiagtgaugtat Htßblälltt. «He btt ltautigt ,Wtißt 8Wtt' nnb a»btn, i» » Lt b ta lutäckgttu st» worbt» stab, ist auch »och speziell sät Prirrshurarr Zwtckt tigt»« tiut »tut Ztituag gtgrüabtt warbt», lut .Semstschina', ulltakausttoali». »Itraaalistmitisch, "bit ausschlitßlich bau btu llulerftitzuugssaubs btt tchttusfischtu Ltult lebt- Dit Ltilatliktl bitst« »lallt» st»b bttatlig iasam gtsaßt, baß stibft klälltt, »it bit gtwiß nicht allzu staliawuialt .Nawast Wremia', bit »tbaktia» dtt .«emstschi»,' um Mäßigung atbtltu habt», mit btm Hinweis aus bt» stblt» Eiubrnck, ot» tiut bttarligt Hetze im »tulralt» Ausland httvott»st» maß. Dit .Semstschina" far btrl täglich in ihren gratis »ttitilltn Exemplaren zum Pogrom aus »ab etflirt, baß alle Jubtn Vattrlaabtsbtrrälttischt Spion e i» btutschtm Solbtstit» und bit alltiuigt Schuld am Unglück Zhnßlanbs tragt». Dit Hetzettitn bitstr »ei Presst habt» bau» auch ti» uamtulost« Unheil »ugttichltl. Dit Juden, bit bas Unglück hallen, a» Orlen zu »«hat», bit bas russische Httt aus stiatm Siückzuge hassttvt», wutbt» gtrabezu uimtuschlich behandelt. Kaabttte »a» ihae» mürben gtstrtazigi. Es ist als tiut Seltenheit auzuseheu. wenn tiut jübitche Wilwt itgtubwtlcht staatliche Uulttststßuugtn erhält. Lei bei große» Flucht au« Warschau wurden die Juden einfach »u« beuZügeu. I» hie ste sich gerettet hatten, heraus, eftoßen uab in bt» unendliche» Sümpfe» ihrem Schicksal überlasst». Dir meiste, Slablvttwalluugm wehrltu stüchlige» Juden llnlet. f «nft i» bet Elabl. so baß bit Bebautruswtrltu seit Moaalen außerhalb jbes Weichbildes in Erdhütten halbiert» mäste». Den jübischtu Ztituugtu ist ba« Erichen en tunatbtt dttboltn ober ste bürst, mit lehnt Worte »»spielangen p»s biesr eatsetzlichn Berhällniffe macht». 4lm». Der ,<utjtr Siteariti* teilt mil. baß übet Äitto »ach Ghlizin 37 Segen mit galizIsche» Jübe» zutückge. sanbl worbt, seit». Ai«». >» brr Univtrsuäl wttbn leine Jude» mehr zu. gtlastt». ausgenommen a» der mtbiziaischt» Fakultät. Di« A»bt»httzt llijersch' teilt mit, daß im Sondernemenl Orenbuig alt Juden butch Drohbriefe tiut» >rbtsterkomiltt« ausgesorlerl seit», ba« Gouvtrntmeul unter Zurüeklastuug ihrer Habt zu »erlassen. Da« klalt oerbstntlichtr rinn Einspruch btr Erbtistrorgoalisaio» »o» Oinbulg. «ouachfieerklärt, ste hätte mit brr stngeltgtuhtil nicht« zu tun. Mi» bit Hsstzitre mit b<» Zu de» »erfahre» Der Bericht ist typisch, weil er zugleich eint» Einblick in bit stkoh» htit und bt» Sbtrglaubtn gibt, die »och im Stist oieier ,ge- Mlbtttr* ftnffn herrschen. Einem Offizier fiel lein Perb um. .Ich ries — s« berichlttt btr Offizier — bit liträrzlt zu. sammn, - aber fit konnte» btm Saul nicht helft» u,b nicht tinmol feftstelle», wara» er krepierte. Darauf erkundigte ich «ich. womit ba« Pferd gefüttert worbn war. u»b erfuhr, baß es Haserl bekomme» hatte, der »o» einem Jude» genommen war. Ich beauftragte barauf bt» Litrarzl. zu bestimmen, ah nicht dtr Haser »erbächlig und da« Pstrb »trgistet war. Der kitrarzt stäinwrtetei .vielleicht.' — Bericht aa bt» Felbstab mit bei» Barschlag. den Juden aufzuhängen. Und der Jude' würbe gehängt.' El» einer der Zuhirtr stch bas Herz faßte, de» Offizier zu ftagn. wieviel Pferde es i» der Kompagnie gab, »»iiaorrtte der Offizier: .Zehn', »us bit weitere Fragt: .Barben Mit alt «st demselben Hafer gefüttert und starbt» bach nicht?' erfolgte die klasfische Eatwan: .Wir naiv, miste» Sit denn nicht, wie heimtückisch uab perfid die Inden find? Der Jude hat nur mei, Pferd vergiftet, da« Pferd de« Komm«», baute».' '' „Meine lieben Juden". vrerla». de» 8. (MMer 1915. A» ftsfc Spuren beginnender Anarchie bemerkbar. Die Kiewer Vrhörden liege» in offenem Konflikt mit de« Ministerium de- Iuneru. Der Miursterrat hatte beschloffeu. daß i« ganz Rußland Wohuungobelchräokuugen aufzuhebeo feie», trotzdem venveigerte die Kiewer Stadtverwaltuug de» flvchrigeu Juden den Zutrüt. Da- Miaifterium mes die Studt aa, diese Bestimmungeu abzuändern. Die -iewer Stadtuerwaltuug »idersetzke stch de« und verwiesogar ihre bt-herigen jödifchm Bewohner Ln besondere Quartiere. Auch der Gouverneur von Archangelsk verordnet«, daß trotz de- Miuistenalerlaffein seinem Gouverment keine Juden geduldet »erde». Der Chef der Rordwcstbahu erklärte bm Vegebauuliuifterium, daß die von ih« far Holzversorgung getroffenen Anordnungen undurchführbar seien und befahl, die von der Regierung befohlenen Transporte zurückzuhalte». Infolgedeffen find in Rewal und anderen Städtm gar keine LeizvorrLte. Die Kinder find ganz blau gefroren. Denn Holzvorräre entdeckt werden, so entstehe» ganze Srraßenjchlachten. Die Bewohner reißen das Holz von den Häusern. PU jüdisch« .cheisek,' to Hintzlnnd HAte». 93. Septemb«. Entgegen der Nachricht der ruffischen Blätter, daß die ans Galizien verschleppten Zuden wieder in ihre Heimat zurückbefördert werden, erhnlten die jüdische« Dohllätigskeitskomitee- Mitteilungen, aus denen hervorgeht, daß LOS jüdische Familien, die »ach Rußland verschickt wurden, sich nunmehr ans dem Lege nach Rishnij Nowgorod befinde». Eure große Zahl jüdisch-galizischer Familie« wird gleichzeitig nach Tschernigow abgeschoben; es ist dies« dedaoernswerten ,Geiseln^ nicht gestattet, während der Fahrt die Waggons auch nur für einige Minuten zu verlaff« und sich noch Lebensmitteln umzusehen. D« auf der Zwaugsreise erkraukten jüdisch« Frauen und Kiuderu wird unbarmherzig jede ärztliche Hilfe versagt. Pteleu dieser Reisend« ward« die Geldmittel, über die fie verfüg«, abgenomm«. Der Lemberger Univerfitättrektor Dr. Beck und der Lizepräfident des isr. -ultu-gemeiudevvrstandes in Lemberg Dr. Zakob Diamond wurde, gleichfalls von Kiew nach Rishui; Nowgorod fortgeschafft. Die sozialißtsch« AulerpeLalio» te der Duma »der die Z«de»»erfOtg«»ge». Zn der Pariser .Humanir^' find« wir den folgenden Dencht über die sozialistische Interpellation von der Duma: Die Interpellation wurde von den Sozialist« eintebracht und von der Arbeiterpartei und d« kovstilulionell« Demokraten unterstützt. Alle Parteien der Liuken bürg« sonach gemeinsam für die volle Wahrheit der himmelschreienden Tatsach«, die in d« beiden folgeud« Reden geschildert werden. Der Wonlant dieser Red« ist d« Bericht« der .Rjetsch' vom 25. August entnommen. Die Reden des Deputtert« Tschkheidze. des Führers der sozialistisch« Gruppe, und des Deputtrttea Dzubinsty. des Führers der Arbeiterpartei, bUs« die Ergänzung der^von uns bereits wiedergegedeu« Ausführung« de» jüdisch« Abgeorduetm Friedman» aus Kowno zu Begiuu der Session. Der letztere hat in diese Debatte ebenfalls eingegriffen, doch wurde die Veröffentlichung semer Rede verbot«. Rach d« für die Duma geltenden Bestimmungen m»ß jede Zaterpellation von der Kammer vorerst angeuomm« werden. Eine sofortige Debatte über eine Interpellation kann nur stattfind«, w«u das Hans für die Dringlichkeit ves Annages stimmt. Die folgeud« Reden bezweckten also die Erlangung eiues Votums für die Dringlichkeit der eingebrachten Interpellation. Der Abgeordnete Hfchützoitzze «otivieN die Dringlichkeit der gestellten Iuterpellanon«. indem er zunächst die tieferen Gründe der antisemitisch« Politik der Regierung darlegt. Er sagte: ,Es ist Ihn« bekannt, »eine Herren, daß die Regieruug, welche de» Regime des 3. Juni ihr Dasein verdankt (So bezeichnet mau in Rußland das antir«olutionäre Regime fett der Auflösung der zweit« Duma durch d« Mas vom 3. Zuui 1907 und seit der Einführung eines beschränkter« Wahlrechts.) ihre ganze Existenz auf die Verfolgung der Jud« gegrüsdet hatte. In Momenten, die für die russische R«im»ug kritisch zu perdcn droh«, richtet fie ih« Schläge mit Vorliebe gegen die Jud«, die ihr den geringsten Widerstand leist« könn«. Vor einem Zahre brach der Krieg aus . .. und siehe, die Regierung hält sich wieder an die Juden. Nur legt «an ihnen jetzt nicht Ritualmordr zur Last, sonde« beschuldigt fie der Verrätern und der Ehrlofigkeit. Rußland u»d die ganze Welt k«nl h«te die wahr« Ähuldig«. welche die geg«wärtige traurige Lage an der Front im Innern des Landes verschuldet Hab«. Nicht die Jud« waren die Schuldig«. Das ganze Laub wird es bestätig«. Schuldig find diej«ig«, die fich auf Kost« der Armee und ihres Bedarfes bereichert haben. (Zwischenrufe links: das ist wahr!) Schuldig find diejenigen, die. geführt von d« Miaffoiedow. Grotguß und ander« Verrätern. Hluchtaub •etttsfif Hab«. Denn man die Schuldig« wirklich treffm will, wird mau vor allem untersuch« muff«, welche Rolle in der Organisation dieser Verräter — au« der« Mitte einige der bed«t«dst« Mitglieder soeb« hingerichtet worden find — der Münster des Innern MaNakow spielte, der vor kurzem sei« Am» uiedergelegt hat, und in Wahrheit die Inka«atioa des Regimes vom 3. Juni darstellt.' Der Redner brandmarkt weiter in beredt« Kon« die von der Regierung veranlaßt« Verfolgung« und sagt: ,Dir fordern die Regie«^ aut. uns zu sag«, im Namen welchen Rechtes ein ganzes Volk verantwortlich gemacht wird für di« von einzeln« seiner Söhne begang«« verbrech«, und wären diese noch so scheußlich. Im Ram« welcher Wahrheit veröffentlicht der .Regierunzsbote' die in all« Teil« erfund«« Nachricht, daß die Jud« die «sfisch« Truppen bei Koojy »er. atm hitteuk I» Nomen welchen Prinzips zwingt mau die Zeitungen, uutcr Andrvhuug von Straf« diese Nachricht wiederzugeden? Ist es ein Akt der Gerechtigkeit, daß Berwuudete. auf d« Schlachtfelder« verkrüppelte jüdische KriegSfrewillig« auS «sfischeu Städt« vertrieb« uud gezwuug« werd«. ihr« Kufeathaltson bin,« 24 Stund« zu verlaffen? Ist es eia Akt der Mmfchlichkeit, z» verbiete», daß den vertrieb«», auf de« Trauspott ia Viehwagen verhungernd« Juden Nahrung gereicht werde! Die Regierung möge uns sagen, auf Grund welcher Freiheit die gesamte jüdische Preffe mit eine« Federstrich unterdrückt wurde? Im Namen welcher. Brüderlichkeit werden die «sfilchen Soldaten geg« die jüdischen Soldaten aufgehetzt, mit denen fie zusammm im Schützengraben lieg«?' Der Vertreter der LrbeikSpaNei. Dju-iusLp. betont die Bedeutung der Zudenverfolnungen bei der Beurteilung der Gesamtlage des Landes. ..Dies« Bewegung", sagt er. ..hat vielleicht nur zum Zwecke, ein« fiktiv« Schuldigen zu finden, um auf ihn die Aufmerksamkeit de- Landes zu lenken und dadurch einen Schutzwall aufzuricht«. hinter dem fich die Miaffoiedow- und alle die nnder« wirklich« Verräter verstecken könn«. Ich bin überzeugt, meine Herr«, daß die vor kurzem gebildete hohe militärische Kommission in dieser Interpellation wertvolle Fingerzeige finden wird, die ihr zur AufNärung dien« können. Sie wird Tatsach« darin finden, die ihr Nachweisen wad«. warum man die Aufmerksamkeit de» Lande» nach einer bestimmte» Richtung hot l«k« wollen, und warum man uufere eigen« Mitbürger zugrunde gerichtet und das Werk der Verproviantierung unserer Armee mit beträchtlichen Schwierigkeiten belastet hat." , Zn meiner Eigenschaftals.derö. sibirischen Formation bi» ich an der Front gewesen und habe mit eigmen Augen gesehen, »tt wekch' nnogesnchter chrontnmLeit die Ausweisung der Juden aus dem Gouv«nement Radom durchgeführt wurde. Die ganze Bevölkerung ist währ«d der Nacht innerhalb weniger Stund« vertrieb» Word«. Um 11 Uhr abmds wurde der Ausweisung»- befrhl für die Juden erloffen, der jed« mit der Todesstrafe bedrohte, der etw« nach So»n«aufgang noch gesehen würde. Und so begann im Dunkel der Nacht der Auszug der Zud« in der Richtung der 30 Werft entfnnten Stadt Ilcha. Kranke und Gelähmte mußt« weggetragen werd«, ba alle Transportmittel fehlten. Die Zahl der Lusgewiesen« ist ungeh«er. Man bat aus dem Gouvernement Kowno 150 000, aus dem Gouvernement Groduo ungeiähr 460 000. aus Pol« an 200 000, im ganzen also mehr als eine Halde Million Mensch« vertrieb« und dem El«d preisgegeb«. Die Polizei und Gendarnteiie behändest die ausgewtes«en Jud« wie gewöhnliche Verbrecher. Auf dem Bahnhof der Stadt Gomel zum Beispiel wurde eS dem jüdischen Hilfskomttee venvehri. an die Züge heranzugehen. um den Ausgewies«« Hilfe zu leisten und ihnen Nahrung»- mittel und Doffer zu dringen. In einem Falle find in größter Hast aus ihren Heimstädten vertrieb«« Juden während der ganzen Dauer ihrer lang« Reffe in den Waggoneingeschloffen geblied«. und es wurde niemandem gestattet, fich ihnen zu nähern. Die »eisten der Benriebev« war« halbtot. Bei der Ankunft des Zuge« konstatierte man unter ihnen 16 Erkrankung« an Scharlach und einen Fall von Typhus. Eine kranke Frau war unterwegs an Enttrüftung gestorben. Aber dies ist nicht alles. Mauche Gouve««r« hielt« es für notw»biß, die Leid« dieser unschuldigen Unglücklichen noch zu verschärfen, indem fie den wehrlos« Opfern zur eig«« Srgötzung die schwerstm Demütigung« zufügten. Insbesondere die Gouv«neure von Poltawa. Minsk und Iekaterinoslaw haben bet diesem unseligen Unterdrückungswerk die größte Energie enfaltct. Sie haben die ausgewieseaen Juden wie verurteilte Verbrecher behandelt. Widerrechtlich wurden ihnen die Päffe abgenommen und durch Geleitscheine ersetzt, in den« bestimmte Ottc in fünf Gouvernements angegeben waren, wo die Au«. ge»ies«en an einem bestimmten Tage eintteffen mußten. Selbst iauerhalb dieser fünf Gouvernements aber wurden die Inden ganz willkürlich von einem Ort zum andern gejagt.' Der Redner hebt hervor, daß durch den Ministerialerlaß. welcher den Juden die Uederschreitung der Grenzen desGheltoS (der Aufenthaltszone) gestattet, die Willkür der Verwaltungsorgane in keiner Weife gehemmt wurde, und führt Beispiele zu« Beweise seiner Lehauplung an. .Aber', so führt er fort, .die furchtbarste Maßregel (nebenbei bemerkt, ungesetzliche Maßrege!) besteht darin, daß unter d« Bürgern des eigenen Landes Geiseln genommm werd«. Man beachte wohl, daß diese Geiseln unter den angesehensten Personen der Bevölkerung gewühlt wurden. Welches Gesetz des ruffisch« Reiches ermächtigt die Regierung. Leute ins Gefängnis zu steck«, deren einzige Schuld darin besteht, daß fie fich die besondere Achtung ihrer Mitdürger erworb« Hab«? Welches Gesetz berechtigt dazu, Personen für Verbrechen zu bestrafen, die nre begangen worden find, oder von Leuten begangen wurden, die fie nicht einmal k«n«? Zu dieser Stunde schwächt« <00 G.iseln in den Gefängmffen von Poltawa. von Zekateriaoilaw. von Mohilew und schweb« in der Gefahr, .von einer Stunde zur anderen gehevki zu werd«. Eie glaub« vielleicht, daß es fich nur um eine leere Drohung handelt? Ich bitte, meine Herren, hören Sie diese Verfügung: .Der Oberksmmatibierende gestattet die allgemnne Ausweisung nur in besonder« Ausnahmesällen und hüll es für unerläßlich. Geiseln aus d« Kreisen den Rabbiner (des! rabbins non officiels) und reichen Jud« zu nehmen und ausdrücklich zu beton«, daß im Falle eines Verrats von seiten der jüdischen Bevölkerung diese Geiseln gehenkr werden." In Svcharschew wurden drei Geiseln geh«kt. für ein verbrechen, das fie nicht begangen halt«. Sie büßten die Miffetaten von M«ich«, diefie nicht einmal gekannt halt«, mit ihrem Leben." Der Interpellant schließt seine Rede also: .Es ist hohe ZeÜ. meine Herren, daß solche mittelalterliche Maßnahmen aufgegeb» werben. Es ist die höchste Zeit, die Geiseln wieder freizugeb«. die noch in den Gesängniffen schmachten. Ein solches Borgch« schändet uns vor der gauz« zivilfierten Welt, schändet uns vor unseren eigenen Bundesg«off«. Diese Maßnahmen find nicht nur uage.'etzlicb und grauenhaft, sonde« auch im höchsten Grade verhängnisvoll für das Land. Die Duma lehnte die Dringlichkeit des Antrages mit einer aus dem Zent«« und der Rechten gebildet« Majorüät ab. I, einer zweiten Abstimmung beschloß die Duma jedoch, nach einer energischen Inlerveuttou des Abgeordneten Tschkheidze. die Debatte über die nogebrachte Interpellatton in spätestens zwei Woch« auf die Tagesordnung zu setzen.

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