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Jüdische Volkszeitung · 1915-06-18 · 25 (18.6.1915) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
21 (1915)
Issue
25 (18.6.1915)
Date
1915-06-18
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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3midK PoHqeltt» g. nt. » vttichtt btt KI-gtiBicht, Ribbhtw vr vaeck Bericht X> Z. Zt Noyon 2. Mai 1915. In der Zeit vom April bis I. Mai habe rch neun Gottesdienste abgehaltea Sie faodrn statt ia Roiylife, Lagay. Lille, Royon, Latgle. Filarn, Ehavignon Margival und Sancy. Dir Länge der Zeit vertieft nun mehr und mehr das Vertrauen, da« au« denen, die zu» Gottesdienste zusammenkommen, die Gemeinte macht. Mehr und mehr erschließe» sich in der Aussprache, in der. am Schluffe der Andacht, sich die Körte der Predigt tu Rede und iHrgenredc weiter an-spinoev, die Gedanken mit ihren Wünschen pnd Hoffnungen. Es find immer Menschen au» den verschiedeisten Ledcn-kreisen. die in dem gleiche» kleide de« einfachen Soldaten mir gegenöbertreten : neben tem Kaufmann der Studierende, neben den Männern der akademischen Berufe die Handwerker. neben denen, die sich ihren Platz im Leben geschaffen hoben, die anderen, die erst in- Leben hinausichavcn. Aber rt find Irei ollen dieselben Gedanken, bic in dem Z: sammenler» nach -er Andacht hervortreten, aus dieser Stin'mr.ng herauf in der die kleinen Gurt« aisse, seien sie froh oder bedrückend^ hinter dem einen großen Erlebnis, hrr.ler der Gcwiffcnserfahrurg verschwinden. Da«. w«s immer zuerst und vor allem fich ausspricht, ist der stärkt Wunsch, daß tie sittliche Kraft. die in ernster Zeit lebendig wurde, erhalten bleibe und in den Zobren de« Friedenfortwirken möge.' Es wäre allzu alltäglich,' wenn man da« bloß die Erwartung deS Lohr.es und Danke« für alle« da«, woo< leistet wurde, nennen wollte. Es ist in Wirklichkeit ein viel 2irf(rcc< ce ist die Sehnsucht dvrach, daß all da« Gute, das in den besten Tagen hervortrat. doch nicht nur eine Kraft de- Krieges sein möge, sondern rin! fruchtbares Defitzlum des Friede»-, um deffcnrwillen doch der Krieg geführt wird. Alle die Opfer, die gebracht, die Mühen die ben äh« wurden, alle«, was ertraaen und erfahren wird, in der Heimat und draußen, daallesoll doch der Zukunft geltest, es soll eine Saat lein, die ihren Tag der Ernte finden wirst. Der Gedanke, für die Zukunft zu arbeiten, gibt in den fernen Stunden die Kraft und die Ausdauer. Ei» andere«, vadie Gegeuwarr lehrte, und war für die spätere Z it erhofft wird, tritt alsbald daneben: es ist die Ge« wrßheil. foj} olle die so maunigftrlftgen, so' verschiedtven Menschen, dre das gemeinsame Vaterland eint, einander so nahe sein können. Man Hut e« erlebt, laß e« so sein kann, und ersehnt edeshalb, daß e« so sich erfülle» möge. Kohl ist es selbstverständlich, daß jeder sein Bild bcr Zukunft vor fich sieht. So sehr manch einer umaelcrnt und Rene« gelernt dal. die Ideale, die er vorher in sich trug, find doch grtüebcn. Jeder Will, wen» Gott ihm die Heimkehr schenkt, wenerichrerten in seiner Arbeit und in seiner Hoffnung,, auf den Legen, tu denen er da« Kommende, wofür er kämpft vnd sorgt, vor sich erblickt. Die vettchredenen Richlunacn und mich die Gegensätze werben bleiben. Ader tu dieser Zeit haben hoch viele, die vorher von einander wenig oder vrcht« nutzten, - einander kennen gelernt, und über aller Empfindung des Berßhiedencn ist da» Gefühl de- Gcmeirsomen, tm Engeren wie lim Weiteren, lebendig Leworderi; rt hat fich als eine Kraft der ernsten Zeit de wähn. So wächst die starke Hoffnung auch stervor, daß jetz: an die Stelle der'bloßen Toleranz, die tcn Orderen duldet, di -Lichtung vor ihm, der Respekt vor seiner disrechligterr Eigenart treten wird, der-Respekt auch vor dcm Adeäl. das er in fich trägt. Roch rin weiteres schließlich wir» als verlohn dieser Zeit erhofft: Die Frende an der Pflicht find was damit fich na* bindet, die Freude an der Einfachheit, Jeder hot in dieser Zeit sowohl sein „bloßt* überwinden gelernt wie auch den Unterschrcb zwischen dcm echten Froüfinn und dem herbeigeführten. erklinstetten Vergnügen erkasnt: er hat c« erfahren, wie wahrer Ernst r-nd wahre Heike kstr Ui einander wohne«. Ohne daß cs in diesen Lorten fich üusdrückte. hat ein jeder doch auch das erlebt, daß dos Acfthrtifbe bloß so» Leben begleiten kann und nur das Ethrjche u tfer Leben zu fübren vermag. Zn Augenblicken des Nachdcnlens ist cs an der Stätte de- Ernste« manchem zum Bewußtreiii gekommen, wie dre Verwechselung von Freude und Vergnügen einen Jttlum :n sein Dasein bineingedrachk batte, und wie das neue Leben den rechten Weg gehen soll im geraden Einfachen der Pn-cht und i« geraden Emtachen der'Freud.-. Als eine Hoffaung onl die Kraft der Zukunft sprrcht diese« fich au«. Solche Fragen und Antwort n werden nach den Stunen der Andacht immer wieder laut. Jeder spricht von seine» Erfahrungen und seinen Wünschen: oer eine weiß zu erzählen, ber andere sucht nach den Worten. Aber allen ist es eine Befriedigung und eine Beruhrgnng. wenn sie zu berichten beginnen. Sich au«.cd n zu törMev, gibt neue Frische und Zu verficht. Bericht XVI. 18. Mar lieber Meint Tat-.gteu in der ersten Hälfte diejes Monat» erstatte ich den gewohnten Bericht: Ich habe in dieser Zeit Gottesdienste adgehalrcn in Lt. Leger, Ferme. Audignieourt. LaF,rc. Epogny. Alle und Noyon. An einem derselben durften jüdische Gefangene tcilnehmen. die zu einem hier eingerichteten Lager gehören, duffen Ansaffen zu Straßenbauarbeiren herangezogen «erden. Dre Erlaubnis, die ich für fie erba:. wurde gern ateru ure wir von Srüco des Lachtko«ma»do« g.frgk wurde, nur so lieber, da diese Leute die »saubersten und brauchbarsten* unter allen 'eien. S»c selbst erzählten voller Dankbarkeit von der trcunclidun Behandlung, die ihnen zurett werde und ihnen alles gcwäb:c, was unter den außergewöhnlichen Verhüftvifsen möglich wäre. Durch einen Posten wäre., fie nach dem Orte de-. Gorterti nstes geleitet worden, und ler Ausdruck ihre« Gesichtes sprach noch deutlicher davon, alihre Worte ec ouszudrückcn vermochten, was es ihnen bedeutet.', in dem Kreise der Andächtigen weilen zu dürfen. Und auch nir alle 'empfanden den Segen, in schwerer Zeit anberen eine Wohltat erweisen zu können. E>' wart» Männer die.bee Krieg c's Gesungene ins fremde Land geführt hatte, aber ihnen kam die Gefiunung entgegen, die an nnseren Soldaten hier fast überall und immer zu beobachtt« ist, dieser Wunsch. Feldseelsorge 8re*la», bei ,8. 3ni ,9,6. die Härle des Krieges, wo immer cö möglich ist, durch Güte und Freundlichkeit zu überwinden. Bor allem in dem Lerbältnizu einander offenbart fich dieses große Maß an Herzen-güte und Herzensbildung, dag de« fv.ideis in dem schlichten, einfachen Mani e so oft wohnr. Vielleicht ist dawichtigste Erlebnis dieser Zeit die Kameradschaftlichkert. Eist bei ihr nicht nur daran zu denken, daß einer mit dem anderen teilt, wie die großen Opfer. Mühen und Beschwerden. so die kleinen Gaben and Spenden, die zu einem kommen. Das Wefeittlichste bei der Kameradschaftlichkeit ist, daß einer de» anderen kennen lernt, in feilreu Vorzügen und auch in seinen Mängeln, und damit auch fich selber kennen und oft erst auch würdigen lernt. Es ist etwa«, worrrnler gerade wir, wir im engeren Sinne, oft gelitten habe», daß die letzten Jahrzehnte manche Scheidewände errichtet hatten, so daß viele im Lande von denen, die neben ihnen leb:cn. zu wenig oder nichts wußten. Wenn es auch viel Gemeinsamkeit der Arbeit gab. so doch wenig Gemeinschaftliches, worin die Seelen fich erschlossen. Es ist selbstverständlich, daß so manches, was lange hin gewahrt hatte, nicht über Rächt verschwindet; cs gibt ein Gesetz der Trägheit. Ader da« eine wird fich doch als ein Blerbcr.dee»vcisc". daß Menschen, die bis dahin nur neben einander her gegangen waren, in ernsten Augenblicken über das Gleiche vachdochten und über ihre Hoffnungen und ihre Sehnsucht mit einander sprechen. Das ist der eigentliche Sinn und Wert der Kameradschaftlichkeit. Geger:seitigeS Verständnis und Bewußtsein vom eigenen Wesen sind im Grunde dasselbe; man soll von fich vnd von andele« w'.ffe», daun wird man neben einander stehen und Zu einander kommen können. Für das Dochcnfeft ist durch Anordnung des Oberkommandos den jüdischen Mannschaften. soweit die milnärischen Rotnendigkeitcv cs gestatten, lic mögliche Dienftfreihcit gewährt. Ich habe. wrc in da« F ft seidst, so in die Tage nach ihm eine größere Anzahl von E^r.edrcnsten angesetzt, und ich behalte Mitteilungen hierüber mir für meinen nächsten Bericht vor. Srfterreich Ungar«. Einer reltzpoßüart« -es zkrzeW,sler Hlatzöiners Ge. dalje Schmecke» an lernen in Wua sich befindenden Vater, Markus Schmecke». evlnehmen w:r nachstehende interessante Mitteilt ng.n: „. . . Trotz allem USaure Hierdleiben nicht. Habe mit Lchanbach und anderen etwas geleistet. Volksküche für rauftrd Person,u. auch für charrc abcud beginnende Pessachfcier« tage. Auch sonst Bemittelte b,. ätzen Volksküche. . . . Das Rabbmat hat mit Zuziehung vi lcr Kundigen au« dem Laienstand« heuer Hüftewftüchre erlaub', auch gewöhnliches Mehl zrm Bc.backin grstattct. Allin Gegrüßten seien Grüße überr UMl; ch:c Angehörigen befinden sich wohl, bitte, ihnen mitzettrileu/ Die gerettete Uhsr» Feldwebel Noch (17./V. Feldverpstegskomp schreib: vom Bukowiuoer Kriegsschauplatz«: ,d. 20. Mai. Ein sehr inrerrffanter Fall ereignete fich bei unserem Regimen le. den ich mich beeile, Ihnen bekanvtzugeben. Aue einem Dorfe harten wr, soeben Sre Russen verdrängt und ole wir dir Auden, welche am meisten gelitten hatten, trösteten, klagte einer unter ihnen, daß die Rvffen ihren ihre Thora weggerommeu hätten^ welche sich gegenwärtig in dem Haute eine« Rntbeuen beiän.'c. Sie wagten i« nicht, die Thora zurückznfordern, da fie spatere Rache besnrchmen. Gefreiter Älerander Füredi aus Kopolnaenyek nahm zwei Leute mi: fich. forschte das Haus de« Rnthenen aus und brachte die ryora zurück. Der De...k der Juden n.ar unbeschreiblich Sie küßten ihm die Hand. Frauen und Kinder umarmten ihn. Diese berrliche Szene rrrrd mir unvergeßlich bleiben, trotzdem ich schon Zeuge vieler erschütternder Szenen gewesen bin. Wir haben auch in aller L^ »eÜigkeit eine kleine Sammlung veroostallet. deren Ergeb»is cs möglich machte, daß diese armen Dorsjuden ih'r Belhau» von de« Schmutz und Unflat, den die Rnffen dort verursach« harter', reinigen zu loffen. Wir bitten den Allmächtigen, daß ee uns vergönnt sei. wieder gesund in unser Vaterland rnrnckzukehren/ _ Psalmen im Heide. Eine Episode. Tr. Kalman, der als jüdischer Feldgeistlicher die nngarrichen Truppen an.die nordische Grenze begleitete und fast dem meuchlerischen Ansall cirer Giftmijcherin znm Opfer gefallen wäre, fchildert ,'m .Magyar Szinagoga^ packend ferne Erlcbnrstc im Felde: Um et »chanren Eurbehrungen drängte unsere Armee vorwärts. An einem dieser Tage blieben wir für kurze Rast stehen. Rur einige Krlomel.r von der Lchlachtlivrc entfernt. R,he genug, um zu inhUi«, wie dieErtc beim Kanonendonner rrzirlert. zu sehen, wie dir Funken durch dir Luft blitzen und mit l ölli'chcm Spektakel das All elscküittrn. Wir erwarleten mit vnhalttnem Atem, in gesparmtefttr Erwartung die von den zuruckichlelchcnden Verwundeten und eilenden Adjutanten kommenle,. Berichte über den jcvcrligen Stand der Lage. Während die Soldaten die tiefen Schützcr gräben schaufelten, verrannen unendliche Stunden dacger Enranung und Ungewißheit. Jeder von uns fühlte einen glübcnden Drang etwas zu tun. was für Minuten untere aufgeregte Phantasie vom Schlachkt'eldc adleakcn konnte. Inzwischen brachte die Feldpost frohe Bctschatt vom glücklichen Heim. Berichte von zuhause. Man liest mit Gier die stiebenden tanzenden Aerlen. Die mnden Soldaten saugen mit ihrer brennenden Seele jedes Wort, das vom Hause kommt, aus. Sie lesen die Briefe unzählige mal und können ihrer r.rcht satt werden. Wie innig menichlich ist ein solches Lrld! Ein Offizier wende: sich zu uns uut bebender, ergriffener Stimme: .Kameraden; K oder! Es ist mir nicht möglich, dem Wunsche diese« Briefe.? zu widerstehen. Schauet her. mein Mütterchen man merkt«, daß sie den Brief mit idr.n Tränen benetzte — schreib: mir von zu Hauses .Zunge, bete manche-.- mal. wie auch wir hier für dich andächtig zu Gott dem Herrn bet'.:. Ich fühle es. Kinder, daß ich unwürdig wäre, wenn ich jetzt meine« lieben Mütterchen nicht folgen sollte. Helft mir. Kinder, beten!a Uud es setzten sich zu on« anfangs einer, dann immer mehr und mehr fchließftch alle Offiziere. ES bildete fich ein Kreis. Etwas hat die Augen der harten Soldaten rot gefärbt. Es maß dies wohl den Briefen der Mütter zugeichrrcben rverdcn. Eie gestehen alle mit zitternder Ettmme. daß jeder einen Brief gleicher: Anhalts von zu Hause erhielt. Fünfundzwanzia Briefe bitten ausnahmslos: .Liebes Kind! Wir beten täglich für dich zum gütigen himmlischen Vater. Tue dasfelbeV Und von den verschiedenen Landesgrenzen klingen die Zeilen zusammen. Ueberall ein Wunsch, ein tiefe- Sehnen, er» andächtiges Gebet. . . . Die Psalmen werden hervorgesucht. Zeder hat sein Büchlein. Der Band ifi wohl verschieden; der Geist ist der gleiche: ewig unwandelbar heilige! Und es erklingt von allen Lippen ia wundervoll packender Andacht: .Mein Herr! Wie vieler find meine Feinde; vieler standen wider unauf und sprachen zu meiner Seele: fie haben keine Rettung. Doch Du, o Ewiger, bist mir Schutz. - und Ehre uud erhebst mein Haupt^... Und die welterharten Sturmgesellen mit den eisernen Nervensträngen erheben das stolze Auge zum Himmel und suchen und finden den unsichtbaren Gott! Es ist dies ein Bild, wie es in Jahrhunderten kaum »iederkehrt. Mein Auge weidete fich an diesem herrlichen Anblick. Ich sehe in diesem ergreifenden Gebe! der eisernen Soldatenoaturen die über fich selbst hinaus in- Ewige ragende Andacht verklärter Seelen, die in einem heiligen Gefühl zusammenschwingen, die. wie die Briefe aus der Heimat von einem gemeinsamen Gedanken getragen werden: statt ia die moderne Kraft der Kanonen und Gewehre in den unsichtbaren doch allgegenwärtigen Gott ihr Vertrauen setzen. Ja. Ahr Riefenkrieger! Nicht nur moderne Granakenspeier, Maschinengewehre und tausend andere vernichtende Instrumente tun uns not. Die unfichtdare Kraft der göttlichen Allmacht ist unsere Schutzmau.r. Dawar der reichste Moment mciues Daseins; er barg segensreiches Glück für mein ganze- L.ben. Aus meiner Seele drangen mit eruptiver Gewalt die segnenden Psalmworke. .Erhören möge Dich, der Ewige, am Tage der Rot; dich zum Siege erheben, der Holt Jakobs. Er möge senden deine Hilfe vom Herligtum und von Zion dich stutzen. Er möge deiner Opfer gedenken; Deinen Herzenswunsch erfüllen und deinen Rat gelingen lassen. Wir wollen jubeln ob Deiner Hilfe; und im Namen Gottedie Fahne schwingen. Eerfüllte der Ewige, oll deine Bitten. Diese zu Vagen, jene zu Rosse: wir aber wollen im Namen des Ewigen unseres Gottes gedenken. Sie brechen zusammen und fi.cken: wir aber erheben un- und stehen fest. OEwrgcr. hilf! OKöaig. erhör' uns, am Tag. da wir iuf«iV Mein Gebet verhallte. In den Augen glühte herlrges Feuer. Don herrschte nur eine Reliaioa. Tort gab es einen Tempel: da- Schlachtfeld! Altäre gab es viele, die alle blutige Opfer forderten. . . An diesem Momente jagte an uns die Otdsnvavz heran mit dem Befehl, daß alle verfügbaren Offiziere sofort ins Feuer sollten. Die Männer küßten dakleine Büchlein, dann die Briefe, die fie an dem Busen bargen und stürmten vorwärts, in Ekstase singend: Vorwärts! Der Ewige ist mir Fel- und Wall! rxoi 'yVc '*?• Das war cm Erlebni». da» mich bis ine Grab begleiten wird. Da sah ich. was für Gefühle und Empfindungen der Krieg auslöse» kann. Ich sah dort etwa- Ueberirdtsches: Daö Eingreifen des Tran», zenderrten in die Geschicke deS Irdischen. . Indische Gesänge ans de« Zriegsschanpkatz. Sin Mitarbeiter des russischen .Raßwif erzählt folgendes: Eö war anfangs September, als ein militärischer Zug mit Soldalen.^um Kriegsschauplatz adgehen mußte. Ach hatte einen meiner Freunde, einen Zionisten, begleitet, der — wie die Zeitungen später berichteten — den Sr. Georgsorden für seine Tapferkeit erhielt. Da wurde daS Signal gegeben und alle Soldaten, mußten fich in die Waggons zurückziehen. Ein Waggon war besonders mu jüdischen Soldaten bepackt. Plötzlich läßt sich eine Summe vernehmen: .Gefinnuugsgcnoffen, die ,Hatrkwah"! Und alle Soldaten, die im Waggon werren. begannen i« Lhoru«. wie ein Mensch, avzustimmen: ,Aud lau owdo tiftvosenu. , Um den Waggon Halle sich eine große Menge vcrsammelr. darunter viele Offiziere und Soldaleo. .Tie Juden sagen ihre Gebete!'... erklärten die Christen... .Die Juden beleu^. . . u.s.w. Und wirklich hatte etwa« Erhabene«, Religiöse« zu wehen begonnen. Der Zug bcgaun sich zu bewegen. Er ist dorthin gefahren, wo mit dcm Gewehr in der Hand Wclrprobleme gelöst werden. . . Als der Zug schon fern war, korinte man noch deutlich dre melancholischen Noten der .Haulwah" vernehmen. Als ich den Bahnhof verließ, weinten jüdische Mütter, Schwestern. Kinder und auch Fremde. Später hat mir ein verwundeter jüdischer Soldat folgendes erzählt: — . . . . Und dort, im Kriegeiager. wenn cs still wird und keine Äcfabr mehr zu erwarten ist. da wird nicht selten die Totenstille durch die vibrierenden Melodien jüdischer Gesänge dnrchriffen. . . _ Rcbbintr. $tifUr«ltiiirr J)t Aiian in SatHruljt ist »n Llrllt d» ntrftortYnc,^ i<t<irr,-i« Soolf öcMücjrl in flnrnbad) al« Uedeijetzn von 2d)riftftücf<n und nie Dulmcischer für iriilnbiichk UkdkUiaguugk» au« dem Ungarischru und in ditfr sprach« für dir Zwlckr Kr Rrcklirpflrftr im Wtbittt Cr« Arutzhrrzagtuma Badrn tffrnUich btitaii und durch da- Amtsgrrichl Kurliruhr im aUgrmcincn drridigl wdrdru. ilns M»ß»r» Zu Shirn drs im Drzrmdrr ». Z. in l-ohrm aller nrrflorbenen Präsiden»» dt, ungarischen Laud««- rabdincrvrrrins Ir. 8. Schnitzer fand in Jtonurgm eine erhebende Gedenkfeier stall. Zn der Synagoge versammelte sich eine große Iraueraemeinde. (St erschienen die Spitze» sämilichee etaa»., Jtomitatf. und Eiadtbehörden; die Jstaeliiifche üundeekanzlei ucr durch Königliche» Rat D ■. F. Mejey, tcr leformintc «irchendiftrikl durch Bischof Dr. 8t Rdmeih »mieten, zahlreiche Rabbiner nahmen an der Keier teil Ged»chlni«reden hieste» Dr. G. Reumann nnmen« de« Rabbineraerein« und Dr. g. Ldvy. der Schwiegersohn de« Berstorbenen.

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