Mannheim
Compact Memory

Jüdische Volkszeitung · 1914-12-24 · 52 (24.12.1914) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
20 (1914)
Issue
52 (24.12.1914)
Date
1914-12-24
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
85% known words query
IRI
…/6682508-6377558-6450284--0165-4850004
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

JiWWx PoHtyttw» Bf «Ja«, t« 24. tkjtMbtr (9)4. Kr. 62 vrrich« 6er i«»tsche» Zrl-MWichr». <««!»«, Kcktraööiner J>t. Hi-r« ®aoj din|o eiMel! j<t*t an«tre ber Gsttesöterrfte durch fri»e» Orl Bit durch («ine Sage und {eine Gründe die besondere Art. Die luge, die »<m der, Vorbesprechungen nb Barbe- : reiruugt» für die Andacht ersaiderl werde», belüge ich, udgesehe» »an der recht umsangrttchen Korrespondenz, >»» Besuche der Feld I, j ate Ite, ur>» ich truchre dabei auch immer festznftellen, ob unter de» franzkfische» verwundeten Israeliten sind; ich Hute die der zweimal solche getroffen, und - ich glaube, ihnen durch meine» Besuch etwas Sohltuendes erwiese» zu Huden, Ich bemühe mich auch, einzelne Sruhst t» len srftzuftelleu, um den ilngrhtrige» nun dem Platze Kenntnis gebe» z» ktnnen. fl ist seltftue,stündlich, tag ich, soweit ich es kann, darauf bedacht bin, jedem zu Dienste» zu sein, ahne zu fragen, ob er zu denen gehört, denen «ei» eigentliches >mt gilt. Zn den nächsten lugen werde ich «einen Dienst bei zwei , weileren Divrstonen for:fr|c», den beide» letzte» der Armee, für ' deren Bediel ich bestell worden diu. Danach will ich den Weg, den ich am 10, Oftader begannen hatte, aa» neuem anlreteu, um bei jedem Truppenteile , u m zweiten Male Batleed i e » st e obzuhallen und dann oielleichr auch die Manuschaste» zu erreichen, die während meines ersten Lege« nicht Hallen j herankomme» künnen, I Augenblicklich »eile ich in LH., um die hiesigen großen , K r ie g« I aza re lte zu desuehe», 1 An» de» Aeldtzasitzrief ein« Atatzoarztr» ,,. Nu» zue Schilderung des heilige, Tages, der michGwohl ' «le i» »einem Leben so erschültert, ergriffen und erhoben hat,! wie »lesmal, Nechdem ich mit dem halben Personal des Feldlazarett« j non P, nach Eh, auf mehrere Tage zur Unterstützung der dar- ' llge» Kziegslazarette und Krankenhäuser kommandiert wurden war, hatte ich mich unausgesetzt bemüht, zu erfahren, ob und wo jüdischer Gottesdienst adgehalten würde, es war aber nicht! feftzuftelle». Da ging ich zusüllig an dem Tage, au welchen, abend« Kvl-Ridre war, über de» Hauplplatz der Stadt, den Ploee de Spatel de la Bille, und traf uniarhergesehe» den i Rnbbtnrr Dr, Bäck aus der Fasanenstraße in der geschmacknallen! Unisorm eines Feldgeistlichen sgletch sir alle Kvnsejfivnenft Gr blickte »ich eine» Augenblick au »nd begrüßte mich mst de» Watten: ,Herr Dostor, ich wttß zwar im Moment Ihren Namen nicht, aber sind Eie nicht der Synagvgenarzt ans der Fasanenflraßek Sie «erde» nicht wiffe», daß heute Jom Kitztzur ist," Nu erkannte ich ihn natürlich auch, bejahte sttne Frage sofort »nd gab meiner Freude darüber »nsdruck, daß ich als kynagogenarzl gerade sns eine, Prediger au« der Fasanettstraße treffe, — Dr, 0. tagte mir, eine Synagoge gäbe es i» Eh, nicht, sämtliche Häuser, Säle, Theater sowie Kirchen seien entweder w» Militär überhaupt oder mit verwundete» belegt, u»d als einzige mögliche freie Stelle für den Botte«dienst stt ihm »om Kommando dle ,-alise Rolrr-Dame' überwiesen worden. 0, kaute sich nicht lobend genug über das Entgegenkommen der llüilttürdehtrden «»«spreche», perschiedeoe Benertle, mst denen er oft >m Lanfr des Feldzuges oerkehtt hätte, seien ihm mit großer Liebentwürdigkeil begegntt und hätten sich oft bei ihm »ach de» jüdische» Soldaten und de» Gottesdienste» erkundigt;;ali er , einmal btt einer grbßerr» Lasel war. wo die andere» Schweinebrate» hatte», hätte aus srttr» Stücke», ohne daß er vorher ein > Sott gefogt hätte, ein General für chn eine andere Speise ausj tragen lassen. Ca fanden wir uns dann am Abend kurz vor S Uhr »or der Kttche ein, wo auch die andere» Soldaten, auch ttnige; lerjte erschienen. Der katholische Geistliche halte bereits von 1 der Kommandantur den Auftrag erhallen, um 6 Uhr die j Kirche von Katholiken, die ja säst de» ganzen Tag über Andacht haben, frei zu Halle», Pünktlich »m 6 Uhr kam der katholische Geistliche heraus, bot hereinzukommen, fragte »ach dem -! Name» und der Bedeutung des israelitischen Festtages und ersttrte sich de,eil, in liebenswürdigster Weise, zu den vorbertttungen beizutragen. Es wurde ei» Kronleuchter angefteckt, ferner 2 Lichte »nd ein großes dickes Licht, da» di« zum nächsten Abend brannte. Als das Kol-uitre erklang u»d dann der Prediger auf die Kanzel stieg, »m aus das Besondere ln diesem Jahr tm Kriege, in Fttndesland, a» einer ungewohnte» Stelle, in ttnem Heiliglum Autersgläudiger hinzuwttsen, da ging ei» Schluchze» durch die tzieihen der Soldaten — ein Gegensatz zu dem kttegettlche« Gewand — »nd eine Ergriffenheit, wie ich sie Io an dem versdhnuugstage noch nie erlebt hatte und wie sie sich nur noch am nächsten Tage btt der Lotenstter steigerte, — Und ich sage, glaube ich, nicht zu viel, wen» ich behaupte, ich war ttner der Ergriffensten, Mau stelle sich vor, den Prediger i» der llaisorm eines Feldgeistlichen mit Talli«! Der Predigt lag nach der geschilderten Einltttung der Gedanke zugrunde: Augeubluklich siehe» alle vilker und Konfessionen zu Bott, ihre Waffen zu segne» und fiud dauge, ob Gott mit ihnen ist. Die richtige Fragestellung stt augenblicklich nicht: ist Gott mit uv«, sondern sind wir mu Gott t — Der Zufall fügte es in Eh, sehr günstig, daß ich au dem f Abend wie auch am nächsten Tage weaig zu tun halte, übetl dies den Dienst eintttle» konnte, wie ich wollte. Die jüdische» i Mauuschafteu wäre» überhaupt am Jom Kippur in der Stadl dienstfrei, so daß ich mich am nächste» Morgen pünktlich um ‘1,10 Uhr wieder zum Goktredienst einfinden konnte, Ls war glttch feierlich und ftimmungiooll, namentlich btt der Lolenftter und ttne herrliche Predigt, die inhaltlich nicht schöner hätte stt» könne». — Zu Grunde lag da« Wort: .Einkehr, Gebet und Wohltättgkeit könne» da« döse Verhängnis adwenden,' E« war wieder ergrttsend und schön. Wenn ttne Srttge» rung der auswallenden Gefühle wie der Ergttffenhttt noch möglich gewesen wäre »nd gewtten ist, so trat fie ohne Zweifel ttn, als wir uns abends um L Uhr abermals im Gotteshause (im wetteren Sinne de« Worte«) zum Nella-Bebet versammelten. Als ich hirging, sang ich mir die schöne, bekannte Melodie, die in Berlin vor der Predigt gttpielt und gefangen wird. Es war eine ganz ttgruaitige, unvergkttchliche Stimmung, du über der Kirche, wie über der klttae» militärischen Gemttnde lug, als die Sonne allmählich unterging und noch bei sonst klarem Wetter ihre letzten Strahle» durch die bunten Echttben sandte. Diesmal lag der Predigt zugrunde : .Oeffae uns die Piorteu de« Httl», ehe sich schließen die Pforte» de« Lichts, denn schon »ttget sich der lag, * Schließlich kam ein Segen über die Gemttnde und stimmte »och ttnmal die ganze Bettammlnng aus lauter Kehle und vollem Herzen das Glaubenswvtt des Indentums in dem Bttenntois de« Einig,Einzigen Gottes an: -Er der Eine, immer und ewig.' — Zu Ende war der Bersihnuugstag. Der Prediger kam von der Kanzel und bemühte sich, jedem Einzelnen die Hand zu schütteln, ihm Gutes zu wünsche», Glück «nd Segen sir die nächste Zeit, während jeder ihn wiederum berzlichst dankte für die verauftaitung der schönen Ftter, die jedem unvergeßlich blttbe» wird, zeitlebens, Hr. fftzone («V. sirmeet«:»»), 22, Oftober, Die Entfaltung ttner ausgiebigen Feldsettsorge ist mit namhaften Schwittigkttten verbunden. Wiederholt mußten Gottesdienste wieder abdeftelli werden, wttl die in Ruhe befindliche Truppe plötzlich abricke» mußte oder wttl jeden Augenblick «er Befthl zum vorrücke» z» etwailr» war. Am zwttten Tage des Neujahrsfestes predigte Dr, LH, aus Einladung des Oberrabbiner» Dr, Retter in der Synagoge z» Metz; etwa 250 Soldaten »ahmrn am Gottesdienste teil . , , .Für Jom Kippur erwirkte ich bttm Generalkommando ttuen Gottesdienst in Th,, rührend und> erhebend wizfte dabei die Nttue alte Synagoge, die ich vorher in dem Orte entdeckt hatte. Lag« darauf konnte ich, durch bttoudere Umstände begünstigt, in £ ... . einen Gottesdienst abhalte». Mittags hatte uns dort Seine Königliche Hoheit der Broßherzog besucht, und für nach mitte;S erbat , ich mir die im Otte befindlichen jüdische» Munuschaften vom J»si.-Regt. II« und Keldarl.-Rngt. 30. Sonst bemühe ich mich, in den Felblazoretleu Glaubeusbrüder ausfindig zu machen, was, wie ich wohl sagen darf, chnen und mir eine wahrhafte Herzensfreude und Genugtuung ist. Auch btt Fahrten und in den verschiedenen Orten, durch die mich der Weg sühtt, suche ich mit Glanbeulbrüdern Fühlung zu nehmen. Hohe Besriedignuggewähtt mir jcdetttt Freude, die ich ttnem Glaubensdruder i» welcher Form auch immer derttte» kann — schon allein das Bewußtsei», de» Rabbiner in der Röhe zu wiffen, gewühtt manchem eine gewiffe Beruhigung —, und darüber diaaus auch die Möglichkeit anderen Kameraden, nicht unseres Glauben«, bttsiehen oder durch Handrttchuuge» u»d einige Worte ihre Augen heller leuchten laffen zu können. Darf ich hierbtt bemerken, baß ich es für angebracht hittte, wenn mir von feite« des Gioßherzoglichen Oberrates Liebesgaben zur freie» vertttlung güttgft überlassen würden?* Der Synagogenrat Mannheim hat dem Oberrate den Betrag von 300 Mark für de» obenbezttchnete» Zweck übersandt. Die Beschaffung von Liebesgaben unseres Feldgttstliche» wurde sofort eingelettet, 9, November, Am I, I I, hatte Dr, E, auf de« Friedhof in D. ... die Beerdigung ttnes jüdischen Unteroffiziers, des Fabrikanten W, aus Karlsruhe, vorgenommen. In La Baffse hiett er für Regt, >14 Gottesdienst ab; für Regt, 113 gestattete es die Gesechtslage nicht. Er besuchte weiter Lazarttte und konnte auch jüdische Mannschaften vom Regt. 55 (VII, A -K.) spreche». Einem Lazarttrgttstlichen in L, . , . übergab er Gebetbücher zur vertttlung an etwaige jüdische verwundete, Anliegen, die von den fernen Angehöttgen jüdischer Mannschaften an ihn gelangten, suchte er nach Mbglichkttt zu entspreche». So konnte er auf die Bitte ttne« Herrn aus Nürnberg da« Grab sttues gefallene» Schwiegersohnes ausfindig machen, Her Mage» Pool» ak» jüdische» ffrte»»»»g»zttche» i» Kekd- »»« Spitakadiusi, Ei hat fich erwiesen, daß die Anbttngung ttnes Rogen David (Dapidsschild) an der Armbinde neben de« rote» Kreuz zur Autfindung jüdischer Lerwundtter die besten Dienste ge- Ittftet hat. Dadurch find auch verwundtte Jude» auf jüdische Spitalnachbarn erst aufmerksam geworden. Wir empfehle» alle» irgendwie Beteiligten das Trage» dieses Abzttcheni, für das sich pattiotische Rahmungen leicht Herstellen laffen. Stricht« jüdischer Sollten Mo» ö Zrxuetarp« Der Kriegsfteiwillige Siegfried Le» in <5, Armeekorps, 10, Div., Jnf.-Reg. 50. 5. Komp.) teilt mit, daß ca. 60 jüdische Soldaten in ttner katholische» Kirche Gvltesdienst abgehalten haben. Die Andacht leitete Herr Feldgeistlicher Nabt. Dr, SaIjberger. gitte Mre»t»»ee jüdische j»»«e v»»k hatte zu Lhamttah ein Aridpastpak-t an een orldradviner Dr. E m i l 8 e n v-Edarlnttendurg beim Armee-Oberkommando der II. Armee mit der Litte gesandt, dasselbe einem frommen jüdischen Soldaten zu übermitteln. Daraus erhielt sie von dem Beschenkten folgende Anlw«rt. Schtichljekb Le Cremoy. tzen 9. 12. 1914. Soeben komme ich vom Gottesdienst zurück, wo Herr Rabbiner D r. 8 e v y großartig gesprochen und uns Soldaten (alles» 122 an der Zahl), daS Herz erleichtert und uns wieder neuen Mur gegeben hat. Ein Paar schöne Strümpfe bekam ich u. a. alt Liebesgaben, welche ich recht gut gebrauchen kann; dieselben machen mir recht große Freude. aber ncch viel mchr freut mich daS Briefchen, weiches mit einer Stecknadel enge heftet war; ist dies doch noch eiu Zeichen, daß auch in der fernen Heimat jüdische Mädchen und Frauen für die Soldaten, die im Felde kämpfen und ein wahres Maulwurf-lcben führen, arbeiten und ihre Pflicht erfüllen. Bon den 22 schweren und blutigen Gefechten und Schlachten, die ich bis jetzt schon mitgemacht habe, und in welchen viele jüdische Kollegen gefallen find, könnte ich Ihnen recht schöne Erlebnissen mitteilen. aber eS würde -u weit führen; denn meine Zeit ist sehr bemessen. Vielleicht tst.es «,r möglich noch einmal später zu schreiben, oder gar, — «an lagt hier, aprfet la gnerre — persönlich einen Teil meiner Erlebnisse zu erzählen. Für heute sage ich Ihnen mein innigsten Dank, wünsche vergnügten Ehanukah und begrüße Sie alS unbekannt Leo Baum Gefechlsbagageführer U. Res. Rgt. 109, Unteroffzr. Luch l« fr«»zößsche» ßteu gibtjüdische Feldgeistliche. Im I. Armee-Korps dient der Oder-Rabbiner von Reims. Herrmann, tm Ul. Armee-Korps Leon Löoy, Ober-Raddiner von Epinal, im IV. Armee-Korps Albert Hertz. Rabbiner in Pari», tm V. Armee-Korps Zeitlin. Rabbiner in Paris. im VI. Armee- Korps Joseph Sach-, Rabbiner in ChLlonS, i« VU. Armee- Korps Haguenauer. Oder-Rabbiner von Belangoa, i« VIIL Armee-Korps Julien Weill, Rabbiner in Pari-, rm IX. Armee- Korps Sommer, Rabbiner in Tours, im XUL Armee-Korps Marcel Sachs, Rabbiner in Paris, i« XV. Armee-Korps Hirschler, aus Marseille, im XVI. Armee-Korps Cohen, Ober-Rabbiner von Dayvnne, im XVUl. Armee-Korps Giusburger. Ober- Rabbiner von Genf, im XX. Armee-Korps Eisenbeth, Rabbiner in Sedan; außerdem Bloch. Ober-Rabbiner in Rancy, für die Festung Toul. S^cheS, Ober-Rabbiner von Lille, für die Festung Epinal und der Ober-Rabbmer von Berdun Russ, für dir Festung Verdun. Die anderen fravzöfitchen Rabdincr leisten Dienste in den verschiedenen Abteilungen des Roten Kreuzes. v«k MtschllBkd — f«tK Mrfq„rd. Erzähl»», ,«» Zd» v«rb.r. Havptmao» Ber»hard Beider stammte an« ttner ftommru, jüdische» Familie. Stt» Bioßttaler war Rabbittrr i» ttnrr angesehenen urgattscheo Bewttnde gewesen, stt« Vater, hielt streng daraus, baß die Söhne ttne reirgitse Erziehung erhittten; ttoßörm war es schwer, die jungen Herren zur Bttaigung der nturllen Gebräuche auzuhatle», .Ich bin ei» Frttgttstpfleglr Bernhard Beider, der ältere, zu sagen, wenn der Vater ihn ermahnte, Samstag mit ihm de» Tempel zu besuchen, .Eure hebräische» Bedete »er. stehe ich nicht, die Besänge find lerolitt, ich finde keine Erbauung bei .Eurem' Gottesdienft,' »I« Bernhard Beider sttu Jahr abgebieui hatte, äußerte er de» Wunsch, bttm Militär zu rerblttden. Die Eitern waren zwar dagegen; aber Bernhard wußte es durchzuietzeu, taß fie schließlich ihre Ernnilliguug gaben. Bernhard Bgjber war ei» schm»cker Osfizrer, »eelehne viel ia de» Kreisen der oornehmrn Veit, brauchte »iei Beib, lut als stt es ganz seibftoerftändiich, baß der Later sür sttae kostspirltze» Paffionen aujtomme, — .Werbe dem Herr» Sohn wahr die Brücke ausziehen muffen', sagte der alte Herr zu feiner Frau, die oft der erregten Unterhaltung zwilchen Vater »nd Sohn zngehön hatte, .Sehr gnt. wen» D» es tust', erwidettr >K Matter; Bernhard gefällt mir nicht mehr; rr hat z» noblen Verkehr, j schämt sich wohl gar, baß stt» Großvater brr ftowme Liw Seiber gewttr» ist, der selbst vom Kaiser in Andienz empsaoge» wurde.', .Der Bernhard ist mir zu modrr»', sagte Seiber nachdenkend; .ich bi» sttl langem nicht mit inner Lebensführung rinverftande», würde auch «ohi energischer ausktten, wenn ich nicht fürchte» müßte, baß wir ihn uns dann ganz entfremden,' Frau RebeNa legte das Gebetbuch, in dem fie gelesen, btt Sttte »ab sagte tteftrauttg: .Ich fürchte, er hat fich »n« längst entftrmdtt. Sttßt Tu nicht, »aß sei» inftmsier Freuno der Moritz Bond sich conseffionst»« nNärl bat; »nr die Rücksicht ans UN« hält Bernhard zarück, das Gleiche z, Inn »nd, wen, nnr nicht mehr find'- .Rebekka sichre leine sündigen Rede,' nnlerdrach fie der alle Herr; .es wäre mttu Tob, wen»'- .Erttfrc Dich nichr', siet chm Frau RebcNa tn-« Wart; Tu rrttßt, jede Aufregung ist Dtr schädlich!' »Da last »an fich nicht ausregen' erwiderte Geider, ärgerlich im Zimmer aus- und ubgehrnd, wen» ttne Mutter derartiges »au ihrem Sohne sagen kau»!' Jahr ans Jahr »erging, Bernhard Sttber wurde Oberieulnanl, »»rix Heupemau», aber seine Ellern hatten an , jttner Rangerhöhung kttue Freude- Er mied da« etlettiche! Hau«, Inlette fich zu guten Freunben, daß der Vater ihm j za unmodern, die Mutter zu fromm sei und er jeden «ettehr t« elterliche» Hause — — um nicht stets zu Zwistigkttten | Anlaß zu geben, abbreche» wolle. Die gute» Freunde hinterbrachten, wai fie gehtit, den Eltern, die, tief gekränkt, den Sohn zur Rede stellten, oll er kurz vor jttner Abreise nach Galizien btt ihnen vorsprach, u» Abschied zu nehme», Hauptmanu Gelber wußre fich ausznrrdeu, bat, man solle ln letzter Eruube nicht Unangenehme» zur Sprache bttngen. Der Krieg war an Serbien erklärt worden. Hochgradige Aufregung halte fich der Bevölkerung bemächtigt. Der alt» Daftor Lang, sttl Jahren Hausarzt in der Familie Gelber, machte sttnen wdchenrtichen Bttuchum fich nach dem Befinde» der ftrr« leidenden Frau Geider zu erkundigen. Er fand fie in Tränen, .Unser Sohn, unser einziger Sohn', jammerte die alle Frau, .Er war heule hier Abschied nehmen. Mir ist, als hätte» wir ihn sür immer vorloren,' .Verloren hoben Sie ihn sttl langem-, erwiderte der Amt; .beruhige» Sie fich! Er ist es wirklich nicht wert, daß Sie sttuerwegea Tränen vergießen!' Frau Gelder horchie gespannt auf, .Sie mttuen', sagte fie, .weil er kttn ftomner Jud ist, darf ich »ich! für chn sühlen?' .Kein frommer Jod?' ftagte Dr, Lang unwillig. .Er ist übrrhaupr kttn Jud! Mir scheint. Eie wiffeu es nicht, daß er, als er Hauptmann wurde, zum Ehrifteutu« ibergefttten ist?' Frau Gelder war wie vom Schlage gerührt, Rttn, das wußte fie nicht, — — Plötzlich versiegte, ihre Tränen, Storr vor fich hinsrhend saß fie »a, kttves Warte« mächtig. Der um die steil lttdeudr Frau bttargte Arzt nahm chrr Hand; brr Pul» ging fteterhast schnell, (gertjeg-f»!*,).

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.