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Blätter des Jüdischen Frauenbundes für Frauenarbeit und Frauenbewegung · 1928-10-01 · 10 (10.1928) · p. [Seite]

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Journal
Blätter des Jüdischen Frauenbundes für Frauenarbeit und Frauenbewegung
Volume
4 (1928)
Issue
10 (10.1928)
Date
1928-10-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Zuge« der rom Feinde Vertriebenen in „Hermann and Dorothea", bleitat doch weit hinter den zurück, wu dl« Wirklichkeit unseren Auge© tagtäglich darbet. Dies* Flüchtlinge jedoch hatte kein Äußerer Feind vertrieben, sondern die Re- £erung de» eigenen Lande«, weil Ihr Maea Gewlesen Ton n deutsch, oder doch jüdisch-deutsch sprechenden Juden Landesverrat befürchten zu müssen vermeinte. Graß wie die Not war auch die Hilfe der selbst aebsn den Baden tuter steh wanken fühlenden Juden Rigas. Manner Heften Ihren Beruf, Jünglinge und Mädchen ihr Stadium im Stich, Frauen beschrankten ihre häuslichen Pflichten auf das Mindestmaß und eilten den Elenden au Hille. Jede Familie walteiferte* um die Ehre, Flüchtlinge, zu beherbergen, ganze Hauser wurden tu Massenobdach und Lazaretben hergegeben, Küchen und Hpsieuilgf n und etna auch von Nicht Joden reichbeschickte lÜetdarsamuieüri ells eingerichtet, und, als dann nach wochenlang er Baal mit den. übrigen Flüchtlingen auch die Alten, Sieehen und Irren unerbittlich ans Riga fortgeschickt wurden, — sechs Waggonladungen roll Elend , da begleitete sie eine Anzahl ron Ärzten, .Studenten und jungen 'Mädchen, als frei- . willige Pfleger auf ihrer traurigen Wanderschaft, i So hatte der Enthusiasmus der Nächstenliebe die Rignaehen Juden ergriffen! Bald nach dem Abzug der Flüchtlinge Verliesen so viele Familien die Immer naher vom Feinde bedrohte Stadt, daß das Dsmenkomitee auf drei Mitglieder zusammenschrumpfte. In Kars« von diesen dreien fast völlig neu gestaltet, erfüllte es unter immer schwierigeren Verhältnissen dennoch bis zu Ende des Krieges seine Aufgabe. Dia rnaaiache Revolution vom Marz 1917 gab den Frauen das Wahlrecht und den Juden endlich die volle staatsbürgerliche Gleichberechtigung. Alsbald erwachte auch wieder der Mut zu sozialer und .kultureller Betätigung. So gelang ea noch im Sommer desselben Jahres,'den noch heute bestehenden jüdischen Volkskindergarten und in, Verbindung damit ein Kinderheim su errichten. Im Herbat desselben Jahres wurde Riga, das im Laufe seines 700 Jahrigen Geschichte so vielfach aus einer Hand in die anders übergegangen war, von den Deutschen erobert, die nach ihren eigenen Worten der ptadt „Ordnung, Musik , and Hunger** brachten. Unter der deutschen Herrschaft wurde ■ aber auch' auf Initiative und unter [Mitwirkung des Feld- ^rabbhftsrs D.r. Sonderling die^vor £4 Jahren'aufgelöste judische erwaUong wieder' bsi^wsfafU. Dls demokratische Verfassung des ha» November 1918 entstanden en IstUschen Freistaates gewahr leistete ebenfalls die polnisch* Gleichstellung der Juden, doch die fsst unmittelbar danach anhebende bolschewistische Herrschaft lahmte jegliche Lebensbetatignng. Als' im Mal 1919 [ auch diese Zeit über- ' standen war, schien das Licht der jungen Freiheit auf ein Trümmerfeld._j (Schluß folgt.) Buch besprecht! Hei mar re schichte der badiai 6(>K vm Rraoftnc rwfcsl Im Verla? der Aktiengesellschaft Konkordia Bübl-Badcn erschien ein Band: Heimatgeschichte der badischen Juden. Mit*.großem Danke begrüßen diese das Werk ihres Landsmanns Berthold Rosenthal, der ab Hauptlehrer in Mannheim mit hingehendem FieifJ sich jahrelang dieser Arbeit zugewandt. Doch nicht der begrenzte Teil der badischen Juden allein hat ein hohes Interesse an dieser < icschichtsdarsTellunp. Sie betrifft uns lalle, es ist iüdische Geschichte. Entwicklungsgeschichte, die im. Ausschnitt einer TeiMarstellung Schicksal, Bekämpfung und Erduldung, bewunderswertes Maß von Tragfähigkeil und eine uns Gegenwerts menschen kaum verständliche Füle von Herotsraus aufzeigt. Schließlich aber doch immer und immer wieder uns auf den Grund aller dieser Kraftquellen führt, auf die wunderbare hochhebende Glaubensstärke, auf die Anklammerung an das Unverlierbare, das Menschen *>cht zerstören können und dessen Besitz sie in Not und Tod der Verzweiflung überhebt. Ertragung in göttlichen Willen,) Rettung wird gegen irdische Vernichtung. j ■ Obwohl von Baden als Staat und von den badischen Juden ab' diesem- Staatswesen angeharig erst von 1806 an gesprochen werden kann, geht der Verfasser, zu den l'rqueHen der Heimatbevölkerung alszusammengehörende Elemente dieser und seiner Geschichte zurück. Zurück zu den ersten Judenniederlassungcn am Rhicin, denen er den ersten der 6 Abschnitte,-den Zeitraum von 300-1100 widmet. Aus den angesehenen Stellungen unter dch Römern, mit denen sie vor früheren Zeiten ab dem Jahre 300 nach Germanien kamen. Wahrscheinlich ab Sklaven nach der Zerstörung von Jerusalem durch sie in das Zehntland am Rhein gebracht Mit dem Niedergang der Römer und tnit der machtvoll betriebenen Herrschaft der Kirche wechselten Stellung und Recht. Das Judentum mußte erniedrigt werden, seine Bekenner gedrückt und womöglich ausgerottet, die Kirche duldete tue nicht. Vergeblich durchblättern wir diese Zeitabschnitte der jüdischen Geschichte, um in ihnen Handlungen Segen die Juden zu finden, die die Menschheit und die Lenschlichkeit ehren. Wohl kann Jugendgesetze hte und Landesgeschichte nicht getrennt werden. In diesen dunkeln Zeiten war das Loa der Menschen schwer und hart, aber die Juden harten ab solche alles noch viel schwerer und noch viel hirter und bei der Ungerechtigkeit, der Gesetzlosigkeit, der Ungleichheit des Strafvollzuges hatten sie entehrendere Strafen, unmenschlichere Behandlungen zu erdulden. Alle schlechten Instinkte der Seelen durften sich an ihnen austoben, Fanatismus in seiner Entwicklung, Habsucht, Ausbeutung, Lag und Trug, alles schuf gebtige Epidemieen von Verfolgungswut und Unmenschlichkeit gegen sie, bei deren Gedanken wir schaudern. Nach den Landstrichen, die das heutige Baden umgeben, und es bilden, hatten sie sich früh verteilt, rechts und links der Rheines sich niedergelassen. Durch alte die Zeiten hindurch unsicher, Beute wechselnder, launenhafter, geldgieriger Herren. Ausgesaugt und ausgepreßt ab Geldquelle, aufs schwerste eingeengt in den Erwerbs möglich keiten, hereingedrängt in Geschäfte unsicherer und ungesetzliches Art, so war ihr Leben vielfach bedroht. Wie ein Sachbesitz wurden sie den verschiedensten Herren zugeteilt, wie ein solcher von diesen wieder abgeschüttelt, und wohl ihnen, wenn es noch durch Geld zu erkaufen war, daß sie leben konnten. Und doch war ihr Leben innerlich geadelt in einer Umgebung, in der sie ohne das Ideal starker relif;iöscr Kraft zu Grunde gegangen waren.- Nach allen poliischen Stürmen, die an ihnen sich stets schwer brachen, kam aber doch endlich ein helleres Licht in die Wen. Es waren Männer wie Reuchlin, Melanchthon, es waren Liebesboten ihrer eigenen Gemeinschaft, wie Rabbi Josel aus] Rosheim, die sich bemühten, dieses Licht weiter zu tragen.] Und ob es auch schien, sie wären ganz verloren in allem Elend und aller Erniedrigung, so waren sie doch aufnahmefähig für den Hoffnungsschimmer eines neuen Morgenrots, i Der 3. Abschnitt, der von der Reformation bis zum westfälischen' Frieden geht, vermittelt .uns bedeutsame Zeifströmungen, und so können wir sagen, daß der 4. Abschnitt, der von 1650—1809 gebt, uns die Zeit nach dem 30jährigen Krieg bis zur Emanzipation die Juden schon gesammelter ' finden läßt tn den badischen Hoheitsgebieten, in der Herrschaft unter dem Krummstab und den Markgrafenschaiten, Einengungen, Schikane, Beschämungen gab es viele zu erdulden, aber sie konnten sich doch schon leichter zusammenschließen. Es bildeten sieb neue Gemeinden, wo alte vertrieben worden waren, in Oberbaden, im mittleren -Baden, in Durlach, im Untertande. Alte Gemeinden waren erhalten geblieben, so das schön gelegene Wertheim und im Main- und Taubertal, wo vordem blühende Gemeinwesen zerstört A waren, erhob sich neuer Lebensmut. Es bt von hohem Interesse, alle diese Momente zu lesen. Von Holland ausgehend, wo Glaubensduldung schon früh geübt wurde, unter edlen deutschen Männern des 18. und 19. Jahrhunderts, der Gedanke an Freiheit und Befreiung der Persönlichkeit durch die französische Revolution ins Volk getragen, durch Napoleon verwirklicht, mußte die heutige Befreiung der Jaden auch endlich In die Wege geleitet werden. Baden ab $taat wurde durch Napoleons Edikt 1806 /um •Groß herzogt um erhoben. Die Lage der Juden zu bessern, wurde der Wupseh der Regierenden. Der Großherzog, die beiden Kammern, die Landtage, alles arbeitete an dieser neuvn Aufgabe. Der der " aus von ' 5. und 6. Abschnitt führen uns in das lebendige Leben jüdischen Gemeinden. Die Emanzipation war vollzogen, dem Schutzjuden der Vollbürger geworden. Welche Fülle Kräften mußten am Werke sein. Ideen /u Lchcnsge >ta1 tungen, Wünsche, Hoffnungen, Erwartungen zu Erfüllui gen zu Dringen. Besonders anziehend erscheinen uns au* diesen Kämpfen die zum Teil ganz herrlichen Reden, die in der zweiten Kammer von den führenden Mamrcni gehalten i wurden, Ludwig Hauser, der Historiker, der Minister Lahrie'v. Professor Schmidt von der Universität Heidelberg '«agU in seiner wundervollen Rede über die Gleichstellung: „Sil Jahn einer liebevollen gerechten Behandlung haben die Juden n ichr gehoben, als atte Unterdrückungen und unter licsctzstcllung sie je gefördert haben." Es gab viele K.impftder Mciiiiin pro, doch der gesunde Menschenverstand, ein warmes Men ehheitscitpfinocn und der mächtige Strom der Zeit, der in seinem, Vorwärtsfluten nicht [gedämpft wefuen konnte, ha fen zum Erreichen des Zieles. Im weiteren Verlauf schildert der ■ Verfasser das sich festigende innere Leben, das religiöse und das Gemeindeleben. Wicerfähren von all dem. was [geworden bt. Vor uns ersteht ein Bild, das wir festha ten werden in Ehrfurcht Geschichte, unsere hohe Lchrmebtc rin,

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