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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1895-11-08 · 45 (8.11.1895) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
4 (1895) Bestand UB Frankfurt
Issue
45 (8.11.1895)
Date
1895-11-08
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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kro1)6miiumtzr! Fernere Zusendung erfolgt nur auf Bestellung. Man wolle die inliegende Karte unfrankiert per Privat-Post (gelber Briefkasten) absenden. Ao. 45. Jahrgang iv. Iltzem e!ne Berkln, 8. Yovemöer 1895. Herausgeber A. -levin, MerNn.( Jeschttrnn. Bezugspreis: vierletjährs. 2 MK. Erscheint an jedem Areitag. Uezugspreis Aedaktion und Verlag: chr Kamvurgerstr. 2t. für das Äusland: MK. 2,50. Zu beziehe» durch die Post, Anzeigen, die Zeile 25 Zks., nehme» alle Aimoueen-Lxpeditioiic» unsere Zirhalt: Zu de» Repräseiitaiitenwahlen. V. Zudenprcsse. Von Dr. S. Bernfeld. Moses Mendelssohn. Von Dr. I. Rülf. Allerlei Schnorrer. Von Dr. M. Antisemitische Vorwürfe II. Der Talmud. II. Von Rabb. Dr. Hochmuth. Zahn nm Zahn. Wochcn-kfhronik. — Kalender. — Anzeigen. Zn de» RkpräsentanteWchlc» in Kerl!». (Schluß.) 7 unseres Programms: „Wahrung unserer staatsbürgerlichen Rechte und energische Abwehr der gegen unsere Religion gerichteten Angriffe. In Deutschland wohnen etwa fünfmalhunderttausend Juden, etwa hunderttausend davon in Berlin. Man sollte glauben, daß einer Gemeinde von solchem Umfang die Führung in der deutschen Judenheit ganz von selbst zufallen müßte. Jeder Außenstehende wird ohne weiteres annehmen, daß die Einrichtungen der Gemeinde Berlin maßgebend sind für alle anderen jüdischen Gemeinden in Deutschland, daß ihre Synagogen und Schulen Vorbilder abgcben für die Synagogen und Schulen in den Provinzen. Der Kundige weiß, daß solche Annahme falsch ist. Das Schwergewicht jüdischen Lebens in Deutschland liegt außerhalb Berlins, die größte jüdische Gemeinde hat nicht die entsprechende Bedeutung für die deutsche Judenheit. Während die Seelenzahl der Gemeinde auf das Siebenfache stieg, hat die Verwaltung sich in de, Erhaltung des alten .Itahinens gefallen nur die Begräbnisstätten hat sie entsprechend erweitert. Unsere Vertreter sind von der Ansicht ausgegangen, es sei das A und O ihrer Aufgabe, die laufenden Arbeiten ordnungsmäßig zu erledigen, der Geist oer Initiative hat ihnen völlig gemangelt. Niemals ist ihnen der Gedanke gekommen, daß sic auf einer höhereil Warte stehen müssen, daß sie in den Zeiten der Bedrängnis, die über die deutsche Judenheit gekommen, über unsere bedrohten staatsbürgerlichen Rechte zu machen, die Angriffe gegen unsere heilige Religion und deren Lehren abzuwehren haben. Vor fünfzehn Jahren veranstaltete der Antisemitismus eine Zählung seiner Anhänger, indem er von Stadt zu Stadt, von Dorf zu Dorf ging, Unterschriften sammelnd für die Petition, die den Ausschluß der Juden von allen autoritativen Aemtern verlangte. Was hat unser Gemeindevorstand hiergegen gethan? Er blieb stumm. Was die Antisemiten verlangt, wurde tatsächliche Uebung. Was hat unser Vorstand hiergegen gethan? — Er blieb stumm. Die belebtesten Straßen unserer Stadt wurden zum Schauplatz frecher Verhöhnung und Kränkung eines jeden unter uns, dmch Bilv und Schrift wurde in öffentlichen Auslagen jeder Einzelne unter uns beleidigt und verletzt. Was hat unser Vorstand hiergegen gethan? In schüchternen Eingaben wandte er sich mit ängstlicher Heimlichkeit Hilfe suchend an die Behörden, und als er ausweicheyd-ablehnenden Bescheid erhalten hatte — blieb er stumm. In Zeitschriften, Broschüren und Flugblättern wurden Lästerungen und Verleumdungen gegen unsere heilige Religion und ihre Lehren sowie gegen unsere Religionsbücher gehäuft. Was hat unser Vorstand hiergegen gethan? Er blieb stumm. Unsere Vaterlandsliebe wurde in Zweifel gezogen, alle bürgerlichen Tugendeil wurden uns abgesprochen — lind unser Vorstand blieb stumm. Unsere Abstammung wurde uns zum Laster angerechnet, Richtersprüche gaben uns jeder frechsten Verhöhnung preis, wofern nur der Beleidiger versicherte, daß er die Rasse, nicht die Religionsgemeinschaft im Auge habe — und unser Vorstand blieb stumm. Man drohte uns mit Stellung unter Fremdenrecht, man schädigte unsere Glaubensgenossen wirtschaftlich und sozial in empfindlichster Weise — unser Vorstand aber blieb stumm. Was an Abwehr zu unseren Gunsten sich bemerkbar machte, das ging von edlen Nichtjuden oder von Privaten aus unserer Mitte aus — nur der Vorstand der jüdischen Gemeinde Berlin regte und rührte sich nicht. Er verharrte, in monumentaler Gleichgiltigkeit, als hätte er nicht Augen noch Ohren, als wäre er berufen, sich um die Interessen der Judenheit nicht zu kümmern. Ein Rial wurde ein Anlauf genommen: Repräsentanz und Vorstand waren einen Tag lang einig, in öffentlicher Kundgebung zu bezeugen, daß der Juden Vertretung sich um der Juden Sache kümmere. Ueber Nacht aber kam die Reue, die Kundgebung wurde versteckt und unser Vorstand blieb stumm. lieber die nächste Versammlung des Central-Berei ns siehe Seite 7»«». ELWEMÄ,'.','.'

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