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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1895-07-19 · 29 (19.7.1895) · p. Seite 460

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
4 (1895) Bestand UB Frankfurt
Issue
29 (19.7.1895)
Date
1895-07-19
Page
Seite 460 (sequence 4)
Language
German
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Seite 490. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Nr. 29. (Genüge gelabt hatten, erfreute uns Herr fröhlich durch seinen in je) er Beziehung vorzüglichen Bortrag über: „Konzentration im jüdischen Religionsunterrichte/' Wenn nun auch einer oder der andere, namentlich Herr W. Frank- Westerburg an der Lehrprobe Verschiedenes zu tadeln fand, so verdient dieselbe dennoch, wie allseitig anerkannt wurde, als eine gute bezeichnet zu werden. Was nun den Vortrag anlangt, so dürfte es vielen 'Berufsgenossen erwünscht erscheinen, wenn derselbe durch Drucklegung eine weite Verbreitung erlangte. . Nach Erledigung dieser nicht nur interessanten und belehrenden Angelegenheit ging man zum'wichtigsten Punkte der Tagesordnung: „Die Bildung eines Verbandes der Israel. Lehrervereine Deutschlands" über. Diesbezüglich entspann sich nun eine Debatte, in welcher die Geister aufeinander platzten. Nachdem das Urn et Oontra von allen Seiten reiflich erwogen, einigte man sich schließlich zur Entsendung eines Delegierten, in Person des Herrn Fröhlich-Weilburg, nach Berlin. So sehr die schwache Beteiligung seitens der Herren Kollegen auch zu bedauern war, so lobenswert und ehrend hingegen war der Besuch der Herren Bezirksrabbiner, die so regen Anteil an unseren Versammlungen nehmen und weder Mühe noch Zeit scheuen, zur Förderung der Religionsschnle das ihnen Mögliche beizutragen. Möge das Beispiel unserer Herren Rabbiner dem Teile der Lehrer Nassaus, der dem Vereine so wenig Interesse widmet, eine Spiache reden, die ei» pflichttreuer Lehrer nicht unbeachtet lassen kann, damit die nächstjährige Versammlung beweise, daß die, für einen besseren Besuch unserer Konferenzen gegebenen Anregungen, insbesondere die, von den Herren Bezirksrabbinen beantragten, Reiseentschüdigungen seitens der Knltusgcmeinden, auf fruchtbaren Boden gefallen sind. Zum Schlüsse noch die Bemerkung, daß ein Gegenstand der Tagesordnung ausfallen mußte, weil es der Referent für gut befand, weder zu erscheinen, noch 'ein Nichterscheinen anznzeigen. Als Ort für die nächste Versammlung (Sonntag »ach Pfingsten k. I-) wurde aus Vorschlag des Herrn Dr. Landau, Ems gewühlt. Tagetz-Ordnuug: I. Vortrag über die Wichtigkeit des PentateuchunterrichteS in der Religionsschnle, Referent: Herr Dr. Weingarten-Ems. 2. Lehrprobe über Konzentration des Unterrichts' in der Religionsschule, Referent: Thalheimer- Hachenbnrg. 9. Vereinsangelegenheiten. Ans fröhliches Wiedersehen im Kaiserbad! Hadamar> im Juni 1895-. Adolf Oppenheimer, Schriftführer. * -t- -st dl. Am 7. d. M. hat die Jahresversammlung der öffentlichen Lehrer Hessens unter dem Vorsitz des Herrn Seminardirektors Dr. Stein vor zahlreicher Beteiligung in Kassel stattgefnnden. Nachdem der Vorsitzende die Sitzung eröffnet, brachte der Vorsitzende des Hessischen Gesamtlehrervereins, Herr Lange, welcher mit noch mehreren Kasseler Lehrern zur Teilnahme und' als Gäste erschienen waren, den Gruß des Hauptansschusses und gab die Versicherung, daß wie bisher, auch ferner die mit den christlichen Lehrern gemeinsamen Bestrebungen der israelitischen Lehrer mit großem Interesst verfolgt und nach Möglichkeit gefördert würden. Räch mehrfachen geschäftlichen Erledigungen hielt Herr Dr. Munk- Marburg einen Vortrag über das Thema: „Was ist Tierschutz und wie ist die Pflicht der Schonung der Tiere und der Pflanzen in der israelitischen Schule zu behandeln?" Redner sprach über den Tierschutz bei den alten Völkern, im Gegensatz zu den Römern und Gerntanen und gedachte hierbei der Stiergefechte ec. Den zweiten Teil, die Behandlung des Tierschutzes in der israelitischen Volksschule, faßte er nach einer sachgemäßen, eingehenden Auseinandersetzung kurz dahin zusammen: Die Pflicht der Schonung der Tiere und Pflanzen ist in der israelitischen Schule genau wie in der christlichen Schule zu behandeln. An den Debatten war eine sehr rege Teilnahme zu bemerken, besonders seitens des Herrn Rektors Peter, der in trefflichen Worten seine Stellung zum Tierschutz kennzeichnete. Nachdem verschiedene Anträge besprochen und erledigt, vereinigte sich die Gesellschaft um 9 Uhr nachmittags zu einem gemeinsamen Mahl und ging mit dem Wunsche ans Wiedersehen im nächsten Jahre in Bocke »heim auseinander. W ZttliiMW ZttiMms. Skizze für unsere reife Jugend. I. Kein Volk der Erde hatte von jeher so viel Ungemach und Leiden erdulden müssen, keines aber auch bei den größten Bedrückungen von außen an de)» innersten Gehalte seines Wesens so treu festgehalten, wie has jüdische. — Es erging wohl unserem Volke, als es noch staatlich verbunden war, zur Zeit der Römerherrschast nicht bester als allen anderen kleineren Staaten des asiatischen Weltlandes; allein während alle anderen Völker sich still unter das Joch der Knechtschaft beugten, ließen die Juden, deren Geist im Gegensatz zur Lethargie und Stumpfsinnigkeit der übrigen asiatischen Völker, durch ihre geistige Religion, durch das Angcregtwerden zum Denken beim Gottesdienste, stets von einem frischen Lebens- Hauche bewegt war, wenn auch anfangs sich gleichfalls dem Joche, der Eroberer fügend, diese doch immer wieder aufs neue, durch kleinere und größere Verschwörungen und Aufstände fühlen, wie lästig ihre Ketten, wie unerträglich ihr Joch sei. — Rom war endlich dieses Gcbahrens eines ihm untergebenen Staates.müde. — Die gänzliche Unterjochung Judäas wa>i wohl schon längst in dem kaiserlichen Kabinet des PalatiumS beschlossen; es hatte bis jetzt nur an dem rechten Mann gefehlt, welchem man ein solches Werk anvertrauen konnte, dessen Schwierigkeit und Bedeutung die Römer keineswegs unterschätzten. Obgleich nämlich physisch schwächer, als mancher andere Staat, welchen Rom bereits in seinen Adlerklanen hatte, imponierte die jüdische Nation dem Römer durch ihre moralische Kraft, durch das geistige Zusammeugehalteuscin vermittelst des Glaubens. Stets waren die Römer von dem, besonders für ein kriegführendes Volk, in der Thal ausgezeichneten Prinzipe ausgegangen, bei Unterjochung eines feindlichen Staates dessen Religion, das, woran die Bewohner mit den innersten Banden des Herzens geknüpft sind, unangetastet zu lassen; allein bei einem Vblke wie das israelitische war, wo Staat und Religion noch weit inniger und fester als bei anderen alten Nationen mit einander verkettet waren, wo das monotheistisch-theokratische Prinzip eine freie, zum RepublikauiSmuS neigende Idee in den ganzen Staat verwebte, da mußte es, trotz der großen Nachgiebigkeit der Römer, gerade in diesem Punkte, endlich einmal znm Bruche kommen. Und so kam cs auch.

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