Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 4 (1895) Bestand UB Frankfurt
- Issue
- 14 (5.4.1895)
- Date
- 1895-04-05
- Page
- Seite 221 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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.>^.,»,»1« > > > » » M-. 14. Jeschurun. Seite 221. dieser, beleidigt durch eiueu vermeintlichen Spott vvn seiten der Inden wvllte ihn hinrichten lassen; doch Nahm» verlor sein (gottvertrauen nicht, er sprach wieder: u 2ti. Da erschien Elias in der Gestalt eines Ratgebers undsprach znm Kaiser: es dürste diese Erde vielleicht eine wunderthätige Kraft besitzen, so daß, wenn sie auf feindlichen Boden gestreut wird, der Staub zu Schwertern und die Strohhalme zu Pfeilen werden. Der Kaiser ließ den Versuch mit einem Lande, mit dem er im Kriege lebte, anstellen und eroberte auch infolge dessen das Land. Er ließ nun dasselbe Kästchen mit den kostbarsten Steinen füllen und beschenkte damit den Nahm». Dieser reiste zurück und kehrte nochmals in das Haus jener Räuber ein. Auf ihre Frage nach dem Erfolg der Sendung sagte er, er habe für das, was er von hier mitgenommen und dem Kaiser überbracht habe, die kostbaren (beschenke bekommen. Hierauf rissen sie ihre Häuser nieder und brachten die Erde zum Kaiser, indem >ie hinzufügten, jene frühere, dem Kaiser überreichte Erde gehörte ebenfalls ihnen. Man stellte nun auch jetzt einen Versuch mit der Erde an, er blieb erfolglos, und die Räuber mußten ihren Schritt mit dem Leben ' büßen. — So belohnte Gott das fromme Vertrauen NahumS und bestrafte den Raub jener Sünder. * »i Egyptische Finsternis. Hierüber wird bekanntlich in der heiligen Schrift berichtet: „Und Mose reckte seine Hand gen Himmel, und es war dichte Finsternis im ganzen Lande Mizraim, drei Tage. Einer sah nicht den andern und niemand stand auf bon seiner Stelle, drei Tage . . ." (Lxock. X, 22. 23.) Dieser letzte Satz nebst den Erklärungen der Ercgeten wurde und wird von allen gelesen, von vielen wenn anch mit Kopfschütteln, doch mit Pietät ausgenommen, von manchen aber aus Rechnung der Raivetät und Frommgläubigkeit unserer Alten geschrieben. Daß aber eine solche, gleichsam eine greifbare Finsternis möglich ist, dafür zeugt die folgende Nachricht, die. wir zufällig in einem Zeituugsblatt, dem -Londoner „Standard", aus dem Fahre 1861» finden. Dort wird eine „Buenos-Apres, 25 März" datierte Korrespondenz veröffentlicht: „Am vorigen Montag wurde die Stadt von einem Sturme heimgesucht, dessen Furchtbarkeit zu schildern keine Feder imstande ist. Eines ähnlichen Orkans entsinnt sich niemand hier, und Angst und Schrecken ergriffen alle, als uachmittags nach fünf Uhr mit Blitzesschnelle dicke Staubwolken, die aus Südwesten gegen die Stadt heranzogen, den Tag in tiefe Nacht verwandelten. Wir finden nicht Worte, um die dicke greifbare Finsternis (von welcher die schwärzeste Nacht nur ein Bild ist) zu schildern. Man durfte nicht wagen sich zu rühren, um Schutz zu suche», sondern mußte wie angewurzelt am Boden stehen bleiben. Mütter, die zur Thüre hinausgeeilt waren, um ihre Kinder zu suchen, fanden den Weg nicht wieder ins Haus; die Leute auf der ' Straße mußten bleiben, wo sie waren, und dabei war die Gewalt des Windes so schrecklich, daß die stärksten Gebäude von Stein wankteu und schüttelten, als ob sie jeden Augenblick Umstürzen und alle Bewohner begraben würden. Die Szenen in den Kaffeehäusern, Läden u. s. w. spotten aller Beschreibung. Da gerade Essenszeit war, wimmelten die Hotels von Gästen; das GaS konnte nicht augezündet werden, weil die Krähne nicht aufgedreht waren, dabei flogen Zink und Glasdächern nach allen Richtungen in die Luft. . ." In der Nachbarschaft des R. Meir wohnten schlechte Menschen die ihn sehr kränkten. Da betete R. Meir um ihren Tod. Aber sein Weib Beruriah sprach zu ihm: „Was denkst Du? Es heißt ja (Ps. 101.): Die Sünden mögen vergehn von der Erde, aber nicht die Sünder! Und dann merke aus den Schluß des Verses. Da heißt es: Die Bösen werden nicht mehr sein; denn wenn die Sünden aufhören, wird cs keine Bösen »lehr geben. Bete lieber für sie zum Herrn, daß sic sich bekehren möchten." Der Rabbi betete für sie, und ihre Bekehrung erfolgte wirklich. < Berach. 102) — Wir wissen nicht, was wir an dieser Erzählung mehr bewundern sollen, die sinnige und zarte Schriftdeutung des gelehrten Weibes, oder daß der strenge Rabbi sogleich ihrer Auslegung gemäß handelte, daß er selbst sogleich, zur Üebcrzeugung gelangte, daß wir auch unsere sündigen Nebenmeuschen nicht richten, nicht verdammen sollen, da ihnen ja der Weg zur Besserung immer noch offen steht, sondern vielmehr für sie beten, oder auf sanfte, liebreiche Weise sie zur Besserung zurückführen sollen. <§ine Talmudstelle. „Die Nahrung fällt dem Menschen so schwer wie das Spalten des Schilfmecrs. (Pes. 116, a). Würde der Nieusch jeden Ueberfluß vermeiden und keine unnötigen Bedürfnisse sich bereiten, so würde er leicht sich ernähren können. Der Wille der Vorsehung entspricht der Natur des Sterblichen, oder schafft vielmehr die Natur desselben, und gewährt die Mittel, diese Natur zu befriedigen. Allein der Mensch lebt gar oft nicht naturgemäß, er überschreitet das Ni aß seiner Natürlichkeit und schafft sich weit mehr Bedürfnisse, als er auf natürlichem Wege zu befriedigen im Stande ist. Gerade nun so, wie das Meer seinen natürlichen Lauf unterbrach und mitt?u in seiner Strömung gespalten werden mußte, eben so schwer ist zuweilen die Menge von selbstgeschaffenen Bedürfnissen zu befriedigen. Mendelssohn-Anekdoten. Mitgeteitl von George Alexander Kohnt, New-Nork ü> der „Dcdorah", 1. Moses Mendelssohn war Buchhalter in einer Handlung in Berlin und zwar bei einem Kalifmann von sehr beschränkten Fähigkeiten. „Das Schicksal ist doch sehr ungörecht," sagte Herr .... zu ihm; „Sie, so ein gescheiter Manu, müssen einem so beschränkten Kopse dienen!" - „Ich finde das sehr verständig von dem Schicksale, versetzte Mendelssohn; denn wenn ich Herr wäre, ihn könnte ich nicht gebrauchen. — 2. Einst wurde dieser Oielehrte in Berlin auf der Straße von einem gemeinen Soldaten insultiert. Sein Begleiter, ein junger (gelehrter, äußerte darüber seinen Unwillen. „Aber, mein Gott!" sagte Mendelssohn sehr gelassen, „was bleibt solchem Menschen sonst noch übrig, wenn er nicht einen Juden koujoniren darf'.'" 3. Als Moses Mendelssohn zuerst in der gelehrten Welt auftrat, war es in Berlin Ton unter den Gelehrteil, in den Abendgesellschaften Schach zu spielen. Mendelssohn 1 wollte sich aber nie zu diesem Spiele verstehen, lind wenn man ihn dazu aufforderte, so sagte er: „Schach ist für den Verstand zu viel Spiel, und als Spiel fordert es zu -viel Verstand." <„Als Spiel zu ernst, als Ernst zu viel Spiel." Red.»! i MM-z WkslÄiiW