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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1895-04-05 · 14 (5.4.1895) · p. Seite 214

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
4 (1895) Bestand UB Frankfurt
Issue
14 (5.4.1895)
Date
1895-04-05
Page
Seite 214 (sequence 2)
Language
German
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Seite 214.? - s ch u r u n. , Nr. 14. ohne jeden Grund, aus purer lfieivohnheil, weil deren Vater es auch so gemacht. Sie wissen, daß selbst bei den sogen. Frommen recht vieles gedankenlos geschieht, nur damit es geschehe. Es fühlt darum gar keinen Drang zu fragen, der Vater würde auch nur selten antworten können. Die religiösen llebungen, wo sic noch nicht über Bord geworfen, sind eben leere Zeremonien. Ist es da zu verwundern, daß die Jugend ohne Interesse fürs Judentum aufwächst? —- Das muß aber für die Schule ein Fingerzeig sein, wo sie den Hebel anzusetzen hat. Wenn ihr das Leben nicht mehr, wie früher, zu Hilfe kommt und das Herz des lindes mit lebhaftem Interesse erfüllt, da muß die Schule auf Mittel und Wege bedacht sein, wie sie vor allem das Interesse erregt. Was hilft alle Belehrung, wo das Interesse fehlt? Wenn das Kind kein Interesse am Gegenstände hat, dann ist es gleich einem steinharten Acker, allem Unterrichte gegenüber: ihr könnt darauf Saaten auf Saaten streuen, sie werden verwittern, verwese», über wachsen und Früchte tragen werden sic nicht. Wenn irgendwo, so muß die jüdische Religionsschule auf Anwendung von Interesse bildenden Niethoden bedacht sein. P7E' mpv'tin, die Fragelust der Kinder muß rege sein, ihr Geist muß lebhaft mit den Gegenständen des Unterrichts beschäftigt sein — das können wir von der Peßachhagoddo lernen. Or. ck. <1. * -p * Okad Oacho. Bon I. Infeld. Ein Lämmchen, ein Lämmchen gar seltene, Art, Nachgiebig und stark, hartnäckig und zart. Bist, Israel, du seit deinem Bestehen; Bon Wölfen umgeben weidest du Ans durstiger Trift ohne Rast und Ruh, Doch stehst du trotz Stnrmeswchen. Einst Pharaonen und Babylon Dich würgten und zausten und riefen mit.Hohn: Schaut her, nun liegt's überwunden; Doch Fluten bedeckten Egyptens Macht, Auch Babylon sank in finstere Nacht, Gefesselt, die dich gebunden. Und Syrer und Römer, wer zählt sic all, Die sannen und suchten deinen Fall Und eiferten dich zu hassen; Sie haben gefrohlockt gar oft und laut: Seht, seinem Gotte hat er vertraut, Nun irrt er verspottet, verlassen. Wo sind nun die Starken? Zerrieben wie Staub! Und Räubern wurden die Räuber zum Raub, Doch Israel, du stehst noch immer; Trotz Donner und Blitz, trotz Sturmeswnt, Trotz Bächen von Thränen, trotz Strömen von Blut, Strahlt dir der Hoffnung Schimmer. Und wie sie auch sannen in späterer Zeit Mit finsterem Sinnen und dich geweiht Den, Feuer, dem Schwert, den Fluten: Sie haben umsonst das Schwert gewetzt. Sich selbst nur ein ewige» Schandmal gesetzt, Du lebst, trotz heftigem Bluten. Was bat dich erhalten, du kleine Zahl, In trübster Zeit, trotz Folter und Qual, Was hält dich noch jetzt zusammen? Was stillt nur den Sturm, der dich nmsaust, Was hemmt wohl die Flut, die dich umbranst, Sage, was löscht dir die Flammen? Wohl ist cs die zwiefache Seclenkraft, Die in dir webt, die Sein dir schafft, Dein Schilfrohr- und Zcdcrnleben; Tu beugst dich, wie Schilf am Flusses Rand, Umtobt dich der Feind mit Sturm und Brand, Um heil dich dann zn erheben. Doch will dich der Feind dem Element, In dem dein Seelen- und Lebenslicht brennt, Dem GlanbcnShort dich entreißen: Da sühlst du in dir der Zedern Mark, Bist spröde wie Felsen, wie Eichen so stark, Kein Sturm kann dich dann entgleisen. So bleibe nun ferner, treu Israel, Ein seltsames Lämmchen am sprudelnden Quell, Sei biegsa m, doch standhaft im Glauben; Das Passafest sei auch alle» Beweis: Du gebest die irdischen Güter Preis Und laßt dir den Glauben nicht rauben. Der ätMslnmnnlsar kommt. Bon M. A. Klausner. Die Kreuzzeitung hat in ihrer Nummer 148 vom 28. März einen Auszug aus den Artikeln-gebracht, die wir an dieser Stelle veröffentlicht haben, und daran die Bemerkung geknüpft: „Wo den Kindern jüdischer Religionsunterricht nicht erteilt wird, da liegt seitens der betreffenden Gemeinde eine offenbare Pflichtverletzung vor, da wird der Staat einzuschreiten und die jüdischen Gemeinden zur Erfüllung ihrer Aufgaben anzuhalten haben, welche sic bei genügendem ethischen Gefühl ohne staatlichen Zwang schon längst Hütten übernehmen müssen." Wenn man statt Gemeinden hier Gemeinde-Verwaltung oder Gemeinde-Vorstand sagt, so ist die Beschuldigung der Kreuzzeitung zutreffend. Daß das genannte Blatt bei dieser Gelegenheit behauptet, „der jüdische Religionsunterricht bereite nicht jene sittliche Veredlung des Menschen vor, wie der christliche," kann uns als Ausfluß einer auf Unkenntnis beruhenden Ueberhebung nicht Wunder nehmen. Wüßte die Kreuzzeitung von dem Judentum, was sie wissen sollte, wäre sie über die historischen Grundlagen des Christentums besser unterrichtet, so würde Scham sie abhalten, ein solches Urteil über eine Religion auszusprechen, die aus dem ganzen Gebiete der Ethik für ihre eigene Religion vorbildlich und mustergiltig gewesen ist. Im übrigen die christliche Religion gegenüber der jüdischen für die bessere, wahrere zu halten, ist der Kreuzzeitung gutes Recht, wie es unser Recht ist, die entgegengesetzte Meinung zu hegen. Wäre sic nicht so lückenhaft unterrichtet, so würde die Kreuzzeitung auch nicht dem Staate die Sorge dafür zuschieben, daß in dem jüdischen Religionsunterricht nichts gelehrt werde, was mit den sittlichen Grundsätzen des Christentums im Widerspruch steht. Die Sorge ist überflüssig, denn das Original kann nichts enthalten, was der getreuen Reproduktion widerstreitet. Das ist, was nur der Kreuzzeitnng zn antworten haben.

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