Mitteilungen des Reichsausschusses der Jüdischen Jugendverbände
- Journal
- Mitteilungen des Reichsausschusses der Jüdischen Jugendverbände
- Volume
- 2 (1929). Bestand UB Ffm
- Issue
- 1 (3.1929) Sonderheft: Soziale Woche in Seesen
- Date
- 1929-03-01
- Page
- Seite 21 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Kindergarten sind heute noch vorwiegend Einriciuurigen von Vereinen und enibehrcn daher der Einheitlichkeit und der richtigen Auswahl »er Angestellten. Hier rückt die eigentliche Erziehungsarbeit immer mehr in den Vordergrund. Das bewußt jüdische Moment, die besondere onhcdoxe oder zionistische Einstellung sangen hier bereits an eine Rolle zu spielen, und er scheint vor alem notwendig, gemeinsame Grundlagen und eine gemeinsame Z'elrichtung zu gewinnen, um zu positiver, erfreulicher Arbeit zu gelangen. Klare Einstellung des Erziehers, wie weit sein Recht der Beein» flussung geht, worin und wozu er erziehen dars, ohne andere zu verleben, ohne die Allgemeinheit zu schädigen, Rücksicht aus Eltern und Kinder und die Bercitschajt, von ihnen zu lernen und dies in die Arbeit einzubeziehcn, dar sind jedenfalls angedeutet die Aufgaben, die für die Hortarbeit zu beachten sin». Horte gibt es etwa 25 im Reich. Hier kommen die neuen Aufgaben., die die Schulen in das Leben der Kinder bringen und erste Derussftagen hinzu, und da bestehen natürlich Unterschiede zwischen den Schülern jüdi'cher und öffentlicher Schulen. Aus jeden Fall soll der Hort das Gegengewicht zur Schule bilden und mehr als die inte lcktuellcn aie körperlichen und seelischen Bedürfnisse des Schulkindes zu befriedigen suchen. Daß daneien besonders für die schlecht deutsch sprechenden Kinder der Horte eine Hilfe zum Einleben in die Schule sein soll, ist selbstverständlich. Für die heran, wachsenden Kinder ist die enge persönliche Beziehung zum Erzieher und da» Gemeinschaftsleben wertvoll, es darf nur nicht vergessen werden, daß das Kind erst einmal in die Familie gehört, daß es ihr nicht cntsrrmdet und sich seiner Nerpsllchtungen der häusliche» Gemeinschaft gegenüber nicht durch das sorgenfreiere und unpersönlichere Leben de» Horte» entziehen dars. Bei den ältesten Kindern werden wir auch hier schon die Problemstellung der heutigen jüdischen Familie finden (der Jugendliche, der dir Umwelt ablehnt, das Ghetto bewußt auf sich nimmt oder vielleicht in einer bestimmten Idee (Zionismus) den Weg sieht, innerhalb des Jüdischen mit oder gegen die Eltern, oder der andere Fall des sich loslösenden, aus der strengen Enge und Autorität in die Freiheit und Weite der neuen Umgebung strebenden jungen Menschen, der unsere Hilfe braucht, vielleicht im Kampf mit den Eltern). Jeden alle muß der Erzieher im Hort um diese Dinge wissen, Eltern und Kinder kennen und beiden vielleicht in persönlicher Anteilnahme über da» wirtschaftliche, allgemeine hinaus Helen wollen und können. Mir scheint besonders für das Erzleherpersonnl eine ergänzende Ausbildung auf alle» Cebiclen des Jüdische» in,bedingt ersorderllch, um unseren speziellen Ausgabe» gewachsen zu sei». Darüber hinaus mehr als dies heute der Fall ist, Kennlni» der sozialen Arbeit und wirtschaftliche, vor allem aber hygienische Vorbildung. Und hier ist der jüdischen Össrnilichkeit der erneute Vorwurf zu machen, daß für orthodoxe Menschen, besonders aus wirtschastlich schlechtgestell en Kreisen, die Ausbildungssrage absolut ungelöst Ist und dringen» einer Reform bedarf. Andererseits besteht die traurige Tatsache, daß e, »erhAlnismnßig wenig junge Menschen gibt, dir fähig sind, selb, ständig und verantwortungsvoll ein Heim gut zu sichren, die de» Ansorde. nmgen gewachsen sind, nicht nur den Kindern und Eltern, sondern auch 21