Mannheim
Compact Memory

Mitteilungen des Reichsausschusses der Jüdischen Jugendverbände · 1929-03-01 · 1 (3.1929) Sonderheft: Soziale Woche in Seesen · p. Seite 14

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Mitteilungen des Reichsausschusses der Jüdischen Jugendverbände
Volume
2 (1929). Bestand UB Ffm
Issue
1 (3.1929) Sonderheft: Soziale Woche in Seesen
Date
1929-03-01
Page
Seite 14 (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/9215017-9229943-8238437--044-4794809
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

glaubt, das Helm geradezu pauperlsteren zu müssen, „well die jungen Mn», scheu später ja mit noch weniger, mit noch Schlechterem» mit noch Unschönerem usw. auskommen müssen"! Deshalb ist man auch gegen die Aufstellung von Blumen in den Zimmern. Ganz abgesehen davon, daß man stch auf diese Weise der besten Möglichkeit einer pädagogischen Beeinflussung beraubt, die Strafen weitgehend überflüssig macht, indem man zum Beispiel prinzipiell Selbstverwaltung gewährt, und diese „als Strafe" nötigenfalls fchrittwei e entzieht (zumeist haben die Mädchen zu ihren Schränken keine Schlüssel, dürfen ihre Sachen nicht selbst verwalien, mit der Begründüng: man darf sie nicht über ihre Sonntagskleider gehen lassen, weil fl» sonst durchbrennen), abgesehen von dieser pädagogischen Erschwerung ist die FE. meines Erachtens eine unethische Angelegenheit, solange sie bei dem Erziehungsbedürstigcn prinzipiell von einem Minimum an Qualitäten ausgeht. Eine Schwierigkeit wurde im Laufe der Diskussion besonders hervorgehoben: gewöhnlich sei die Durchsetzung des Standpunktes einer jungen Erzieherin gegen die Ansichten der Leiterin so gut wie unmöglich. Die Schilderung eines Hamburger Jugendgefängnisse» überzeugte davon, daß dieses Gefängnis ein Maß an Freiheit gewährt, für das unsere Fürsorgezäglinge dankbar wären. Korreferat Dr. Hannah Eisfelder. Erziehung hat als Hilfeleistung am Kind zweierlei Aufgaben: Sie soll einmal die Anlagen des Kindes zur höchstmöglichen Entwicklung bringen und ste soll als Hilfeleistung an der Gattung da» Kind bereit machen für da» Ziel, das sich eine bestimmte Gemeinschaft gestellt hat. Infolge der stärkeren oder schwächeren Betonung des gattungsmäßigen Erziehungsideals ('ei es parteipolitisch, national, rassenhast oder religiös betont) erhält dir Erziehung mehr oder weniger gestalteten Inhalt, aber auch mehr oder weniger Zwang. Welche» individuelle Ziel wird in jüdischen Erziehungsheimen verfolgt und mit welchen Mitteln? Welches gattungsmäßige Erziehungsideal wird in jüdischen Erziehungecheimen verfolgt und mit welchen Mitteln wird versucht, dieses zu erreichen? Die Antwort, die zwar keineswegs auf alle jüdischen und auch keineswegs etwa nur auf die jüdischen Anstalten zutrifst, stelst stch im wesentlichen so dar: Seit 1830 gibt es in Deutschland — zuerst in Berlin und Breslau — jüdische Waisenhäuser. Die ersten Anstalten wollten meist die Kinder lediglich vor der äusseren Not schützen. Da» einzelne Kind war nicht Gegenstand besonderer Betreuung. Das gattungsmäßige Erziehungsideal war die Erziehung zun, brauchbaren Staatsbürger (in anderen konfejsionellrn Heimen: Erziehung zum Kleinbürger). Der Geist der Häuser war kein spezifisch Mischer, er war von pielistlsch-puritanischer Färbung (Einfluß Francke,). Mittel zur Erziehung: engherziger Zwang mit gutartigen Zügen. Um 1900 herum verschob sich wesentlich die Erzlehungsmelhodr in den jüdischen Heimen. Das gattungsmäßige Ziel blieb zwar unverändert, jedoch 14

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.