Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
- Journal
- Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
- Volume
- 1 (1929)
- Issue
- 3 (Mai-Juni 1929)
- Date
- 1929-05-01
- Page
- Seite 154 (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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len, liegt weder den Juden Palästinas, noch den im Dienst jüdischer Interessen stehenden Juden der andern Länder. Andere Probleme stehen zu sehr im Vordergrund. Man sollte aber bedenken, daß es sieh um sehr viel mehr als ein Kunstproblem handelt, wie das deutsche Beispiel zeigt. Der Ernst, mit dem in Deutschland die Frage der Musikerziehung zu einer Frage der Volksgesundung gemacht wird, die schon heute sichtbare günstige Wirkung saeh- und zeitgemäßen Musikunterrichts auf die Jugend, machen die Aufgabe einer entsprechenden Erziehung für die jüdische Jugend zu einer Dringlichkcitsfragc. Eingreifende Reformen, wie sie heute nur in kleinsten Ansätzen vorhanden sind, müßten durchgeführt werden in jüdischen Schulen, Kindergärten, in den Religionsschulen und bei der Wanderjugend. Auch auf den Privatmusikunterricht hätten entsprechende Maßnahmen überzugreifen. Ueber die theoretische und praktische Stellungnahme jüdischer Schulen zu diesen Aufgaben zu berichten, wäre verfrüht. Es wird hier noch manche Vorarbeit zu leisten sein. Der Begriff der jüdischen Musik bedarf der Klärung, vielleicht in der vorhin angedeuteten Richtung. Für die Dringlichkeit des Musikerziehungsproblems im Sinne einer weitgefaßten Erziehungsaufgabe wird Verständnis geweckt werden müssen. Ich behalte mir vor, über das Ergebnis einer noch kursierenden Rundfrage an die jüdischen Schulen Deutschlands bei späterer Gelegenheit zu berichten. Auch eine Uebersicht über die Musikerziehung in Palästina soll daran geknüpft werden, über die ich durch eine Spezialistin, Frau Rosa Rosolio, bereits wichtige Mitteilungen empfing. Es scheint, daß die Frage der jüdischen Musik dort unbefangener, rcflektionsloscr behandelt wird als bei uns, was ein großer Vorzug wäre. Es leuchtet ein: wo man hebräisch spricht und singt, braucht man nicht nach der Herkunft dieser oder jener Melodie zu fragen. Der Schulniusikunterricht dort scheint allerdings zur Hauptsache nur im Chorsingen zu bestehen. Die Umgestaltung .des jüdischen Musikerziehungswesens könnte ausschlaggebend werden für die Gesundung jüdischen Gottesdienstes, jüdischen Familienlebens, jüdischer Gemeinschaft. Hier wäre die Lösung eines menschlichen und künstlerischen, vielleicht des jüdischen Problems denkbar, wollte man sich bemühen, bei den geistigen Führern der jüdischen Jugend für diesen Gedanken Verständnis zu erwecken. 154