Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- I (1905)
- Issue
- 2 (19.4.1905)
- Date
- 1905-04-19
- Page
- Seite 15 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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No.J____LITERATURBLATT____ 13 Literaturbericht Die ethischen Strömlingen der Gegenwart uSd das Judentum; Von fjf. Hermann Klein in Mainz. Mainz: J. Wirth 1904; (55 S.) 8. Es scheint, dass den Anlass zu dem vorliegenden Büchlein der siebente Gesellschaitstag der „Deutschen Gesellschaft ihr ethisch: Kultur" (9.—12. Oktober 1904) in München gegeben hat. Dar Autor hat es empiimden, dass dem tätigen Judentume eine Reihe tüchtiger Kräfte durch die Inanspruchnahme seitens der „Ethischen Kultur" entzogen werden. Er hat darum dies Buch geschrieben, das als eiine der schädlichen Folgen der genannten Münchener Tagung anzusehen ist. Das Buch will philosophisch sein. Uns modernen Menschen im naturwissenschaftlichen Zeitalter er¬ Schemen die Tatsachen wichtiger und schwerwiegender als philosophische Spekulationen bei allem Respekt, den wir den grossen Philosophen entgegenbringen, zu denen wir freilich als den grössten im neunzehnten Jahrhundert auch jenen Darwiin rechnen, der seine Philosophie der Tatsachen geschaffen hat. Die vorliegende Schrift will philosophisch sein, vertritt aber nur die allerschwächste Seite, die es jemals In der Philosophie gegeben hat, die man heute Religionsphilosophie nennt und die man für das Mittelalter Scholastik nennt. Und auch in dieser Richtung vermag' das Büchlein keineswegs etwas Bedeuteudes aufzuweisen. Es steht uns modernen Menschen so fern in seinem Denken und fühlen. Unbegreiflich ist uns der scharfe Ton, den der Autor ganz unnötigerweise gegen den Katholizismus anschlägt und grade desahlb. weil uns seine Art des Judentum.« uoen gar zu katnolisch anmutet. Ein Satz möge auch wörtlich hier zitiert werden, weil er der Weisheit letzter Schluss bei dem Autor ist: --'•ine (ilaubenswahrheit, die vor dem Richtstuhl der Wissenschatf nicht besteht, ist keine Wahrheit, denn die wissenschaftlichen Wahrheiten müssen vor das forum des Ollaubens treten und nicht umgekehrt. Die gottgeoffenburten Lehren müssen der Massstab sein für die Lehren der Menschen Miel nicljt menschliche Frkenntnisse für die Lehren der Gottheit." Die Jrenze, was gottgeofienbarte Lehren sind, darüber ist man sich eben im Judentume nicht eihfig' selbst in den Kreisen, die fest an die Offenbarung solcher Lehren glauben. Jedenfalls aber sieht man an dem Büchten, wie stark sich doch gewisse Teile der Judenschaft verschiedener Länder trotz allem assimiliert haben, indem man sogar ein Judentum geschaffen hat. das dem mittelalterlichsten Katholizismus auf ein Härchen gleicht, fordert ,ia der Autor ziemlich unverblümt, dass „das Judentum die oberste Instanz ■:n Sachen der Wissenschaft sein möge", für die Philologie soll dann wahrscheinlich das Siebzigsprachoiisystem des talmudischen Altertums die Orundllage der Wissenschaft werden. Das hat für sich: mancher, der durch moderne Bildung und Wissenschaft in das Hintertreffen geraten ist. wird auf diese Weise wieder dazu kommen, ein üelahrter zu sein. In der ^'"soimie wäre der kleine „Klein", in der Religionswissenschaft der ,r. <Ar-LIT der bewährte Führer. Man könnte auch die Inquisition eüilunren. Der Autor ist uns bis jetzt unbekannt. Sollte er ein Gegner des ■ •loiusmus sein, so haben wir die Bitte au ihn, es doch ja zu bleiben. •»^ Heinrich Sachse. I >as c rste Heft des neuen Quartals von JUNG ISRAEL, illustrierte n a b m o n a t s s c h r il f f ü r die jüdische Jugend, ist soeben ei schienen. Mit diesem Heft weist die Zeitschrift eine neue T.rweite- 1 »i n g auf, indem noch vier Umschlagseiten zugefügt wurden, auf denen eine _neue Rubrik „Au die Kitern und Lehrer", sowie Rätsel, Rätsellösungea. i.netkasten und kleinere Notizen Platz finden, sodass für den Text mehr Raum frei wird. Ausserdem enthält das Heft als Kunstbeilage eine , verkleinerte Reproduktion des ,im Jüdischen Verlage erschienenen Jugend-