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Jüdische Rundschau · 1905-04-19 · 2 (19.4.1905) · p. Seite 10

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
I (1905)
Issue
2 (19.4.1905)
Date
1905-04-19
Page
Seite 10 (sequence 2)
Language
German
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aufe innigste zusammen., dass es wohl ein jüdisches Mäzenatentum im weitesten Sinne des Wortes gibt, dass aber dieses sich nur niehrjüdische Künstler aussucht und schützt, dass jüdische Gelehrte Hungers sterben müssen, und daos die Künstler jüdischen Stammes nur so weit von jüdischer Seite aui Förderung rechnen dürfen, als sie j ii d '(,& che Kunst nicht darstellen. Die Juden machen iiu dieser Richtung eine analoge Entwicklung durch, wie das Deutschtum im achtzehnten Jahrhundert, dessen Nachwirkungen im deutschen Judentum und seinen Dependencen noch heute so schwer nachwirken. Der Zionismus, das wiedererwacheiide Nationalbewusstsein, haben begonnen, diese Entwicklung zurückzustauen. Hier setzt die jüdische Kunst ein, die erste schöne Blüte am neuerwachenden Stamm. Bin Darsteller jüdischer Kunst ist Ephraim Moscheh Lilien, Er hat sich darin umgekehrt entwickelt wie Markus Antokolsky. Der hatte in seiner Jugend tönerne kleine Juden gestaltet. Als er älter und auch ei« grosser Künstler geworden war, da war ihm seSn .ludenvolk zu klein und er suchte sich einen würdigeren1 Gegenstand seiner Darstellung. Kr fand ihn in den barbarischen "'leiden des Volkesi. dessen Seeräuberflotte augenblicklich im fernen Ostasien ein hochaufstrebendes Kulturvolk der Knute gefügig machen soll. Den genau entgegengesetzten Weg ging Lilien. Nachdem er sich in der deutschen Schule zu einem Künstler herausgearbeitet hatte, als er schon anfing, d'ie Aufmerksamkeit auf »ich zu Jenken, da erst erwachte sein Selbsbewusstsei.il' und er wurde der Künstler seines Volkes. Lilieus Eigenart ist sein Judentum, ist sein Zionismus. Das tönt auch aus. jeder Zeile des neuen Buches heraus, das seiner Kunst gewidmet ist.*) E d.g a r A 1 f r e di R e g e u e r, ein Deutscher, dessen niedersächsische Art seinem Leser deutlich klar werden würde, auch wenn er nicht besonders zu verstehen geben würde, dass in seiner Jugend die Wasser der Alten Elbe ganz besonders seiner körperlichen Wohlfahrt gedient haben, steht in seiner Natur und nach seiner Erziehung so unendlich weit ab von dem,, was der galizische Jude Lilien ist. Und doch stellt dieser ihm als ganzer Jude, als ein ganzer Mensch näher als jene aus jüdischem Blut und nichtjüdischer Einbildung geflickten Halbnaturen einer falschen Assimilation. Er hat es verstanden, in Liliens Wesen einzudringen und seine Kunst in ihrer Entwicklung in einem grossen Bauwerk zur Darstellung zu bringen und hat sich damit Gastrccht in der kunstwissenschaftlichen Literatur der Juden erworben. Das will mehr heissen, als das Wort Gastrecht im Deutschen besagt. Denn nach dem Aufhören des jüdischen Staates gilt sein Gastrecht wonach der Fremde ganz desselben Rechtes sich erfreut wie der Einheimische, noch immer auf dem Gebiete der Kunst und Wissenschaft. Die jüdische Literatur hat durch Regeners neues Buch, das von der Lattmannschen Buchhandlung in hervorragender Weise ausgestattet wor- ) F.dg. Alf. Regener: E. M. Lilien. Ein Beitrag zur Geschichte der zeichnenden K ü n 's t e. Goslar. Berlin. Leipzig: E. A. L a 11 m a n n IW5. (227 S.) 4.

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