Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5682 - 1921/22
- Article
- Über dem Sternenzelt
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 269 (sequence 14)
- Language
- German
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Ein gewöhnliches Graö formte er, worinnen der Mensch dereinst gebettet werde; und wie in anderen Gräbern soll fressendes Gewürm sein und wie alle anderen Körper wird auch dieser darinnen zu einem Nichts. — Aber über dieses Grab ließ er einen ewigen Frühling breiten: einen bunten Teppich, auf dem offene Kränze von niemals welkenden, immer duftenden, ewig blühenden Blumen sich wanden, als seien es Arme von ungezählten Menschen, die ihre Gebete darüber sprechen... Einem Tempel des Frühlings glich dieses Grab... Und als Gott so Leben und Tod für die Seele geschaffen hatte, seufzte er, das Leben erschauend, und zürnte ob des Frühlingsgrabes... Da rief der Allmächtige zwei Engel und sprach zum ersten: „Nach sieben Tagen trägst du diese Seele zur Erde hinab." „Und du," wandte sich Gott zum zweiten, „nimmst Leben und Tod dieser Seele und trägt sie ihr nach." Da standen die beiden Engel und blickten erstaunt auf das eben geschaffene Leben und den Tod. Und Gott sprach: „Das ist ein Leben, in sich von Licht durchstrahlt und rings in Dornen gehüllt, von giftigen Zähnen umgeifert und stechenden Blicken