Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5682 - 1921/22
- Article
- Eine jüdische National-Bibliothek von Heinrich Loewe.
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 235 (sequence 7)
- Language
- German
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liches kennt, überall seltene hebräische und judaistische Bücher aufgebracht, so daß wenigstens an diesen kein Mangel in Jerusalem empfunden wird. Verschieden von dem schöpferischen Gedanken des Gründers — denn das ist Chazanowicz unbestritten — ist die heutige Auffassung der Jerusalemer Bibliothek, weil ihr Träger von einem andern Gesichtspunkte ausgeht. Selbstverständlich soll die Bibliothek alles umfassen, was jemals von Juden geschrieben und verfaßt, erdacht und gedichtet worden ist. Es ist kein Zweifel, daß Alles, was für und gegen Juden und Judentum geschrieben und gedruckt ist, den wesentlichsten Teil der Jerusalemer Bücherschätze ausmachen soll und muß. Aber darüber hinaus muß die Bibliothek alles enthalten, was überhaupt menschlicher Geist geschaffen hat. Das Jüdische Volk ist eine Eigenart. Es soll sie bleiben. Aber es war niemals isoliert. Es hat stets andere Völker beeinflußt, und hat auch die Wirkung ihres Geistes auf sich empfunden. Ohne die Geister anderer Völker bleibt der des jüdischen Volkes unverstanden und unverständlich. So wie es im Altcrtume zwischen Ägypten und Babel und andern orientalischen Kulturen stand, von ihnen beeinflußt war und doch sein Selbst unabhängig baute, so war es zu allen Zeiten bei aller geistigen Eigenart und Selbständigkeit doch im vollen Austausche mit allen Völkern, mit denen es in nahe oder entferntere Berührung kam. Deshalb ist die Geschichte des 235