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Jüdischer Almanach · 1921-01-01 · 5682 - 1921/22 · p. Seite 231

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Journal
Jüdischer Almanach
Volume
5682 - 1921/22
Article
Eine jüdische National-Bibliothek von Heinrich Loewe.
Date
1921-01-01
Page
Seite 231 (sequence 3)
Language
German
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hierzu bestimmen können, würde aber die kommenden Geschlechter nicht bei dem neugewählten Berufe festhalten können. Bei andern Völkern hat die höhere Stufe der Bildung vielfach aus dem Bauernstände herausgeführt. Bei den Juden muß der Weg umgekehrt sein. Nur dann wird der Jude am Lande und an der Landwirtschaft festhalten können, wenn er weiß, daß seine Kinder als Bauern doch gebildete Menschen sein und daß sie auch dort „lernen“ werden. Der Jude bedarf der allgemeinen menschlichen und der besonderen jüdischen Bildung zu seinem Leben. Er würde sonst nur vegetieren. Sein lebhafter Geist und sein impulsives Temperament können sich bei der einförmigen landwirtschaftlichen Arbeit nur genügen lassen, wenn sein Geist in Büchern und Wissenschaften Befriedigung findet. Das jüdische Gesetz, das allen solchen Regungen der Volksseele gelauscht hat, widmet die größte Sorgfalt dem Jugendunterricht, weil es dem jüdischen Gemüte und Geiste entspricht, daß der Vater sein Kind „lernen“ läßt. Es ist deshalb selbstverständlich, daß es im jüdischen Volke von uralters her Bibliotheken gab, auch wenn wir keine bestimmte historische Nachricht darüber erhalten haben. Natürlich sahen solche Bibliotheken anders aus, als in heutiger Zeit. Denn es gab keinen Buchdruck, und oft nicht einmal Abschriften des Originals. Der Tempel war die natürlichste Stätte, um Bücher aufzubewahren, und erst recht

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