Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5682 - 1921/22
- Article
- Max Nordau, Dicta clarissima
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 172 (sequence 48)
- Language
- German
- Belongs to
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Er war ein Schriftsteller von großer Begabung, und wenn er sich konzentrieren, sich seiner Kunst ganz hätte widmen können, so wäre er im deutschen Schrifttum hochgelangt. Aber ich weiß nicht, ob er der erste Schriftsteller seiner Epoche geworden wäre. Er war ein ausgezeichneter Redner: ruhig, geistreich, einfach, maß- und immer geschmackvoll. Er beherrschte eine Form von tadelloser Eleganz, sogar bei der Improvisation. Seine Geistesgegenwart ließ ihn nie im Stich. Vollkommen Herr seiner selbst, wurde er schon dadurch Herr der aufgeregtesten Versammlungen und der leidenschaftlichsten Debatten. — Aber er mißtraute sich selbst und zog der Improvisation die schriftliche Vorbereitung seiner Reden vor, die er vorlas, was natürlich ihren unmittelbaren Erfolg etwas verminderte, und sein kluges, gemäßigtes, überzeugendes Wort hatte nur selten den mächtigen Hauch, der sogar den Skeptiker mitreißt und berauscht. Er hatte eine fruchtbare, schöpferische Phantasie, die für alle Schwierigkeiten Lösungen ersinnen und Bilder von großer Schönheit hervorzaubern konnte. Aber bei aller seiner Vorstellungkraft überragte er nicht Georges Eliot, deren „Daniel Deronda“ von manchen vor „Altneuland“ der Vorzug gegeben wird. Er hatte einen scharfen, praktischen Verstand und bewies es durch die Organisation der zionistischen Bewegung, der Kongresse, der jüdischen Kolonialbank und des Nationalfonds. Aber auch in dieser 172