Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5682 - 1921/22
- Article
- Max Nordau, Dicta clarissima
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 171 (sequence 47)
- Language
- German
- Belongs to
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die Liebe, den Rhein und die Wallfahrt zu Unserer lieben Frau von Kevelaar; wir hatten einen Jehuda Halevy, aber seine jüdische Sehnsucht erschöpfte sich ganz in harmonischer Lyrik; einen Disraeli, aber er schuf den britischen Imperialismus; einen Menasse ben Israel, aber sein Ideal beschränkte sich auf die Erlangung der Erlaubnis, daß den Juden England geöffnet werde; einen Simson, den „geborenen Präsidenten“, aber er ließ sich taufen, um in politischen Versammlungen Deutschlands den Vorsitz zu führen; einen Mendelssohn, den Apostel der westlichen Zivilisation, aber er lehrte die Verachtung der jüdischen traditionellen Werte. Und zum ersten Male nach zweitausend Jahren brachte das jüdische Volk einen Mann hervor, der ein ebenso bewundernswerter Europäer als zugleich ein begeisterter Jude war, der die radikalsten Fortschrittsideale hatte und zugleich einen ausgezeichneten geschichtlichen Sinn, der Dichter und Staatsmann für die jüdische Sache war, der Präsident, Redner, Organisator, Träumer, Tatenmensch war. Vorsichtig, wo er konnte, kühn, wo er mußte, bereit zu allen Opfern und sogar zum Martyrium, soweit es sich um ihn selbst handelte, doch nachsichtig, von unerschöpflicher Geduld gegen alle anderen; stolz, edelmütig, würdevoll und dennoch bescheiden, brüderlich den einfachsten und den Geringsten gegenüber. Dieser Mann war Theodor Herzl . .. L’Echo Sionisle: Theodor Herzl, Juli 1904. 171