Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5682 - 1921/22
- Article
- Herzl, I. Kongreßrede, Basel 1897
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 88 (sequence 9)
- Language
- German
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sammlung ruhen? Nach fernen Ländern, ja über das Weltmeer wird in der nächsten Stunde die Nachricht von unseren Beratungen und Beschlüffen eilen. Darum soll Aufklärung und Beruhigung von diesem Kongreß ausgehen, überall soll man erfahren, was der Zionismus, den man für eine Art chiliastischem Schrecken ausgab, in Wirtlichkeit ist: eine gesittete, gesetzliche, menschenfreundliche Bewegung nach dem alten Ziel der Sehnsucht unseres Volkes. Was die einzelnen unter uns schrieben oder sagten, konnte und durfte man achtlos übergehen — nicht mehr das, was der Kongreß hervorbringt. Möge darum der Kongreß, der fortab der Herr seiner Debatten ist, als ein weiser Herr wirtschaften. Und endlich wird der Kongreß für seine eigene Dauer sorgen, damit wir nicht wieder auseinanderlaufen, spurlos und ohne Wirkung. 9n diesem Kongreß schaffen wir dem jüdischen Volk ein Organ, das es bisher nicht hatte, das es aber dringend, )vm Leben dringend braucht. Unsere Sache ist )u groß für den Ehrgei) und die Willkür einzelner Personen. Sie muß ins Unpersönliche hinaufgehoben werden, wenn sie gelingen soll. Und unser Kongreß soll ewig leben, nicht nur bis )ur Erlösung aus der alten Not, sondern nachher erst recht. Heute sind wir hier auf dem gastlichen Boden dieser freien Stadt — wo werden wir übers Zahl sein? Aber wo wir auch seien und wie lange unser Wert bis )ur Vollendung dauere, unser Kongreß sei ernst und hoch, den Unglücklichen )um Wohle, niemandem )u Trutz und allenZuden )ur Ehre und würdig einer Vergangenheit, deren Nuhm wohl schon fern, aber unvergänglich ist. 88