Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5682 - 1921/22
- Article
- Theodor Herzl, Ewig gültige Gedanken aus dem "Judenstaat", 1896
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 74 (sequence 20)
- Language
- German
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Iticfrt die Länderstrecken sind der Staat, sondern die durch eine Souveränität znsammengefaßten Menschen sind es. Das Volk ist die persönliche, das Land die dingliche Grundlage des Staates. Und von diesen beiden Grundlagen ist die persönliche die wichtigere. Gs gibt zum Beispiel eine Souveränität ohne dingliche Grundlage, und sie ist sogar die geachtetste der Erde: es ist die Souveränität des Papstes. In der Wissenschaft vom Staate herrscht die Theorie der Vernunftnotwendigkeit. Diese Theorie reicht aus, um die Entstehung des Staates zu rechtfertigen. Der wunderbare Rechtssinn der Römer hat in der negotiorum gestio ein edles Meisterwerk geschaffen, wenn das Gut eines Behinderten in Gefahr ist, darf jeder hinzutreten und es retten. Das ist der Gestor, der Führer fremder Geschäfte. Lr hat keinen Auftrag, das heißt keinen menschlichen Auftrag. Sein Auftrag ist ihm von einer höheren Notwendigkeit erteilt. Der Gestor verwaltet ein Gut, dessen Miteigentümer er ist. Aus seinem Miteigentum schöpft er wohl die Kenntnis des Notstandes. Der Staat entsteht durch den Daseinskampf eines Volkes. In diesem Kampfe ist es nicht möglich, erst auf umständliche weise einen ordentlichen Auftrag einzuholen. Ia, es würde jede Unternehmung für die Gesamtheit von vorneherein scheitern, wenn man zuvor einen regelrechten Mehrheitsbeschluß erzielen wollte. Die innere Parteiung würde das Volk gegen 74