Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5682 - 1921/22
- Article
- Moses Heß, Rom und Jerusalem, Die letzte Nationalitätenfrage 1862
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 31 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/4086896-10094641-10094649--046-4086934- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
um zur Ruhe und dereinftigen Auferstehung zu gelangen. Alle Freuden- und Trauerseste der ^uden, ihre 'Pietät für ihre Traditionen, welche sich bis zur Apotheose des Hebräischen erftreckt, der ganze jüdische Kultus und sein durchgreifender Ginstuß auf das häusliche Leben der )uden, sie haben ihre Begründung im patrio tismus des jüdischen Volkes. Spinoza faßt noch das Judentum als Nationalität auf und meint (vgl. den Schluß des dritten Kapitels seines theologischen Traktates), die Wiederherstellung des jüdischen Reiches hänge lediglich von dem Mute des jüdischen Volkes ab. Selbst der sonst rationalistische Mendelssohn weiß noch nichts von einem kosmopolitischen Judentum. Aus derjüdischen Familie ist der lebendige Glaube an die Kontinuität des Geistes in der Geschichte organisch hervorgewachsen. Diese Blüte des Judentums, deren Wurzel die jüdische Familienliebe und deren Stamm der jüdische Patriotismus ist, diese herrlichste Blume unseres nationalen Geschichtskultus ist zum Glauben an eine atomistische Vnfterblichkeit der isolierten Seele zusammengeschrumpft und wie welkes Laub verdorrt, als sie von ihrer Wurzel und ihrem Stamme abgefallen war. Nur in der jüdischen Familie hat sie sich noch lebendig erhalten. Schon heute ist der heilsame Ginstuß der jüdischen Familie in Literatur, Kunst und Wissenschaft sichtbar. Wie anders erst dann, wenn wir wieder unsere Volksgeschichte und Nationalliteratur haben werden — wenn die Lehre wieder von Zion auogehen wird und das Mort Gottes von Jerusalem!