Illustrirter jüdischer Familienkalender
- Journal
- Illustrirter jüdischer Familienkalender
- Volume
- 5642 = 1882, 4. Jahrgang
- Date
- 1881-01-01
- Page
- Seite 104 (sequence 113)
- Language
- German
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104 Zum ״Kreuzzug" strömten einst gewaltige Kriegerscharen, Vom Glaubenseiser und von frommer Gluth entflammt, Vor Unrecht und Gewalt die Pilger zu bewahren Am heil'gen Grab des Herrn, der von den Juden stammt. Den Weg durch's deutsche Land bezeichnen Iudenleichen, Vom Blut der Juden trieft das aufgereizte Heer, — (Kein Kriegeszug, ein Menschenschlachten ohne Gleichen, Wehrloser Juden Mord zu Gottes Preis und Ehr'.) — Und solchen Kreuzzug predigt Ihr noch heut' dem Haufen, Durch Judenhaß die Gunst des Pöbels zu erkaufen. Die böse ״Pest" ist dann durchs deutsche Reich gezogen, Verödend und verwüstend unser Vaterland, Da ward das deutsche Volk wie heut' gehetzt, belogen, Der Jude nur als Grund der Seuche ihm genannt. ״Der Jude hat allein das Unheil angestiftet," So schrie der Hetzerschwarm, ״auf, rottet aus die Brut!" ״Der Jude hat den Quell der Brunnen Euch vergiftet, ״Wer brachte Pest und Tod? Der Jude nur, der Iud'!" Nicht paßt die alte Mähr für aufgeklärte Zeiten, Drum sucht Ihr neuen Trug im Volke zu verbreiten. Die Tyrannei gebot, des Juden Kraft zu tödten, Was Folter, Feuer, Schwert und Plünd'rung nicht vollbracht. Die Tyrannei gebot: — die Menschheit muß erröthen, Daß Ihr dies Schmachgesetz jetzt uns zum Vorwurf macht — ״Der Jude darf im Reich kein ehrlich' Handwerk treiben, ״Den Acker nicht bebau'n, noch Wirth und Kaufmann sein, ״Vom Lehr- und Richterstuhle soll er ferne bleiben, ״Schließt ihn, dem wilden Thiere gleich,.iu's Ghetto ein! ״Durch Wucher mag der Iud' Vermögen sich erwerben!" Die Tyrannei gebot's — den Juden zu beerben. Unsäglich war die Schmach, die Israel erduldet, Und übermenschlich war der schweren Leiden Wucht: Heut' lädt, was Blutgier, Wahn und Haß an uns verschuldet, Auf unsre eig'nen Schultern die Verfolgungssucht. ״O hättet Ihr in tausendjähr'gen Sclavenbanden ״Und grausem Druck geseufzt, Ihr Pharisäer, glaubt: