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Jahrbuch für Israeliten · 1863-01-01 · 21 auf das Jahr 5624 -1864 · p. Seite 98

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Journal
Jahrbuch für Israeliten
Volume
21 auf das Jahr 5624 -1864
Date
1863-01-01
Page
Seite 98 (sequence 115)
Language
German
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98 Landes und auch mancher Städte sprachen sich in einer großen Anzahl von lithographirten Petitionen gegen die Gleichstellung aus. Diesem Sturm gegenüber erklärte Minister Lamey, was ihn betreffe, so sei er durch und durch für die vollständige Gleichberechtigung der Israeliten. Nichtsdestoweniger dauerten die judenfeindlichen Agitationen fort, und es kam sogar auf einem Dorfe zur thätlichen Mißhandlung eines jüdischen Krämers. Jndeß die Regierung beharrte bei ihrer entschiedenen liberalen Haltung. Keiner andern Gesinnung war die Kammer, die zweite nämlich, von welcher denn auch das Gesetz über die Gleichstellung einstimmig angenommen wurde. Etwa 2 Monate später (im Juni) erfolgte die Annahme dieses Gesetzes auch in der ersten Kammer mit allen gegen 4 Stimmen. Da die betreffende Vorlage von der Regierung ausgegangen, so ist nunmehr die Emancipation der badischen Israeliten eine vollendete Thatfache. — Zu Redwitz in Bayern starb im März nach langjähriger Amtsthätigkeit der Rabbiner M. Guttmann im Alter von 57 Iahren. — Zu Neustadt in der bayrischen Pfalz hielt im Mai eine große Anzahl von Israeliten eine Versammlung ab, in welcher beschlossen wurde, die Leistung des Eides more judaico jedem Richter gegenüber aufs Entschiedenste zu verweigern, und ebenso bestimmt, daß — wenn Israeliten unter einander einen Proceß haben — fortan Keiner dem Andern einen Eid more jud. zuschieben solle. — Die Gemeinde Bamberg verlor im Juni durch den Tod ihren Rabbiner Samson Rosenfeld, der daselbst 36 Jahre lang sein Amt verwaltet und ein hohes Lebensalter erreicht hatte. (Sein Name war auch in der Literatur bekannt.) — Der Stadt Ma inz ward von einem ihrer israelitischen Bürger, dem Banquier Leopold Goldfchmidt, die Summe von 35,000 Gulden mit der Bestimmung geschenkt, daß die Zinsen zur Verbesserung der Gehalte der städtischen Elementarlehrer verwendet würden. — In der Bürgerschaft (Volksvertretung) zu Bremen wurde die Aufhebung des Gesetzes beantragt, welches den Juden die Niederlassung im Gebiete dieser freien Stadt abspricht. Die Annahme des Antrages erfolgte am 5. November mit 99 gegen 19 Stimmen. — Ein Jurist jüdischen Glaubens, Dr. Kunreuther aus Gellnhausen in Kurhessen, in diesem seinem engern Vater׳ lande vom Staatsdienst ausgeschlossen, erhielt eine Anstellung als Postbeamter im Herzogthum Coburg-Gotha und von der dortigen Regierung die Erlaubniß zur Ausübung der Advocatur, nachdem ihn die herzogl. Anwaltskammer einstimmig unter die Zahl der Rechtsanwälte ausgenommen hatte. — Die Gemeinde Mannheim wählte

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