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Jahrbuch für Israeliten · 1863-01-01 · 21 auf das Jahr 5624 -1864 · p. Seite 96

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Journal
Jahrbuch für Israeliten
Volume
21 auf das Jahr 5624 -1864
Date
1863-01-01
Page
Seite 96 (sequence 113)
Language
German
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a — 96 — Herren wurden nähere Untersuchungen angestellt, welche ergaben, resp. zu der Vermuthung führten, daß jenes Gemäuer von der (unlern) Wasserleitung herrühre, von welcher 3es. XXII, 9—11 die Rede ist. Man fand auch Quadersteine von Marmor und nahm als gewiß an, daß diese einem früher hier gestandenen Königspalaste angehört haben. — In Bagdad befindet sich, nahe der Grabstätte des Propheten Jecheskel, eine Synagoge, welche die Türken öfters schon den Juden zu entreißen versuchten. Als dieser Versuch denn auch im verflossenen Jahre wieder gemacht wurde, und es türkischerscits dabei nicht blos zu heftigen Drohungen, sondern sogar schon zu Thätlichkeiten kam, die städtischen Behörden aber, gegenüber den Klagen der Judenschaft, taub blieben, wandte die letztere sich an den englischenGesandten Mr. Rüssel, welcher durch seine energische Vermittelung es schließlich dahin brachte, daß der aufrührerische Haufe in feine Schranken verwiesen und seinem boshaften Treiben ein Ende gemacht wurde. — Die Sammlung zum Bau von jüdischen Armen- und Pilgerhäusern auf dem Berge Zion ward Seitens des k. preuß. Consuls Herrn Dr. Rosen abermals aufs Dringendste empfohlen und hiermit die Erklärung verbunden, daß die Wahl der Kaufplätze ״zu diesem frommen und edlen Zwecke" namentlich sehr geeignet wäre. Nach neuester Zählung hatte Jerusalem unter ca. 18,000 Einwohnern etwas über 8000 Juden. Unser Bekenntniß ist sonach in dieser Stadt am stärksten vertreten; denn auf den Islam kommen nur 6000, auf das Griechenthum nur 3000 und auf alle übrigen Konfessionen und Sekten zusammen nicht mehr als 1000 Seelen.— Im März des gegenwärtigen Jahres (1863) starb zu Jerusalem Rabbi Joseph Bordocki, welcher 35 Jahre lang Oberrabbiner der Peruschim-Gcmeinde gewesen, stets in hoher Achtung und Verehrung gestanden und besonders durch seine ausgezeichnete Mildthätigkeit einen sehr berühmten Namen sich erworben hatte. — In Smyrna wurde auch vor dem jüngsten Passahfeste wieder das Ge- Lücht verbreitet, daß die Juden einen Christenknaben gelobtet hätten, mm sein Blut mit dem Festbrode zu genießen. Fast einen ganzen Tag wurden nun die Juden vom höhern und niedern Pöbel verfolgt, gehetzt und aufs Gröblichste insultirt. Erst auf die dringende Aufforderung der fremden Konsuln verstand sich der türkische Gouverneur dazu, polizeilich einzuschreiten und mittelst eines Detachements der städtischen Garnison die Aufrührer verhaften zu lassen. Sie sollen, 50 an der Zahl, mit mehrjähriger Galeere bestraft werden.

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