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Jahrbuch für Israeliten · 1863-01-01 · 21 auf das Jahr 5624 -1864 · p. Seite 29

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Journal
Jahrbuch für Israeliten
Volume
21 auf das Jahr 5624 -1864
Date
1863-01-01
Page
Seite 29 (sequence 46)
Language
German
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29. vielleicht Sitte sei, daß der Hausvater und sein Weib inmitten der Tafelgebete die Synagoge besuchen und auch da Gebete verrichten. Auch die anderen Tischgenossen wurden unruhig über das Ausbleiben des Rabbi und seiner Frau; sie begaben sich daher zu den benachbarten Iudenfamilien, um nach ihnen zu forschen, doch keiner wußte etwas von dem Rabbi, der schon auf dem Rheinstrom fuhr und zu Gott Gebete für seine Glaubensgenossen zu Bacharach sendete, damit er sie vor den unverschuldet hereinbrechenden Gefahren bewahren und retten möge. Die zwei Fremdlinge, welche allein zurückgeblieben waren,, ließen sich das Mahl und den Wein gut schmecken; nachdem sie sich gesättigt hatten, griffen sie mit Habgier nach den silbernen Geräthen, die auf der Tafel herrlich glänzten, steckten ein, so viel sie schleppen konnten, legten den Leichnam, in einer Serviette, auf des Rabbi Polsterstuhl und schlichen, so schnell sie konnten, lebhafte Straßen vermeidend, nach ihren Wohnungen, um die geraubten Schätze zu. verbergen und dann den Rabbi des Kindermordes beim hohen Rathe anzuklagen. Die Hausgenossenhatten sich vergebens bemüht, eine Spur des Rabbi aufzufinden und kehrten betrübten Herzens zum Tafelzimmer zurück. Als sie in den Saal traten und das silberne Geräthe, sowie die beiden Fremden nicht mehr vorfanden, auch bei näherem Umsehen im Saale den blutigen Leichnam unter der Serviette gewahrten, ward ihnen klar, daß der Rabbi den Plan seiner aufgenommenen Gäste errathen hatte und wahrscheinlich auch geflohen sei. Nun beriethen sich sämmtliche Hausgenossen und Freunde des Rabbi unter einander, was zu thun sei. Man kam dahin überein, den Leichnam im Garten des Rabbi zu vergraben und von der Sache ein tiefes Stillschweigen zu beobachten. Nachdem von Einigen dies ausgeführt worden, sprachen sie sich Muth ein und beriethen ferner, den Raub der Silbergeräthe sofort dem Magistrat zu melden. Die ganze

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