Soncino-Blätter
- Journal
- Soncino-Blätter
- Volume
- II. Band 1927
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 55 (sequence 59)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3983568-8587097--372-3983935- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
EINE »HANDSCHRIFT SEBASTIAN MÜNSTERS VON RABB. DR. ARTHUR ZACHARIAS SCHWARZ,WIEN i ..i _____- — —- V ' , Uber das Verhältnis des Judentums zur Renaissance und zum Humanismus wird vermutlich nicht so bald eine abschließende Darstellung gegeben werden. Steinschneider1, Ludwig Geiger2 und Josef Perles3 haben die Grundlagen dieses Forschungsgebietes geschaffen, manches Wertvolle wurde seither von andern geleistet4. Aber das Ziel bleibt ein kulturhistorisches Gesamtbild, das dem Ingenium des Zeitalters ebenbürtig ist und auf einer jetzt noch nicht vorhandenen Fülle von Einzeluntersuchungen beruht. Nicht immer wird man von solchen Vorarbeiten eine wesentliche Bereicherung der hier in Betracht kommenden Spezialfächer — also: jüdische Literatur, hebräischevGrammatik, Lexikographie, Bibelexegese usw. — verlangen dürfen. Vollends bei kleineren Beiträgen von der Art des folgenden wird es genügen, einzelne neue Tatsachen beizubringen. Sebastian Münster (1489—1552), aus dessen Frühzeit ich ein Unbekanntes literarisches .Belegstück mitteile, gehört nicht zu den hinreißenden und umstürzlerischen Geistern seiner Tage. Kein Rufer im Streit, sondern als Kosmo- und Kartograph, ferner als Hebraist ein fleißiger, Bücher schreibender und herausgebender Hochschullehrer —, so lebt er in der ausführlichen Darstellung auf, die Viktor Hapr»Vh5 Vnr beinahe 30 Jahrenhat. Eine quellenmäßige Untersuchung seiner sehr wichtigen hebräischen Studien fehlt noch. Die hier beschriebene Handschrift ist Kod. 364 der Studienbibliothek in Olmütz. Ich bin vor längerer Zeit bei meinen Nachforschungen nach hebräischen Handschriften in der ehemaligen österreichisch-ungarischen Monarchie auf diesen Band gestoßen, für den die Titelkopie der Bibliothek den Namen Münsters nicht angibt. Zur Vermeidung von Mißverständnissen sei schon hier bemerkt, daß nicht alles von seiner Hand stammt. In der Beschreibung benutze ich das von mir auch sonst angewendete Schema6. — Den Herren Professor Dr. Ottokar Smital und Dr. Hans Gerstinger, die mich bei der Lesung einzelner lateinischer Stellen unterstützt haben, sowie Herrn Dr. Ernst Müller, von dem die Angaben zu Beginn des ersten Teilstückes (bis fol. ir.; exklusive des Schlusses der Seite) herrühren, spreche ich meinen verbindlichsten Dank aus. 1 Besonders durch seine monographischen Artikel über 4 So von Güdcmann und Kaufmann, neuerdings von die italienische Literatur der Juden; vgl. die Übersicht Cassuto. MGWJ 42, 121 f; dort Jahrgang 43 u. 44 die Fort- 6 Sebastian Münster. Leben, Werk, wissenschaftliche Besetzung, deutung. Abhandlungen der philologisch-historischen 2 Das Studium der hebräischen Sprache in Deutschland, Klasse der K. sächsischen Gesellschaft der Wissen- Breslau 1870. Schäften XVIII. Bd., Nr. JJI, Leipzig 1898. 'Beiträge zur Geschichte der hebräischen und aramä- 8 Vgl. Soncino-Blätter I, 248; auf Blaus Bemerkungen ischen Studien, München 1884." komme1 ich noch zurück.