Soncino-Blätter
- Journal
- Soncino-Blätter
- Volume
- I. Band 1925-1926
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 11 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/3983568-8587096--019-3983586- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Mit ihm hörte die Druckertätigkeit der einst so berühmten Familie auf. Soncino, ein kleiner Ort der Lombardei in der Provinz Cremana, auf der rechten Seite des Flüßchens Oglio, erhielt in der Mitte des 15. Jahrhunderts einen starben Zuzug von Juden,, die aus dem südlichen Deutschland auswanderte;*, besonders aber von. den 1461 aus Savpyen vertriebenen, unter denen sich manche^ Gelehrte befanden. So wisseTTwirTclaß durch Dekret des Francesco Sforza, Herzogs von Mailand, vom 9. TVfni IföA dpm Simon ben Moses aus Speyer der Aufenthalt in Soncino bewilligt wurde. Gerson Soncino nennt in der Vorrede des von ihm 1525—26 in Rimini gedruckten Raschikommentars zum Pentateuch Bellevigne^rabot^oV Reyel seinen Lehrer. Dieser, der in einem verwandtschaftlichen Vers hältnis zü dem berühmten Joseph Kolon stand, welcher seine Jugend Jn_ Chambery zugebracht hatte, wird ihn ^uT^eri^n^m^eT'&e^alinten Talmudschule erhaltenen Codex derTosafotTouques hingewiesen haben, den Gettson Soncino erwarb. Oberitalien war damals ein Sammelpunkt der Vertriebenen, wie der Chronist Jose£4ia*Kohen in seinem Emek ha*Bacha berichtet. Aus Savoyen kam cler hervorragendste Talmudist seines Zeitalters, Joseph Kolon, der nach vielen Leiden sich in der Lom* bardei niederließ. Nicht minder anerkannt und deutschen .UrsprungT sind die Rabbiner,von Padua Jehuda Minz und, Mei'r Katzenelnbogen. Sie verpflanzten manche in ihrer Heimat üblichen Bräuche nach Italien. Deutsche waren die Gehilfen der Soncinaten. Besonders der gelehrte Korrektor Gabriel aus Straßburg. Eine Reihe von Gelehrten aus Straß* bürg, die derselben Familie angehören und die um 1480 in Italien lebten, nennt der Chronist Gedalja ibn Jachja in seinem Schalscljelet hasKabbala, darunter auch unseren Gabriel. Es waren alle Bedingungen vorhanden, eine Kunst auszuüben, wie ^ie die Soncinaten sich erwählt hatten. Ge* lehrte Korrektoren, kundige Setzer «nd schließlich auch wohlhabende Unternehmer. Israel Nathan und sein.Sohn Josua Salomo verwendeten große Summen, um die Produkte ihrer Druckerei auf das beste auszu* statten. Das Papier, das sie in Mittelitalien kauften, war das beste und für ihre Erzeugnisse geeignetste. Sie ließen von Künstlern Lettern schneiden und Holzstöcke für verzierte Initialen anfertigen. Unter den Künstlern, die für die Soncinaten arbeiteten, ist uns mit Namen Francesco da Bologna bekannt, der vorher für die AldussPresse tätig war. Ihm verdanken wir, wie aus der Vorrede des Gerson Soncino zu der seltenen Petrarca* Ausgabe Fano 1503 hervorgeht, die bisher an Eleganz und Klarheit unerreichten Typen. Francesco da Bologna aus der Familie Griff] war es, der die ge* fälligsten griechischen und lateinischen Buchstaben herstellte. Ihn rühmt" Gerson Soncino als den Erfinder der »Kursivschrift«, die er für ihn zuerst 11