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Jüdisches Gemeindeblatt für die Synagogen-Gemeinden in Preussen und Norddeutschland · 1938-08-01 · 8 (1.8.1938) · p. Seite 11

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die Synagogen-Gemeinden in Preussen und Norddeutschland
Volume
16 (1938)
Issue
8 (1.8.1938)
Date
1938-08-01
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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Zionistischer Nationalismus, sagt er, birgt die Gefahr in sich, daß der moderne Jude zu zweckloser Träumerei verführt und sein Inneres mit vagen, ungestalteten Gefühlen erfüllt werde. Wohl werden Vorstellungen von nationaler Größe und Schönheit dadurch erweckt, aber sie führen nur selten zu Taten. Und auf die Tat kommt es heute an. Der Jude braucht einen jüdisch-kulturellen Halt, um den Ausgleich zu schaffen zwischen seiner träumerischen Sehnsucht und der tatfordernden Wirklichkeit. — Besonders hervorzuhehen ist die Schönheit der Sprache, in welche der Verfasser seine Gedanken einzukleiden versteht. Liebermann, Max: Siebzig Briefe. Her* ausgegeben von Franz Landsberger. Berlin? Schocken-VerL/Jüdischer Buchverlag. 1937. 87 S. Ein prächtiges neues Schocken-Bändchen, dessen Wert und Reiz durch die beigefügten gelungenen Wiedergaben köstlicher Liebermann-Zeirhntmgen noch erhöht wird! Dem Direktor des Jüdischen Museums, Professor Landsberger, darf man für die sich klug begrenzende, sorgliche Auswahl dieser Briefe dankbar sein. Das uns längst vertrante Persönlichkeitsbild des Meisters wird dadurch nicht eigentlich erweitert, aber im einzelnen vielfach belebt und bestätigt. Ein klassischer44 Briefschreiber ist Liebermann nicht; er war viel zu sehr geborener Maler, um sich mehr als nur nebenher in nichtbildnerischen Formen zu äußern — obwohl er, wie seine Kunstschriften beweisen, gelegentlich auch eine gute Feder führte und jedenfalls geistiger und „literarischer44 war als viele seiner Kunstgenossen. Aber von der Saftigkeit seines Wesens und Witzes, von seiner tiefen Kunstbesessenheit, von der Echtheit seines sachlich schlichten und gemütvollen Menschentums und der unbeirrbaren Klarheit seines Urteils legen auch diese Briefe beredtes und erquickliches Zeugnis ab. Max Liebermann, der wohl auch an seinem Judentum gelitten, aber bewußt und stolz aus ihm doch auch ein gut Teil seiner besten Kraft geschöpft hatte, vollzieht gegen Ende dieses langen glückhaft ichöpferischen Lebens mit leichter und doch entschiedener Altersgebärde seine Rückwendung zum Judentum und bekundet seine hoffnungsvollen Sympathien insbesondere für die nach Palästina strebende jüdische Jugend. So* ist diese kleine aber feine Bereicherung der au sich schon so reichen Liebermann-Literatur freudig zu begrüßen. Kurt Walter Goldschmidt. Dr. Davis Schoenberger: Betendes Judentum. Joseph Jastrow, Jüdischer Buchverlag, Berlin 1938. Dem gesteigerten Verlangen nach Belehrung über das Judentum durch Vorträge, Gespräche und Arbeitsgemeinschaften entsprach eine stärkere Nachfrage nach dem neueren, jüdischen Buche. Die Sammlung „Jüdisches Wissen44 (Buchverlag Jos. Jastrow) brachte als ersten Band Manfred Swarsenskys wertvolles Werk „Das jüdische Jahr44 heraus; sie erfährt nunmehr ihre Fortsetzung in Band 2 durch das oben genannte Buch des zumal wegen seiner dichterischen Begabung wohlbekannten Aachener Rabbiners. Die religionsgeschichtliche und -psychologische Forschung hat vielfach auf die wertvollen Beiträge hingewiesen, die das Judentum zum Gebetsverkehr des Menschen mit der Gottheit schon vor Jahrtausenden geleistet hat. Seine gebetsschöpferische Kraft ist auch in der Diaspora nicht erlahmt. Da die Juden während des Mittelalters fast ganz # im jüdischen Kreise verharrten, blieb auch ihr Gebet nur Fortsetzung des älteren im Pijjut, Pismon, in der' Selicha. Ein Sprachenproblem kündigte sich erst mit der kurzen Epoche der Emanzipation an; unser Verfasser erklärt sich fast uneingeschränkt auch heute für das hebräische Gebet, versagt aber auch andersgearteten Bestrebungen neuerer Zeit nicht seine Anerkennung. Lebhafter widmet er sich dem Nachweis, daß die meisten Psalmen, Stammgebete und älteren Gebetsdichtungen ihrem Stimifcungsgehalte nach uns noch heute zu reinster Andacht erheben können. Unterstützt von Gememdegesang und Orgelspiel, erweisen sie sich ihm auch in ihrer sprachlichen Form als klassisch, daher überzeitlich. Die Zionserwartung erfaßt Schoenberger nicht in nationaler Bedingtheit, sondern als Hoffnung auf eine gottgeeinte Menschheit. Er weiß um eine solche Erdentrücktheit beim Gehet, daß er von einer mystischen Einung der Seele mit Oott, ja von einer schicksaländernden Kraft des Gebets überzeugt ist. Die ganze Genialität jüdischen Gebetverkehrs weiß er# uns an Abraham, Mose, Jeremia, an Mirjam, Hanna, Judith darzulegen. Er bekennt: „Das Judentum schenkte der Menschheit nicht nur die Sinaioffenbarung seines Sittengesetzes, es gab ihr auch den Schlüsse), der die Himmelspforte stets von neuem öffnet: das Gebet.44 — Schönbergers geist- und gehaltvolle Schrift ist dazu angetan, . dem betenden Judentum neue Scharen* zuzuführen. Rabbiner Dr. S. Samuel. Hllfaverelu der Jaden In Deutschland e. V. Jüdische Auswanderung Ausgabe Sommer 1939 ."Nordamerika Cuba, Philippinen Preis, RM 1.SO (and 0.40 Porto) Ein* unentbehrlich* Informationsquelle! Zn beziehen durch den Hllfsvereln der Jaden la Beetsehlaad e. V. Berlin VH, Lndendorffstr.30 / Postechedclcto. 16 312, sowie durch alle Beratungsstellen des Hilfsvereins und durch sämtliche jfid. Buchvertriebe SokrtHtttchtußvecUout 25. Juli — 6. August Kurfürstendamm. 36 Inh. 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